23.06.2026 | 04:32
Royalties & Lizenzen: ARM Holdings, RE Royalties und Franco-Nevada im Aktien-Check!!
Man kann auch ganz ohne eigene Fabriken und Standorte Geschäftsmodelle aufbauen, die hohe Margen bringen. Am Kapitalmarkt sind das vor allem Unternehmen, die Lizenzgebühren oder Royalties kassieren. Unternehmen geben Kapital und beteiligen sich so an den Umsätzen des Geschäftspartners. In der Musikindustrie passiert dies schon lange, ebenso im Bergbau, der Chipindustrie, im Cleantech-Sektor oder der Pharmabranche. Für Anleger haben solche Unternehmen große Vorteile, denn sie tragen in den meisten Fällen nicht oder nur ein geringes operatives Risiko. Durch die oft über Jahre und Jahrzehnte laufenden Verträge sind zudem die Einnahmen sehr stabil. Während Bergbau- und Cleantech-Vertreter oft konstante Ausschüttungen bieten, nutzen Tech-Pioniere den Cashflow für massives Wachstum. Wir blicken heute deshalb auf die Aktien von ARM Holdings, RE Royalties und Franco-Nevada!
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Tarik Dede
ISIN:
FRANCO-NEVADA CORP. | CA3518581051 , RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , ARM HOLDINGS PLC ADR | US0420682058
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Tarik Dede
Schon als Primaner in Norddeutschland entwickelte sich seine Begeisterung für den Neuen Markt. Small- und Midcaps standen dabei von Beginn an im Mittelpunkt. Der gelernte Bankkaufmann vertiefte sein Wirtschaftswissen später im Volkswirtschaftsstudium und in verschiedenen Stationen der Frankfurter Finanzbranche. Heute ist er seit über 25 Jahren privat wie beruflich an der Börse aktiv.
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Franco-Nevada: Eigentlich nur Luxusprobleme!
Im Bergbau sind Royalties schon lange ein bekanntes Geschäftsmodell. Bereits 1983 startete Franco-Nevada mit seinem Geschäft. Heute ist der Konzern mit einem Börsenwert von rund 42 Mrd. USD einer der größten Player weltweit. Das Prinzip ist dabei ganz einfach: Franco-Nevada finanziert oft junge Rohstoff-Unternehmen im Explorationsbereich, sogenannte Junior-Miner, und erhält im Gegenzug einen Anteil an den künftigen Umsätzen. Einer der berühmtesten und ersten Deals war die Beteiligung an der Goldstrike-Mine in Nevada, die später eine der größten Goldlagerstätten der Welt wurde. Heute besitzt Franco-Nevada mehr als 400 Assets auf der ganzen Welt. 35 stammen aus dem Energie-Sektor, 25 befinden sich im Goldbereich. Dazu kommen hunderte kleine Entwicklungsprojekte, die in der Zukunft für Cashflows sorgen sollen.
Über die Jahre und Jahrzehnte ist aus diesen Royalties ein äußerst lukratives Geschäftsmodell geworden, wie die jüngsten Quartalszahlen zeigen. Nach dem Rekordjahr 2025 mit einem Gewinn je Aktie von 1,85 USD, erreichte Franco-Nevada auch im ersten Quartal historische Bestmarken. Dank hoher Gold- und Silberpreise stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 77 % auf 650,7 Mio. USD. Der Nettogewinn wuchs sogar überproportional um 123 % auf 468,6 Mio. USD bzw. 2,43 USD je Aktie. Insgesamt wurden 136.353 Goldäquivalent-Unzen verkauft. Edelmetalle machten fast 87 % des Gesamtumsatzes aus, wobei zwei Drittel auf Gold entfielen. Bemerkenswert: Die Marge pro verkaufter Einheit stieg um 77 % auf 4.534 USD an, während die Cash-Kosten pro GEO lediglich um 12 % auf 341 USD zulegten.
Mit einer Liquiditätsposition von rund 3,4 Mrd. USD steht der Konzern sehr solide da, Schulden gibt es keine. Im zweiten Quartal dürfte Franco-Nevada aufgrund der Korrektur bei den Edelmetallpreisen dieses Rekordergebnis nicht wiederholen können. Allerdings bleiben die Margen hoch. Franco-Nevada hat zudem ein Luxusproblem: Aufgrund der hohen Einnahmen muss man immer größere Deals abschließen und die Konkurrenz im Sektor steigt, was Royalties teurer macht. Denn derzeit können sich Explorationsfirmen deutlich einfacher als noch vor ein paar Jahren über Kapitalerhöhungen finanzieren.
RE Royalties: Das Schnellboot unter den Finanzierern
Auch im Cleantech-Sektor gibt es Royalty-Modelle. Solar- oder Windparks eignen sich ideal für dieses Finanzmodell, denn sie laufen in der Regel über 20 Jahre und liefern kontinuierlich Energie, die verkauft werden kann. Aktuell erlebt die Branche sogar einen Sonderboom. Zum einen sind im Solarsektor die Preise weiterhin im Fallen. Zum anderen sorgt der massive Ausbau von KI-Rechenzentren in den USA für einen Sonderboom. Denn als einer der Flaschenhälse des Wachstums gilt die Versorgung mit Energie, wie viele Branchenvertreter wie Nvidia-Boss Jensen Huang immer wieder betonen.
RE Royalties existiert bereits seit dem Jahr 2016 und hat inzwischen mehr als 80 Mio. CAD in ein breit gestreutes Portfolio aus über 27 Assets investiert. Die Kanadier sind deutlich kleiner als eine Franco-Nevada, dennoch ist man mit mehr als 130 Einzelprojekten gut aufgestellt. Und auch der interne Zinsfuß auf das eingesetzte Kapital kann sich sehen lassen. Laut Unternehmensangaben liegt der seit der Gründung bei durchschnittlich mehr als 19 %. Die Zuverlässigkeit des Unternehmens macht sich in der Pipeline bemerkbar, die aktuell zu rund 41 % von langjährigen Geschäftspartnern stammt. Das Management um CEO Bernard Tan strebt den Aufbau eines Portfolios an, das wiederkehrende und möglichst langfristige Cashflows ermöglicht. Neben den Klassikern Solar und Wind befinden sich auch Batteriespeicher, erneuerbares Erdgas und Wasserkraft im Portfolio. Nicht zuletzt beteiligt man sich auch an Infrastrukturprojekten für die Energieeffizienz.
RE Royalties verfolgt dabei zwei Ansätze zur Finanzierung ihrer Partner. Einmal erwirbt man traditionell langfristige Royalties und bietet im Gegenzug Kapital, das dann einen bestimmten Anteil an den Umsätzen über 20 bis 25 Jahre ermöglicht. Daneben unterstützt man Unternehmen auch mit Überbrückungsdarlehen, die regelmäßig Laufzeiten von ein bis drei Jahren aufweisen. Die Konkurrenzsituation ist dabei überschaubar: RE Royalties konzentriert sich auf die Nische von Finanzierungen über 10 oder 20 Mio. CAD. Großen Kreditgebern wie Banken oder Private Equity Fonds sind diese Projekte üblicherweise zu klein. Mit diesem Ansatz wächst man kontinuierlich, in den vergangenen fünf Jahren legte der Umsatz um durchschnittlich rund 60 % pro Jahr zu.
COO Peter Leighton von RE Royalties stellte das Geschäftsmodell auf der internationalen Investoren-Konferenz IIF vor:
https://www.youtube.com/watch?v=5dQvcZkFR7E
Für Anleger ist die Aktie vor allem ein starker Dividendenplay. Seit inzwischen mehr als zwei Jahren zahlt das Unternehmen zuverlässig aus. Im jüngsten Quartal gab es 0,01 CAD je Aktie. Annualisiert ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von aktuell mehr als 10 %. Solche hohe Werte findet man momentan nur selten auf dem Kurszettel. Was die Anteilseigner freut, sieht das Management aber als Problem an. Denn die hohe Ausschüttungsrendite ist eine Folge des niedrigen Börsenwerts, der derzeit bei lediglich 17 Mio. CAD liegt. Das Management hält selbst fast ein Viertel der Aktien (rund 24 %) und möchte natürlich, dass der Kurs steigt. Deshalb arbeitet RE Royalties derzeit zusammen mit den Beratern von PricewaterhouseCoopers an einer Überprüfung der Strategie. Im Rahmen dieses Prozesses wird der Vorstand eine breite Palette potenzieller Alternativen prüfen, darunter unter anderem einen Verkauf des ganzen Unternehmens, strategische Partnerschaften, Co-Investments oder die Optimierung der Kapitalstruktur durch Eigen- oder Fremdkapitalfinanzierungen. Die Unternehmensführung sieht dies als „natürliche Weiterentwicklung“ an, da das Unternehmen bald in sein elftes Geschäftsjahr startet und sich für zukünftiges Wachstum positionieren möchte. Eine Möglichkeit sind dabei lang laufende Bonds. Bisher finanzierte man sich hauptsächlich über sogenannte Green Bonds mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Demgegenüber stehen Royalties, die Durationen von 20, 25 oder 40 Jahren haben. Die Aktie von RE Royalties bietet auf diesem Niveau und mit Blick auf die strategischen Optionen viel Potenzial für Anleger. Wer hohe Dividendenrendite sucht, findet sie an dieser Stelle.
ARM Holdings: Das Gehirn hinter den Rechenzentren
Nvidia, Google, Oracle, Amazon, AMD, TSMC oder Meta: Diese Namen dominieren derzeit die Schlagzeilen, wenn es um Künstliche Intelligenz, Large Language Models (LLM) oder die schnellsten Chips für KI-Rechenzentren geht. Im Hintergrund spielt aber ein Unternehmen aus der berühmten englischen Universitätsstadt Cambridge eine entscheidende Rolle. Dort, wo einst Sir Isaac Newton das Gravitationsgesetz entwickelte, befindet sich das Headquarter der ARM Holdings. Im Gegensatz zu klassischen Chipherstellern betreibt das Unternehmen keine Fabriken, stellt keine physischen Chips her und muss auch kein Lagerrisiko tragen. ARM ist vielmehr das Gehirn hinter den Prozessoren und designt die grundlegende Architektur (Instruktionssatz und Prozessor-IP) von Chips und monetarisiert die Technologie über zwei hocheffiziente Hebel. Zum einen wird die Technologie an Chipentwickler wie Apple, Qualcomm, Nvidia oder Google auslizenziert. Im Gegenzug erhält ARM für den Zugriff auf die Baupläne eine oft hohe, vorab fällige Gebühr. Zum anderen werden Royalties eingenommen. Für jeden Chip bekommt das Unternehmen einen prozentualen Anteil vom Verkaufspreis.
Auf diesem Wege hat sich ARM, das 1990 als Advanced RISC Machines gegründet wurde, mit diesem Ansatz ein quasi weltweites Monopol aufgebaut. Der Burggraben dieser Aktie ist gigantisch. Über 99 % aller Smartphones weltweit laufen auf ARM und der Konzern bringt es fertig, diese Dominanz sukzessive auf PCs und Rechenzentren auszudehnen. Anfang Mai legte ARM die Zahlen für das vierte Quartal sowie das Geschäftsjahr 2026 vor. Der Umsatz erreichte 2026 mit 4,92 Mrd. USD (+23 %) einen Rekordwert. Das stärkste Quartal der Firmengeschichte zeigte eine bereinigte operative Marge von 49 %. Dividenden wird es aber wohl dennoch auf absehbare Zeit nicht geben. ARM befindet sich in einer extremen Wachstumsphase, weshalb große Teile des Cashflows in die Forschung und Entwicklung gesteckt werden.
Der absolute Treiber sind derzeit die Einnahmen aus dem Bereich KI-Rechenzentren, die sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt haben. Praktisch alle Tech-Giganten nutzen ARM-Prozessoren, weil diese deutlich weniger Energie als klassische x86-Prozessoren verbrauchen. Allein dieses Jahr hat sich die an der Nasdaq gelistete ARM-Aktie nahezu vervierfacht. Für das Papier sprechen derzeit die extrem lang laufenden Verträge mit gut planbaren Cashflows. Ein Faktor ist aber die extreme Bewertung. Das Papier wird derzeit „priced to perfection“. Hier darf also nichts schiefgehen.
Fazit:
Royalty- und Lizenzunternehmen tragen wenig operatives Risiko, profitieren aber oft von sehr stetigen Cashflows. Mit Franco-Nevada setzen Anleger auf einen etablierten Royalty-Konzern im Rohstoffgeschäft. RE Royalties wiederum profitiert vom Cleantech-Boom und der hohen Dividendenrendite von 10 %. Mit ARM Holdings gibt es auch einen Royalty-Play im Chip-Sektor. Aber: Die Aktie ist "priced to perfection".
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