17.06.2026 | 05:30
SpaceX fliegt, Almonty gräbt, PLS lehrt: drei Lektionen für rationale Anleger
Ein Börsengang, der die Welt elektrisiert. Ein Bergbaukonzern, den der Markt gerade falsch versteht. Und ein australischer Rohstoffriese, der Geduld mit Kursgewinnen belohnt. SpaceX, Almonty Industries und PLS sind auf den ersten Blick drei völlig verschiedene Geschichten – doch sie folgen derselben eisernen Börsenlogik: Wer dem Hype hinterherläuft, zahlt drauf. Wer antizyklisch denkt, gewinnt. Während die Wall Street über Billionenbewertungen diskutiert, liegen die eigentlichen Chancen tiefer in der Lieferkette: Bei Unternehmen, ohne die weder Raketen noch Batterien für die Elektromobilität denkbar wären.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , PILBARA MINERALS LTD | AU000000PLS0 , SPACE EXPLORATION TECHNOLOGIES CORP | US84615Q1031 | NASDAQ: SPCX , PLS GROUP LIMITED | AU000000PLS0 | ASX: PLS
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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SpaceX: Die Billionenparty der Kosmos-Kapitalisten
Der 12. Juni 2026 wird als historischer Meilenstein in die Geschichte der Nasdaq eingehen. Mit der Erstnotiz des Raumfahrt- und Satellitenkonzerns SpaceX erlebten Anleger den größten Börsengang aller Zeiten. Mit einem Emissionsvolumen von 75 Mrd. USD stellte Elon Musks Weltraumschmiede selbst den historischen Rekord des saudischen Ölgiganten Aramco aus dem Jahr 2019 in den Schatten. Bereits am ersten Handelstag schoss das Papier vom Ausgabepreis (135 USD) zeitweise um fast 30 % nach oben – eine Dynamik, die den Marktwert des Unternehmens aus dem Stand über die Schallmauer von 2.000 Mrd. USD katapultierte und Gründer Elon Musk – zumindest auf dem Papier – zum ersten offiziellen Billionär der Menschheit machte. Doch während Privatanleger, die bei der Zuteilung leer ausgingen, die Aktie nun euphorisch über den Zweitmarkt jagen, mahnen kühle Rechner zur Besonnenheit. Der für seine Treffsicherheit bekannte Contrarian-Analyst David Trainer, Chef des Research-Hauses New Constructs, sprach von „einem der am stärksten überbewerteten Börsengänge der Geschichte" und warnte, dass die fundamentale Realität der Zahlen in keinem Verhältnis zur Billionen-Fantasie der Wall Street stehe.
Tatsächlich lesen sich die nackten Zahlen wie ein krasser Gegensatz zur astronomischen Bewertung: Allein im ersten Quartal 2026 verbuchte SpaceX bei einem Umsatz von 4,7 Mrd. USD einen Verlust von über 4,2 Mrd. USD, getrieben durch die immensen Entwicklungskosten der Starship-Flotte. Die aggressive Fusion mit Musks KI-Schmiede xAI und die Vision von solargetriebenen Rechenzentren im Erdorbit füllen zwar die Schlagzeilen, doch das Enttäuschungspotenzial ist auf dem aktuellen Kursniveau von fast 200 USD enorm. Erfahrene Marktstrategen wie Trainer raten deshalb vom Einstieg auf dem aktuellen Hype-Niveau ab. Ihr einhelliges Urteil: Der Börsengang selbst ist selten die Chance – die Korrektur danach ist es. Selbst unter der optimistischen Annahme, dass der Musk-Konzern im nächsten Jahr eine leicht schwarze Null erreicht, liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei abgespaceten 10.000. Und auch 2029 dürfte es – raketengleiches Gewinnwachstum hin oder her – den Wert von 100 kaum unterschreiten. Historische Präzedenzfälle zeigen, dass selbst bei den revolutionärsten Tech-Giganten gesunde, oft zweistellige Korrekturen an der Tagesordnung sind. Erst wenn die Feierlaune der Börsianer verflogen ist, dürfte sich für besonnene Investoren eine Einstiegsgelegenheit mit deutlich besserem Chance-Risiko-Verhältnis bieten.
Almonty Industries: Das Missverständnis um die Anleihe
Wer nicht darauf warten möchte, bis die überhitzte SpaceX-Aktie korrigiert, findet in der Lieferkette strategischer Metalle lohnenswerte Investments. Um die gigantischen Triebwerke moderner Raketen oder hochpräzise Halbleiter für KI-Anwendungen zu fertigen, braucht die westliche Welt zwingend Wolfram und Molybdän – Rohstoffe, deren Weltmarkt zu fast 80 % von China kontrolliert wird. An vorderster Front, um diese kritische Lücke im Westen zu schließen, steht der Bergbaukonzern Almonty Industries. Das US-Unternehmen mit kanadischen Wurzeln hat die kommerzielle Produktion in der südkoreanischen Sangdong-Mine, einem der größten und hochkarätigsten Wolfram-Vorkommen außerhalb Chinas, bereits aufgenommen. Schon als sich der Start des wichtigsten Wolframprojekts in einer stabilen Jurisdiktion allmählich abzeichnete, wuchs aus dem einst kaum beachteten Mittelständler innerhalb von zwei Jahren ein Konzern von weltweiter Bedeutung mit einem Börsenwert von aktuell rund 5 Mrd. USD. Wie fundamental wichtig das Projekt ist, zeigt ein Blick auf die Abnehmer: Der südkoreanische Metallgigant SeAH hat sich bereits mittels eines „Life-of-Mine"-Vertrags die komplette Molybdän-Produktion gesichert, um hitzebeständige Speziallegierungen für die globale Tech- und Raumfahrtindustrie – und damit auch für SpaceX – zuliefern zu können.
Dennoch schickte das Management die Aktionäre jüngst auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Nach einem steilen Anstieg von Januar bis März mit anschließendem Kurseinbruch und einer dynamischen Erholung im April verlor die Aktie Anfang Juni erneut über 20 %. Der Auslöser: Almonty verkündete die Emission einer – ebenfalls überzeichneten – Wandelanleihe im Volumen von 800 Mio. USD. Am Aktienmarkt läuten bei solchen Summen reflexartig die Alarmglocken, da die spätere Wandlung in Aktien die Anteile der Altaktionäre verwässert. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich der vermeintliche Schock als klassische Kaufgelegenheit. Almonty sichert sich über die Anleihe extrem günstige Finanzierungskonditionen mit einem Kupon von gerade einmal 2,25 % bei Fälligkeit im Jahr 2031 – eine Art Ritterschlag des Rentenmarktes. Das Unternehmen nutzt den enormen Kapitalzufluss nicht etwa, um Löcher zu stopfen, sondern um eine hochrentable Nano-Wolframoxid-Anlage für den Halbleitermarkt zu bauen und die zweite Phase der Erweiterung in Sangdong sowie weitere Projekte voranzutreiben. In Südkorea und Portugal fördert Almonty bereits, Abbaugebiete in Spanien und im US-Bundesstaat Montana werden folgen.
Während der Markt kurzfristig die Verwässerung abstraft, ist die operative Wachstumsstory dank einer nun bombenfesten Kapitalbasis vollends abgesichert. Angesichts des aktuellen Wolfram-Spotpreis von rund 3.000 USD pro metrischer Tonnenuntereinheit (MTU, 10 kg) dürfte der jüngste Kursrücksetzer – so schmerzhaft er auch erscheint – historisch betrachtet kaum mehr als ein unbedeutendes Intermezzo im langfristigen Aufwärtstrend sein. Zwar ist das zuletzt von Analysten geschätzte 2027er-KGV von moderaten 12,6 durch den Verwässerungseffekt in Gefahr; ein anhaltender Höhenflug des Wolframpreises könnte das jedoch wieder wettmachen. Wolfram, das hitzebeständigste Metall der Welt mit einem Schmelzpunkt von 3.422 Grad, bleibt begehrt, vor allem in der Rüstungs- und in der Chipindustrie. Seit dem vor wenigen Tagen erreichten Zwischentief bei 15,30 USD befindet sich das Almonty-Papier inzwischen wieder auf Erholungskurs – aktuell werden an der Nasdaq 17,75 USD bezahlt.
PLS Group: Der steinige Weg zur Milliardenbewertung
Dass der Weg zum Multimilliardenkonzern im Bergbausektor niemals geradlinig verläuft, zeigt das Paradebeispiel des australischen Lithium-Giganten PLS Group, früher als Pilbara Minerals bekannt. Im Zuge des ersten großen Elektroauto-Hypes erlebte die Aktie im Jahr 2022 einen beispiellosen Höhenflug und schoss in kürzester Zeit von unter 2,50 auf fast 6,00 AUD nach oben. Wer damals auf dem vermeintlichen Gipfel des Erfolgs zugriff, brauchte im Anschluss Nerven wie Drahtseile. Eine brutale, fast dreijährige Durststrecke setzte ein, die den Kurs im Zuge eines Einbruchs der Lithiumpreise schrittweise in die Tiefe zog – bis nahe an die psychologisch schmerzhafte Marke von 1,00 AUD. Viele Kleinanleger warfen auf diesem zyklischen Tiefpunkt entnervt das Handtuch.
Doch genau hier ergab sich eine historische Kaufgelegenheit. Während der Markt die Aktie panisch abschrieb, blieben die fundamentalen Qualitäten des Pilgangoora-Projekts vollkommen intakt. Der Standort gilt als weltweit größte unabhängige Hartgestein-Lithiummine und bildet das Herzstück des Unternehmens. Pilgangoora liegt in der rohstoffreichen Pilbara-Region im Nordwesten Australiens, die dem Konzern einst seinen Namen gab. Dort betreibt PLS zudem zwei Schlüsselwerke zur Verarbeitung des geförderten Gesteins. Das Management nutzte die Krise zur operativen Optimierung – und zur internationalen Expansion. Inzwischen sind die Australier auch in Brasilien und ebenfalls in Südkorea aktiv. Vor gut einem Jahr hat sich das Blatt auch an der Börse vollkommen gewendet. Unter vergleichsweise geringen Kursschwankungen steigt die Aktie seither wie an der Schnur gezogen nach oben und klopft aktuell mit knapp 6,20 AUD an ein neues Allzeithoch. Der Börsenwert liegt inzwischen oberhalb von 20 Mrd. AUD. Das für 2027 geschätzte KGV bewegt sich mit 14,2 auf einem ähnlichen Niveau wie bei Almonty, allerdings sind die Wachstumsaussichten für PLS deutlich verhaltener. Der Analystenkonsens geht für 2028 und 2029 sogar von stagnierenden bis rückläufigen Gewinnen aus.
Die nüchterne Betrachtung: Besonnenheit schlägt Gier
Der Kursverlauf der drei Aktien gleicht einem Lehrstück in Sachen Börsenpsychologie: Bei SpaceX droht Anlegern beim Einstieg auf dem aktuellen Hype-Niveau das schmerzhafte PLS-Szenario von 2022. Bei Almonty hingegen bietet der aktuelle, anleihegetriebene Rücksetzer genau jene rationale Einstiegschance, für die man bei PLS vor gut einem Jahr ein glückliches Händchen gebraucht hätte. Im Rohstoff-Sektor gilt mehr als anderswo: Wer antizyklisch kauft, wenn die Kanonen donnern (oder im konkreten Fall Verwässerungsängste den Kurs drücken), erntet am Ende die reifsten Früchte.
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