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16.10.2026 | 05:39

Aqarios Quantum Technologies, IBM und D-Wave: Wer gewinnt das Rennen um den Quanten-Einsatz in der Industrie?

  • Quantencomputing
  • Industrielösungen
Bildquelle: Nano Banana KI

Der weltweite Wettlauf um die kommerzielle Nutzbarkeit von Quantenrechnern beschleunigt sich. Staatliche Stellen und Tech-Giganten investieren große Summen in die Technologie. Zudem fragt die Industrie schon heute nach Lösungen auf Basis von Quantencomputing. Dabei zeigt sich eine klare Trennung am Markt: Auf der einen Seite stehen die Erbauer der extrem teuren Rechner, auf der anderen Seite die Entwickler hochspezialisierter Software, die die Hardware für den Fabrikalltag nutzbar machen. Wir beleuchten den Trend und zeigen, welche Unternehmen für Anleger interessant sein könnten.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: Fonterelli SPAC 4 AG | DE000A40UU44 , US4592001014 , D-WAVE QUANTUM INC | US26740W1099

IBM: Milliarden für das Rennen bis 2033

Die US-Forschungsbehörde DARPA gibt den zeitlichen Rahmen vor: Am 7. Oktober hob sie IBM, IonQ, Atom Computing und Diraq in die Schlussphase ihrer Quantum Benchmarking Initiative. Das Programm soll klären, ob bis 2033 ein wirtschaftlich nutzbarer Quantenrechner entstehen kann. IBM setzt dabei den Takt für die weltweite Quantenhardware-Entwicklung. Der Konzern treibt modulare Systeme voran und plant, mit Quantum Starling 2029 den ersten fehlertoleranten Quantenrechner in Betrieb zu nehmen. Dafür will IBM in den kommenden fünf Jahren mehr als 10 Mrd. USD in Quantencomputing investieren. Allerdings verschlingt diese Hardware-Entwicklung enorme Summen. Das Unternehmen muss hochkomplexe kryogene Kühlzellen beherrschen. Seit 2017 hat IBM mit Cloud-Zugängen und dem Verkauf von Systemen Quanten-Verträge über mehr als 1,1 Mrd. USD abgeschlossen.

D-Wave: Quanten-Vorteil in der Chipherstellung

Einen gänzlich anderen Ansatz verfolgt D-Wave. Das Unternehmen setzt auf spezialisiertes Quantum Annealing und zeigt beispielhaft, dass sich industrielle Optimierungsprozesse bereits vor dem Erreichen vollständiger Fehlertoleranz monetarisieren lassen. Erst vor wenigen Tagen verlängerte D-Wave seine mehrjährige Fertigungspartnerschaft mit dem US-Halbleiterhersteller SkyWater, der seit Juli zum Wettbewerber IonQ gehört. SkyWater fertigt die Supraleiter-Prozessoren für D-Wave. In einem separaten Pilotprojekt optimierte D-Wave die Wartungsplanung in SkyWaters Werk und verringerte dort Verzögerungen bei Produktionschargen um bis zu 30 %. Durch die Auftragsfertigung umgeht D-Wave den Bau eigener milliardenschwerer Halbleiterwerke, ist technologisch jedoch auf Optimierungsprobleme spezialisiert.

Aqarios Quantum Technologies: Mit Luna zur hardware-unabhängigen Fabrikplanung

Auf der Softwareseite positioniert sich das Münchner Unternehmen Aqarios Quantum Technologies. Der Softwareentwickler macht Quantencomputing für Kunden einfach. Ende September beauftragte Schaeffler Aqarios Quantum Technologies mit einem Proof of Concept. Er soll zeigen, unter welchen Bedingungen Quantenverfahren bei industriellen Planungsaufgaben bessere Ergebnisse liefern als heutige Algorithmen. Die Plattform Luna greift hardware-agnostisch auf Rechner von IBM, IonQ und D-Wave zu. Das soll Industriekunden einen kostspieligen Lock-in-Effekt ersparen: Luna übersetzt Datensätze in Formate wie QUBO, BQM oder CQM und bündelt über 35 Algorithmen.

Bereits Mitte September brachte Aqarios Quantum Technologies zudem den Constrained Quantum Optimizer in den Qiskit Functions Catalog von IBM. Qiskit ist laut IBM mit mehr als 600.000 registrierten Nutzern das mit Abstand führende Entwicklerwerkzeug für Quantencomputing. Über den Katalog stellen IBM und ausgewählte Partner Anwendungen bereit, die direkt auf IBM-Quantenrechnern laufen. Aqarios adressiert damit ein grundlegendes Problem in der Praxis der Industrie: die Einbindung fester Restriktionen wie gesetzlicher Schichtzeiten oder Maschinengrenzen. Statt mathematischer Hilfskonstruktionen verarbeitet die Software solche Randbedingungen nativ. Umformulierung, Schaltungssynthese und Transpilation laufen automatisiert im Hintergrund auf IBM-Systemen.

Chartbild: Die Aktie von Aqarios im Verlauf der letzten sechs Monate.

Aqarios Quantum Technologies: Börsengang und Ausbau des Partnernetzwerks

Im Juli 2026 vollzog Aqarios Quantum Technologies den Börsengang über eine Transaktion mit der Fonterelli SPAC 4. Dadurch stieg das Grundkapital auf 2,5 Mio. EUR, eingeteilt in 2,5 Mio. Stückaktien. Bereits im Juli kündigte das Unternehmen eine Pflichtwandelanleihe mit einem Wandlungspreis von 6,00 EUR je Aktie an; ein US-Investor hat per Vorvertrag mehr als 200.000 USD zugesagt. Operativ erzielte Aqarios Quantum Technologies in den Geschäftsjahren 2023 bis 2025 Umsätze zwischen 1,16 Mio. EUR und 1,37 Mio. EUR durch Industrieprojekte und Forschungsgelder. Das Nettoergebnis lag in diesen Jahren zwischen einem Gewinn von 193.000 EUR und einem Verlust von 459.000 EUR. Das Partnernetzwerk reicht über Schaeffler hinaus. Mit BASF arbeitet Aqarios seit mehr als zwei Jahren an Quantenmodellen für die Logistik, etwa für Planung, Prognosen und Aufgabenverteilung. Für E.ON entwickelte das Team Algorithmen für Anwendungsfälle der Energiewende, und mit dem Fintech Divizend bringt Aqarios ein Produkt zur Portfoliooptimierung auf den Markt. Weitere Projekte führte das Unternehmen unter anderem mit BMW, MTU Aero Engines, SAP und Siemens durch.

Aqarios Quantum Technologies: Umsätze mit Software noch vor der Hardware-Reife

Aqarios Quantum Technologies ist bisher noch nicht im Fokus von Analysten. Die Bewertung muss sich deshalb in erster Linie an operativen Meilensteinen messen lassen, und hier meldete das Unternehmen zuletzt mit dem IBM-Katalog und dem Schaeffler-Auftrag Fortschritte. Laut McKinsey könnte Quantencomputing bis 2035 weltweit einen wirtschaftlichen Nutzen von bis zu 2,7 Bio. USD für Unternehmen stiften. Der Markt für die Technologie selbst soll dann 60 bis 100 Mrd. USD erreichen. Aqarios Quantum Technologies profitiert unmittelbar von der Nachfrage der Industrie nach sofort einsetzbaren Optimierungswerkzeugen.

Aqarios versteht sich als (Quanten-)Optimierungsunternehmen: Die Plattform Luna kombiniert klassische, KI-gestützte und Quantenalgorithmen. Industriekunden können damit schon heute Optimierungsprojekte umsetzen, nach Unternehmensangaben vielfach auf klassischer Hardware wie GPUs. Mit jedem Fortschritt der Quantenrechner kann Aqarios diese zusätzlich einbinden; der Geschäftserfolg hängt damit nicht allein vom Quantendurchbruch ab. Demgegenüber stehen Risiken: Beispielsweise können Projektbudgets der Industrie bei wirtschaftlichen Abschwüngen auch gekürzt werden. Das Unternehmen hat jedoch den Vorteil, mit seinen vielseitigen Software-Lösungen bereits heute Umsätze zu erzielen. Als einziger lupenreiner deutscher „Quanten-Play" ist die Aktie von Aqarios ein überaus spannendes Papier.

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Der Autor

Nico Popp

Nico Popp

In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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