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30.08.2021 | 04:24

First Hydrogen, Nel, PlugPower, FuelCell Energy – Kommt die nächste Rallye zu Wasserstoff?

  • Wasserstoff
Bildquelle: pixabay.com

Wasserstoff wird immer wieder als Lösung für klimaneutrale Energiegewinnung angebracht. Für den Klimaschutz muss stark unterschieden werden, denn nur grüner Wasserstoff – produziert aus 100% Erneuerbaren Energien – ist wirklich klimafreundlich. Eine unzureichende Differenzierung zwischen den Wasserstofftypen hat für den Globus fatale Folgen. In einer neueren Studie belegen Wissenschaftler der Universität Standford in Kalifornien, dass blauer Wasserstoff, produziert aus Erdgas in Verbindung mit der Verpressung des entstandenen CO2 durch Carbon-Capture-and-Storage, sogar eine deutlich schlechtere Klimabilanz hat, als die direkte Verbrennung von Erdöl und Erdgas. Dies ist hauptsächlich verursacht durch erhebliche Methangasemissionen in der Produktion. Wir blicken auf interessante Werte im Wasserstoff-Umfeld.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: PURE EXTRACTION CORP. | CA74622J1012 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , FUELCELL ENERGY DL-_0001 | US35952H6018

Inhaltsverzeichnis:


    First Hydrogen – Der Transporter mit Wasserstoffantrieb kommt

    Wie wird der benötigte Wasserstoff in großer Menge produziert? Methan ist bis zu 80-fach klimaintensiver als CO2. Da die Methanemissionen bei der Wasserstoffherstellung mit Gas nicht verhindert werden können, ist jede Wasserstoffgewinnung aus Erdgas automatisch klimaschädlich. Auch die Option, das CO2 bei der Elektrolyse abzuscheiden und zu deponieren, hilft dem Klimaschutz nicht und scheitert technisch an der sauberen Trennung. Um wirklich einen Umweltbeitrag zu liefern, bedingt die Herstellung des H2-Gases die ausschließliche Nutzung von grüner Energie, denn nur dann könnten die Protagonisten eine wirkliche Dekarbonisierungs-Strategie nachweisen.

    First Hydrogen ist ein neuer Vertreter des Sektors, man hat aber für die Produktentwicklung bereits die H2-Experten Ballard Power und AVL Powertrain an Bord genommen. Ziel ist der Bau eines mittleren Lieferwagens („Sprinter“) mit H2-Antrieb. Die zugehörigen Absichtserklärungen wurden nun Anfang August von der TSX Venture Exchange genehmigt. Details des Deals sind die Gewährung von insgesamt 3 Mio. Aktien an die Muttergesellschaft Nova Light Capital Ltd., die die Kooperationen koordiniert. Als Gegenleistung wird Ballard bestimmte Ingenieurs-Leistungen und die Integration seines Wasserstoff-Brennstoffzellenmoduls für den Prototyp eines leichten Nutzfahrzeugs von First Hydrogen erbringen. Ferner wird AVL die Integration aller Komponenten des Antriebsstrangs planen und durchführen, einschließlich der Entwicklung von Fahrzeugkomponenten und der Steuerungssoftware.

    First Hydrogen verfügt durch seine Konstruktions- und Integrationsstrategie über erhebliche Marktvorteile und eine niedrige Kostenbasis, die sich auf bestehende Best-of-Technologien und ein bewährtes Fahrgestell stützt. Gerade Lieferdienste sind hervorragend für die Wasserstoff-Technologie geeignet, denn sie arbeiten in der Regel dezentral und können von der hohen Reichweite profitieren und das mit vergleichsweise kleinen Tanks. Die Zielmärkte EU und UK fördern saubere Energielösungen durch die Investitions- und Zuschussprogramme von Invest EU, welche Teil der EU-Strategie zur Ankurbelung einer sauberen Wasserstoffwirtschaft in Europa sind.

    Im Vergleich zu Elektrofahrzeugen mit Lithium-Ionen-Batterien, verspricht sich First Hydrogen eine wesentlich höhere Effizienz und Reichweiten zwischen 400 und 600 km. Zusätzlich schärft ein Betreiber eines Fuhrparks sein ESG-Profil und generiert Zusatzeinnahmen durch CO2-Zertifikate. First Hydrogen notiert noch unter dem Kürzel PURX und hat bislang 42,6 Mio. Aktien ausgegeben. Auf Basis von 1,80 CAD je Aktie beträgt die Markkapitalisierung derzeit gerade mal 83,2 Mio. CAD. Im Vergleich zu anderen Wasserstoffunternehmen ist das nur ein Bruchteil.

    Nel ASA – Ein neuer charttechnischer Versuch

    Ein neuer Versuch der Stabilisierung. Die Aktie des norwegischen Wasserstoff-Spezialisten Nel ASA kämpft sich im Wochenverlauf vom Jahrestief zurück nach oben. Der Titel konnte vorübergehend sogar zweistellig zulegen, fiel aber am Ende der Woche wieder unter die Linie von 1,40 EUR. Damit notiert das Wertpapier an einer wichtigen Marke, der mittelfristige Trend wird sich hieraus entscheiden.

    Operative gute Nachrichten verkündete Nel via Twitter, denn das Unternehmen möchte sein Netzwerk aus Kooperationen weiter stark ausbauen. Nel hatte im April bereits einen Rahmenvertrag mit dem Beratungs- und Ingenieurunternehmen Wood abgeschlossen. Aktuell sicherte sich Wood ein von der britischen Regierung ausgereichtes Darlehen in Höhe von rund 500 Mio. EUR. Wood möchte mithilfe der Finanzierung die Chancen nutzen, die sich im Zuge der Energiewende bieten. Hierzu plant die britische Unternehmensgruppe Wasserstoffprojekte zu entwickeln, die grünen, blauen und Bio-Wasserstoff umfassen. Die Chancen stehen gut, dass der Partner Nel auch davon profitieren wird.

    Als charttechnischer Kurstreiber kann das Volumen-Profil angeführt werden. Im Preisbereich zwischen 17 bis 18 NOK befindet sich solch ein Volumen-Peak, mit dem Ausbruch über den Widerstand bei 14,7 NOK generierte Nel ein technisches Kaufsignal. Leider ist die Linie per Wochen-Schlusskurs wieder leicht unterboten worden. Behalten Sie Nel ASA erst mal eng auf der Watchlist!

    PlugPower versus FuelCell Energy – Wo jetzt aufspringen?

    Noch ein Blick auf die US-Wasserstoff-Experten PlugPower und FuelCell Energy: Nach dem massiven Abverkauf zwischen Februar und Mitte Mai ist es um die PlugPower-Aktie deutlich ruhiger geworden. Infolge eines kräftigen Rebounds an der Unterstützungszone bei 19 USD gab es zwar zwischenzeitlich Hoffnung auf eine nachhaltige Trendwende, doch dieser Versuch scheiterte Ende Juni an der 100-Tage-Linie bei 35,7 USD. Prompt kam es zum weiteren Abrutschen bis auf 24 USD. Seitdem bewegt sich der Titel innerhalb einer Range, die sich auf der Oberseite bei 27 USD ausgebildet hat nach unten bei 24 USD gesichert scheint. Eine Entscheidung dürften die nächsten Wochen liefern.

    Bei der FuelCell Energy-Aktie ist die Blase, die wir hier oft thematisiert hatten, mittlerweile geplatzt. Getrieben wurden die Kurse zu Jahresbeginn vor allem von massiven Privatanlegerkäufen, die damals nach einem steilen Kursanstieg auf noch weitaus höhere Gewinne hofften. Operativ haben sich aber keine messbaren Verbesserungen eingestellt. Mittlerweile notiert die Aktie um rund 80% unter ihrem Jahreshoch, charttechnisch erreichte sie mit 5,75 USD letzte Woche ein weiteres Tief, das Hoch im Februar lag bei 29,44 USD. Bei einem Umsatz von ca. 65 Mio. USD beträgt das Kurs-Umsatz-Ratio immer noch utopische 30. Die Aktie schwebt daher immer noch in einer anderen Galaxie.


    Wasserstoff ist nicht gleich Wasserstoff. Nach der kollektiven Entscheidung zu Gunsten der E-Mobilität, muss die H2-Industrie erst ihre Anwendungs-Nische finden. Große Player sind nach wie vor sehr hoch bewertet, kleinere Unternehmen wie First Hydrogen sind durch gute Kooperationsverträge durchaus in der Lage, interessante Konzepte auch mit kleinem Budget zum Fliegen zu bringen.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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