16.06.2026 | 04:41
Elektroauto-Verkäufe boomen: Mit den Aktien von Albemarle, Rock Tech Lithium und BYD!
Der Markt für Elektroautos boomt und dürfte durch den Krieg am Persischen Golf einen Schub erhalten haben. Dabei zeigt sich allerdings global ein gemischtes Bild. Das große Wachstum findet im größten Automarkt der Welt statt: China. Dort hat die Elektrifizierungsquote inzwischen die 50 %-Schwelle überschritten. Mehr als jedes zweite neu zugelassene Auto hat in der Volksrepublik einen Stecker. Für dieses Jahr wird ein Wachstum der EVs von 10 bis 15 % prognostiziert. Auch Deutschland als drittgrößter Markt der Welt befindet sich nach dem schwachen Jahr 2024 wieder in einem dynamischen Modus. So lagen die Verkaufszahlen 2025 bei mehr als einer halben Million Elektroautos. Zählt man Plug-in-Hybride dazu, sind es über 800.000 Einheiten. Das entspricht einem Plus von über 40 %. Einzig die USA als zweitgrößter Automarkt der Welt zeigen eine schwache Entwicklung, was vor allem mit dem politischen Gegenwind aus Washington zu tun hat. Der Anteil von neu verkauften Elektroautos am Gesamtmarkt wird dort auf lediglich 7 % bis 8 % geschätzt. Weltweit bleiben die Fahrzeuge mit Batterie aber in der Erfolgsspur, ihr Anteil beträgt etwa 25 %. Zudem wurde 2025 ein Absatzrekord mit mehr als 20 Mio. Elektrofahrzeugen erreicht (+20 %). Die Dynamik ist Grund genug, um wieder auf attraktive Titel im Sektor zu schauen. Wir nehmen deshalb heute die Aktien von Albemarle, Rock Tech Lithium und BYD unter die Lupe.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Tarik Dede
ISIN:
ALBEMARLE CORP. DL-_01 | US0126531013 , BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296 , ROCK TECH LITHIUM | CA77273P2017
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Tarik Dede
Schon als Primaner in Norddeutschland entwickelte sich seine Begeisterung für den Neuen Markt. Small- und Midcaps standen dabei von Beginn an im Mittelpunkt. Der gelernte Bankkaufmann vertiefte sein Wirtschaftswissen später im Volkswirtschaftsstudium und in verschiedenen Stationen der Frankfurter Finanzbranche. Heute ist er seit über 25 Jahren privat wie beruflich an der Börse aktiv.
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Albemarle: Das Schwergewicht wächst wieder
Bis 2022 gab es einen schier unglaublichen Boom bei Lithiumherstellern. Mit dem Platzen der Blase sind so manche Unternehmen aus dem Markt verschwunden. Dennoch: Aktuell scheint wieder viel Dynamik da zu sein und so lohnt sich der Blick auf Albemarle. Das US-Unternehmen ist mit einem globalen Marktanteil von rund 16 % der Champion in der Branche – bezogen auf das weltweite Angebot an Lithiumkarbonat-Äquivalent (LCE). Die US-Amerikaner mit Sitz in Charlotte profitieren direkt von einer anziehenden Nachfrage und bieten mehr als nur den Rohstoff. Bei Albemarle handelt es sich um einen Spezialchemiekonzern, der vom Lithium-Abbau bis zur Herstellung des batteriefähigen Materials die gesamte Lieferkette abdeckt.
Das Unternehmen musste nach dem Platzen des Booms kleinere Brötchen backen. Die sinkenden Preise verdarben die Gewinnmargen, das generelle Marktwachstum blieb aber erhalten. Schon im vergangenen Jahr zogen dann auch wieder die Preise für Lithium an. Die Börse hat dies wie üblich früh antizipiert und so legten die Papiere des Konzerns etwa seit dem Q2 2025 zu. Im Top konnte sich die Aktie vervierfachen. Aktuell konsolidiert der Titel rund ein Viertel unter dem Jahreshoch.
Die steigende Nachfrage machte sich bei den Zahlen bemerkbar. So zeigte Albemarle Anfang Mai einen überzeugenden Quartalsbericht für die Zeit zwischen Januar und März. Demnach konnten die Einnahmen um ein Drittel auf 1,43 Mrd. USD gesteigert werden. Der Haupttreiber war der Bereich Energiespeicher (Lithium), dessen Umsätze um 70 % kletterten. Dazu kamen auch wieder höhere Verkaufszahlen, was für die Nachhaltigkeit des Aufschwungs spricht. Der Konzern ist vielleicht der größte Qualitätswert im Lithium-Sektor und hat mit dem Ausbau der KI-Rechenzentren in den USA ein weiteres Ass im Ärmel. Wer hier einsteigt, setzt auf eine wachsende Nachfrage und höhere Preise. Wer antizyklisch kaufen will, tut dies zwischen 158 und 161 USD. Prozykliker warten auf das Überwinden der 50-Tage-Linie bei etwa 175 USD.
Rock Tech Lithium: Xetra-Listing und Nasdaq als Kurstreiber?
Während des Lithium-Booms in den Jahren vor 2022 war Rock Tech Lithium eine der beliebtesten Aktien von deutschen Anlegern. Zeitweise konnte sich der Titel verzehnfachen. Nach dem Boom kam der Katzenjammer und die Lithium-Aktien verloren an Beliebtheit. Inzwischen fängt der Markt wieder an, sich zu regulieren. Die Zeit der großen Lagerbestände ist vorbei, die Nachfrage zieht an. Dabei hilft auch das stetige Wachstum der Elektroautoflotte. Nicht zuletzt fördert der Krieg am Persischen Golf die Nachfrage. Immer weniger Autofahrer haben Lust, ihre Treibstoffkosten von unkalkulierbaren Regimen in Russland, Nahost oder den USA abhängig zu machen.
Doch Europa ist vor allem beim Lithium für die Batterien von Importen aus China abhängig. Eine eigene Lieferkette für die heimische Industrie gibt es nicht. Rock Tech Lithium springt genau hier in die Lücke. Zum einen hat das Unternehmen mit Georgia Lake im Norden Ontarios (Kanada) ein eigenes Lithium-Projekt. Es handelt sich dabei um ein Hartgesteins-Lithiumvorkommen (sog. Spodumen). Noch vor Ort soll das Erz mittels einer eigener Aufbereitungsanlage konzentriert werden.
Das Material soll von dort zu dem geplanten Red Rock Converter gebracht werden, wo es chemisch aufbereitet wird. Von hier aus kann sowohl der kanadische als auch der US-Markt bedient werden. Das hat einen großen Vorteil: Das dort produzierte Lithiumhydroxid erfüllt damit zu 100 % die strengen Kriterien sowohl des US-amerikanischen Inflation Reduction Act (IRA) als auch die Vorgaben der Freihandelsabkommen. Das steigert die Attraktivität des Lieferanten Rock Tech gegenüber der US-Autoindustrie.
Nicht zuletzt möchte Rock Tech Lithium auch einen Konverter in Deutschland bauen, und zwar im brandenburgischen Guben. Ursprünglich sollte das Material aus Kanada hier für die deutsche und europäische Autoindustrie verarbeitet werden. Von der Kapazität her sollte Material für die Batterien von 500.000 Elektroautos pro Jahr möglich sein. Das Management von Rock Tech agiert nun aber sehr flexibel und schloss ein Joint Venture mit dem Schweizer Handelshaus Transamine. Nun kann das Unternehmen sowohl weltweit Spodumenkonzentrat für die Anlage in Guben kaufen als auch überschüssige Mengen aus der eigenen Mine in Kanada handeln.
Für Europa ist der Konverter in Guben enorm wichtig. Die geplante Raffinerie wurde von der Europäischen Union deshalb auch offiziell als „strategisches Projekt“ im Rahmen des Critical Raw Materials Act anerkannt, da man die Abhängigkeit von chinesischen Raffinerien drastisch reduzieren will.
Die Aktie von Rock Tech Lithium wird seit vergangener Woche erstmals auf Xetra in Frankfurt gehandelt. Damit soll mehr Liquidität in das Papier kommen, zudem will man sich stärker institutionellen Investoren öffnen. Nicht zuletzt hat das Management die Planungen für ein Listing an der Nasdaq eingeleitet. Dies sollte den Kurs in den kommenden Wochen und Monaten stützen.
BYD: Auch der Gigant muss kämpfen!
Einst war es Tesla, nun ist BYD (Build Your Dreams) der größte Elektroautohersteller der Welt. Chinas Gigant hat die Musk-Firma vor allem dank der Stärke im Heimatmarkt überholt. Doch aktuell zeigt sich, dass selbst für den Weltmarktführer die Bäume nicht in den Himmel wachsen. So muss inzwischen auch BYD um jeden Kunden kämpfen. Denn nach dem Rekordjahr 2025 mit 4,6 Mio. verkauften Fahrzeugen macht sich nun der unerbittliche Preiskampf in der Heimat bemerkbar. Noch immer gibt es in China dutzende Anbieter, wie einst vor hundert Jahren auch in Europa.
BYD hat hier selbst mitgemacht, um Konkurrenten aus dem Geschäft zu drängen. Die niedrigeren Preise konnten aber nicht komplett durch höhere Verkaufszahlen ausgeglichen werden. So sank die konzernweite Produktion per Mai auf rund 1,41 Mio. Einheiten – 20 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Dennoch zahlt sich nun auch aus, dass man früh ins Ausland expandiert ist. In Australien lag das Plus bei den Neuzulassungen beispielsweise bis Ende Mai bei satten 120 %.
Die Zahlen zum ersten Quartal aber zeigten, dass sich niedrigere Absätze in den Einnahmen bemerkbar machen. So sank der Umsatz um knapp 12 % auf umgerechnet 21 Mrd. USD. Unterm Strich blieben sogar 55,4 % weniger als im Vorjahresquartal übrig.
Das Management um Gründer und Chairman Wang Chuanfu stört sich kaum daran. Mittel- und langfristig setzt man auf das Ausscheiden von Wettbewerbern in China. Daher will man in fünf Jahren der größte Autohersteller der Welt werden – inklusive der Verbrenner-Konkurrenz. Um Strafzölle zu umgehen, setzt BYD auf den Aufbau lokaler Fabriken wie in Ungarn, Brasilien und Südostasien. Ein großer Vorteil bleibt zudem die vertikale Integration. Mit der Vorstellung der zweiten Generation der sehr sicheren Blade-Batterie und der neuen, extrem schnellen Ladetechnologie will man auch die westliche Konkurrenz auf Abstand halten. Die Aktie von BYD brach seit April um etwa ein Viertel ein. Derzeit ist es nur ein Kauf für Antizykliker.
Fazit: Albemarle ist der Lithium-Weltmarktführer und profitiert momentan von den anziehenden Preisen. Der jüngste, starke Rücksetzer rät aber zum vorsichtigen Einstieg. Rock Tech Lithium ist Europas Antwort auf Chinas Dominanz im Lithium-Markt. Die Aktie sollte von dem abgeschlossenen Listing auf Xetra sowie den Plänen für eine Notierung an der Nasdaq profitieren. BYD ist eine Aktie für spekulative Investoren. Die Langfrist-Strategie überzeugt, kurzfristig aber drückt der harte Preiswettbewerb in China auf die Gewinnmargen.
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