30.09.2026 | 11:00
Next Big Thing Quantencomputing! Neue Chancen für Anleger bei Aqarios Quantum Technologies, D-Wave und IonQ?
Die Börse liebt die Aussicht auf den nächsten Technologiesprung. Ist nun Quantencomputing an der Reihe? Quantencomputer nutzen die Regeln der Quantenphysik, um bestimmte hochkomplexe Aufgaben effizienter zu lösen als klassische Rechner. Die Technologie könnte industrielle Prozesse in Medizin, Energie, Materialforschung, Logistik und Cybersicherheit dramatisch verändern. Kürzlich betrat mit Aqarios Quantum Technologies die erste reinrassige Quantencomputing-Story das deutsche Börsenparkett. Die Münchner entwickeln Software für komplexe Planungsaufgaben und verbinden klassische Rechenverfahren mit Quantenalgorithmen. Der jüngste Schritt ins IBM-Ökosystem sorgt für Aufmerksamkeit. Zudem arbeitet die Gesellschaft mit zahlreichen deutschen Blue Chips zusammen. IonQ hebt nach einer Übernahme seine Umsatzprognose an, während D-Wave von staatlicher Unterstützung der US-Regierung profitiert. Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich, gemeinsam ist jedoch das Ziel aus Quantenforschung ein skalierbares Geschäft zu machen. Wer schneidet in den kommenden Monaten am besten ab?
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Carsten Mainitz
ISIN:
AQARIOS QUANTUM TECHNOLOGIES AG | DE000A40UU44 , D-WAVE QUANTUM INC | US26740W1099 , IONQ INC | US46222L1089
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Carsten Mainitz
Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.
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Aqarios Quantum Technologies – Pure Play aus Deutschland
Seit ihrem Börsendebüt über eine SPAC-Transaktion im Juli bringt die Gesellschaft als erster reiner Quantencomputing-Wert frischen Wind auf den deutschen Kurszettel. Ihre Wurzeln reichen ins Jahr 2021 zurück, als Aqarios als Ausgründung der Ludwig-Maximilians-Universität München entstand. Das operative Geschäft ist in der hundertprozentigen Tochtergesellschaft Aqarios GmbH gebündelt.
Im Zentrum steht dabei die Plattform Luna, welche klassische, KI-basierte und quantenbasierte Verfahren in einer Oberfläche vereint. Kunden können Optimierungsanwendungen entwickeln, verschiedene Ansätze vergleichen und sie auf unterschiedlicher Hardware ausführen. Dieser Ansatz reduziert die Abhängigkeit von einer einzelnen Architektur. Somit verbindet das Geschäftsmodell Softwarezugang und Kundenprojekte via abgestufter Nutzungspakete.
Jüngst meldete die Gesellschaft einen respektablen Erfolg. Die neue Quantenoptimierungssoftware „Constrained Quantum Optimizer“ ist ab sofort im IBM Qiskit Functions Catalog verfügbar und kann über Qiskit direkt auf IBM-Quantenhardware ausgeführt werden. Damit schafft Aqarios einen wichtigen Zugang zur Infrastruktur eines der führenden Quantencomputing-Anbieter. Qiskit gilt als eines der weltweit meistgenutzten Open-Source-Frameworks für die Programmierung von Quantencomputern. Das senkt die technische Einstiegshürde und eröffnet Aqarios einen zusätzlichen Zugang zu Entwicklern und Unternehmen im IBM-Umfeld. Aqarios ist seit 2024 Teil des IBM Quantum Network und vertieft nun die Zusammenarbeit mit dem Technologiekonzern.
Anknüpfungspunkte zur Industrie sind zudem zahlreich vorhanden. Aqarios kann Projekte mit BASF, E.ON und MTU Aero Engines vorweisen. Im Forschungsverbund QuCUN arbeitet das Unternehmen mit SAP, BASF und der LMU München zusammen. Hier steht insgesamt ein Fördervolumen von 14,2 Mio. EUR zur Verfügung.
Der strategische Ansatz der Münchner ist vielversprechend, die Liste der Blue Chip-Namen beeindruckend. Jedoch befindet sich die Gesellschaft in einer noch frühen Unternehmensphase. Der Rohertrag in den Geschäftsjahren 2023 bis 2025 bewegte sich bei gut 1 Mio. EUR jährlich. Da diese Kennzahl Kundenerlöse und Fördermittel umfasst, sind diese und die schlussendlichen Periodenergebnisse nicht wirklich aussagekräftig. Bei einem aktuellen Kurs von rund 17 EUR sind die Deutschen mit rund 43 Mio. EUR bewertet. Verglichen mit den Wettbewerbern ist das nicht viel.
Am 7. Oktober präsentiert CEO Michael Lachner das Unternehmen im Rahmen des virtuellen International Investment Forum. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung unter www.ii-forum.com.

IonQ: Akquisitionen beschleunigen Wachstum
IonQ ist technologisch breit aufgestellt. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf Quantencomputern auf Basis sogenannter gefangener Ionen. Dabei werden einzelne geladene Atome mithilfe von Lasern kontrolliert und als Qubits genutzt. Der Ansatz gilt als besonders präzise und soll die Grundlage für leistungsfähige Quantencomputer bilden. IonQ entwickelt universelle Quantencomputer, die im Gegensatz zu spezialisierten Systemen für eine Vielzahl unterschiedlicher Berechnungen eingesetzt werden können.
Das US-Technologieunternehmen bietet Zugang zu seinen Quantencomputern über Cloud-Plattformen und entwickelt die dazugehörige Software, Entwicklungswerkzeuge und Anwendungen. Über Partnerschaften mit Technologie- und Cloud-Anbietern integriert IonQ seine Systeme in bestehende IT-Infrastrukturen und macht sie für Kunden leichter zugänglich. Zugleich erschließt das Unternehmen angrenzende Wachstumsfelder wie Quantennetzwerke, Quantensensorik und Quantensicherheit. Zu den Kunden zählen vor allem Unternehmen, Forschungseinrichtungen und staatliche Stellen.
Im zweiten Quartal legten die Erlöse um beachtliche 287 % auf 80,1 Mio. USD zu. Charakteristisch für Wachstumsunternehmen gilt auch hier die Maxime: Wachstum vor Profitabilität. In der Periode wurde ein bereinigter operativer Verlust (EBITDA) in Höhe von 120,3 Mio. USD markiert. Zuletzt erhöhte die Gesellschaft ihre Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr auf eine Zielspanne von 450 bis 460 Mio. USD.
Darin ist nun der per Ende Juli akquirierte Halbleiterfertiger SkyWater enthalten. Strategisch baut IonQ seine Fertigungskompetenz damit aus und übernimmt zunehmend auch die Einbindung seiner Quantencomputer in bestehende IT- und Cloud-Systeme seiner Kunden. Bei einem aktuellen Kurs von 45 USD ist die Gesellschaft mit 17,7 Mrd. USD, dem 39-fachen des prognostizierten 2026er Umsatzes, bewertet. Analysten formulieren durchschnittlich ein Kursziel von 67 USD, ein Upside von 50 %.
D-Wave: Politischer Rückenwind aus den USA
Der kanadische Quantencomputing-Spezialist D-Wave fokussiert sich mit seinem Quantum-Annealing-Ansatz auf komplexe Optimierungsprobleme. Die Technologie dient als Spezialwerkzeug, um aus einer Vielzahl möglicher Lösungen besonders effiziente Varianten zu ermitteln. Neben den spezialisierten Annealing-Systemen entwickelt D-Wave inzwischen auch universell programmierbare Quantencomputer.
Kürzlich meldete D-Wave die Unterzeichnung einer Absichtserklärung (LOI) im Rahmen des U.S. CHIPS and Science Act über den Zugang von bis zu 100 Mio. USD an Fördergeldern. Im Gegenzug soll die US-Regierung eine nicht kontrollierende Minderheitsbeteiligung an der Gesellschaft erhalten. Angesichts der noch kleinen Umsatzbasis sind das gewaltige Beträge.
In Q2 erzielte D-Wave Erlöse von 3,1 Mio. USD bei einem operativen Verlust (EBITDA) von 37,1 Mio. USD. Die Auftragseingänge von 35,5 Mio. USD spiegeln dennoch eine positive Dynamik wider. Aktuell notieren die Anteilsscheine bei 17 USD, womit die Gesellschaft eine Marktkapitalisierung von gut 6 Mrd. USD aufweist. Analysten trauen dem Titel im Durchschnitt Verdopplungspotenzial in den kommenden 12 Monaten zu.
Fazit
Quantencomputing eröffnet großes disruptives Potenzial. Der Wettlauf hat erst begonnen. Aqarios verfolgt einen interessanten Ansatz. Die Aufnahme in das Ökosystem des Platzhirschs IBM schafft Sichtbarkeit und zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten. Der kanadische Spezialist D-Wave erhält Rückenwind von der US-Regierung. IonQ wächst durch Übernahmen. Es bleibt spannend.
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