17.07.2026 | 05:00
Lang lebe der Diesel: Warum dynaCERT, Deutz und Daimler Truck jetzt spannend sind. Analysten sehen hohes Potenzial von über 500 %
Die Zukunft des Verkehrs ist elektrisch – aber der Weg dorthin wird länger und komplizierter als viele Anleger glaubten. Millionen Lastwagen, Bau- und Landmaschinen, Generatoren sowie Militärfahrzeuge werden noch über Jahre mit Verbrennungsmotoren arbeiten. Genau daraus entsteht eine interessante Investmentstory. Mit dynaCERT, Deutz und Daimler Truck stellen wir drei aussichtsreiche Aktien vor.
Lesezeit: ca. 8 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , DEUTZ AG O.N. | DE0006305006 , Daimler Truck Holding AG | DE000DTR0013
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Der Weg zum elektrischen Verkehr wird länger und komplizierter als gedacht. Millionen Lastwagen, Bau- und Landmaschinen, Generatoren sowie Militärfahrzeuge werden noch über Jahre mit Verbrennungsmotoren arbeiten. Genau daraus entsteht eine interessante Investmentstory, auf die Anleger setzen können. dynaCERT etwa will den riesigen Dieselbestand sauberer machen, Deutz baut sein Geschäft rund um Motoren, Energieversorgung und Militärfahrzeuge massiv aus, und Daimler Truck setzt parallel auf effizientere Dieselmodelle, Batterie-Lkw und Wasserstoff.
dynaCERT: Die 500 %-Chance
Die große Wasserstoff-Euphorie ist an der Börse zwar vorerst verflogen. Viele frühere Hoffnungsträger kämpfen noch immer mit schwachen Umsätzen, hohem Kapitalbedarf und enttäuschten Anlegern. In diesem Umfeld könnte dynaCERT jedoch für eine spekulative Überraschung sorgen. Die Kanadier setzen nicht auf den Austausch kompletter Fahrzeugflotten, sondern auf einen gigantischen Bestand mit Millionen Diesel-Lkw, Baumaschinen, Minenfahrzeugen und Generatoren, die noch viele Jahre im Einsatz bleiben werden.
Mit HydraGEN hat dynaCERT ein Nachrüstsystem entwickelt, das während des Betriebs Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt und dem Verbrennungsprozess zuführt. Dadurch sollen Dieselverbrauch und Schadstoffausstoß sinken. Für Flottenbetreiber liegt der Reiz auf der Hand. Sie müssen weder neue Fahrzeuge anschaffen noch aufwendig in bestehende Motoren eingreifen. Jeder eingesparte Liter verbessert direkt die Kostenrechnung. Besonders interessant ist die Technologie dort, wo batterieelektrische Lösungen vorerst an ihre Grenzen stoßen. In Minen, auf Großbaustellen oder in abgelegenen Regionen fehlt häufig die notwendige Ladeinfrastruktur. Für schwere Maschinen und große Dieselgeneratoren bietet dynaCERT eigens entwickelte Systeme an. Damit positioniert sich das Unternehmen als Brückentechnologie zwischen klassischem Dieselbetrieb und einer emissionsärmeren Zukunft.
Ein wichtiger Meilenstein ist die deutsche ABE-Zulassung. Rund 26 Monate dauerte das Prüfverfahren beim Kraftfahrt-Bundesamt, an dem nach Unternehmensangaben unter anderem TÜV Nord, TÜV Süd und Continental EMITEC beteiligt waren. Für dynaCERT ist das mehr als ein technisches Gütesiegel. Die Homologation beseitigt eine zentrale Vertriebshürde in Deutschland und könnte zugleich als Referenz für weitere europäische Märkte dienen.
Zusätzliche Fantasie liefert das Geschäft mit CO₂-Zertifikaten. Die von dynaCERT entwickelte Methodik wurde bereits von Verra anerkannt. Nun arbeitet das Unternehmen an den nächsten formalen Schritten, damit aus dokumentierten Emissionseinsparungen tatsächlich handelbare Gutschriften entstehen können. Die Telematikplattform HydraLytica erfasst dafür Verbrauchs- und Emissionsdaten. Gelingt die Umsetzung, könnten Kunden künftig nicht nur Diesel sparen, sondern zusätzlich an der Vermarktung der vermiedenen Emissionen verdienen. Für dynaCERT wäre das der Einstieg in ein margenstärkeres Geschäft mit digitalen und möglicherweise wiederkehrenden Erlösen.
Vietnam als Türöffner
Auch operativ gibt es erste Lichtblicke. In Vietnam gelang nach Pilotprojekten der Einstieg in den kommerziellen Einsatz. Ein Logistikunternehmen bestellte HydraGEN-Systeme, zudem wurde die Technik auf Fahrzeugen eines großen Hafenbetreibers installiert. Vietnam könnte damit zum Türöffner für Südostasien werden. Dort sind mehr als 10 Millionen mittelschwere und schwere Diesel-Nutzfahrzeuge unterwegs. Schon eine geringe Marktdurchdringung würde für dynaCERT erhebliche Stückzahlen bedeuten. Der neue CEO Kevin Unrath legt den Fokus auf Industrialisierung, höhere Produktionsvolumina und die kommerzielle Marktdurchdringung. Dies bestätigte er gemeinsam mit President & Director Bernd Krüper in einem aktuellen Interview mit IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk, in dem das Management auch erläutert, welche Rolle Vietnam bei der Expansion spielt und wie der weitere Rollout in den Emerging Markets aussehen soll:
https://youtu.be/hVNR4Ch5p0c
Die Wachstumschancen für dynaCERT sind groß. Technologie, Zulassungen und Marktpotenzial sind vorhanden. Das Unternehmen muss jetzt zeigen, dass aus Tests, Partnerschaften und Absichtserklärungen belastbare Aufträge und messbare Umsätze werden. Gelingt dieser Schritt, besitzt die Aktie hohes Potenzial. Allerdings sind nach wie vor auch Risiken vorhanden. Denn der breite kommerzielle Durchbruch steht weiterhin aus. Im ersten Quartal 2026 erzielte dynaCERT lediglich knapp 38.000 CAD Umsatz. Eine Ende Juni abgeschlossene Privatplatzierung über 5 Millionen CAD brachte allerdings frisches Kapital für Vertrieb und Wachstum. Das Geld soll vor allem in den internationalen Vertrieb und in Projekte aus den Bereichen Transport, Bergbau, Bauwirtschaft und Hafenlogistik investiert werden. Gelingt es, die ersten Aufträge in Vietnam in einen breiteren Rollout zu überführen, könnte das Unternehmen erstmals den Sprung vom interessanten Technologieanbieter zum kommerziell relevanten Nachrüstspezialisten schaffen.
Kurspotenzial von über 500 %
Für spekulative Anleger bleibt die Aktie daher hochspannend. Das Researchhaus GBC sieht den fairen Wert auf Sicht von zwölf Monaten bei 0,75 CAD. Auf Basis des aktuellen Aktienkurses von rund 0,12 CAD entspräche dies einem Gewinnpotenzial von über 500 %. Die Chance ist also enorm – nun muss dynaCERT beweisen, dass aus den ersten asiatischen Referenzprojekten ein skalierbares Geschäft entsteht.
Deutz: Vom Motorenbauer zum Rüstungskonzern
Der traditionsreiche Motorenhersteller Deutz profitiert davon, dass Verbrennungsmotoren in Baumaschinen, Landtechnik, Generatoren und militärischen Anwendungen noch lange gebraucht werden. Gleichzeitig erweitert der Konzern sein Geschäftsmodell in Richtung Energieversorgung, Service und Verteidigung.
Der jüngste Paukenschlag ist die geplante Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft, kurz FFG. Der Kaufpreis liegt bei rund 1,6 Milliarden EUR und macht die Transaktion zur größten Übernahme in der mehr als 160-jährigen Geschichte von Deutz.
FFG produziert, wartet und modernisiert Schützenpanzer, Mannschaftstransporter und andere Militärfahrzeuge. Das Unternehmen erzielte 2025 rund 760 Millionen EUR Umsatz und beschäftigt etwa 1.100 Mitarbeiter. Nach Abschluss des Deals will Deutz zu einem führenden deutschen Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen aufsteigen.
Strategisch ist der Schritt nachvollziehbar. Deutschland und andere Nato-Staaten erhöhen ihre Verteidigungsausgaben, während vorhandene Fahrzeugflotten über viele Jahre modernisiert, repariert und gewartet werden müssen. Dieses Service- und Ersatzteilgeschäft kann langfristige und vergleichsweise gut planbare Erlöse bringen. Zusätzlich profitiert Deutz von Infrastrukturinvestitionen und vom steigenden Bedarf an dezentralen Strom- und Notstromlösungen.
Die Transformation trifft zudem auf ein Kerngeschäft, das sich bereits vor dem FFG-Deal spürbar erholt hat. Im ersten Quartal erreichte der Auftragseingang 771 Millionen EUR. Im klassischen Motorengeschäft legten die Bestellungen um 26 % zu, im margenstarken Servicegeschäft um 13 %. Der Umsatz stieg um 8 % auf 530 Millionen EUR, während das bereinigte EBIT sogar um 46 % auf 37 Millionen EUR sprang. Die operative Marge verbesserte sich damit auf 7 %.
Hier zeigt sich der große operative Hebel. Steigen die Stückzahlen, wachsen die Gewinne überproportional. Zusätzlich wirkt das Kostenprogramm „Future Fit“. Bis Ende 2026 sollten die jährlichen Kosten ursprünglich um 50 Millionen EUR sinken. Analysten der DZ Bank gehen davon aus, dass dieses Ziel um rund 10 % übertroffen werden könnte. Der Motorenbauer spart also nicht nur, sondern wird strukturell profitabler.
Für 2026 bestätigte das Management zuletzt einen Umsatz von 2,3 bis 2,5 Milliarden EUR und eine bereinigte EBIT-Marge von 6,5 bis 8 %. Diese Ziele beziehen sich noch weitgehend auf den Konzern vor der vollständigen Einbeziehung von FFG. Das bisher für 2030 angepeilte Ziel von 4 Milliarden EUR Umsatz und 10 % EBIT-Marge dürfte nach dem Zusammenschluss deutlich früher erreicht werden. Schon die bisherige Strategie sah vor, die weniger zyklischen Bereiche Defence, Energy und Service durch weitere Akquisitionen auszubauen.
Der Deal ist allerdings kein Selbstläufer. Auch die Finanzierung ist kein Pappenstiel. Rund 1 Milliarde EUR zusätzliche Schulden und eine Kapitalerhöhung im Volumen von etwa 600 Millionen EUR erhöhen Verschuldung und Aktienzahl. Die bisherige FFG-Eigentümerfamilie würde anschließend 29,9 % an Deutz halten und damit zum neuen Ankeraktionär aufsteigen. Hauptversammlung und Kartellbehörden müssen ebenfalls noch zustimmen. Der Abschluss ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 vorgesehen. Nach den vorliegenden Planungen soll die Transaktion dann bereits den Gewinn je Aktie steigern.
Kurzfristig drohen Integrations-, Finanzierungs- und Verwässerungsrisiken. Die hohen Margen und der prall gefüllte Auftragsbestand von FFG dürften diese Belastungen jedoch weitgehend kompensieren. Gelingt die Übernahme, wäre Deutz nicht mehr nur ein Motorenhersteller, sondern ein deutlich größerer Infrastruktur- und Rüstungswert. Der Konzern würde gleich von mehreren Investitionswellen profitieren – von Verteidigung über Infrastruktur bis zur dezentralen Energieversorgung.
Ein Ergebnis je Aktie von rund 1,20 EUR erscheint nach Analystenschätzungen 2027 realistisch. Beim aktuellen Kurs von 9,16 EUR errechnet sich daraus lediglich ein KGV von etwa 7,6. Das ist im Vergleich zum Median der Peergroup mit knapp 15 günstig. Das Bewertungsargument ist damit noch stärker geworden. Deutz wird an der Börse teilweise weiterhin wie ein konjunkturabhängiger Motorenhersteller behandelt, entwickelt sich aber zunehmend zu einem Konzern mit wachsender Defence-, Energie-, Datacenter- und Service-Exposure. Gelingt die Integration von FFG, dürfte sich dieser Bewertungsabschlag kaum halten lassen. Die DZ Bank traut der Aktie daher ein Kursziel von 13 EUR zu.
Daimler Truck: Der Übergangsgewinner
Daimler Truck ist die defensivste Aktie des Trios. Der Konzern muss nicht auf eine einzige Antriebstechnologie setzen, sondern kann mehrere Wege parallel verfolgen. Der klassische Diesel bleibt auf Jahre hinaus der wichtigste Ergebnisbringer. Gleichzeitig investiert Daimler in batterieelektrische Lastwagen, Software, effizientere Antriebsstränge und Wasserstoff-Brennstoffzellen.
Operativ zeigen sich erste Erholungssignale. Im zweiten Quartal 2026 stieg der weltweite Fahrzeugabsatz um 8 % auf 86.707 Einheiten. Besonders wichtig war die Belebung in Nordamerika, wo die Verkäufe ebenfalls um 8 % auf 41.687 Fahrzeuge zulegten. Nach der vorausgegangenen Schwächephase ist das ermutigend, auch wenn die Nutzfahrzeugbranche zyklisch bleibt und hohe Investitionen in neue Antriebe stemmen muss.
Gleichzeitig bleibt Daimler Truck beim Wasserstoff am Ball. Ende 2026 soll eine Kleinserie von 100 Mercedes-Benz NextGenH2-Lkw starten. Mit Flüssigwasserstoff sollen die voll beladenen Fahrzeuge Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern erreichen. Die reguläre Serienproduktion ist allerdings erst nach 2030 vorgesehen. Das zeigt, wie lang der Übergang tatsächlich dauern dürfte. Batterie-Lkw werden zunächst in planbaren Regionalverkehren und auf gut erschlossenen Routen Fuß fassen. Im schweren Fernverkehr, bei Spezialfahrzeugen und in Regionen mit schwacher Ladeinfrastruktur werden Diesel und später möglicherweise Wasserstoff länger gebraucht.
Der regulatorische Druck bleibt hoch. Nach Angaben von Konzernchefin Karin Rådström müssten bis 2030 etwa 35 % der europäischen Neuzulassungen elektrisch oder wasserstoffbetrieben sein. Aktuell liegt der Anteil erst bei rund 2 %. Der schleppende Ausbau der Lade- und Wasserstoffinfrastruktur erhöht das Risiko von Zielverfehlungen und möglichen Strafzahlungen.
Für Daimler ist das Belastung und Chance zugleich. Je anspruchsvoller der technologische Wandel wird, desto mehr kommen dem Konzern seine Größe, seine Finanzkraft sowie das globale Vertriebs- und Servicenetz zugute. Der Konzern verdient heute mit konventionellen Fahrzeugen das Geld, das für die Entwicklung der Antriebe von morgen benötigt wird.
Fazit
dynaCERT, Deutz und Daimler Truck profitieren davon, dass die Dekarbonisierung des Schwerverkehrs und industrieller Anwendungen nicht über Nacht gelingt. dynaCERT adressiert den vorhandenen Dieselbestand und bietet den größten spekulativen Hebel. Deutz setzt auf den anhaltenden Bedarf an Motoren, Energieversorgung und militärischen Fahrzeugen. Daimler Truck begleitet den Übergang mit einer breiten Technologiepalette. Wer maximale Kursfantasie sucht und sich der höheren Risiken bewusst ist, setzt auf dynaCERT. Analysten sehen dort mittelfristig Kurschancen von über 500 %. Wer Wachstum, Infrastruktur und Rüstung kombinieren will und sich mit deutlich weniger Kurspotenzial zufrieden geben kann, findet bei Deutz eine spannende Transformationsstory. Und wer den Wandel defensiver spielen möchte, greift zu Daimler Truck.
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