06.08.2026 | 05:00
Europa vor Wolfram-Schock? Konzerne wie Airbus und Siemens unter Druck – Verdoppler bei Almonty möglich?
Wer durch die Werkshallen europäischer Industriekonzerne wie Airbus oder Siemens geht, ahnt kaum, an welch seidenem Faden die Produktion vielerorts wirklich hängt. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) hat die Situation am Dienstag mit Blick auf die EU eingeordnet: Die westliche Industrie steckt in einer gefährlichen Abhängigkeit, aus der sie sich aus eigener Kraft kaum befreien kann. Seit China im Februar 2025 die Exportkontrollen bei Wolfram spürbar verschärfte, kletterten die Preise für Wolfram teils um das Sieben- bis Neunfache nach oben. Europäische Initiativen wie der Critical Raw Materials Act (CRMA) greifen mangels eigener Finanzmittel und wegen langwieriger Genehmigungsverfahren viel zu langsam. Ohne verlässliche Partner droht Werken in Europa schlicht der Stillstand. Wir ordnen die Situation ein und werfen auch einen Blick auf den westlichen Wolfram-Produzenten Almonty, der als Profiteur der Situation am Weltmarkt gilt.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , AIRBUS | NL0000235190 , SIEMENS AG NA O.N. | DE0007236101
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Wenn ohne Wolfram selbst der Flugzeugbau stillsteht
Beim europäischen Luftfahrtgiganten Airbus ist das Metall mit der chemischen Bezeichnung W schlichtweg unersetzbar. In den Tragflächen und Leitwerken der Verkehrsflugzeuge A330neo und A350 sichern passgenaue Ausgleichsgewichte die Balance der Flugsteuerung. Auf engstem Raum lässt sich die erforderliche Masse bei einer Materialdichte von 19,25 g/cm³ durch keinen anderen Werkstoff nachbilden. Doch das Bedrohungsszenario reicht noch viel weiter. Für das Präzisionsfräsen und Bohren von extrem harten Titanlegierungen und Kunststoffen benötigt Airbus Zerspanungswerkzeuge aus Wolframcarbid mit einer Mohshärte von bis zu 9,0. Fehlt der härteste aller Industriewerkstoffe, stoppt die Produktion ziviler Flugzeuge. Im militärischen Bereich verbaut Airbus Defence and Space den Rohstoff für gehärtete Panzerungen, kinetische Penetratoren und Satellitenschutz.
Siemens: Lichtbögen und Hochleistungschips erfordern Hitzebeständigkeit
Auch im Technologiekonzern Siemens zeigt sich die große Abhängigkeit von Wolfram. Bei der Energietechnik und in Mittelspannungsschaltanlagen verhindern schmelzfeste Schaltkontakte aus Wolfram-Kupfer und Wolfram-Silber das Verschweißen der Bauteile unter extremen Lichtbögen, da der Werkstoff Temperaturen von bis zu 3.420 °C standhält. In der bildgebenden Diagnostik von Siemens Healthineers widerstehen rotierende Anoden aus Wolframlegierungen in Röntgenröhren enormen thermischen Schocks. Zudem nutzt der Münchener Konzern bei der Auslegung moderner Halbleiterfabriken spezielles Wolframhexafluorid-Gas zur Abscheidung nanometerfeiner Metallschichten auf Leistungschips. Selbst die Kühlkörper dieser Chips erfordern eine exzellente Wärmeleitfähigkeit. Das zeigt: Bricht die Versorgung mit Wolfram ab, dürften viele Bereiche des Siemens-Konzerns in Bedrängnis geraten.
Wolfram-Produzent Almonty bricht Chinas Monopol auf
Genau diesen Versorgungsnotstand will der Bergbaukonzern Almonty mit Entschlossenheit verhindern. CEO Lewis Black verfolgte bereits früh eine antizyklische Zukaufsstrategie und sicherte sich Mitte der 2010er Jahre in Portugal die Panasqueira-Mine, die bis heute Wolfram fördert und deren Belegschaft einen großen Wissensschatz hütet, der dem Unternehmen bei seiner Expansion zu Gute kommt. Herzstück dieser Wachstumsoffensive ist die Sangdong-Mine in Südkorea, die sich in einer rechtssicheren OECD-Jurisdiktion befindet und mit einzigartigen Eckdaten punktet: Die Lagerstätte birgt nachgewiesene und wahrscheinliche Reserven von 7,89 Mio. t mit einem Wolframtrioxid-Gehalt von 0,45 %, während die gemessenen und angezeigten Ressourcen weitere 8,0 Mio. t mit 0,51 % WO3 umfassen. Anfang Juli startete die Aufbereitungsanlage in Südkorea mit einem Erstbestand von 139.700 t Erz. In Phase I verarbeitet die Anlage jährlich 640.000 t Erz und stößt rund 2.300 t Wolframkonzentrat aus. Mit dieser Fördermenge deckt Almonty etwa 5 % des gesamten jährlichen Beschaffungsbedarfs der westlichen Welt von rund 50.000 t ab. Die zweite Ausbaustufe der Sangdong-Mine, die der NZZ-Artikel nicht erwähnt, soll die Kapazität der Mine bis 2027 sogar verdoppeln. Das finanzielle Fundament Almontys ist dabei felsenfest: Die deutsche KfW IPEX-Bank unterstützte das Vorhaben mit einer vorrangigen Kreditlinie über 75,1 Mio. USD, während die US-Tochter der Plansee-Gruppe erst im Juli den Abnahmevertrag auf 21 Jahre verlängerte. Dieser Kontrakt garantiert Almonty die Abnahme von 4,41 Mio. MTU Konzentrat und sichert bei aktuellen Preisen jährliche Einnahmen von bis zu 490 Mio. USD.

Almonty: Wertschöpfung auf allen Kontinenten
Neben der südkoreanischen Riesen-Mine setzt Almonty auch auf Europa: Im portugiesischen Beira Baixa fördert man in der Panasqueira-Mine seit rund 130 Jahren ununterbrochen hochwertiges Konzentrat und bewahrt so den Förderstandort innerhalb der EU. Aktuell vertieft Almonty den Abbau um rund 120 m, um die Förderung auf bis zu 124.000 MTU Konzentrat pro Jahr auszubauen. Gleichzeitig treibt das Management in Sangdong ein Raffinerieprojekt voran, das jährlich 3.000 bis 4.000 t hochreines Nano-Wolframoxid für Halbleitergase und Batterien liefern soll und von der KfW IPEX-Bank mit einer Absichtserklärung über 50 Mio. USD begleitet wird. Zusätzlich birgt die südkoreanische Lizenz ein Molybdän-Vorkommen von 21,48 Mio. t abgeleiteter Ressource mit 0,26 % MoS2. Dieses Beiprodukt sicherte sich SeAH M&S im Januar 2025 vollständig und über 60 Jahre mit einer Preisuntergrenze von 19,00 USD je Pfund. Im US-Bundesstaat Montana befindet sich zudem das Gentung Browns Lake Tungsten Projekt, das in den kommenden Quartalen Schritt für Schritt in Produktion gebracht werden soll und dann die einzige US-Wolfram-Mine im Betrieb sein wird.
Die Aktie von Almonty als einzigartige Chance
Mit seiner einzigartigen Marktstellung, dem aktuell erfolgenden Hochlauf von Sangdong, der Erweiterung der Panasqueira-Mine und dem nahenden Produktionsstart in den USA birgt auch die Aktie von Almonty eine Menge Fantasie. Nachdem der Wert zu den Gewinnern des Börsenjahres 2025 gehörte, als sich die Aktie verzehnfachte, setzten Monate der Konsolidierung ein. Inzwischen könnte der Wert wieder aussichtsreich sein – zumindest sehen das Analysten so. Die Experten von Diamond Equity Research bewerteten die Aktie von Almonty Mitte Juli mit 31,80 CAD. Aktuell notiert der Wert an der Nasdaq bei lediglich 13,28 USD. Da auch Analystenhäuser wie Bank of America oder Cantor Fitzgerald für die Aktie optimistisch sind und Kursziele weit über der Marke von 20 USD ausgesprochen haben, sollten sich Investoren gerade jetzt mit Almonty auseinandersetzen. Die Situation in der Industrie zeigt: Ohne Wolfram stehen die Bänder still. Almonty verfügt über große Vorkommen und einzigartiges Knowhow. Das hat auch die Wall Street längst erkannt.
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