09.06.2026 | 05:00
Wasserstoff-Hochlauf: Hohe Kosten bremsen die Industrie – Investoren blicken auf First Hydrogen, Plug Power und Nel
Die Treibhausgaseinsparungen in Deutschland stagnierten laut der Denkfabrik Agora Energiewende im Jahr 2025, da die Emissionen lediglich um 1,5 % auf 640 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent sanken. Zwar würden erneuerbare Energien bereits 55,3 % des Strombedarfs decken, doch hohe Investitionskosten bremsen die Transformation der energieintensiven Industrie. Während die Herstellung von grauem Wasserstoff je nach Erdgaspreis zwischen rund 1,50 und 3,30 EUR pro kg kostet, schlägt grüner Wasserstoff mit etwa 7,00 EUR pro kg zu Buche. Neue Vorgaben für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biogenen Ursprungs dürften diese Erzeugungskosten bis 2030 weiter nach oben treiben. Fraunhofer-Experten für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien haben berechnet, dass die wirtschaftliche Nutzung ohne staatliche Nachfrageförderung einen CO2-Preis von deutlich über 200 EUR pro Tonne erfordert – das ist eindeutig zu viel. Doch wie gelingt der Wasserstoff-Hochlauf trotzdem? Wir stellen Unternehmen vor, die Wasserstoff-Innovationen vorantreiben.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 | TSXV: FHYD , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Plug Power: Vertikale Integration und strategische Kapitalaufnahme
Plug Power deckt die komplette Wertschöpfungskette von der Erzeugung flüssigen grünen Wasserstoffs bis hin zu schlüsselfertigen Brennstoffzellensystemen ab. Das Unternehmen rüstet die Gabelstaplerflotten großer Handelskonzerne wie Amazon, Walmart und Home Depot mit seinen GenDrive-Brennstoffzellen und der dazugehörigen GenFuel-Infrastruktur aus. Unter dem neuen CEO Jose Luis Crespo liegt der Fokus auf mehr Kapitaldisziplin. Im ersten Quartal 2026 stieg der Konzernumsatz um 22,3 % auf 163,51 Mio. USD, während das Unternehmen einen Nettoverlust von rund 245 Mio. USD auswies. Durch tiefgreifende Kostensenkungen bei Wartung und Logistik im Rahmen des Programms Quantum Leap fielen die Servicekosten pro Einheit um über 30 %, während die Kraftstoffmarge im gleichen Zeitraum um 54 Prozentpunkte zulegte. Auch mit anderen Maßnahmen wie Verkäufen von Immobilien schrumpft sich Plug Power gesund. Die Projektpipeline des Unternehmens beläuft sich nach eigenen Angaben auf über 8 Mrd. USD. Doch ob das Unternehmen diese Pipeline auch in Umsätze überführt bleibt offen.
Nel schrumpft und setzt neue Standards für Elektrolyseure
Das norwegische Traditionsunternehmen Nel agiert als reiner Technologie- und Erstausrüster für Elektrolyseure und bedient Industrie- sowie Energiekonzerne weltweit. Im ersten Quartal 2026 verbuchte der Konzern einen Umsatzrückgang aus Kundenverträgen von 5 % auf 148 Mio. NOK und verzeichnete einen Nettoverlust von 144 Mio. NOK. CEO Håkon Volldal hat die Gesamtbelegschaft seit ihrem Höhepunkt um 26 % reduziert und passt die Kapazitäten in beiden Segmenten weiter an die aktuelle Nachfragelage an. Der gesamte Auftragsbestand des Unternehmens beläuft sich aktuell auf 1.113 Mio. NOK, wovon 843 Mio. NOK auf PEM-Systeme und 270 Mio. NOK auf alkalische Systeme entfallen. Das im Mai 2026 gestartete druckaufgeladene alkalische System ermöglicht durch ein modulares Skid-Design schlüsselfertige Gesamtkosten von unter 1.450 USD pro kW für eine 25-MW-Anlage. Diese technologische Weiterentwicklung reduziert den Bedarf an teurer nachgelagerter Kompressionsinfrastruktur merklich. Das könnte ein gutes Argument für Produkte von Nel sein.
First Hydrogen: Praxisdaten und integrierte Flottenlösungen
First Hydrogen betreibt ein ganzheitliches Hydrogen-as-a-Service-Modell, das gewerblichen Flottenkunden emissionsfreie leichte Nutzfahrzeuge inklusive einer garantierten mobilen oder stationären grünen Wasserstoffversorgung bereitstellt. Die eingesetzten Fahrzeuge erzielen eine Reichweite von über 630 km, eine Peak-Leistung von 220 bis 300 kW und nutzen eine effiziente 90-kW-Brennstoffzelle. Wintertests mit dem Energieversorger Wales & West Utilities zeigten im direkten Gegensatz zu reinen Batteriefahrzeugen absolut stabile Reichweiten und Leistung selbst bei eisigen Temperaturen. Das Unternehmen plant im kanadischen Shawinigan eine 35-MW-Erzeugungsanlage und eine Montagefabrik für bis zu 25.000 Fahrzeuge pro Jahr – und kann dabei von Kanadas Clean Economy Investment Tax Credits mit einem Gesamtvolumen von 17,7 Mrd. CAD profitieren.
Technologische Diversifikation in Robotik und Kernkraft
Das junge Wachstumsunternehmen entzieht sich der reinen Abhängigkeit vom Wasserstoffmarkt durch kluge technologische Diversifikation. First Hydrogen sicherte sich über eine exklusive Lizenzvereinbarung (Letter of Intent) mit Exodus Actuation Solutions die weltweiten Rechte an teils amphibischen, unbemannten Bodendrohnen, die mit einem Fahrwerk aus acht Gelenkbeinen ausgestattet sind. First Hydrogen behält 100 % des geistigen Eigentums und zahlt lediglich eine moderate Lizenzgebühr von 1 % auf spätere Bruttoumsätze. Zudem erforscht die Tochtergesellschaft First Nuclear in Kooperation mit der University of Alberta den Einsatz von Small Modular Reactors (SMR) – einschließlich möglicher Flüssigsalzbrennstoff-Varianten – zur wetterunabhängigen Wasserstofferzeugung, unter anderem für KI-Rechenzentren.
Fazit: Positionierung als Tausendsassa bietet Chancen
Nel und Plug Power reagieren als kapitalintensive Industriezulieferer sensibel auf Marktveränderungen, First Hydrogen ist dagegen ein Wachstumsunternehmen, das die dezentrale Wasserstoffmobilität innovativ mit Industrierobotik und Kernkrafttechnologie kombinieren will. Die Integration von unbemannten Bodensystemen über ein Drones-as-a-Service-Modell bietet zudem einen schnellen Hebel in einem Markt, der laut Grand View Research bis 2033 bezogen auf sämtliche autonomen Geräte ein Volumen von 182,50 Mrd. USD erreichen soll. Zwar muss First Hydrogen als spekulativ gelten, doch bietet die vielschichtige Positionierung durchaus einen Vorteil – wer auf vielen Hochzeiten tanzt, erhöht die Erfolgschancen. Die Aktie ist wie ein Wettschein auf die nachhaltige Tech-Transformation und erfordert dementsprechend eine gewisse Toleranz gegenüber den Risiken früher Entwicklungsphasen.
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