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08.06.2026 | 05:10

Almonty Industries – Kurzfristiger Schock, langfristige Chance

  • Kritische Metalle
Bildquelle: pixabay.com

Der vergangene Wochenschluss dürfte als schwarzer Freitag in die Annalen der Almonty-Aktionäre eingehen. Zum einen ließ der Gesamtmarkt nach der Rally der vergangenen Wochen deutlich Federn. Der S&P 500 verlor rund 3 %, die Technologiebörse Nasdaq verbuchte sogar den größten Tagesverlust in Punkten aller Zeiten. Parallel zu dieser Abwärtsspirale verkündete der größte Wolframproduzent außerhalb Chinas, Almonty Industries, eine Kapitalmaßnahme, die die Aktie im Freitagshandel über 20 % in die Tiefe riss. Doch schaut man auf die Fakten der Finanzierung, dürfte sich nach ersten Gewittern die Stimmung langfristig aufhellen.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII

Inhaltsverzeichnis:


    Almonty-Aktie mit deutlichen Verlusten

    Mit 16,31 USD ging die Aktie von Almonty Industries aus dem Freitagshandel, was ein Minus von über 21 % bedeutet. Seit Jahresbeginn stehen die Vorzeichen dagegen noch deutlich auf grün, schließlich konnte der Anteilsschein um rund 87 % zulegen. Breite Unterstützungszonen zeigt das Chartbild aktuell im Bereich um 14,15 USD. Der 200er EMA liegt aktuell bei 13,33 USD. Trotz der kurzfristigen Turbulenzen könnte sich der aktuelle Abschwung als langfristige Einstiegschance erweisen, schließlich läuft bei der Mannschaft um CEO Lewis Black alles nach Plan.

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    Wandelanleihe als Party-Crasher

    Der Grund für den Ausverkauf war die Ankündigung einer 700 Mio. USD schweren Wandelschuldverschreibung. Viele Anleger befürchteten zunächst eine künftige Verwässerung ihrer Anteile und reagierten mit Verkäufen. Doch ein genauer Blick auf die Details zeigt, dass Almonty Industries mit diesem Schritt vor allem seine finanzielle Schlagkraft deutlich erhöht und sich für die nächste Wachstumsphase positioniert.

    Die Kapitalmaßnahme stieß bei institutionellen Investoren auf großes Interesse und war sogar überzeichnet. Almonty platziert Wandelanleihen im Volumen von 700 Mio. USD mit einer Laufzeit bis 2031 und einem vergleichsweise niedrigen Kupon von lediglich 2,25 % pro Jahr. Zudem besteht die Möglichkeit, das Volumen, um weitere 100 Mio. USD aufzustocken.
    Der Wandlungspreis liegt bei rund 27,40 USD je Aktie und damit etwa 33 % über dem Schlusskurs von 20,68 USD vom 4. Juni 2026. Eine mögliche Verwässerung würde somit erst auf deutlich höherem Kursniveau eintreten. Gleichzeitig behält sich das Unternehmen vor, Wandlungen auch teilweise oder vollständig in bar zu bedienen.

    Für die Zukunft von Almonty dürfte vor allem die Verwendung der Mittel entscheidend sein. Nach Abzug aller Kosten erwartet das Unternehmen einen Nettoerlös von rund 675,9 Mio. USD. Sollte die zusätzliche Option in Höhe von 100 Mio. USD vollständig ausgeübt werden, könnte sich der Nettoerlös auf rund 772,7 Mio. USD belaufen und stände als Kapital für mögliche Übernahmen zur Verfügung. Damit verschafft sich der Wolframproduzent erhebliche finanzielle Flexibilität in einem Markt, der zunehmend von geopolitischen Spannungen und dem Wunsch westlicher Staaten nach unabhängigen Rohstofflieferketten geprägt wird.

    Zusätzlichen Schutz für bestehende Aktionäre bieten sogenannte Capped-Call-Transaktionen. Almonty investiert rund 83 Mio. USD in diese Struktur, die eine Verwässerung bei einer späteren Wandlung erheblich reduzieren soll. Der Cap-Preis liegt bei 41,36 USD je Aktie und damit exakt 100 % über dem Referenzkurs vom 4. Juni. Damit hat das Management aktiv Maßnahmen ergriffen, um die Interessen der Aktionäre zu schützen.

    Operativ voll im Plan

    Operativ läuft bei Almonty Industries alles nach Plan. Mit der Sangdong-Mine in Südkorea verfügt das Unternehmen über eines der bedeutendsten Wolframprojekte außerhalb Chinas. Ende 2025 begann die kommerzielle Förderung, seit März 2026 läuft die erste Ausbaustufe offiziell.

    Die Dimension des Projekts unterstreicht die strategische Bedeutung. In der ersten Ausbaustufe werden jährlich rund 640.000 Tonnen Erz verarbeitet. Eine metrische Tonneneinheit (MTU) entspricht 10 kg Wolframtrioxid (WO₃). Besonders attraktiv ist der Erzgehalt von 0,51 % Wolframtrioxid, der deutlich über dem weltweiten Durchschnitt liegt. Ein höherer Erzgehalt bedeutet niedrigere Produktionskosten und bessere Margen. Bereits 2027 soll die zweite Ausbauphase folgen, mit der die Kapazität auf 1,2 Mio. t Erz und rund 460.000 MTU verdoppelt wird.

    Indexaufnahme verspricht Potenzial

    Rückenwind erhält Almonty auch von politischer Seite. Ab 2027 schreibt das US-Verteidigungsministerium vor, dass wolframhaltige Komponenten aus nicht-chinesischen Quellen stammen müssen.
    Zusätzliche Aufmerksamkeit könnte in den kommenden Wochen die Aufnahme in die Russell-Indizes bringen. Ab dem 29. Juni 2026 wird Almonty sowohl im Russell 3000 als auch im Russell 1000 vertreten sein.

    Da zahlreiche ETFs und Indexfonds diese Benchmarks abbilden, rechnen Marktbeobachter mit einer zusätzlichen Nachfrage von Aktien in zweistelliger Millionenhöhe.
    Auch Analysten zeigen sich zunehmend optimistisch. Cantor Fitzgerald sieht ein Kursziel von 25,80 USD, während die Bank of America 23 USD nennt. DA Davidson geht von 25 USD aus.

    Fazit

    Strategisch kommt die Finanzierung zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Mit der Sangdong-Mine in Südkorea verfügt Almonty über eines der bedeutendsten Wolframprojekte außerhalb Chinas. Da westliche Industrien und Verteidigungsunternehmen ihre Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten reduzieren wollen, steigt die Bedeutung alternativer Produzenten kontinuierlich. Die frischen Mittel verschaffen Almonty die Möglichkeit, dieses Umfeld offensiv zu nutzen und weitere Wachstumschancen wahrzunehmen.

    Der Kursrückgang nach der Ankündigung erscheint daher vor allem als kurzfristige Reaktion auf das Thema Verwässerung. Langfristig stärkt die Transaktion die Bilanz, senkt Finanzierungsrisiken, schafft erhebliche Liquiditätsreserven und eröffnet zusätzliche strategische Optionen. Für ein Unternehmen, das sich als führender westlicher Wolframlieferant etablieren möchte, könnte die überzeichnete Finanzierung deshalb ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur nächsten Wachstumsstufe sein.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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