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22.07.2026 | 05:30

Es tut sich was in der Elektromobilität: Jetzt bei BYD, HPQ Silicon und Porsche genauer hinsehen!

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Bildquelle: pixabay.com

Die Elektromobilität durchläuft 2026 einen deutlichen Wandel. Während die Nachfrage weltweit durch den Iran-Konflikt und E-Auto-Förderung steigt und die Reichweitenängste schwinden, versuchen Unternehmen die nächste Batteriegeneration zu entwickeln. Nicht mehr allein die Zellchemie entscheidet, sondern die Rohstoffbasis und die Effizienz der Produktion. Dieses Rennen um die kostengünstigste und leistungsstärkste Batterie hat längst begonnen und es werden die Gewinner von morgen definiert. Es tut sich einiges in der Elektromobilität. Daher sehen wir uns die aktuelle Situation von BYD, HPQ Silicon und Porsche genauer an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296 , HPQ SILICON INC | CA40444L1031 | TSXV: HPQ , OTCQB: HPQFF , PORSCHE AUTOM.HLDG VZO | DE000PAH0038

Inhaltsverzeichnis:


    BYD – Internationalisierung gegen Margendruck

    Die strategische Neuausrichtung von BYD hin zu den Auslandsmärkten zeigt Wirkung. 403.472 verkaufte Autos im Juni 2026 sind ein neuer Monatsrekord für den Konzern. Ein sattes Plus von 5,5 % im Vergleich zum Vorjahr. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich jedoch krasse Gegensätze zwischen den Märkten. In China brach der Absatz um 22 % auf 228.123 Einheiten ein. Umso spektakulärer fällt dagegen das Auslandsgeschäft aus. Die Lieferungen ins Ausland explodierten förmlich, mit einem Plus von 95 % auf 175.349 Fahrzeuge. Damit stammen inzwischen 43 % des Gesamtvolumens aus dem Export. Im ersten Halbjahr 2026 summieren sich die Auslandsverkäufe auf 789.000 Fahrzeuge, eine Steigerung von 68 %. Das Management hat sein Exportziel für das Gesamtjahr auf 1,5 Mio. Fahrzeuge angehoben.

    Die Schattenseite der Export-Offensive ist der beschleunigte Rückgang im chinesischen Heimatmarkt. Der Branchenverband CPCA senkte seine Jahresprognose für 2026 auf ein Minus von 14 %. BYD verliert nicht nur Marktanteile, sondern sieht sich auch einem intensiven Preiskampf ausgesetzt. Die durchschnittliche Branchenmarge im chinesischen NEV-Sektor lag im 1. Quartal nur noch bei 3,2 %. Diese Entwicklung schlägt sich unmittelbar in der Profitabilität nieder. Der Nettogewinn brach um mehr als 55 % gegenüber dem Vorjahr ein, die Bruttomarge im Fahrzeuggeschäft rutschte von 20,1 auf 18,8 %. Analysten bewerten die aktuelle Erholung daher auch als unsicher.

    BYD setzt im margenstärkeren Premium-Segment auf neue Modelle. Im Juni brachte der Konzern mit dem Da Tang EV sein Flaggschiff-SUV auf den Markt, das mit der zweiten Generation der Blade-Batterie und einer Reichweite von 950 km punktet. Die Vorbestellungen haben dem Vernehmen nach die Marke von 150.000 Einheiten überschritten. Der neue Seal 08 nutzt ebenfalls die zweite Generation der Blade-Batterie mit "Flash-Charging"-Technologie. Im Batteriebereich läuft die Umstellung auf die neue Generation und der damit verbundene Produktionshochlauf. Parallel treibt BYD die eigene Chipentwicklung mit dem neuen Xuanji-A3-Chip im 4-Nanometer-Verfahren voran, zu geschätzt einem Drittel der Kosten vergleichbarer Lösungen. Derzeit ist die Aktie für 10,062 EUR zu haben.

    HPQ Silicon - drei Technologieplattformen vor der Kommerzialisierung

    HPQ Silicon hat sich drei Standbeine aufgebaut. Silizium-Anodenmaterial für Batterien in Zusammenarbeit mit dem französischen Deep-Tech-Startup Novacium, an dem HPQ 36,8 % hält, pyrogenes Silica, das gemeinsam mit PyroGenesis entwickelt wurde sowie eine containerisierte Wasserstoffproduktion auf Basis von recyceltem Aluminium. Die Strategie der Risikostreuung zeigt nun Wirkung, denn alle drei Bereiche erreichen gleichzeitig die kommerzielle Phase. Während das Silica-Projekt länger dauerte als geplant, ging die Batterieentwicklung schneller voran.

    Die Gen4-Batteriezellen haben am 20. Juli die UL-1642-Sicherheitszertifizierung erhalten. Das ist ein entscheidender Schritt für die kommerzielle Vermarktung. Mit 6.500 mAh bietet die neue Generation 8,3 % mehr Kapazität als das Vorgängermodell. Ebenfalls im Juli wurde das kommerzielle Team verstärkt, unter anderem mit einem Ex-Spezialkräfte-Offizier für Verteidigungsgeschäfte. Die im Juni unterzeichnete LOI mit LN Innov zielt konkret darauf ab, einen kanadischen Produktionsstandort für den nordamerikanischen Markt zu prüfen. Der französische Motorenhersteller (5.000 Einheiten monatlich, Ausbau auf 20.000 geplant) bringt das Antriebs-Know-how ein, HPQ die Batterien – eine Antwort auf den wachsenden Wunsch nach lokalen, nicht-asiatischen Lieferketten im Drohnen- und Verteidigungssektor.

    Bei pyrogenem Silica läuft die Pilotphase erfolgreich. Das Verfahren produziert kommerziell nutzbares Material direkt aus Quarz. Die Ingenieursauswertung bestätigt die Wirtschaftlichkeit, doch die strategischen Gespräche haben sich ausgeweitet hinsichtlich Joint-Ventures oder möglicher Lizenzmodelle, weshalb die finale Einigung mehr Zeit benötigt. Die containerisierte Wasserstofftechnologie für autarke Einsätze bleibt ein spannendes Nischenthema für entlegene Gebiete. In den kommenden 2 Jahren dürfte sich zeigen, ob der Sprung in die Serienfertigung bei allen drei Standbeinen gelingt. Aktuell notiert die Aktie bei 0,155 CAD.

    Porsche Automobil Holding – mitten in der Transformation

    Die Stuttgarter Sportwagenschmiede justiert ihre Zukunftsstrategie neu. Statt des einstigen Vollgas-Kurses in Richtung Elektromobilität setzt Porsche nun auf eine technologieoffenere Linie. Der Cayenne Electric läuft zwar seit Februar 2026 in Bratislava vom Band, doch die Konzernlenker haben ihre ambitionierten E-Anteilsziele deutlich korrigiert. Statt 80 % bis 2030 liegt man nun für 2026 bei lediglich 24-26 %. Der 911 bleibt dem Verbrenner treu, eine vollelektrische Variante ist vom Tisch. Stattdessen setzt man beim Elfer auf Performance-Hybrid-Technologie. Das neue SUV oberhalb des Cayenne, ursprünglich rein elektrisch geplant, wird nun zunächst als Verbrenner und Plug-in-Hybrid eingeführt. Das ist ein klares Signal für die veränderte Nachfragedynamik bei Sportwagen.

    Die operative Realität sieht ernüchternd aus. Im ersten Halbjahr 2026 sank der weltweite Absatz um 16 % auf 122.306 Fahrzeuge, wobei China das größte Sorgenkind ist mit minus 32 %. Nordamerika bleibt mit 37.712 Einheiten die stärkste Region, verliert aber ebenfalls an Boden. Einziger Lichtblick bleibt die 911er-Baureihe mit einem Plus von 19 %. Die Ikone zeigt eindrucksvoll ihre Zugkraft. Die Zahlen zwingen zum Handeln. Hinter den Kulissen wird an einem zweiten Sparpaket gearbeitet, Stellenabbau ist beschlossene Sache. Die operative Marge soll in diesem Jahr zwischen 5,5-7,5 % liegen. Das ist weit entfernt von den Glanzzeiten.

    Mit einem KGV von etwa 3 liegt Porsche im Branchenvergleich im Keller. Diese Bewertung wirft bei einer Marke dieser Qualität durchaus Fragen auf. Die UBS sieht Potenzial und hob ihr Kursziel auf 60 EUR an, erwartet jedoch ein schwieriges Jahr 2027. Der Halbjahresbericht am 29. Juli wird zeigen, ob die operative Erholung greift. Die Porsche Automobil Holding SE ist nach dem Abstieg aus dem Dax im Juni nun im MDAX und setzt auf weitere Diversifizierung, erste Schritte in Richtung Verteidigungssektor sind bereits getan. Für Anleger mit langem Atem könnte sich das Risiko lohnen, doch die Geduld wird angesichts der anhaltenden Unsicherheiten auf die Probe gestellt. Momentan kostet die Aktie 27,39 EUR.


    Die Elektromobilität im Jahr 2026 ist kein geradliniger Wachstumsmarkt mehr, sondern ein Feld strategischer Neuausrichtungen. BYD beweist mit seinem Exportboom beeindruckende globale Schlagkraft, bezahlt dies aber mit einem dramatischen Margenverfall im chinesischen Heimatmarkt. HPQ Silicon steht mit seinen drei Technologieplattformen an der Schwelle zur Kommerzialisierung, wobei die UL-1642-Zertifizierung für die Batteriesparte ein entscheidender Meilenstein ist. Porsche hingegen korrigiert seinen Elektrokurs und kämpft mit Absatzrückgängen, während die niedrige Bewertung bei Markenqualität langfristig Chancen bieten könnte.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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