Menü schließen




17.06.2026 | 05:20

Rohstoffriesen und ein Geheimtipp: Rio Tinto, Strategic Resources und BHP Group hebeln den Stahlmarkt

  • Rio Tinto
  • Strategic Resources
  • BHP Group
  • Eisenerz
  • Kupfer
  • grüner Stahl
  • Dekarbonisierung
  • Eisenpellet
  • Vanadium
  • Titan
  • Streik
Bildquelle: pixabay.com

Die Dekarbonisierung der Stahlproduktion ist kein ökologisches Randphänomen mehr, sondern die zentrale wirtschaftliche Überlebensfrage für die Branche. Während der europäische Emissionshandel die Kosten für konventionelle Hochöfen kontinuierlich steigert, zwingen Großabnehmer aus der Automobilindustrie die Lieferketten zur grünen Neuausrichtung. Die Technologie in Form wasserstoffbasierter Direktreduktion ist marktreif, doch der Flaschenhals verschiebt sich zunehmend zu den Rohstoffvorkommen. Wer über die strategischen Metallressourcen für diesen Produktionswandel verfügt, sichert sich die Margen von morgen. Wir sehen uns daher heute Rio Tinto, Strategic Resources und die BHP Group an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: RIO TINTO PLC LS-_10 | GB0007188757 , STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , BHP GROUP LTD. DL -_50 | AU000000BHP4

Inhaltsverzeichnis:


    Rio Tinto - zwischen grünem Stahl und harten Marktrealitäten

    Der Bergbauriese treibt seine Dekarbonisierungsagenda mit beachtlicher Dynamik voran. Im Juni gelang gemeinsam mit dem chinesischen Stahlgiganten China Baowu der Durchbruch bei der wasserstoffbasierten Direktreduktion von mittelgradigem Pilbara-Erz. Das ist ein Meilenstein, der die Nutzung des Massenrohstoffs für emissionsarme Verfahren erstmals im Industriemaßstab bestätigt. Parallel dazu laufen vielversprechende Projekte mit der HYFOR-Technologie in Österreich und dem BioIron-Verfahren, das Biomasse mit Mikrowellentechnologie kombiniert. Die Partnerschaft mit H2 Green Steel in Schweden sichert zudem frühzeitig den Zugang zu einem wachsenden Markt für grünen Stahl.

    Das westafrikanische Megaprojekt Simandou nimmt Fahrt auf und überschwemmt zunehmend den Weltmarkt mit hochwertigem Erz. Die Lieferungen aus Guinea haben sich zuletzt fast verdoppelt und sorgen dafür, dass das australisch-brasilianische Duopol bröckelt. Bei gleichzeitig schwächelnder chinesischer Stahlnachfrage und vollen Lagerhäusern geraten die Preise unter Druck. Rio Tinto bleibt dank seiner niedrigen Förderkosten in der Pilbara zwar selbst bei deutlichen Preisrückgängen profitabel, doch jede Verschiebung um 10 USD pro Tonne schlägt mit knapp 2,3 Mrd. USD beim EBITDA zu Buche. Die strategische Antwort lautet Kapitaldisziplin und Kosteneffizienz.

    Während die Eisenerzsparte unter dem Preisdruck leidet, gewinnt das Kupfergeschäft zunehmend an Bedeutung. Der Hochlauf der Oyu-Tolgoi-Mine in der Mongolei und der Ausbau in Kennecott bringen die angestrebte Mio.-Tonnen-Marke näher. Die Marge von 63 % entspricht bereits dem Eisenerz-Niveau, bei steigenden Produktionsmengen ohne nennenswerte Zusatzinvestitionen. Statt teurer Übernahmen stehen nun bis zu 10 Mrd. USD aus Asset-Verkäufen und Effizienzsteigerungen im Raum. Für Anleger mit langem Horizont bietet sich so die Chance, an der Transformation des Konzerns vom reinen Eisenerzproduzenten zum diversifizierten Rohstoffriesen zu partizipieren. Derzeit ist die Aktie für 91,77 EUR zu haben.

    Strategic Resources - grüner Stahl made in Quebec

    Die Stahlindustrie durchläuft einen grundlegenden Wandel hin zu Elektrolichtbogenöfen, die sauberer arbeiten, aber hochreine metallische Einsatzstoffe wie Pellets benötigen. Strategic Resources adressiert diesen Engpass mit dem BlackRock-Projekt in Québec. Eine bereits genehmigte Mine und ein geplantes Pelletierwerk mit 4 Mio. Tonnen Jahreskapazität im Tiefseehafen von Port Saguenay. Die Kombination aus günstigem Wasserkraftstrom, Erdgasanschluss und eisfreiem Hafen verschafft einen dauerhaften Kostenvorteil. Zudem enthält das Erz Vanadium und Titan. Beides sind kritische Mineralien für Energiewende und Verteidigung. Ein zehnjähriger Abnahmevertrag mit Javelin Global Commodities untermauert die kommerzielle Basis.

    Die jüngsten Nachrichten untermauern den Fortschritt. Das Unternehmen hat fristgerecht alle Antworten auf Umweltbehörden-Rückfragen eingereicht, um die Kapazitätserweiterung von 1,5 auf 4 Mio. Tonnen zu ermöglichen. Die Entscheidung wird in den kommenden Monaten erwartet. Parallel wurde eine Absichtserklärung mit Tyfast Energy unterzeichnet, um Vanadium aus der eigenen Mine zu Batteriematerial für schwere Nutzfahrzeuge und Verteidigung weiterzuveredeln. Das im April erfolgte Listing an der Frankfurter Börse öffnet zudem den Zugang zu europäischen Investoren, die sichere Lieferketten für kritische Rohstoffe suchen.

    Der Fahrplan bis zur Produktion ist klar. Nach der erwarteten Genehmigung im 2. Quartal folgen die finale Machbarkeitsstudie und die Baubereitschaft bis Jahresende. Die Finanzierung mit Société Générale als führender Bank und einem Verhältnis von zwei Dritteln Fremdkapital zu einem Drittel Eigenkapital steht auf soliden Füßen. Bei Baukosten von rund 500 Mio. CAD und staatlicher Unterstützung erscheint der Zeitplan realistisch. Baubeginn ist für Sommer 2027 avisiert, die volle Produktion für 2029. Wer auf die grüne Transformation der Stahlindustrie setzt, erhält hier ein vielversprechendes Vehikel. Aktuell notiert die Aktie bei 0,30 CAD.

    BHP Group - mit operativen Baustellen

    Der australische Bergbaukonzern BHP treibt die Dekarbonisierung der Stahlproduktion mit gleich 2 Pilotprojekten voran, die jedoch noch in den Kinderschuhen stecken. Gemeinsam mit Rio Tinto und BlueScope wird im australischen Kwinana der "NeoSmelt"-Elektroschmelzofen erprobt, während in Südkorea mit POSCO das wasserstoffbasierte "HyREX"-Verfahren entwickelt wird. Beide Pilotanlagen sollen frühestens 2028 den Betrieb aufnehmen, wobei sich die Machbarkeitsstudien für NeoSmelt in den Endzügen befinden sollen. Eine kommerzielle Produktion ist vor den 2030er-Jahren nicht in Sicht. Der Konzern selbst räumt ein, dass wasserstoffbasierte Technologien für Eisenerz frühestens Mitte des nächsten Jahrzehnts marktreif sein werden.

    Aktuell überschatten jedoch andere Nachrichten das grüne Engagement. In Port Hedland, dem wichtigsten Exporthafen für Eisenerz, haben rund 200 Elektriker für Arbeitsniederlegungen gestimmt, die innerhalb weniger Tage beginnen könnten. Der Konzern betont zwar, über Notfallpläne zu verfügen, doch ein längerer Ausfall dieser kritischen Infrastruktur wäre für die Lieferketten spürbar. Zugleich sorgt die Berichterstattung des Guardian für Aufsehen, wonach BHP ein großes Erneuerbare Energien Projekt in der Pilbara stillschweigend auf Eis gelegt hat. Das 500-Megawatt-Vorhaben hätte die Scope-3-Emissionen erheblich reduzieren können, wurde trotz interner Befürwortung jedoch nicht realisiert.

    Für Investoren ergibt sich damit ein gemischtes Bild. Während das Kupfergeschäft zunehmend zur Ertragsstütze wird und der operative Kern solide läuft, zeigen die jüngsten Entwicklungen, dass die grüne Transformation mit realen Hürden verbunden ist. Die Abkehr von Projekten mit hohem sozialem Wert bei gleichzeitigen Arbeitskämpfen in der Lieferkette könnten als Warnsignale gewertet werden. Die Bilanz ist robust genug, um sowohl die Dekarbonisierungsprojekte als auch die laufenden Herausforderungen zu stemmen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Konzern seine strategischen Ambitionen mit der operativen Realität in Einklang bringen kann. Momentan kostet eine Aktie 39,725 EUR.


    Die grüne Stahltransformation erreicht ihren entscheidenden Wendepunkt – doch die Wege der Rohstoffriesen könnten unterschiedlicher nicht sein. Rio Tinto überzeugt mit technologischen Meilensteinen und einer klaren Diversifikationsstrategie hin zum Kupfer, während Strategic Resources als Geheimtipp in Québec mit günstiger Energie und staatlicher Unterstützung punktet. Die BHP Group hingegen kämpft mit operativen Baustellen und einer schleppenden Transformation, die ihre ambitionierten Pilotprojekte in weite Ferne rücken lässt. Während die einen den Wandel aktiv gestalten, drohen andere den Anschluss zu verlieren. Die kommenden Jahre werden die strategischen Gewinner dieser Entwicklung endgültig bestimmen.


    Interessenskonflikt

    Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) derzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen hält bzw. halten und auf deren Kursentwicklungen spekulieren. Sie beabsichtigen insofern Aktien oder andere Finanzinstrumente der Unternehmen zu veräußern bzw. zu erwerben (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.
    Es besteht insofern ein konkreter Interessenkonflikt bei der Berichterstattung zu den Unternehmen.

    Die Apaton Finance GmbH ist daneben im Rahmen der Erstellung und Veröffentlichung der Berichterstattung in entgeltlichen Auftragsbeziehungen tätig.
    Es besteht auch aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.
    Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.

    Risikohinweis

    Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.inv3st.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.

    Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.

    Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.


    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

    Mehr zum Autor



    Weitere Kommentare zum Thema:

    Kommentar von Jens Castner vom 15.06.2026 | 05:05

    Superinvestor Eric Sprott steigt bei Power Metallic Mines ein! BAE Systems und BMW können aufatmen

    • Kritische Rohstoffe
    • Rüstungsindustrie
    • Automobile
    • Kupfer
    • Nickel
    • Platin
    • Power Metallic Mines
    • BAE Systems
    • BMW

    Rohstoff-Legende Eric Sprott investiert 2,0 Mio. CAD in den kanadischen Bergbau-Explorer Power Metallic Mines – und setzt damit ein Signal, das weit über die Branche hinaushallt. Denn Kupfer, Nickel, Kobalt und Platinmetalle, die in Québec im Boden schlummern, werden von der Rüstungsindustrie und Autoherstellern händeringend gesucht. Für Konzerne wie BAE Systems und BMW sind diese Schlüsselrohstoffe unverzichtbar. Drei Unternehmen, eine Lieferkette – und ein Wettlauf, den der Westen nicht verlieren darf.

    Zum Kommentar

    Kommentar von Tarik Dede vom 15.06.2026 | 04:41

    Pan American Silver, Strategic Resources und AngloGold Ashanti: Drei starke Rohstoff-Aktien fürs Depot!

    • AngloGold Ashanti
    • Strategic Resources
    • Pan American Silver
    • Gold
    • Rohstoffe

    Im aktuellen Marktumfeld mit korrigierenden Rohstoffpreisen lohnt sich der Blick auf stabile und wachstumsstarke Unternehmen im Sektor. Viele Bewertungen sind auch wegen des Kriegs am Persischen Golf und der Diskussion um Zinserhöhungen zurückgekommen. Dennoch verdienen die meisten Unternehmen prächtig. Das erste Quartal zeigte Rekordwerte bei Cashflows und Gewinnen. Zudem kommt hinzu, dass viele Unternehmen ihre Bilanz in den vergangenen Jahren bereinigt haben und nun eine Netto-Cashposition aufweisen. Das sind die perfekten Voraussetzungen, damit die Aktien im nächsten Aufschwung wieder abheben. Wir blicken heute deshalb auf die Papiere von Pan American Silver, Strategic Resources und AngloGold Ashanti.

    Zum Kommentar

    Kommentar von Armin Schulz vom 08.06.2026 | 05:20

    Wie Sie mit Barrick Mining, North Arrow Minerals und B2Gold den Abverkauf in eine Goldgrube verwandeln

    • Barrick Mining
    • North Arrow Minerals
    • B2Gold
    • Gold
    • Kupfer
    • Spin-Off
    • Goldpreis
    • Botswana
    • Mali
    • CEO Wechsel

    Am 5. Juni 2026 brach der Goldpreis um 3,37 % auf 4.324 USD ein. Das ist der niedrigste Wert seit Ende März. Panikverkäufe machten die Runde, doch Analysten sprechen von einer längst überfälligen technischen Korrektur nach neun Wochen Rally. Goldminenaktien verstärken solche Bewegungen: Sie fallen etwa doppelt so stark, erholen sich aber auch doppelt so rasant. Wer jetzt nicht verkauft, sondern einsteigt, kann von diesem Hebel profitieren. Die aktuelle Schwäche ist keine Katastrophe, sondern ein opportuner Einstiegszeitpunkt für langfristig orientierte Anleger. Wir sehen uns Barrick Mining, North Arrow Minerals und B2Gold genauer an.

    Zum Kommentar