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16.06.2026 | 05:30

Wie Sie mit BYD, Pure One und Plug Power vom Milliardenmarkt der emissionsfreien Nutzfahrzeuge profitieren

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Bildquelle: pixabay.com

Ende Dezember 2026 bringt DACHSER als erster Kunde weltweit den Mercedes-Benz NextGenH2-Truck mit Flüssigwasserstoff auf die Straße. Parallel orderte WattEV in Kalifornien 370 Tesla Semi – die größte E-Lkw-Einzelbeschaffung im Bundesstaat. Und Pure One lieferte im April 2026 zwei 32-Tonnen-Wasserstoff-Betonmischer an Heidelberg Materials zur Abnahme. Die drei Meldungen aus den letzten Wochen beweisen, dass der emissionsfreie Nutzfahrzeugmarkt durchstartet. Genau hier positionieren sich BYD, Pure One und Plug Power mit unterschiedlichen, aber renditeträchtigen Strategien.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296 , PURE ONE CORPORATION LIMITED | AU0000442865 | ASX: P1E , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020

Inhaltsverzeichnis:


    BYD - zwischen Exportboom und technologischer Offensive

    BYD fährt bei Nutzfahrzeugen eine breit aufgestellte Elektro-Strategie. Die Modellpalette für 2026 umfasst leichte Transporter wie den T4 für urbane Last-Mile-Logistik ebenso wie den Hybrid-Lkw T5, der bereits eine Branchenauszeichnung erhielt. Schwere Zugmaschinen wie der Q3 laufen in Häfen und Industriegebieten. Besonders bemerkenswert ist der elektrische Sprühwagen T18 für kommunale Dienste mit einer Steigfähigkeit von über 30 %. Die zweite Generation der Blade-Batterie ist speziell für Viellader im Nutzfahrzeug-Einsatz optimiert, das „brake-by-wire“ System im T5 verdoppelt die Reaktionsgeschwindigkeit gegenüber Druckluftbremsen.

    Nach 8 Monaten mit rückläufigen Jahresvergleichen meldete BYD im Mai 2026 erstmals wieder ein Absatzplus. Weltweit gingen 383.453 New Energy Vehicles (NEVs) über den Ladentisch, ein marginaler Anstieg von 0,3 %. Der Treiber sind die Exporte. Mit 160.644 Fahrzeugen erreichten die Ausfuhren einen neuen Rekord und ein Plus von 80 %. Rund 42 % des monatlichen Absatzes entfallen inzwischen auf Auslandsmärkte. Während das China-Geschäft um 24 % einbrach kompensierte das starke Europa-Wachstum diese Schwäche zumindest mengenmäßig. Die kumulierten Verkäufe der ersten 5 Monate liegen mit 1,41 Mio. Einheiten allerdings 20 % unter dem Vorjahresniveau.

    Die geopolitische Lage bleibt ein Risikofaktor. Das US-Verteidigungsministerium setzte BYD Anfang Juni auf eine Liste mit angeblichen Militärverbindungen. Peking droht mit Vergeltung. Umso wichtiger wird die Europastrategie. Das Werk im ungarischen Szeged nimmt im 4. Quartal 2026 die Produktion auf, ein zweiter Standort in Südeuropa ist in Prüfung. Für den Kontinent entwickelt BYD spezifische Modelle wie den Dolphin G DM-i, einen Plug-in-Hybrid-Kleinwagen ab 28.990 EUR mit einer Gesamtreichweite von über 1.000 km. Analysten bleiben trotz des jüngsten Gewinneinbruchs von 55,4 % im 1. Quartal mehrheitlich optimistisch, der Exportboom lässt hoffen. Derzeit ist die Aktie für 9,414 EUR zu haben.

    Pure One - zwischen Wasserstoff und Batterietausch reift der Turnaround

    Pure One verlässt die Testphase. Zwei wasserstoffbetriebene 32 t Betonmischer für Heidelberg Materials stehen kurz vor der Abnahme. Das ist ein echter Referenzauftrag für den Schwerlastbereich. Parallel dazu startet im September die „Alpha Series“ mit Batterietauschsystemen in Australien. Der Einstiegspreis von rund 200.000 AUD netto macht die Fahrzeuge für Logistikflotten wirtschaftlich interessant. Hinzu kommt der erste vollelektrische EV70-Minibus für eine gemeinnützige Organisation, der dank Solaranbindung nahezu CO2-neutral fährt. Diese Mischung aus Wasserstoff, Batterie und Hybrid zeigt, dass das Unternehmen nicht nur Konzepte, sondern echte Fahrzeuge an echte Kunden liefert.

    Steigende Ölpreise und verschärfte Emissionsregeln treiben die Nachfrage nach emissionsfreien schweren Nutzflotten. Pure One profitiert doppelt. Die Fertigung läuft über Partner wie HDrive International, das eigene Team fokussiert sich auf Vertrieb und Kundenservice. Die Auftragsfertigung vermeidet Lagerrisiken. Mit 13,2 Mio. AUD an liquiden Mitteln ist die Finanzierung für rund 3 Jahre gesichert. Der Verkauf der Turquoise-Beteiligung für 5 Mio. AUD schärft zudem den Fokus aufs Kerngeschäft. Verglichen mit Branchenwerten, die beim 0,8-fachen des EV/Umsatz-Multiple notieren, handelt Pure One mit 0,2x massiv unterbewertet. Diese Lücke dürfte sich langfristig schließen.

    Die kommenden Monate liefern mehrere Katalysatoren, wie die BEV-Truck-Einführung im September, erste Hybrid-Bestellungen und die wachsende US-Vertriebspipeline. TRIM Capital erwartet ab der zweiten Jahreshälfte 2027 ein positives EBITDA, getrieben durch steigende Stückzahlen und Effizienzgewinne. Das DCF-Modell des Analysehauses unterstellt einen fairen Wert von 0,557 AUD pro Aktie bei 20 % Eigenkapitalkosten und 3 % terminalem Wachstum. Das entspricht fast dem Neunfachen der aktuellen Marktkapitalisierung von rund 22 Mio. AUD. Gelingen die ersten Großaufträge, ist eine deutliche Neubewertung mehr als wahrscheinlich. Aktuell notiert die Aktie bei 0,055 AUD.

    Plug Power - operativer Fortschritt trifft auf Liquiditätsrisiko

    Plug Power profitiert 2026 vor allem dort, wo die Industrie leiser und sauberer wird. In den Lagerhallen von Amazon und Walmart werden wasserstoffbetriebene Gabelstapler genutzt. Für rund 20.000 dieser Stapler stehen ab Jahresende Auffrischungszyklen an. Die Brennstoffzellen-Fahrzeuge tanken in 90 Sekunden und entlasten durch ihren Betrieb das örtliche Stromnetz um bis zu 2 MW pro Standort. Zwar wächst die Elektrolyseur-Sparte rasant, doch das Materialhandling bleibt das umsatzstabile Rückgrat. So partizipiert Plug Power direkt an der grünen Logistikwende, ohne sich im schweren Lkw-Segment zu verheben.

    Das 1. Quartal 2026 lieferte echte Fortschritte: Der Umsatz kletterte um 22 % auf 163,5 Mio. USD, die Bruttomarge verbesserte sich von minus 55 auf minus 13 %. Unter dem neuen CEO Crespo läuft das Sparprogramm „Project Quantum Leap“ auf vollen Touren. Das Management peilt für das 4. Quartal ein positives EBITDA an. Die Elektrolyseur-Erlöse vervierfachten sich nahezu, Analysten von Craig-Hallum hoben das Kursziel auf 5 USD an. Erstmals seit Jahren stimmt die Richtung, auch wenn die Gewinnzone noch fern ist.

    Trotz aller operativen Erfolge verbrennt Plug Power weiterhin 150 Mio. USD pro Quartal. Das kumulierte Defizit der letzten Jahrzehnte liegt bei erschreckenden 8,2 Mrd. USD. In der Kasse liegen 223 Mio. USD, was für etwa 4 Monate reicht. Das Management stemmt sich dagegen mit Vermögensverkäufen, Steuergutschriften und einem Staatsdarlehen über 1,66 Mrd. USD, das allerdings in Tranchen fließt. So soll die Finanzierungslücke bis zur Profitabilität überbrückt werden. Gelingt diese Kapitalbeschaffung, wird der Turnaround greifbar. Scheitert sie, droht eine verwässernde Finanzierungsrunde. Das ist das größte Risiko für Aktionäre. Momentan kostet eine Aktie 2,76 USD.


    Die grüne Nutzfahrzeug-Welle rollt, doch Anleger müssen genau hinsehen. BYD profitiert vom Exportboom und der europäischen Expansion, kämpft aber mit geopolitischen Risiken und Gewinneinbruch. Pure One liefert mit Wasserstoff-Betonmischern und Batterietausch reale Referenzaufträge und ist laut TRIM Capital deutlich unterbewertet. Plug Power stabilisiert sich im Materialhandling mit Amazon und Walmart, doch der hohe Cash-Burn bleibt eine tickende Zeitbombe. Während die Branche durchstartet, entscheidet über Renditen vor allem die finanzielle Umsetzung der jeweiligen Strategie.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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