17.06.2026 | 05:20
Rohstoffriesen und ein Geheimtipp: Rio Tinto, Strategic Resources und BHP Group hebeln den Stahlmarkt
Die Dekarbonisierung der Stahlproduktion ist kein ökologisches Randphänomen mehr, sondern die zentrale wirtschaftliche Überlebensfrage für die Branche. Während der europäische Emissionshandel die Kosten für konventionelle Hochöfen kontinuierlich steigert, zwingen Großabnehmer aus der Automobilindustrie die Lieferketten zur grünen Neuausrichtung. Die Technologie in Form wasserstoffbasierter Direktreduktion ist marktreif, doch der Flaschenhals verschiebt sich zunehmend zu den Rohstoffvorkommen. Wer über die strategischen Metallressourcen für diesen Produktionswandel verfügt, sichert sich die Margen von morgen. Wir sehen uns daher heute Rio Tinto, Strategic Resources und die BHP Group an.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
RIO TINTO PLC LS-_10 | GB0007188757 , STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , BHP GROUP LTD. DL -_50 | AU000000BHP4
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Rio Tinto - zwischen grünem Stahl und harten Marktrealitäten
Der Bergbauriese treibt seine Dekarbonisierungsagenda mit beachtlicher Dynamik voran. Im Juni gelang gemeinsam mit dem chinesischen Stahlgiganten China Baowu der Durchbruch bei der wasserstoffbasierten Direktreduktion von mittelgradigem Pilbara-Erz. Das ist ein Meilenstein, der die Nutzung des Massenrohstoffs für emissionsarme Verfahren erstmals im Industriemaßstab bestätigt. Parallel dazu laufen vielversprechende Projekte mit der HYFOR-Technologie in Österreich und dem BioIron-Verfahren, das Biomasse mit Mikrowellentechnologie kombiniert. Die Partnerschaft mit H2 Green Steel in Schweden sichert zudem frühzeitig den Zugang zu einem wachsenden Markt für grünen Stahl.
Das westafrikanische Megaprojekt Simandou nimmt Fahrt auf und überschwemmt zunehmend den Weltmarkt mit hochwertigem Erz. Die Lieferungen aus Guinea haben sich zuletzt fast verdoppelt und sorgen dafür, dass das australisch-brasilianische Duopol bröckelt. Bei gleichzeitig schwächelnder chinesischer Stahlnachfrage und vollen Lagerhäusern geraten die Preise unter Druck. Rio Tinto bleibt dank seiner niedrigen Förderkosten in der Pilbara zwar selbst bei deutlichen Preisrückgängen profitabel, doch jede Verschiebung um 10 USD pro Tonne schlägt mit knapp 2,3 Mrd. USD beim EBITDA zu Buche. Die strategische Antwort lautet Kapitaldisziplin und Kosteneffizienz.
Während die Eisenerzsparte unter dem Preisdruck leidet, gewinnt das Kupfergeschäft zunehmend an Bedeutung. Der Hochlauf der Oyu-Tolgoi-Mine in der Mongolei und der Ausbau in Kennecott bringen die angestrebte Mio.-Tonnen-Marke näher. Die Marge von 63 % entspricht bereits dem Eisenerz-Niveau, bei steigenden Produktionsmengen ohne nennenswerte Zusatzinvestitionen. Statt teurer Übernahmen stehen nun bis zu 10 Mrd. USD aus Asset-Verkäufen und Effizienzsteigerungen im Raum. Für Anleger mit langem Horizont bietet sich so die Chance, an der Transformation des Konzerns vom reinen Eisenerzproduzenten zum diversifizierten Rohstoffriesen zu partizipieren. Derzeit ist die Aktie für 91,77 EUR zu haben.
Strategic Resources - grüner Stahl made in Quebec
Die Stahlindustrie durchläuft einen grundlegenden Wandel hin zu Elektrolichtbogenöfen, die sauberer arbeiten, aber hochreine metallische Einsatzstoffe wie Pellets benötigen. Strategic Resources adressiert diesen Engpass mit dem BlackRock-Projekt in Québec. Eine bereits genehmigte Mine und ein geplantes Pelletierwerk mit 4 Mio. Tonnen Jahreskapazität im Tiefseehafen von Port Saguenay. Die Kombination aus günstigem Wasserkraftstrom, Erdgasanschluss und eisfreiem Hafen verschafft einen dauerhaften Kostenvorteil. Zudem enthält das Erz Vanadium und Titan. Beides sind kritische Mineralien für Energiewende und Verteidigung. Ein zehnjähriger Abnahmevertrag mit Javelin Global Commodities untermauert die kommerzielle Basis.
Die jüngsten Nachrichten untermauern den Fortschritt. Das Unternehmen hat fristgerecht alle Antworten auf Umweltbehörden-Rückfragen eingereicht, um die Kapazitätserweiterung von 1,5 auf 4 Mio. Tonnen zu ermöglichen. Die Entscheidung wird in den kommenden Monaten erwartet. Parallel wurde eine Absichtserklärung mit Tyfast Energy unterzeichnet, um Vanadium aus der eigenen Mine zu Batteriematerial für schwere Nutzfahrzeuge und Verteidigung weiterzuveredeln. Das im April erfolgte Listing an der Frankfurter Börse öffnet zudem den Zugang zu europäischen Investoren, die sichere Lieferketten für kritische Rohstoffe suchen.
Der Fahrplan bis zur Produktion ist klar. Nach der erwarteten Genehmigung im 2. Quartal folgen die finale Machbarkeitsstudie und die Baubereitschaft bis Jahresende. Die Finanzierung mit Société Générale als führender Bank und einem Verhältnis von zwei Dritteln Fremdkapital zu einem Drittel Eigenkapital steht auf soliden Füßen. Bei Baukosten von rund 500 Mio. CAD und staatlicher Unterstützung erscheint der Zeitplan realistisch. Baubeginn ist für Sommer 2027 avisiert, die volle Produktion für 2029. Wer auf die grüne Transformation der Stahlindustrie setzt, erhält hier ein vielversprechendes Vehikel. Aktuell notiert die Aktie bei 0,30 CAD.
BHP Group - mit operativen Baustellen
Der australische Bergbaukonzern BHP treibt die Dekarbonisierung der Stahlproduktion mit gleich 2 Pilotprojekten voran, die jedoch noch in den Kinderschuhen stecken. Gemeinsam mit Rio Tinto und BlueScope wird im australischen Kwinana der "NeoSmelt"-Elektroschmelzofen erprobt, während in Südkorea mit POSCO das wasserstoffbasierte "HyREX"-Verfahren entwickelt wird. Beide Pilotanlagen sollen frühestens 2028 den Betrieb aufnehmen, wobei sich die Machbarkeitsstudien für NeoSmelt in den Endzügen befinden sollen. Eine kommerzielle Produktion ist vor den 2030er-Jahren nicht in Sicht. Der Konzern selbst räumt ein, dass wasserstoffbasierte Technologien für Eisenerz frühestens Mitte des nächsten Jahrzehnts marktreif sein werden.
Aktuell überschatten jedoch andere Nachrichten das grüne Engagement. In Port Hedland, dem wichtigsten Exporthafen für Eisenerz, haben rund 200 Elektriker für Arbeitsniederlegungen gestimmt, die innerhalb weniger Tage beginnen könnten. Der Konzern betont zwar, über Notfallpläne zu verfügen, doch ein längerer Ausfall dieser kritischen Infrastruktur wäre für die Lieferketten spürbar. Zugleich sorgt die Berichterstattung des Guardian für Aufsehen, wonach BHP ein großes Erneuerbare Energien Projekt in der Pilbara stillschweigend auf Eis gelegt hat. Das 500-Megawatt-Vorhaben hätte die Scope-3-Emissionen erheblich reduzieren können, wurde trotz interner Befürwortung jedoch nicht realisiert.
Für Investoren ergibt sich damit ein gemischtes Bild. Während das Kupfergeschäft zunehmend zur Ertragsstütze wird und der operative Kern solide läuft, zeigen die jüngsten Entwicklungen, dass die grüne Transformation mit realen Hürden verbunden ist. Die Abkehr von Projekten mit hohem sozialem Wert bei gleichzeitigen Arbeitskämpfen in der Lieferkette könnten als Warnsignale gewertet werden. Die Bilanz ist robust genug, um sowohl die Dekarbonisierungsprojekte als auch die laufenden Herausforderungen zu stemmen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Konzern seine strategischen Ambitionen mit der operativen Realität in Einklang bringen kann. Momentan kostet eine Aktie 39,725 EUR.
Die grüne Stahltransformation erreicht ihren entscheidenden Wendepunkt – doch die Wege der Rohstoffriesen könnten unterschiedlicher nicht sein. Rio Tinto überzeugt mit technologischen Meilensteinen und einer klaren Diversifikationsstrategie hin zum Kupfer, während Strategic Resources als Geheimtipp in Québec mit günstiger Energie und staatlicher Unterstützung punktet. Die BHP Group hingegen kämpft mit operativen Baustellen und einer schleppenden Transformation, die ihre ambitionierten Pilotprojekte in weite Ferne rücken lässt. Während die einen den Wandel aktiv gestalten, drohen andere den Anschluss zu verlieren. Die kommenden Jahre werden die strategischen Gewinner dieser Entwicklung endgültig bestimmen.
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