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15.04.2024 | 04:45

Bedrohung für Europa, Rüstung bleibt gefragt! Rheinmetall, Almonty Industries, Renk und Hensoldt

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Bildquelle: pixabay.com

Europa rüstet auf, denn seit dem 24. Februar 2022 ist Frieden erst mal Geschichte. Ganze 77 Jahre lebte Europa in Harmonie, die kriegerische Auflösung Jugoslawiens als Regionalkonflikt ausgenommen. Die Welt heute ähnelt wieder der Situation in den Siebzigern und Achtzigern, denn der eiserne Vorhang wird sich erneut als politische Grenze etablieren. Die alte Weltordnung, die seit Ende des Kalten Kriegs, geherrscht hat, wurde durch Russlands Einmarsch in die Ukraine zerbrochen. Dadurch hat auch die NATO wieder eine neue Rolle bekommen, sie ist nach jahrelanger Abrüstung jetzt ein gefragter Abwehrbund geworden. Der Beitritt von Finnland und Schweden stärkt das Bündnis nun in Richtung Osten. Was nun im Raum steht ist: Schnelle Aufrüstung! Wo kann der Investor noch teilhaben?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: RHEINMETALL AG | DE0007030009 , HENSOLDT AG INH O.N. | DE000HAG0005 , RENK AG O.N. | DE000RENK730 , ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203981034

Inhaltsverzeichnis:


    Rheinmetall – Hohe Volatilität, aber immer wieder gefragt

    Was für ein Absturz in der letzten Woche. Konnte Rheinmetall getragen von der üblichen Stärke noch zu Wochenanfang ein neues Allzeithoch erreichen, so folgte sogleich eine größere Korrektur auf den Fuß. Am 9. April haussierte der Kurs vorübergehend auf 570,60 EUR, doch schon 2 Stunden später befand sich die Notiz bei 493 EUR. 14 % Absturz in einer Flash-Crash-Bewegung, über 1,9 Mio. Aktien wechselten den Besitzer. Üblicherweise handelt der Wert auf Xetra nur rund 300.000 bis 500.000 Aktien, an diesem Tag waren 5 % des Kapitals am Markt verfügbar. Zufall oder Alarmzeichen?

    Der Analyst Victor Allard von Goldman Sachs erhöhte sein Kursziel in der letzten Woche zwar recht dramatisch von 381 auf 606 EUR, er verweist allerdings mit seinem unveränderten „Kauf“-Votum auf die historisch hohe Bewertung der Aktie. Mit einem aktuellen KGV von 25 und Blick auf die nächsten Monate ist der Experte eher skeptisch und sieht auch wachsendes Abwärts-Potenzial. Die Kollegen auf der Plattform Refinitiv Eikon sind der aktuellen Entwicklung noch hinterher. Denn 13 von 16 empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf mit einem durchschnittlichen 12-Monats-Kursziel von 548 EUR. Dies entspricht exakt der Notiz vom vergangenen Freitag. Zwar bleibt das Umfeld für die Aktie u. E. historisch gut, die aktuelle Bewertung greift aber dem erwarteten Geschäft der nächsten 2 Jahre voraus. Charttechnisch darf der Wert nun nicht mehr signifikant unter 500 EUR fallen, sonst droht ein sehr schneller Abverkauf in die Zone von ca. 380 bis 400 EUR. Trader stehen Gewehr bei Fuß!

    Almonty Industries – Die Mineneröffnung läuft auf Hochtouren

    Die Herstellung von Verteidigungstechnik beinhaltet einen ganzen Korb an wichtigen Rohstoffen. Nicht alle sind sofort und im notwendigen Umfang beschaffbar. Gerade beim hitzebeständigen Härtungsmetall Wolfram besteht eine gefährliche Abhängigkeit zu China, denn hier werden 70 % des Weltmarkts produziert. Angesichts der politischen Eiszeit zwischen den USA und dem neu geformten asiatischen „Ostblock“ ist eine Versorgung mit diesem wichtigen Metall unsicherer denn je.

    Das kanadische Unternehmen Almonty Industries besitzt vier Liegenschaften des seltenen Metalls und fokussiert sich auf eine Erhöhung der Weltproduktion. Westliche Staaten hegen große Hoffnung in der schnellen Verfügbarkeit von zusätzlichem Wolfram, um die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Ziemlich erfolgsversprechend dürfte sich daher die Revitalisierung der Sangdong-Mine in Südkorea gestalten, der größten Liegenschaft des Metalls außerhalb von China. Bezeichnend für die aktuelle Anspannung ist auch der hochrangige Besuch des US-Handelsministeriums in der spanischen Panasqueira-Mine Anfang 2024. Man merkt, die Lage bei kritischen Metallen ist mehr als ernst. Der Produktionsstart in Sangdong ist für Ende 2024 geplant, mit den üblichen Verzögerungen kann es aber auch 2025 werden. Hauptsache die Mine geht perspektivisch an den Start.

    Die Almonty-Aktie ist im laufenden Jahr sehr gefragt und konnte in der Spitze schon 50 % zulegen. Aktuell bewegt sich das Papier zwischen 0,60 und 0,62 CAD. Ende März konnten mit mehreren Finanzierungsschritten rund 2,5 Mio. CAD eingeworben werden, wobei das Management sich mit rund 35 % beteiligt hat. Als wichtiger Wolfram-Lieferant ist die Marktkapitalisierung von 97 Mio. EUR weit vom strategischen Wert entfernt. Die Story sollte sich im aktuellen geopolitischen Umfeld daher sehr gut entwickeln können.

    Am 17. April 2024 um 17:30 Uhr CET tritt CEO Lewis Black vor die Kamera des International Investment Forums und berichtet über die neuesten Entwicklungen. Hier geht´s zur Anmeldung.

    Hensoldt und Renk Group – Das sieht nach einer Gipfelbildung aus

    Als Rüstungswerte der zweiten Reihe machen Hensoldt und die Renk Group auf sich aufmerksam. Beide Werte haben Großinvestoren an Bord und erhalten regelmäßigen Zulauf von kleineren Anlegern, die noch auf den fahrenden Zug der Verteidigungswerte aufspringen wollen.

    Mit der Übernahme der ESG hat sich der Sensor-Spezialist Hensoldt in eine neue Liga befördert. Als Systemintegrator bieten die Münchener plattformunabhängige, vernetzte Komplettlösungen an. Zugleich treibt das Unternehmen als Technologieführer die Entwicklung der Verteidigungselektronik und Optronik voran und baut sein Portfolio auf der Grundlage innovativer Ansätze für Datenfusion, Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit kontinuierlich aus. In 2023 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,85 Mrd. EUR. Die ESG-Übernahme erweitert das Produkt- und Lösungsgeschäft von Hensoldt um starke Design- und Systemintegrationsfähigkeiten. Analysten auf der Plattform Refinitiv Eikon erwarten in 2024 einen Umsatz von 2,20 Mrd. EUR, in 2025 sollen es 2,55 Mrd. EUR sein. Mit einer Marktkapitalisierung von 4,5 Mrd. EUR ist das Potenzial aktuell weitgehend erschöpft. Eine aktive Kaufempfehlung mit Kursziel 36,20 EUR ist bereits um 10 % im Kurs übertroffen. Die ständigen Käufe der Rüstungs-Investoren stabilisieren den Kurs zwar noch, die Phantasie ist aber u. E. stark begrenzt.

    Ähnliche Situation beim Börsen-Rückkehrer Renk Group aus Augsburg. Der Experte für Spezialgetriebe verfügt über Großinvestoren wie Triton, KNDS und die US-Fondsgesellschaft Wellington Management. Rund 26 % der Aktien sind im Freefloat und bislang nur ein Analyst von insgesamt 5 Experten kann sich zu einer Kaufempfehlung durchringen. Immerhin konnte der Umsatz in 2023 um 9 % auf 926 Mio. EUR gesteigert werden, in 2024/2025 sollen es laut Konsens-Schätzungen 1,05 bzw. 1,17 Mrd. EUR werden. Das ist recht wenig Wachstum für dieses einmalige Umfeld dramatischer Aufrüstung. Mit einer Marktkapitalisierung von 3 Mrd. EUR ist die Aktie u. E. gut bezahlt. Das Hoch in 2024 dürfte mit knapp 38 EUR schon gesehen worden sein.

    Rheinmetall zeigt sich hochvolatil, die Rüstungswerte der zweiten Reihe Hensoldt und Renk konsolidieren auf hohem Niveau. Almonty Industries liegt nach 6 Monaten gut 19 % im Plus und verfügt über viel Phantasie im Hinblick auf den Minenstart in Südkorea. Quelle: Refinitiv Eikon vom 12.04.2024

    Rüstung erlebt eine dramatische Renaissance. Wichtig bleibt die Verfügbarkeit von strategischen Metallen, denn geopolitische Unsicherheiten belasten die Lieferketten. Diese Situation kann sich im laufenden Jahr durchaus noch verschärfen. Almonty Industries kommt eine wichtige Rolle zu, denn man schafft Kapazitäten in sicheren Jurisdiktionen.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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