02.11.2026 | 05:41
Apple und Ferrari vor der Stunde der Wahrheit – Almonty liefert schon
Für zwei der wertvollsten Marken der Welt schlägt in dieser Woche die Stunde der Wahrheit. Am Montagabend legt Apple Zahlen vor, erstmals unter dem neuen Vorstandschef John Ternus. Einen Tag später folgt Ferrari. Nach den Kursstürzen bei Alphabet und Amazon ist die Nervosität an der Wall Street groß. KGVs von über 30 verzeihen keine Enttäuschungen. Ganz anders ist die Situation bei Almonty Industries. Die Aktie des Wolframproduzenten hat sich seit September mehr als halbiert, obwohl die Nachrichtenlage kaum besser sein könnte: Die erste kommerzielle Lieferung der Sangdong-Mine in Südkorea ist verschifft, auch in Ruanda läuft der Export an. Mit einem KGV von 6,5 kostet die Aktie nur einen Bruchteil von Apple und Ferrari.
Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: Almonty Industries Inc | CA0203987072 , APPLE INC. | US0378331005 , FERRARI N.V. | NL0011585146
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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Apple: Erste Bilanzvorlage für den neuen Chef
Die vergangene Woche war für die „Magnificent Seven“, die sieben großen US-Technologiewerte, eine kalte Dusche. Alphabet verlor nach den Quartalszahlen an einem Tag rund 12 % und damit etwa 500 Mrd. USD an Börsenwert. Amazon rutschte ebenfalls ab. Verfehlte Erwartungen und die gewaltigen Investitionen in Rechenzentren für künstliche Intelligenz – allein bei Amazon 77 Mrd. USD im dritten Quartal – verschreckten die Anleger. In dieser Woche muss nun Apple die Fahne der „Mag-7“ hochhalten. Die Zahlen kommen am heutigen Montag nach US-Börsenschluss.
Vorteil des Konzerns aus Cupertino: Das Geschäftsmodell kommt ohne Milliardenwetten auf eigene Rechenzentren aus. Die Erwartungen sind hoch, aber nicht überzogen. Analysten rechnen für das abgelaufene Quartal mit 113,4 Mrd. USD Umsatz, gut 10 % mehr als im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie soll von 1,85 auf 1,99 USD steigen. In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2025/26 verdiente Apple 6,87 USD je Aktie, in jedem davon mehr als 2,00 USD. Ein Risiko sind die höheren Preise für Speicherchips, die laut Jefferies auf die Marge drücken könnten. Zudem berichteten Medien im Oktober von gekürzten Bestellungen für die Pro-Modelle des iPhone 18.
Das beherrschende Thema dürfte aber der Chefwechsel sein. Seit dem 1. September führt John Ternus den Konzern, Vorgänger Tim Cook wechselte an die Spitze des Verwaltungsrats. Ternus kommt aus der Hardware-Entwicklung. Heute Abend stellt er sich erstmals als Vorstandschef den Analysten, die der Aktie nach dem kürzlich erreichten Allzeithoch nicht mehr viel zutrauen. Die Kursziele der meisten Experten liegen mit 320 bis 340 USD unter dem aktuellen Niveau von 345 USD (an deutschen Handelsplätzen etwa 309 EUR). Ob die Analysten ihre Zielmarken erhöhen, wird vom Ausblick auf das Weihnachtsquartal abhängen. Billig ist die Aktie nicht. Auf Basis der Konsensschätzungen für 2027 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 36.
Ferrari: Teure Träume auf vier Rädern
Einen Tag nach Apple wartet Ferrari mit Zahlen auf. Ein Name verbindet die beiden Kultkonzerne: Jony Ive. Der frühere Chefdesigner von Apple hat den Luce mitgestaltet, das erste Elektroauto aus Maranello. In Europa kostet der Fünfsitzer stattliche 550.000 EUR, in den USA 560.800 USD. Traditionalisten rümpfen die Nase. Die Kunden offenbar nicht: Das Kontingent für 2026 war nach Branchenberichten in weniger als zwei Monaten vergeben. Ein Einzelstück erzielte bei einer Auktion sogar 40 Mio. USD.
Genau diese Preismacht unterscheidet die Marke von der Konkurrenz. Während die übrige Autobranche unter Zöllen und schwacher Nachfrage ächzt, ist das Auftragsbuch der Italiener bis Ende 2027 gefüllt. Im Juli hob Ferrari die Jahresprognose an. Für das dritte Quartal erwarten Analysten rund 1,9 Mrd. EUR Umsatz und einen Gewinn je Aktie von 2,36 EUR. Das wären 7 % bzw. 10 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Am morgigen Dienstag dürfte neben den Finanzergebnissen vor allem die Entwicklung der Bestellungen im Vordergrund stehen.
Die Aktie ist vom Rekordhoch über 480 EUR aus dem Jahr 2025 weit entfernt. Seit dem Tief im Frühjahr stieg sie aber von 266,50 auf 354,80 EUR. Mit einem KGV von 32,4 auf Basis der Schätzungen für 2027 ist sie ähnlich teuer wie Apple. Immerhin: Das durchschnittliche Kursziel von 408 EUR verspricht hier rund 15 % Luft nach oben. Die Deutsche Bank traut der Aktie sogar 460 EUR zu.
Almonty: Mit roter Nase und Clownsschuhen
Mit Zahlen wird der US-Wolframproduzent Almonty Industries diese Woche zwar nicht aufwarten. An Neuigkeiten mangelt es trotzdem nicht, wie aus dem aktuellen Newsletter hervorgeht, mit dem sich CEO Lewis Black alle 14 Tage an die Anleger wendet. Was Almonty mit Apple und Ferrari verbindet: Alle drei Unternehmen verkaufen ein knappes Gut. Bei Apple und Ferrari sind es Design und Exklusivität, bei Almonty ein extrem hitzebeständiges Metall, auf das die westliche Rüstungsindustrie nicht verzichten kann. Ab dem 1. Januar 2027 ist Wolfram aus China, Russland, Nordkorea und dem Iran in US-Rüstungsaufträgen tabu. China kontrolliert rund 80 % der Weltproduktion. Genau in diese Lücke stößt Almonty mit der Sangdong-Mine in Südkorea. Ende Oktober verließ dort der erste Container mit Wolframkonzentrat seit mehr als 30 Jahren das Gelände. Im Vollbetrieb soll die Mine 200 t im Monat liefern, also 6,5 bis 7 t am Tag. Die zweite Ausbaustufe läuft bereits, die Mühlen sind bestellt.
Die wichtigste Botschaft des neuen Newsletters betrifft aber den Wolframmarkt selbst. Jahrzehntelang hat China den Preis diktiert. Das ändert sich gerade. Die Chicagoer Terminbörse CME will 2027 einen Wolfram-Future einführen. Produzenten und Abnehmer können damit Preise im Voraus festschreiben. Zudem plant der Informationsdienst S&P Global Platts eine eigene Notierung für Wolfram, das nicht aus China stammt. Auch operativ geht es bei Almonty voran. In Ruanda will der Bergbaukonzern in Kürze mehr als 100 t Konzentrat im Monat verschiffen und damit größter Wolframexporteur des Landes werden. Als Bonus lagert rund 90 Meter unter Sangdong ein Molybdänvorkommen, dessen Abbau bereits genehmigt ist. Neue Kontrollbohrungen decken sich laut Black mit den historischen Daten. Geplant sind rund 5.000 t im Jahr. Der Abnehmer ist für die gesamte Laufzeit der Mine gebunden, mit Preisuntergrenze, aber ohne Obergrenze. Langfristig sieht Black zudem eine ganz neue Nachfrage: Kernfusionsreaktoren. Jede Anlage brauche 100 bis 200 t Wolfram für die Auskleidung der Brennkammer, die alle zwei bis drei Jahre ersetzt werden müsse.
Trotzdem hat sich der Kurs seit Anfang September mehr als halbiert. Dazu dürfte neben einer Korrektur des Wolframpreises auch eine Studie von Goldman Sachs beigetragen haben. Die Bank bewertete die Aktie nur mit „Neutral“ und einem Kursziel von 13 USD. Ihre Begründung: Der ehrgeizige Hochlauf in Sangdong und dauerhaft hohe Wolframpreise seien im Kurs bereits enthalten. Nach der Talfahrt notiert die Aktie bei 8,71 USD, an deutschen Handelsplätzen bei knapp 8 EUR. Selbst bis zum Goldman-Kursziel hat sie damit rund 50 % Erholungspotenzial. Die meisten Analysten sehen den fairen Wert zwischen 23 und 25 USD, D.A. Davidson sogar bei 33 USD. Das KGV auf Basis der Schätzungen für 2027 liegt bei 6,5.
Einem möglichen weiteren Preisrückgang sieht Black gelassen entgegen. Nach der vorangegangenen Jahrhundertrally war die jüngste Korrektur um 10 % durchaus zu erwarten. Ammoniumparawolframat (APT), das wichtigste Zwischenprodukt, kostet derzeit rund 2.700 USD je metrische Tonneneinheit (MTU), das entspricht 10 kg Wolframtrioxid. Für garantierte 1.000 USD je MTU bis zum Karriereende wäre Black vor drei Jahren sogar „mit roter Nase und Clownsschuhen“ zur Arbeit gekommen, schrieb er kürzlich. Neue Minen im Westen bräuchten wegen langwieriger Genehmigungen viele Jahre. Seine Prognose: Der Preis werde irgendwann sinken, aber nie wieder auf dreistellige Werte. Zumindest bis dahin besitzt Almonty eine gewisse Markt- und Preismacht.
Fazit: Gewissheit hat ihren Preis
Warum zahlen Anleger für Apple und Ferrari so viel, während Almonty auf Schnäppchenniveau notiert? Die Antwort lautet: Gewissheit. Die Geschäftsmodelle der etablierten Markenhersteller haben sich über Jahrzehnte bewährt. Bei Almonty Industries ist es umgekehrt. Hier wird die Aktie mit einem Abschlag für Zweifel gehandelt. Der Hochlauf in Sangdong könnte sich verzögern, der Wolframpreis fallen. Doch der entscheidende Beweis ist erbracht: Die Mine produziert, und zwar zu Kosten, die auch bei Wolframpreisen um 1.000 USD je MTU auskömmlich wären. Ein KGV von 6,5 ist für ein Unternehmen, das als Hoffnungsträger der westlichen Rüstungs- und Raumfahrtindustrie gilt, schlicht nicht angemessen. Bei Apple und Ferrari bezahlen Anleger für Gewissheit einen hohen Preis: Das KGV liegt in beiden Fällen rund fünfmal so hoch. Bei Almonty erhalten sie die Chance, früh einzusteigen, bevor sich die Gewissheit im Kurs niederschlägt.
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