16.07.2026 | 04:45
Der Wettlauf verschärft sich: Rock Tech Lithium auf der Überholspur, geht Volkswagen unter? Nutzt BYD die Chance?
Der Wettbewerb in der Automobilbranche verschärft sich. Laut den neuesten Daten des Center of Automotive Management (CAM) verbuchten die deutschen Autobauer, gemessen am Durchschnitt der TOP 20 der Branche, überdurchschnittlich hohe Absatzrückgänge in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres. Das Fazit der Experten ist glasklar. Es wird ein neues Kapitel in Sachen Marktbereinigung aufgeschlagen und denjenigen, die zu langsam auf die Veränderungen des Marktes und der Technologie reagieren, droht längerfristig das Aus. Kann sich Volkswagen schnell genug gesundschrumpfen? Welche Antworten hat BYD auf den harten inländischen Wettbewerb und wie massiv können die Chinesen in Europa angesichts der schwächelnden heimischen Unternehmen expandieren? Ein Player, auf den beide Unternehmen zunehmend angewiesen sein könnten, ist Rock Tech Lithium. Die Kanadier wollen die komplette Wertschöpfungskette im Bereich Lithium aufbauen und so die dringend benötigten sicheren Lieferketten für die westlichen Industrienationen sicherstellen. Wer hat die Nase in dieser entscheidenden Phase vorn?
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Carsten Mainitz
ISIN:
ROCK TECH LITHIUM | CA77273P2017 , VOLKSWAGEN AG VZO O.N. | DE0007664039 , BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Carsten Mainitz
Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.
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Rock Tech Lithium – Wann folgt der Aktienkurs der guten Unternehmensentwicklung?
Rock Tech Lithium plant nicht nur den essenziellen Rohstoff für die Batterieindustrie zu fördern, sondern will auch die komplette Wertschöpfungskette, von Abbau, Verarbeitung bis hin zum Endprodukt des hochreinen Lithiumhydroxids abdecken. Dieses Material wird dringend für die Herstellung moderner Hochleistungsbatterien benötigt.
Das Fraunhofer-Institut prognostiziert, dass sich bis zum Jahr 2030 die europäische Nachfrage nach hochreinem Lithiumhydroxid versechsfachen wird. Damit liefert das Unternehmen einen entscheidenden Beitrag hinsichtlich des Bestrebens von Politik und Industrie nationale, resiliente Lieferketten aufzubauen und adressiert zugleich einen enorm großen Markt.
In Europa ist der geplante Lithium-Converter im ostdeutschen Brandenburg Kernstück der Strategie. Am Standort sollen aus Lithiumkonzentrat jährlich bis zu 24.000 Tonnen hochreines Lithiumhydroxid hergestellt werden. Dass die EU das deutsche Projekt bereits als strategisch im Rahmen des Critical Raw Materials Act eingestuft hat, unterstreicht dessen Bedeutung.
Die eigentliche Musik spielt jedoch in Kanada. Rock Tech vergrößert dort seine Rohstoffbasis um das Vixtory-Projekt im Nordwesten Ontarios. Via Optionsvereinbarung konnte sich die Gesellschaft eine 9.875 Hektar große Lithiumliegenschaft mit zwei bekannten spodumenführenden Pegmatitvorkommen und guter Infrastruktur sichern. Stichproben zeigten bis zu 5,11 % Li₂O an.
Auch das Georgia-Lake-Projekt geht voran. Schon die Vormachbarkeitsstudie mit einer geplanten Jahresproduktion von rund 100.000 Tonnen Spodumenkonzentrat aus dem Jahr 2022 signalisierte einen hohen Projektwert von 146 Mio. USD. Mit dem geplanten Lithium-Konverter in Red Rock (Ontario) will Rock Tech künftig bis zu 32.000 Tonnen Lithiumchemikalien pro Jahr für die nordamerikanische Batterieindustrie produzieren. Mit einer Siemens-Partnerschaft im Rücken sowie dem kanadischen Infrastrukturinvestor BMI, welcher bis zu 200 Mio. CAD investieren könnte, zeichnet sich ein positives Bild ab.
Jüngst wurde bekannt, dass der Critical Innovation Fund der Provinz Ontario die Gesellschaft mit 262.500 CAD unterstützt, um den Einsatz von lokal gewonnenem Roh-Tallöl, einem Nebenprodukt der Zellstoff- und Papierindustrie, als potenzielles Flotationsreagenz für die Lithiumaufbereitung zu erproben. Gelingt diese Validierung, könnte damit die regionale Wertschöpfung gestärkt und die Verarbeitung kritischer Batterierohstoffe nachhaltiger gestaltet werden.
Diametral zu der positiven Unternehmensentwicklung setzt sich der Konsolidierungskurs der Aktie fort. Aktuell notieren die Anteilsscheine bei einem Niveau von 0,71 CAD, wodurch die Gesellschaft mit 85 Mio. CAD bewertet ist.
Volkswagen – Endlich wachgerüttelt?
Viele Branchenexperten kommen zu dem Ergebnis, dass der deutsche Automobilriese über viele Jahre hinweg wichtige Entwicklungen in der Branche verschlafen hat. Mit den nun diskutierten drastischen Maßnahmen, will der Konzern wieder zurück auf die Erfolgsspur.
Die Modellpalette soll um die Hälfte eingestampft werden. Nach Aussage des Managements müssen die Kosten um 20 % runter, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das entspräche einem Abbau von bis zu 50.000 Stellen. Potenzielle Werksschließungen in Deutschland wären ein willkommenes Einfallstor für ausländische Konkurrenten wie BYD.
Die Aktie hat bereits reagiert und ist auf rund 70 EUR abgesackt. So tief notierten die Anteilsscheine zuletzt 2010. Sind das Einstiegskurse? Nach Meinung der Analysten von J.P. Morgan anscheinend. Die Experten rufen als Kursziel 110 EUR auf und begründen dies insbesondere mit erfreulichen Absatzzahlen bei Fahrzeugen mit neuen Antrieben (NEV) und dem Anstieg des Auftragsbestands seit Jahresbeginn um 12 %. Ob es sich um eine vorübergehende oder existenzielle Krise bei VW handelt, wird die Zukunft zeigen. Die Börse preist das Negativszenario derzeit noch nicht ein.
BYD – 45 % Upside laut Analysteneinschätzungen
Wie vertikale Integration erfolgreich funktioniert, das zeigt BYD. Die Chinesen kombinieren Fahrzeugproduktion, Batteriefertigung sowie große Teile der Zulieferkette unter einem Dach. Das bringt erhebliche Vorteile mit sich und erklärt warum BYD heute zu den erfolgreichsten Elektroautoherstellern der Welt gehört. BYD punktet mit Kostenkontrolle, schneller Reaktionszeit auf Marktänderungen und kann technologische Entwicklungen rapide in der Serienproduktion umsetzen.
Dennoch läuft nicht alles rund. Angesichts des harten Wettbewerbs im Heimatmarkt muss auch BYD Federn lassen. Hier hilft die strategische Aufstellung kombiniert mit einer forcierten internationalen Expansion. Bis zum Jahresende geht das erste europäische Werk in Ungarn an den Start.
Der Konzern bringt derzeit 112 Mrd. USD auf die Börsenwaage. Die Multiplikatoren sind mit einem KGV von 17,2 für das laufende Jahr und 13,5 für 2027 angesichts des prognostizierten Wachstums nicht zu teuer. Analysten trauen der Aktie in den nächsten 12 Monaten durchschnittlich ein Upside von rund 45 % zu.
Fazit
Rock Tech Lithium könnte zu einem wichtigen Baustein der Batterie-Lieferkette werden. Die Perspektiven und Projektfortschritte sind gut. Die aktuelle Kurskonsolidierung bietet Chancen. Ob und wann Volkswagen wieder auf die Erfolgsspur zurückkommt ist eine schwierige Frage und die Seitenlinie somit eine gute Warteposition. Von der Schwäche der europäischen Branchenvertreter profitiert BYD. Werksschließungen der Konkurrenten werden den Chinesen einen schnelleren Markterfolg bescheren.
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