11.08.2026 | 05:00
Warum das Klimagas Methan Baker Hughes und Shell bedroht – wie Zefiro Methane einen Milliarden-Markt erobert
In den USA stößt man abseits der großen Hauptstraßen immer wieder auf unscheinbare, verrostete Stahlrohre, die aus dem Boden ragen. Doch obwohl offiziell verwaist, lastet auf den ehemaligen Bohrlöchern der Öl- und Gasindustrie eine schwere Hypothek: Mehr als 2 Mio. unversiegelte Bohrlöcher hinterließen Fördergesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten. Aus ihnen entweicht ununterbrochen klimaschädliches Methangas. Doch das soll laut offiziellen Stellen in den USA schnellstmöglich enden. So entsteht aus Altlasten ein profitabler Nischenmarkt mit Milliarden-Potenzial. Wir erklären die Hintergründe und nennen einen Profiteur.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
BAKER HUGHES CO. | US05722G1004 , Shell PLC | GB00BP6MXD84 , ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Shell baut aufs Kerngeschäft und setzt bei Nachhaltigkeit auf externe Partner
Der weltweit tätige Energie-Riese Shell fokussiert sich wieder in erster Linie darauf, die Cashflows im angestammten Öl- und Gasgeschäft hochzuhalten. Eigene, personal- und geräteintensive Aufräumarbeiten an alten Förderstätten passen schlichtweg nicht in dieses Konzept. Statt eigene Ressourcen für die aufwendige Beseitigung historischer Bohrstellen zu schaffen, lagern die Briten solche Aufgaben bevorzugt an spezialisierte Dienstleister aus. Parallel dazu treibt Shell seine grüne Transformation über gezielte Kooperationen voran. Shell Energy schloss mit Baker Hughes eine Vereinbarung über den italienischen Solarpark Zamboni, um sieben Industriestandorte zu versorgen und die Emissionen vor Ort um etwa 13 % zu senken.
Baker Hughes glänzt mit Rekordaufträgen
Der US-Ölausrüster Baker Hughes profitiert vom weltweiten Ausbau der Gas- und Energieinfrastruktur. Der Konzern verzeichnet prall gefüllte Auftragsbücher und liefert weltweit Lösungen für die Förderindustrie. Im zuletzt abgeschlossenen Quartal verbuchte Baker Hughes einen Umsatz von 6,7 Mrd. USD sowie einen bereinigten Gewinn pro Aktie von 0,64 USD. Mit einer operativen EBITDA-Marge von 18,3 % zeigt sich die Ertragskraft der US-Amerikaner extrem robust. Der Auftragsbestand von Baker Hughes kletterte auf 40,1 Mrd. USD. Der Konzern stellt unter anderem High-End-Kompressoren, LNG-Technologie und über Portfoliounternehmen Chart Industries komplexe Prozessanlagen bereit. Die kleinteilige Feldsanierung am Ende des Lebenszyklus stillgelegter Infrastruktur überlässt man jedoch komplett anderen Akteuren.
Zefiro Methane besetzt die profitable Umwelt-Nische
Genau hier setzt Zefiro Methane mit seinem vertikal integrierten Modell an. Das US-Unternehmen verwandelt die gewaltigen Umweltlasten verwaister Quellen in ein planbares und hochmargiges Geschäftsmodell. Laut Branchenschätzungen liegt das Marktvolumen für die Sanierung verwaister Bohrlöcher in Nordamerika zwischen 280 und 500 Mrd. USD. Nach offiziellen Berechnungen der US-Umweltschutzbehörde EPA entweichen aus unversiegelten Bohrlöchern jährlich rund 7 bis 20 Mio. t CO2-Äquivalent in die Umwelt. Zefiro Methane geht diese Mammutaufgabe mit einem Dreiklang aus Feldsanierung, Messtechnik und der Generierung zertifizierter Emissionsrechte an. Zefiro schloss in Custer County in Oklahoma ein Großprojekt erfolgreich ab und verbuchte 92.956 t CO2-Äquivalent an zertifizierten Gutschriften nach Methodik der American Carbon Registry (ACR).
Der weltweit tätige Rohstoffhändler Mercuria Energy America sicherte sich diese Emissionsrechte bereits im Vorfeld über eine feste Abnahmevereinbarung. Die Vorgaben des ACR gelten als anspruchsvoll, da minimale Methan-Austritte ab 1 g CH4/h mit einer Toleranz von maximal 20 % nachgewiesen werden müssen. Zusätzlichen Rückenwind für Zefiro liefert die US-Politik: Das staatliche Förderprogramm IIJA stellt über das Federal Orphaned Wells Program 4,7 Mrd. USD an öffentlichen Mitteln bereit. Zefiro möchte sich von diesem Kuchen ein möglichst großes Stück sichern.

Sachinvestitionen treiben den Umsatz von Zefiro Methane
Um die wachsenden Auftragsvolumina bewältigen zu können, setzt Zefiro Methane auf gezielte Zukäufe und den Ausbau der Tochtergesellschaft Plants & Goodwin. Für einen Kaufpreis von 4,3 Mio. USD übernahm Zefiro Methane die Flotte von Viking Well Service und erweiterte damit seine operative Kapazität. Dieser Kapazitätssprung trug unmittelbar Früchte im operativen Geschäft: Ein Erdgaskunde, der bereits seit 2017 jährlich Aufträge an Zefiro vergibt, stockte seine Sanierungskampagne für 2026 von einem auf drei Bohrtrupps auf, was einen geschätzten Zusatzumsatz von rund 10 Mio. USD einbringen soll. Zudem gewann Plants & Goodwin vier neue Kunden, darunter drei börsennotierte Konzerne mit einer kumulierten Marktkapitalisierung von über 140 Mrd. USD. In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2025 kletterte der Umsatz um 5 % auf 24,4 Mio. USD. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 beschleunigte sich das Wachstum sogar um 58 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Gleichzeitig senkte Zefiro Methane die Schuldenlast von 12,3 Mio. USD auf 8,2 Mio. USD und nahm über eine Finanzierungsrunde 3,3 Mio. CAD an frischem Eigenkapital auf. Mit der Berufung von CFO Correne Loeffler, die Branchenerfahrung von Callon Petroleum einbringt, und Handels-Expertin Tina Reine, die zuvor den Carbon-Trading-Desk bei J.P. Morgan mit aufbaute, verstärkte sich das Management um CEO Catherine Flax entscheidend.
Zefiro Methane laut Analysten interessant
Die Analysten der GBC AG haben Zefiro Methane mit einem Kaufen-Rating sowie einem Kursziel von 1,50 USD bzw. 2,12 CAD in ihr Coverage aufgenommen. In ihrer Erststudie attestieren die Marktexperten dem Unternehmen hervorragende Voraussetzungen, um vom großen Sanierungsbedarf bei verwaisten Bohrlöchern in den USA zu profitieren. Als wesentliche Wachstumstreiber dienten dabei die staatlichen Förderprogramme sowie die steigende Nachfrage privater Energie- und Rechenzentrumsentwickler. Die Aktie ist nach einem dynamischen Ausbruch vor einigen Monaten zurückgekommen und inzwischen wieder einen Blick wert.
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