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06.06.2025 | 05:40

Heiße Phase für Wasserstoff – neuer Schub voraus? thyssenkrupp, Plug Power, First Hydrogen

  • Wasserstoff
  • Industrie
Bildquelle: pixabay.com

Was der deutschen Industrie bevorsteht, zeigt die Entwicklung bei thyssenkrupp, das schon bald als Holding weitergeführt werden soll – Verkäufe ehemals wichtiger Sparten sind längst beschlossen. Gründe für die Rosskur in der deutschen Industrie gibt es gleich mehrere – die Energiewende, die Konkurrenz aus China und anderen Ländern sowie neue Technologie. Vor allem Wasserstoff gilt als Schlüssel zur Dekarbonisierung energieintensiver Sektoren. Wie die Experten von Straits Research schätzen, könnte der Markt für grünen Wasserstoff zwischen 2021 und 2030 von 1 Mrd. USD auf satte 72 Mrd. USD wachsen. Das sind 55 % Wachstum - jedes Jahr. Angesichts dieser Zahlen ist klar: Die Karten in der Wasserstoffwirtschaft werden neu gemischt – wir erklären, welche Aktien profitieren können.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , First Hydrogen Corp. | CA32057N1042

Inhaltsverzeichnis:


    Plug Power: Tausendsassa wartet auf den großen Schub

    Als Platzhirsch bei Wasserstoff gilt seit Jahren Plug Power. Das Unternehmen ist einer der führenden Anbieter für integrierte Wasserstoff-Lösungen vom grünen Wasserstoff bis hin zur Brennstoffzelle. Bislang zeichnet Plug Power weltweit für 70.000 ausgelieferte Brennstoffzellen sowie 250 Wasserstoff-Tankstellen verantwortlich. Unter der Marke GenEco bauen die Amerikaner auch eigene Elektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff aus erneuerbarer Energie. Doch wie kommt dieses Geschäftsmodell an der Börse an?

    Im ersten Quartal wies Plug Power einen Nettoverlust von 196,7 Mio. USD aus. Im Jahr zuvor lag der Verlust noch bei 295,8 Mio. USD. Das Unternehmen meldete Verbesserungen im operativen Cashflow und Fortschritte in den Bereichen Elektrolyse, Wasserstoffproduktion und Brennstoffzellenentwicklung. Richtig überzeugt ist die Wall Street aber noch nicht: Analysten sehen Plug Power aktuell differenziert - das Consensus-Rating lautet Hold. Blickt man im Detail auf die Ratings, decken diese das gesamte Spektrum von Verkaufen bis Kaufen ab. Doch warum ist die Meinung der Analysten zu Plug Power so differenziert? Der Grund dürfte auch in den erwarteten Stückzahlen liegen. Als umfassender Wasserstoff-Anbieter drücken Plug Power die Kosten – nur wenn die Stückzahlen steigen, geht die Rechnung auf. Manche Analysten sind mit Blick auf die Wachstumsziele skeptischer als andere.

    First Hydrogen denkt bei Wasserstoff in Lösungen

    Ein etwas anderes Geschäftsmodell verfolgt das kanadische Wasserstoff-Unternehmen First Hydrogen. Als hersteller- und technologieneutrales Unternehmen bietet First Hydrogen Wasserstoff-as-a-Service. Mit der Entwicklung und dem Vertrieb leichter Nutzfahrzeuge, der Bereitstellung von Brennstoffzellen und dem Aufbau von Wasserstoff-Tankstellen ist das Unternehmen ähnlich breit aufgestellt. Der Fokus liegt aber weniger auf Eigenentwicklungen, denn darauf, Kunden praktikable Lösungen zu bieten, die funktionieren. Schon bei der Entwicklung seiner Wasserstoff-Vans zeigte sich das Unternehmen sehr flexibel und ging bewusst technologieoffen vor. Noch heute sourct man den Bau des Fahrgestells seiner Wasserstoff-Lieferwagen aus.

    Zeugnis dieser Technologieoffenheit ist auch die Überlegung, modulare Kernreaktoren (SMRs) einzusetzen, um damit grünen Wasserstoff erzeugen zu können. Die Technologie sieht dezentrale Mini-Reaktoren vor, die große Werke in der Industrie unabhängig von Sonne und Wind mit Strom versorgen. Vor wenigen Wochen hat das Unternehmen dafür das Tochter-Unternehmen First Nuclear gegründet. Auch ist First Hydrogen inzwischen auch in Deutschland mit einer Tochter-Gesellschaft vertreten und will sich darüber hinaus beim Ausbau von Import-Pipelines und der Infrastruktur für Schiffe in Deutschland einbringen. First Hydrogen profitiert in diesem Zusammenhang auch von Förderungen der Europäischen Union (EU) sowie dem Sonderfonds für Infrastruktur der Bundesregierung mit einem Gesamtvolumen von 500 Mrd. EUR.

    First Hydrogen dockt bei der deutschen Industrie an

    Das Geschäftsmodell von First Hydrogen passt gut zur aktuellen Entwicklung in der deutschen Industrie, wo man endlich langfristig denkt und bestehende Strukturen in Frage stellt. thyssenkrupp befindet sich aktuell etwa auf einem Schrumpfkurs mit klarer Ausrichtung auf das Ziel der „grünen Industrie“. Von den bislang noch fünf Hauptsegmente sollen einige wegfallen. Etwa plant man, den Schiffsbau noch in diesem Jahr an die Börse zu bringen.

    thyssenkrupp gliedert sich auf – Wertschöpfungspotenzial entsteht

    In den nächsten Jahren soll thyssenkrupp zur Konzern-Holding werden. Dazu verkauft der Konzern aus Duisburg Minderheitsbeteiligungen in den Bereichen Automotive, Materials Services und Decarbon Technologies, um deren Wertpotenzial auszuschöpfen. thyssenkrupp-CEO Miguel López erwartete Ende Mai gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass „dieser Schritt es uns erlaubt, das volle Wertschöpfungspotenzial der Geschäfte zu heben und ihre Unabhängigkeit gezielt für Investitionen und Wachstum zu nutzen.“ Wenn Konzernstrukturen verändert werden und ehemalige Sparten künftig eigenständig am Markt agieren sollen, entsteht oft Bedarf für passgenaue Lösungen durch Industriepartner. Neben etablierten Unternehmen wie Plug Power, bietet sich auch der Wasserstoff-as-a-Service-Ansatz von First Hydrogen an.

    First Hydrogen vor Comeback?

    An der Börse kommt die neue Holding-Struktur von thyssenkrupp sehr gut an – allein in den letzten sechs Monaten kletterte die Aktie um 116 %. Hintergedanke des Marktes dürfte sein, dass die Summe der Filetstücke letztlich mehr Wert ist, als ein mit den Herausforderungen der Energiewende kämpfender Konzern. Große Skepsis zeigt dagegen die Entwicklung bei Plug Power. Ob der Wasserstoff-Tausendsassa endlich im großen Stil ins Rollen kommt, halten viele Analysten und Beobachter für fraglich und zweifeln an den ambitionierten Plänen – die Aktie verlor binnen sechs Monaten knapp 65 %. Besser steht es um Wasserstoff-Konkurrent und Innovator First Hydrogen: Die Expansion nach Deutschland und auch die Gründung der eigenen Nuklear-Spare First Nuclear, um das eigene Wasserstoff-as-a-Service-Modell um modulare Mini-Reaktoren zu ergänzen, wecken Fantasie. Die Aktie legte in den vergangenen sechs Monaten um mehr als 100 % zu und markierte zuletzt ein Mehr-Monats-Hoch. Klappt es künftig auch operativ, könnte die Aktie, die 2022 noch bei 4 EUR notierte, vor einem fulminanten Comeback stehen.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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