17.06.2026 | 04:15
Innovative Kernkraft schafft KI-Rechenpower! Oklo, NuScale, American Atomics und Siemens Energy
Und wieder zurück auf Los! Waren die Kapitalmärkte Anfang Juni auf eine Korrektur eingestellt, so gab es dann zwei bedeutende Events. Zum einen konnte Elon Musk seine Supervision SpaceX mit 1,7 Billionen USD an Bewertung an die Börse führen, zum anderen verkündete US-Präsident Donald Trump eine Lösung für den Iran-Konflikt. Ein Nährboden, aus dem Träume gestrickt sind: Aktien, Gold und Silber nach oben, Zinsen und Öl nach unten. Weniger Inflation bedeutet, die Möglichkeit auf Zinssenkungen in einem eh schon bubbleartigen Tech-Umfeld. Erinnerungen an das Jahr 2000 werden wach. Heute sind es die Gewinne der Chiphersteller, die den Markt bewegen. Ob Künstliche Intelligenz schon in Kürze Profite abwirft, darf guten Gewissens angezweifelt werden. US-Investmentbanker erwarten aus den nächsten Billionen-IPOs einen Provisionsrausch in zweistelliger Milliardenhöhe. Voraussetzung: The Party goes on! Wer genau nachrechnet, merkt dass bei aller Euphorie ein günstiger Strompreis das Elixier der Tech-Industrie geworden ist. Hier hat die Kernenergie wieder ihre Stunde. Für Anleger ist es wichtig, welche Werte man jetzt ins Gepäck nimmt!
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
AMERICAN ATOMICS INC | CA0240301089 | CSE: NUKE , SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0 , OKLO INC | US02156V1098 , NUSCALE POWER CORPORATION | US67079K1007
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Oklo und NuScale – Wer baut den ersten funktionierenden SMR?
Für den US-Präsidenten ist der Iran-Konflikt ein Meinungsbeschleuniger in Sachen Kernenergie. Denn trotz historischer Fördermengen von Öl und Gas aus den USA bleiben die Preise für die Konsumenten an der Tankstelle historisch hoch. Das schafft höchste Unzufriedenheit mit der Politik des Präsidenten und es nähern sich die wichtigen Mid-Terms. Die Euphorie rund um Small Modular Reactors (SMRs) erinnert derzeit ein wenig an die frühen Jahre der Wind- und Solarindustrie: Die Technologie gilt als vielversprechend, die Nachfrage scheint vorhanden, doch zwischen Vision und kommerzieller Realität liegen noch regulatorische, technische und finanzielle Hürden. Zwei Unternehmen stehen dabei besonders im Fokus der Kapitalmärkte: Oklo und NuScale Power. Beide verfolgen unterschiedliche Konzepte, befinden sich aber an verschiedenen Punkten derselben Entwicklungskurve.
NuScale ist regulatorisch betrachtet bislang der klare Vorreiter. Das Unternehmen erhielt bereits 2020 als weltweit erster SMR-Anbieter eine Standard Design Approval der US-Aufsichtsbehörde NRC für sein ursprüngliches 50-MW-Design. 2025 folgte die Genehmigung der leistungsstärkeren 77-MW-Version, die heute als ENTRA1-Anlage vermarktet wird. Damit verfügt NuScale derzeit über das einzige weitgehend behördlich abgesegnete SMR-Design in den USA. Große Hoffnung liegt nun im Erstprojekt in Rumänien. Dort arbeitet NuScale gemeinsam mit dem staatlichen Energieversorger Nuclearelectrica an einer Anlage mit sechs Modulen und rund 460 MW Gesamtleistung. Nach aktuellem Stand wird ein möglicher Baustart gegen Ende dieses Jahrzehnts angestrebt, während die Inbetriebnahme um 2029 erfolgen könnte. Unterstützt wird das Projekt durch milliardenschwere Finanzierungszusagen der US-Regierung. Allein die US EXIM Bank stellte bis zu 3 Mrd. USD in Aussicht, die US Development Finance Corporation weitere 1 Mrd. USD.
Oklo verfolgt dagegen einen deutlich anderen Ansatz. Statt eines klassischen Leichtwasserreaktors entwickelt das Unternehmen mit Aurora einen schnellen Natriumreaktor, der kleiner, kompakter und langfristig kostengünstiger betrieben werden soll. Das Risiko ist allerdings höher, da die Technologie regulatorisch weniger etabliert ist. In 2022 scheiterte Oklos erster NRC-Lizenzantrag, im Mai 2026 akzeptierte die NRC nun endlich die grundlegenden Designkriterien des Reaktors, während das DOE im Juni 2026 die vorläufige Sicherheitsanalyse genehmigte. Die Baustelle in Idaho befindet sich bereits in frühen Vorbereitungsarbeiten. Oklo bewegt sich damit erstmals von der Konzeptphase in Richtung tatsächlicher Umsetzung.
Die Finanzierung stellt derzeit keinen Engpass dar. Nach dem Börsengang über eine SPAC-Transaktion und mehreren Kapitalmaßnahmen verfügt Oklo über mehrere hundert Millionen Dollar Liquidität. Allein 2025 nahm das Unternehmen zusätzlich rund 400 Mio. USD Eigenkapital auf. Die aktuelle Börsenbewertung reflektiert für beide Protagonisten bereits erhebliche Erwartungen an zukünftige Stromlieferungen für Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Von ihren Höchstkursen haben beide Aktien gut 75 % verloren, die Überzeugung der Investoren scheint trotzdem ungebrochen. Gewinne sind vor 2033 kaum zu erwarten, zumal erst ein funktionierendes Referenzmodell ans Netz gehen muss!
American Atomics – Die ganze Lieferkette im Auge
Öl auf 125 USD – das war ein Schock im März 2026, als die ersten Raketen auf den Iran abgefeuert wurden. Der Iran soll keine Uran-Anreicherung betreiben, dafür gelangt das Thema anderswo in die Frontlinie politischer Entscheider. Wegen andauernder Störungen in der fossilen Versorgungskette, erlebt die Kernenergie eine weltweite Renaissance. Allerdings droht die Versorgung mit Uran hinter dem künftig erwarteten Bedarf zurückzubleiben. Branchenführer wie Cameco verweisen auf ein strukturelles Angebotsdefizit, da die über langfristige Lieferverträge gesicherten Uranmengen noch immer deutlich unter dem globalen Jahresverbrauch liegen.
In einem solchen Umfeld rücken Explorations- und Entwicklungsunternehmen mit aussichtsreichen Projekten in politisch stabilen Regionen verstärkt in den Fokus der Investoren. Auffällig bleiben die Kanadier American Atomics mit einer ambitionierten Strategie, die weit über die klassische Rohstoffexploration hinausgeht. Das Unternehmen verfolgt den Aufbau einer vertikal integrierten nordamerikanischen Uran-Wertschöpfungskette, die von der Exploration und Förderung über die Aufbereitung bis hin zu Konversions- und Anreicherungsprozessen reicht und damit von steigenden Anforderungen an die Versorgungssicherheit profitieren könnte.
Ein wichtiger Meilenstein wurde nun mit der ersten NI-43-101-konformen Ressourcenschätzung für das Blue-Streak-Projekt im US-Bundesstaat Colorado erreicht. Das Projekt umfasst 194 Claims auf rund 3.400 Acres im traditionsreichen Uravan Mineral Belt, einer Region, die seit mehr als einem Jahrhundert zu den bedeutendsten Uran- und Vanadiumgebieten Nordamerikas zählt. Historische Produktionsdaten unterstreichen die Qualität des Reviers: Allein die Pickett-Corral-Mine lieferte in früheren Betriebsphasen knapp 294.000 Pfund Uranoxid sowie fast zwei Millionen Pfund Vanadiumoxid. Die aktuelle Ressourcenschätzung beinhaltet in allen Kategorien etwa 124.900 Pfund enthaltenem Triuranoctoxid (U₃O₈), eines der wichtigsten chemischen Verbindungen und die gebräuchlichste Form von Uranoxid, das als Zwischenprodukt bei der Herstellung von Kernbrennstoff dient.
Interessant erscheint jedoch das darüber hinausgehende Explorationspotenzial. Insgesamt wurden auf dem Projektgebiet 693 historische Bohrungen identifiziert, deren Auswertung mehrere Zielgebiete mit erheblichem Erweiterungspotenzial erkennen lässt. Gleichzeitig weisen die historischen Daten auf relevante Vanadium-Vorkommen hin, wodurch Blue Streak perspektivisch von zwei strategisch wichtigen Rohstoffen profitieren könnte. Aktuell arbeitet das Unternehmen an den erforderlichen Genehmigungen, um mittelfristig eine Wiederaufnahme des Bergbaus vorzubereiten. Die letzte Finanzierung über 2 Mio. CAD auf Basis 0,25 CAD je Aktie dürfte noch einige Monate vorhalten. Angesichts der guten Positionierung, der historisch verifizierten Ressourcen und der guten Perspektiven in der US-Kernkraft-Offensive erscheint eine Marktbewertung von knapp 20 Mio. CAD sehr niedrig. Einsammeln!
Mitgründer Conor Lynch zur strategischen Ausrichtung von American Atomics im Gespräch mit IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk.
https://youtu.be/FwsHcECjSzk
Siemens Energy – Die Nachfrage bleibt ungebrochen
Europa geht in Sachen Energie einen steinernen Weg. Obwohl Deutschland in Sachen Wind mittlerweile Vorreiter ist, warnt Siemens Energy vor einem Engpass bei Offshore-Windturbinen in Europa. Sollte der Ausbau durch die Politik weiter verzögert werden, müssen die betroffenen Unternehmen ab 2028 Kapazitäten kürzen und Werke ressourcenbedingt verkleinern. Vinod Philip, der Chef der Windsparte Siemens Gamesa sagte, dass die EU derzeit rund 40 Gigawatt Offshore-Windkapazität verpasse, um ihr Ziel von 120 GW bis 2030 zu erreichen. Der europäische Lieferverband hat bereits 14 Mrd. EUR investiert, doch ein Mangel an Folgeaufträgen könnte die Produktionsstätten ab 2028 in einen harten Wettstreit um Verträge bringen und Preiskämpfe auslösen.
Gleichzeitig boomt die Nachfrage nach Gasturbinen bei Siemens Energy massiv, getrieben durch zwei Faktoren: Den Irankrieg und den exzessiven Ausbau von KI-Rechenzentren. Die Golfstaaten schreiben neue Gaskraftwerke aus, um ihre Energiesysteme zu stärken, während Hyperscaler für KI-Anwendungen unverändert große Orders platzieren. Konzernchef Christian Bruch bestätigt, dass Rechenzentren etwa ein Viertel des Auftragsbestands für Gasturbinen ausmachen, wobei der US-Markt 30 bis 40 % des globalen Weltmarktes von 100 bis 120 Gigawatt repräsentiert. „Wir feuern aus allen Zylindern“, sagte Bruch und wies darauf hin, dass die Kapazität bis 2030 kontinuierlich gesteigert wird, mehr aber derzeit nicht möglich ist. Das Unternehmen ist am Anschlag, eventuell könnte sich die Lieferzeit 2029 oder 2030 um drei bis sechs Monate verkürzen. Anleger haben die Top-Kurse über 190 EUR zum Ausstieg genutzt und folgten damit unseren Warnungen. Da der Absturz in der letzten Woche sogar bis auf 138 EUR reichte, dürfte der größte Ausschüttler u. E. bereits erfolgt sein. Nun ist die Aktie in neutralem Terrain, mwb research und DZ Bank sehen mit Kurszielen von 100 bzw. 128 EUR weiteren Anpassungsbedarf.

Die Energiemärkte werden gerade neu gemischt. Mit der proklamierten „Iran-Lösung“ sackte das Öl Sorte Brent um 30 % auf 79 USD nach unten, Ölaktien erleben ihren größten Ausverkauf seit März 2026. Nicht aus den Augen sollten Investoren den Sektor Kernenergie & Uran verlieren, denn hier sollte sich in den nächsten Jahren eine Investitionswelle breit machen. Dann könnte neben Top-Pick American Atomics auch Siemens Energy neuen Anlauf nehmen.
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