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28.10.2026 | 05:45

Aufspaltung des Wolframmarktes: Wie Almonty, MP Materials und Rheinmetall reagieren

  • Wolfram
  • Lieferketten
  • ESG
  • Rüstung
Bildquelle: LSEG Refinitiv

Der Markt für Wolfram spaltet sich aktuell auf. Während laut dem Shanghai Metals Market chinesisches Ammoniumparawolframat (APT) deutlich an Wert verliert und der westliche Wolframpreis weitgehend stabil bleibt, zwingen regulatorische Beschaffungsvorgaben aus Washington westliche Industrieunternehmen zur Neuausrichtung ihrer Lieferketten. Ab 2027 verbietet das US-Verteidigungsministerium durch eine neue Gesetzeslage den Einsatz von Wolfram aus geopolitisch kritischen Staaten wie China, Russland, Iran und Nordkorea. Diese Gesetzgebung entkoppelt den westlichen Preis vom asiatischen Markt und rückt gesicherte Vorkommen in den Fokus.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: Almonty Industries Inc | CA0203987072 , MP MATERIALS CORP | US5533681012 , RHEINMETALL AG | DE0007030009

Inhaltsverzeichnis:


    MP Materials: Staatliche Garantien für die Liefersicherheit

    Das US-Verteidigungsministerium sichert strategische Rohstoffe zunehmend durch direkte Eingriffe in die Preisbildung ab. Wie das Beispiel des Produzenten Seltener Erden, MP Materials, zeigt, garantiert der Staat einen Mindestpreis von 110 USD je Kilogramm für strategisch wichtiges Neodym-Praseodym. Fällt der Marktpreis unter dieses Niveau, kompensiert Washington die Differenz. Dieses Modell der Preisuntergrenzen könnte als Blaupause für andere kritische Metalle wie Wolfram dienen, bei denen westliche Produktionskosten über den chinesischen Marktpreisen liegen. Das US-Verteidigungsministerium sagte im September zudem 450 Mio. USD für die amerikanische The Elmet Group zu, um die Weiterverarbeitung von Wolfram abzusichern. Diese direkten Eingriffe in den Markt zeigen, wie Regierungen die Lücke zwischen westlichen Kostenstrukturen und asiatischem Angebot schließen wollen. Doch solche Interventionen sind tückisch und können für Regierungen zu einer Kostenfalle werden.

    Rheinmetall: Der Hunger nach Wolfram und steigende Kosten

    Europas führender Rüstungskonzern Rheinmetall ist für seine panzerbrechende Munition zwingend auf Wolfram-Schwermetalllegierungen angewiesen. Der Konzern steigert aktuell seine Produktion und plant bis 2030 die Fertigung von jährlich rund 1,5 Mio. Artilleriegranaten. Diese Kapazitätsausweitung fällt in eine Phase deutlich gestiegener Munitionspreise: Kostete eine standardisierte 155-mm-Artilleriegranate vor 2022 noch rund 2.000 EUR, zahlten europäische Armeen in Spitzenzeiten laut NATO bis zu 8.000 EUR. Da es für Wuchtgeschosse kaum Alternativen gibt – abgereichertes Uran scheidet in den meisten NATO-Staaten aus –, dürften die Rüstungszulieferer auch Preisaufschläge für konfliktfreies Wolfram an die öffentlichen Haushalte weiterreichen.

    Almonty Industries: Kommerzieller Start der Sangdong-Mine

    Vor dem Hintergrund dieser Regulierung positioniert sich Almonty Industries, das seinen Unternehmenssitz vor einigen Monaten nach Dillon im US-Bundesstaat Montana verlagert hat, als zentraler Akteur der westlichen Versorgungssicherheit. Das Bergbauunternehmen meldete Ende September den Übergang der Sangdong-Mine in Südkorea in den kommerziellen Betrieb und bestätigte ihn Mitte Oktober. Nach über 30 Jahren Stillstand stellte die Mine erstmals wieder Wolframkonzentrat zur Verschiffung bereit, parallel treibt Almonty die zweite Ausbaustufe bis 2027 voran. Die Lagerstätte verfügt laut Unternehmensangaben über wahrscheinliche Reserven von 8,6 Mio. t Erz mit einem Gehalt von 0,42 % Wolframoxid. Das geförderte Material fügt sich nahtlos in die kommenden Vorgaben des US-Verteidigungsministeriums ein, die den Abbau und die Verarbeitung in Staaten wie China, Russland, Iran und Nordkorea untersagen. Mit dem Hochlauf der ersten Produktionsphase liefert Almonty genau das Material, dessen Herkunft US-Rüstungszulieferer ab 2027 lückenlos nachweisen müssen. Das Unternehmen profitiert dabei von der durchgängigen Rückverfolgbarkeit seiner Lieferkette – ein Vorteil, sobald Abnehmer den Ursprung ihres Wolframs belegen müssen.

    Trotz des Produktionsstarts in Sangdong hat die Almonty-Aktie deutlich abgegeben – ist das eine Chance?
    Trotz des Produktionsstarts in Sangdong hat die Almonty-Aktie deutlich abgegeben – ist das eine Chance?

    Almonty Industries: Langfristverträge und finanzielle Absicherung

    Die strategische Bedeutung der südkoreanischen Förderung spiegelt sich in weitreichenden Abnahmevereinbarungen wider. Almonty erweiterte im Juli einen bestehenden Vertrag mit Global Tungsten & Powders, einer Tochtergesellschaft der österreichischen Plansee-Gruppe, auf eine Laufzeit von 21 Jahren. Beim Preisniveau vom Juli entspricht der Vertrag rechnerisch Einnahmen von rund 490 Mio. USD pro Jahr, vertraglich gesichert ist ein Mindestvolumen von 210.000 MTU jährlich nach dem Hochlauf. Abnehmer GTP sitzt im US-Bundesstaat Pennsylvania und verarbeitet Wolframkonzentrat zu Pulver. So entsteht eine Lieferkette außerhalb der Länder, die die US-Herkunftsregeln ausschließen. Finanziert wurde der Bau unter anderem durch ein vorrangiges Projektdarlehen der deutschen KfW IPEX-Bank über 75,1 Mio. USD. Ein im August aufgelegtes Aktienrückkaufprogramm von bis zu 300 Mio. USD signalisiert das Vertrauen des Managements in den künftigen Cashflow.

    Die neue Marktrealität: Strategische Prämie für konfliktfreies Wolfram

    Die neuen US-Beschaffungsregeln spalten den globalen Wolframmarkt endgültig in zwei voneinander unabhängige Sphären: Während die Preise für asiatische Zwischenprodukte unter Druck geraten, etabliert sich für konfliktfreies Material eine strategische Prämie. Almonty Industries liefert mit dem Start in Südkorea genau das Rohmaterial, das Rüstungskonzerne wie Rheinmetall dringend benötigen. Wie die Subventionen für MP Materials zeigen, ist der amerikanische Staat bereit, Liefersicherheit zu garantieren. Da der kommerzielle Hochlauf von Minenprojekten stets geologischen sowie operativen Risiken unterliegt und ein erheblicher Kapitalbedarf für kommende Ausbaustufen besteht, bleibt die Aktie von Almonty zwar ein Investment, das stark an die erfolgreiche Skalierung in Südkorea geknüpft ist. Die Voraussetzungen dafür sind beim Unternehmen von Gründer und Wolfram-Kenner Lewis Black aber ungleich besser als anderswo: Almonty betreibt seit Jahren erfolgreich Wolfram-Minen und hat Sangdong bereits in Produktion geführt. Die Konkurrenz muss das erst nachmachen.

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    Der Autor

    Nico Popp

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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