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22.07.2026 | 05:45

100 % Kurspotenzial und mehr: Was Analysten Desert Gold Ventures, Oracle und Hypoport zutrauen

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Bildquelle: Pixabay

Wertpapieranalysten geben sich meist betont zurückhaltend, um keine falschen Erwartungen zu wecken. Bei Oracle und Hypoport aber wagen sie sich mit Kurszielen aus der Deckung, die Verdopplungspotenzial versprechen, bei der kanadischen Minenaktie Desert Gold Ventures sogar deutlich mehr. Was hinter den Einschätzungen steckt, wie realistisch sie sind und welche Fakten Anleger im Blick behalten sollten.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: DESERT GOLD VENTURES | CA25039N4084 | TSXV: DAU , OTCQB: DAUGF , ORACLE CORP. DL-_01 | US68389X1054 , HYPOPORT SE NA O.N. | DE0005493365

Inhaltsverzeichnis:


    Desert Gold: Vom Explorer zum Produzenten

    Mutige Kursziele sind in Zeiten strenger regulatorischer Vorgaben selten geworden. Doch hin und wieder gehen Experten mit Einschätzungen an die Öffentlichkeit, die für Aufsehen sorgen. Drei aktuelle Beispiele zeigen, wie groß der Abstand zwischen dem aktuellen Kurs und dem Ziel der Experten sein kann. Am auffälligsten ist der Fall Desert Gold Ventures. Die Analysten von GBC Research beziffern den inneren Wert der Aktie auf 0,93 CAD beziehungsweise 0,59 EUR. Verglichen mit dem aktuellen Kurs von rund 0,11 CAD (an deutschen Handelsplätzen aktuell 0,07 EUR) entspräche das einer Vervielfachung. Das kanadische Unternehmen entwickelt unter anderem ein Goldprojekt in der Senegal Mali Shear Zone (SMSZ), eine 440 km² große Lizenzfläche, an die auch Minen von Giganten wie Barrick Mining und B2Gold angrenzen. Bislang weist das Projekt eine Ressource von rund 1,2 Mio. Unzen Gold aus, größtenteils oberflächennah und damit vergleichsweise günstig abbaubar.

    Statt ein kapitalintensives Großprojekt zu stemmen, setzt das Management um CEO Jared Scharf auf einen kostenschonenden Ansatz: Am Standort Barani East in Mali soll zunächst eine mobile Schwerkraftanlage anfänglich 200 bis 240 t Gestein pro Tag zerkleinern, um das erste Gold (und damit den ersten Cashflow) zu liefern, bevor die Kapazität nach und nach ausgebaut wird. GBC berechnet den fairen Wert des Unternehmens unter anderem über diese Anlage (89,6 Mio. USD), das Projekt selbst (gemäß Wirtschaftlichkeitsstudie 124,0 Mio. USD) sowie das Explorationsareal Tiegba an der Elfenbeinküste (9,5 Mio. USD) und weitere Ressourcen (21,7 Mio. USD). In Summe ergibt das einen inneren Wert von 244,8 Mio. USD beziehungsweise 344,3 Mio. CAD – eben jene 0,93 CAD je Aktie.

    Der Zeitpunkt für eine mögliche Neubewertung ist da: Erst vor wenigen Tagen, am 19. Juli, traf die Anlage in Barani East ein – jener Moment, in dem ein Explorer im Bergbau zum Produzenten wird und an dem sich Hoffnung in operatives Geschäft wandelt. Laut CEO Scharf verläuft alles nach Plan: „Mit der Schwerkraftanlage sind wir dem Ziel der Goldproduktion näher als je zuvor. Ich freue mich darauf, dem Markt weitere Leitlinien zu geben, sobald wichtige Meilensteine erreicht sind.“ Folglich dürfte schon in den kommenden Tagen mit kursrelevanten Meldungen zum Fortschritt der Anlage zu rechnen sein. Die Chance liegt im sogenannten Re-Rating: Gelingt der Produktionsstart wie geplant, könnte der Markt Desert Gold nicht mehr als kapitalhungrigen Explorer, sondern als Cashflow generierenden Produzenten einstufen.

    Oracle: KI-Boom trifft auf wackelige Bilanz

    Auch wenn die GBC-Berechnung mit plausiblen Zahlen unterfüttert ist, wirkt ein Ziel mehr als 700 % über dem aktuellen Kurs auf den ersten Blick sehr hoch angesetzt. Das Gros der Anleger wäre sicher schon mit 100 % Gewinn zufrieden. Doch selbst der Mut zu Kurszielen, die beim Doppelten der aktuellen Notierung liegen, ist in der Analystenzunft eher wenig verbreitet. Allerdings gibt es Ausnahmen, sogar bei etablierten Konzernen. Bei Oracle etwa beziffert die US-Investmentbank Jefferies den fairen Wert auf 320 USD je Aktie, was verglichen mit dem aktuellen Kurs von rund 125 USD ein Potenzial von mehr als 150 % bedeutet. Das ist zwar das höchste unter den Kurszielen der großen Häuser, ganz allein steht Jefferies damit aber nicht: Die Deutsche Bank hält 300 USD für erreichbar, die UBS 285 USD – beides mehr als 100 % über dem aktuellen Niveau.

    Oracle verdient traditionell an Datenbanksoftware und Unternehmensanwendungen, hat sich zuletzt aber zum gefragten Infrastrukturpartner der KI-Branche gewandelt: Über die Cloud-Sparte OCI (Oracle Cloud Infrastructure) betreibt der Konzern Rechenzentren für Kunden wie OpenAI und Meta Platforms und sitzt auf einem Auftragsbestand von mehreren 100 Mrd. USD. Genau dieser Boom wurde der Aktie zwischenzeitlich zum Verhängnis. Seit dem 2025er-Hoch von rund 325 USD hat das Papier – ausgelöst durch die Meldung eines milliardenschweren Cloud-Deals mit OpenAI – deutlich nachgegeben. Investoren sorgen sich um die Finanzierung der massiven KI-Investitionen: Oracle hat mehr als 130 Mrd. USD an Schulden aufgenommen, um Rechenzentren zu bauen, während der freie Cashflow zuletzt deutlich negativ ausfiel. Die Ratingagentur S&P stufte die Kreditwürdigkeit Anfang Juli auf BBB- herab, nur noch eine Stufe über dem Ramschbereich. Die Auftragslage ist also glänzend, die Bilanz dagegen angespannt – dieser Widerspruch treibt die Diskussion um die Aktie seither an.

    Hypoport: Comeback nach dem Kursverfall?

    Auch in Deutschland gibt es hin und wieder Beispiele für Kursziele, die traumhafte Renditen für Anleger suggerieren. Eines davon ist Hypoport. Die Privatbank Berenberg veröffentlichte im Mai ein Kursziel von 190 EUR, was gegenüber der aktuellen Notiz einem Potenzial von fast 100 % entspräche. Hypoport betreibt mit Europace die größte deutsche B2B-Plattform für Immobilienfinanzierungen: Banken, Versicherer und Finanzierungsvermittler wickeln darüber Baufinanzierungen, Bausparverträge und Ratenkredite ab, das Unternehmen verdient an Plattformgebühren und volumenabhängigen Provisionen.

    Vom Hoch bei über 600 EUR im Jahr 2021 ist die Aktie inzwischen auf 88 EUR gefallen. Grund ist eine Mischung aus einem insgesamt schwierigeren Immobilienfinanzierungsmarkt und zuletzt enttäuschenden Zahlen: Im ersten Halbjahr stagnierte das über Europace vermittelte Finanzierungsvolumen bei 38,3 Mrd. EUR, im margenträchtigen Bausparsegment brach das Volumen sogar um 16 % ein. Laut Vorstandschef Ronald Slabke ist das kein Drama: „Im ersten Quartal 2026 haben wir infolge des durch den Iran-Konflikt ausgelösten Zinssprungs kurzfristig höhere Abschlussquoten gesehen, was im zweiten Quartal zu der erwartbaren Entschleunigung im Gesamtmarkt geführt hat“, erklärt der Manager. Und: „Über das gesamte Halbjahr betrachtet liegen wir auf dem Niveau des starken ersten Halbjahres 2025 und haben weitere Marktanteile gewonnen.“ Die Aktie reagierte auf die Zahlen dennoch mit einem spürbaren Rückgang, was zeigt, wie sensibel der Markt derzeit auf jedes Anzeichen einer Abkühlung reagiert.

    Ob Berenberg mit dem mutigen Kursziel recht behält? Ganz aus der Welt ist das nicht, wie der Blick auf den Langfristchart zeigt. Vom ersten Absturz von 600 auf unter 100 EUR im Jahr 2022 erholte sich der Kurs zunächst Richtung 200 EUR, ehe er im Herbst 2023 erneut einbrach. Dem folgte bis Mitte 2024 eine Rally auf über 300 EUR. Auch bei Oracle verlief der Aufstieg in die Liga der bedeutendesten Softwarekonzerne der Welt – ähnlich wie beim Dauerrivalen SAP – nicht immer geradlinig.

    Fazit: Zwischen Träumerei und Track Record

    Wenn Analysten sich weit aus dem Fenster lehnen, muss letztlich die Zukunft zeigen, ob die damit geweckten Erwartungen eintreten. Fakt ist, dass eine Kursverdopplung bei kleineren Unternehmen wie Desert Gold deutlich wahrscheinlicher ist – schon allein, weil der Kurs mit aktuell 0,11 CAD beziehungsweise 0,07 EUR so niedrig und der Börsenwert mit knapp 38 Mio. CAD so gering ist. Bei Oracle müsste die Marktkapitalisierung für eine Verdopplung um mehr als 300 Mrd. USD steigen, bei Hypoport um mehr als eine halbe Mrd. EUR. Dafür ist das Risiko bei den etablierten Unternehmen naturgemäß geringer: Sowohl Oracle als auch Hypoport verfügen über diversifizierte Geschäftsmodelle mit wiederkehrenden Erlösen und einen langjährigen Track Record, während Desert Gold vom technisch anspruchsvollen Produktionsstart in Mali abhängt. Im Erfolgsfall ist der Hebel für die Goldminenaktie jedoch ungleich größer. Die im Boden liegenden 1,2 Mio. Unzen haben aktuell einen Marktwert von mehr als 4,8 Mrd. USD, was selbst nach Abzug der Förderkosten von 1,4 Mrd. USD mehr als dem 100-Fachen des aktuellen Börsenwerts entspricht – und die weiteren Projekte sind in dieser Rechnung noch nicht berücksichtigt. Das zeigt, dass aus dem Kursziel von GBC Research mehr werden kann als bloße Träumerei.


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    Der Autor

    Jens Castner

    Jens Castner

    Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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