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24.08.2026 | 05:10

Merck, Vidac Pharma, Moderna - Neue Krebswaffen elektrisieren die Börse

  • Biotechnologie
  • Krebsforschung
Bildquelle: Pixabay KI generiert

Ein Durchbruch in der Krebsforschung versetzte die Börse in der vergangenen Woche in Euphorie. Eine personalisierte mRNA-Therapie hat erstmals in einer großen Phase-3-Studie entscheidende Ziele erreicht und binnen Stunden Milliarden an Börsenwert geschaffen. Gleichzeitig arbeiten kleinere Biotech-Unternehmen an völlig anderen Wegen, Tumoren an einer ihrer größten Schwachstellen zu treffen. Der Wettlauf um die nächste Generation der Krebsmedizin nimmt damit Fahrt auf. Dabei ist das wirtschaftliche Potenzial enorm.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: MERCK CO. DL-_01 | US58933Y1055 , MODERNA INC. DL-_0001 | US60770K1079 , VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619

Inhaltsverzeichnis:


    Moderna – Krebs-Durchbruch sorgt für Kursexplosion

    Moderna hat sich mit einem Quantensprung zurückgemeldet. Gemeinsam mit Merck meldete der Biotech-Konzern positive Phase-3-Ergebnisse für die personalisierte mRNA-Krebstherapie Intismeran in Kombination mit dem Blockbuster Keytruda. In der Studie mit 1.137 Patienten mit operiertem Hochrisiko-Melanom wurden sowohl beim rezidivfreien Überleben als auch beim Auftreten von Fernmetastasen statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserungen gegenüber Keytruda allein erreicht.

    Das Besondere daran ist die Individualisierung. Für jeden Patienten wird anhand der genetischen Merkmale des Tumors eine eigene mRNA-Therapie hergestellt. Diese soll dem Immunsystem helfen, charakteristische Tumormutationen zu erkennen und Krebszellen gezielter anzugreifen.

    Für Moderna könnte damit eine neue Ära beginnen. Nach dem Ende des Corona-Booms suchte das Unternehmen dringend nach einem neuen Wachstumstreiber. Intismeran könnte genau dieser werden. Die Börse reagierte entsprechend euphorisch und quittierte dies mit einem Anstieg der Aktie um bis zu 160 %, was den Börsenwert von Moderna um 40 Mrd. USD ansteigen ließ.
    Noch wichtiger ist das Potenzial über Hautkrebs hinaus. Moderna und Merck untersuchen die Technologie bereits bei weiteren Tumorarten. Bestätigt sich der Ansatz dort, könnte aus dem Studienerfolg eine neue Plattform für die Krebsmedizin entstehen.

    Vidac Pharma – Europa-Expansion eröffnet neue Chancen

    Während Moderna das Immunsystem mit einer personalisierten mRNA-Therapie aktiviert, verfolgt Vidac Pharma einen völlig anderen Ansatz und treibt seine Expansion in Europa mit Nachdruck voran. Die geplante französische Tochter Eutopos Pharma wurde für Quest for Health ausgewählt, einen der führenden europäischen Innovationsbeschleuniger für Healthcare und Life Sciences. Damit verschafft sich das Biotech-Unternehmen Zugang zu einem Netzwerk aus Pharmaunternehmen, Forschungseinrichtungen, Kliniken und Investoren und positioniert sich mitten im grenzüberschreitenden BioValley-Ökosystem zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz.

    Vidac verfolgt einen neuartigen Ansatz in der Krebstherapie. Statt primär das Immunsystem zu aktivieren, zielen die Wirkstoffkandidaten auf den veränderten Energiestoffwechsel von Krebszellen. Der am weitesten entwickelte Kandidat Tuvatexib (VDA-1102) befindet sich in einer Phase-2b-Studie gegen hochriskante aktinische Keratose. Alle 39 Patienten sind inzwischen aufgenommen. Mit VDA-1275 entwickelt Vidac zudem einen Kandidaten gegen solide Tumoren.

    Gerade für die weitere Entwicklung könnte Eutopos zum wichtigen Baustein werden. Die neue Gesellschaft soll in Straßburg als europäische Plattform für Forschung, klinische Studien, Business Development, Partnerschaften und Lizenzierungen aufgebaut werden. Mit Dr. Séverine Sigrist soll zudem eine erfahrene Biotech-Unternehmerin die operative Führung übernehmen.

    Die Aufnahme bei Quest for Health könnte diesen Ausbau erheblich beschleunigen. Der Accelerator unterstützt derzeit 60 HealthTech-Start-ups und ist über zehn Partner in Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Belgien vernetzt. Für Vidac entstehen damit neue Möglichkeiten, klinische Programme voranzutreiben, Investoren anzusprechen und Kooperationen mit größeren Pharmakonzernen anzubahnen.

    Liefert Vidacs metabolischer Ansatz überzeugende klinische Daten, könnte die Kombination aus innovativer Technologie und wachsender europäischer Infrastruktur die Voraussetzungen für Lizenzdeals, strategische Partnerschaften und eine deutlich schnellere Kommerzialisierung schaffen. Für das noch kleine Biotech-Unternehmen könnte Eutopos damit weit mehr als eine neue Tochtergesellschaft werden, nämlich das Sprungbrett in den europäischen Pharmamarkt.

    Merck – Keytruda bekommt die nächste Milliardenchance

    Für Merck ist der Phase-3-Erfolg mindestens ebenso bedeutend wie für Partner Moderna. Der Pharmariese verfügt mit Keytruda bereits über einen der größten Blockbuster der Branche. Allein im zweiten Quartal 2026 erreichten die Umsätze mit Keytruda und Keytruda Qlex 8,4 Mrd. USD, ein Plus von 5 %. Der gesamte Konzern setzte 16,6 Mrd. USD um.

    Nun eröffnet die Kombination mit Intismeran eine neue Perspektive. Statt Keytruda lediglich als bestehendes Krebsmedikament auszureizen, könnte Merck den Wirkstoff zum Rückgrat einer neuen Generation personalisierter Kombinationstherapien machen.

    Die Phase-3-Daten bei Hochrisiko-Melanomen liefern dafür erstmals den entscheidenden Beleg. Riesiges Potenzial bietet die Übertragbarkeit auf weitere Krebsarten. Die Unternehmen untersuchen den Ansatz unter anderem bei Lungen-, Blasen- und Nierenkrebs. Insgesamt läuft ein umfangreiches klinisches Entwicklungsprogramm.

    Für Merck steht dabei viel auf dem Spiel. Keytruda ist das wirtschaftliche Herzstück des Konzerns. Neue Kombinationen können nicht nur zusätzliche Milliardenumsätze erschließen, sondern die Bedeutung der Keytruda-Plattform über Jahre verlängern.

    Noch fehlen die vollständigen Phase-3-Daten und belastbare Ergebnisse. Doch der Erfolg der vergangenen Börsenwoche hat eine entscheidende Hürde genommen. Sollte sich Intismeran auch bei weiteren Tumorarten bewähren, könnte Merck gemeinsam mit Moderna einen neuen Milliardenmarkt erschließen.


    Moderna hat mit den positiven Phase-3-Daten für Intismeran die Chance, sich nach dem Corona-Boom mit personalisierten Krebstherapien einen neuen Milliardenmarkt zu erschließen. Vidac Pharma setzt dagegen am Energiestoffwechsel von Krebszellen an und könnte mit Eutopos, Quest for Health und fortschreitenden klinischen Programmen seine europäische Expansion deutlich beschleunigen. Merck erhält durch die Kombination von Keytruda und Intismeran die Chance, seinen wichtigsten Blockbuster zur Basis einer neuen Generation personalisierter Krebstherapien auszubauen.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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