02.07.2026 | 04:00
Öl im Sellout, Gas und Wasserstoff en vogue! Nel ASA, Pure One, Plug Power und Shell im Fokus
Brüchige Waffenruhe! Zwischen den USA und dem Iran ist die Lage weiterhin angespannt, auch wenn die jüngste Deeskalation kurzfristig für Entlastung an den Ölmärkten gesorgt hat. Von einem belastbaren Friedensabkommen kann keine Rede sein; vielmehr bleibt die Situation von einem fragilen politischen Rahmen, militärischen Zwischenfällen und diplomatischen Sondierungen geprägt. Für den Ölmarkt ist das vor allem deshalb relevant, weil die Straße von Hormus als zentrale Transportroute weiterhin ein geopolitischer Risikofaktor bleibt. Entsprechend reagiert Brent sensibel auf jede neue Nachricht aus der Region: Nach dem Rückgang auf rund 72 USD je Barrel, kann es jederzeit wieder nach oben drehen. Investmentbanken rudern nach ihren kurzfristigen Eskalations-Kurszielen von bis zu 150 USD im April nun deutlich zurück, bleiben für 2026 insgesamt aber vorsichtig. Je nach Haus bewegen sich die Prognosen für Brent nun in einer Spanne von 70 bis 85 USD je Barrel, wobei weiterhin geopolitische Risiken, OPEC-Politik und die Entwicklung der Weltkonjunktur wichtige Einflussfaktoren bleiben. Für Anleger bedeutet das: Der Ölpreis ist derzeit eher ein Fall für taktische Positionierung und als Langfristanlage ungeeignet. Damit lohnt ein kritischer Blick auf griffige Alternativen in der Energieversorgung. Aber eins schieben wir vorweg: Die hohe Volatilität bleibt!
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
PURE ONE CORPORATION LIMITED | AU0000442865 | ASX: P1E , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , Shell PLC | GB00BP6MXD84
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Shell – Europas Energieumbau zwischen Anspruch und Realität
Die europäische Dekarbonisierungs-Politik zielt auf einen tiefgreifenden Umbau der hiesigen Energieversorgung. Klassische Energieunternehmen und neue Technologieanbieter treffen in diesem Umfeld aufeinander, obwohl sie unterschiedliche Rollen im Wandel übernehmen. Shell ist als globaler Öl- und Gaskonzern weiterhin ein zentraler Stabilisator der heutigen Energieversorgung, im Bereich Gas ist der britisch-niederländische Multi sogar einer der weltweit größten Händler. Gas hat im Übergang zu anderen Technologien eine wichtige Brückenfunktion, bis Innovationen alternative Energien wettbewerbsfähig machen.
Shell hat seine operative Stärke im ersten Quartal 2026 mit einem den Aktionären zurechenbaren Gewinn von 5,7 Mrd. USD unter Beweis gestellt. Darauf reagierte der Konzern mit einer Dividendenerhöhung um 5 % und einem weiteren Aktienrückkaufprogramm über 3 Mrd. USD. Hinzu kommt die weltweit führende LNG-Infrastruktur des Unternehmens, die für Europa angesichts knapper Gasversorgung und geopolitischer Risiken strategisch besonders wichtig bleibt. Für Anleger ist Shell damit trotz des jüngsten Ölpreisrückgangs weiter interessant. Die Aktie hat bereits rund 20 % vom Top verloren, zugleich bietet sie eine Dividendenrendite von über 4 % und notiert auf Basis der Schätzung für 2026e bei einem KGV von etwa 7,5. Im historischen Vergleich wirkt diese Bewertung nicht sehr anspruchsvoll. Technisch bietet die Unterstützungszone 30 bis 34 EUR gute Kaufanreize.
Nel ASA und Plug Power – Innovationen im alternativen Bereich sind gefragt
Eine Studie der International Energy Agency (IEA) kommt zu dem Schluss, dass der globale Umbau des Energiesystems weit über den bloßen Ausbau erneuerbarer Energien hinausgeht und zusätzliche Investitionen in Netze, Speicher und flexible Erzeugung erfordert. Nach Einschätzung der IEA bleibt der Bedarf an solchen Infrastrukturkomponenten bis 2030 hoch, weil Stromsysteme mit wachsendem Wind- und Solaranteil deutlich stärker auf Ausgleichskapazitäten angewiesen sind. Daraus ergibt sich für Europa ein klarer wirtschaftlicher Befund: Ohne belastbare Backup-Strukturen steigen die Kosten und die Risiken für Industrie und Verbraucher zugleich. Vor allem Erdgas behält deshalb als flexible Brückentechnologie seine Bedeutung, da es Erzeugungsspitzen abfedern und Versorgungslücken in Phasen geringer Einspeisung schließen kann.
Eine Wildcard bleibt der Wasserstoff. Die Perspektive für die grüne Variante ist langfristig zwar attraktiv, kurzfristig aber noch von hohen Kosten, fehlender Skalierung und einem langsamen Markthochlauf geprägt. Nel ASA und Plug Power stehen damit für zwei Unternehmen, die zwar in einem Zukunftsmarkt operieren, deren kommerzieller Erfolg aber weiterhin stark von Förderkulissen, Infrastrukturaufbau und industrieller Nachfrage abhängt. Für Investoren ist mittelfristig maßgeblich, dass der Markt für grünen Wasserstoff wahrnehmbar wächst. Dies ist aktuell nur im öffentlichen Bereich spürbar. In der Gesamtbetrachtung fehlt es aber allen Staaten an entsprechenden Mitteln, um das Thema zum Fliegen zu bringen. Während bis 2030 ein Ziel von 42 % grünem Wasserstoff in der Industrie gilt, steigt diese verbindliche EU-Vorgabe bis 2035 auf 60 %. Einen steilen Aufschwung konnten die Aktien der beiden Protagonisten Nel ASA und Plug Power im ersten Quartal 2026 hinlegen. Hier waren Rückkäufe und Turnaround-Hoffnungen nach 4 Jahren Depression maßgeblich. Die schnellen Renditen von 125 bis 150 % seit dem Jahreswechsel bilden sich aktuell sehr schnell wieder zurück. Vorsicht an der Bahnsteigkante.
Pure One - Australiens Brückenschlag zwischen Erdgas und emissionsfreier Mobilität
Der australische Spezialist für energetische Mobilitätslösungen Pure One hat sich das Logistik- und Flottensegment als primäre Zielgruppe auserwählt. Denn steigende Energiepreise, ambitionierte Dekarbonisierungsziele und der wachsende Modernisierungsdruck im Schwerlastverkehr schaffen derzeit ein Marktumfeld, in dem integrierte Energiekonzepte deutlich an Attraktivität gewinnen. Das Geschäftsmodell ist wenig kapitalintensiv und verbindet klassische Energiebeteiligungen mit emissionsfreien Transportlösungen, alles Zukunftsmärkte mit exzellenten Wachstumsperspektiven. Denn während der weltweite Gesamtmarkt für emissionsfreie Fahrzeuge (ZEVs) bis 2032 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von rund 15 % zulegen soll, treibt vor allem die Elektrifizierung des Güter- und Personenverkehrs den Markthochlauf massiv voran. So erreichten die weltweiten Investitionen in den elektrifizierten Transport in den letzten 5 Jahren ein Volumen von über 750 Mrd. USD. Der globale Markt für E-LKWs hat sich dabei rasant entwickelt. Im Schwerlastsegment erreichten emissionsfreie Trucks einen Anteil von rund 9 % des weltweiten Gesamtabsatzes. Pure One entwickelt und vermarktet Wasserstoff-, Batterie- und Hybridlösungen für den gewerblichen Transport, ergänzt um Batterietauschsysteme sowie Infrastrukturangebote entlang der gesamten Wertschöpfungskette. So bleibt von der Energieversorgung bis zum Fahrzeugeinsatz alles in einer Hand. Dabei setzt Pure One bewusst auf ein kapitalarmes Plattformmodell: Entwicklung, Vertrieb und Kundenbetreuung verbleiben im eigenen Haus, während die Produktion spezialisierte Industriepartner übernehmen, wodurch Investitionsaufwand und operative Risiken deutlich reduziert werden.
Ein bedeutender Vermögenswert bleibt die rund 69,4 %-Beteiligung an der börsennotierten Eastern Gas Corporation, deren Projekte angesichts der erwarteten Gasversorgungslücke an Australiens Ostküste ab 2028 erheblich an strategischem Gewicht gewinnen könnten. Gleichzeitig verschafft der erfolgreiche Verkauf der Beteiligung an der Turquoise Group zusätzliche finanzielle Flexibilität, um die Wachstumsstrategie im Clean-Tech-Segment konsequent voranzutreiben. Aus dem Verkauf fließen in Tranchen insgesamt 5 Mio. AUD zu, während gleichzeitig ein deutlicher Buchgewinn von 3,4 Mio. AUD realisiert wird. Operativ mehren sich inzwischen die Hinweise, dass Pure One die reine Entwicklungsphase hinter sich lässt. So startet mit der neuen Alpha Series der kommerzielle Rollout batterieelektrischer Lastkraftwagen, die dank eines Batteriewechselsystems innerhalb weniger Minuten wieder einsatzbereit sind und damit einen wesentlichen Nachteil herkömmlicher Elektro-LKW entschärfen. Ergänzt wird das Portfolio durch Hybridfahrzeuge, elektrische Busse sowie weitere Spezialfahrzeuge für kommunale und industrielle Anwendungen. Bemerkenswert erscheint dabei die internationale Ausrichtung. Vertriebspartnerschaften und Kooperationsvereinbarungen reichen inzwischen von Australien über Nord- und Südamerika bis nach Europa und Asien. Mit Industrieunternehmen wie Heidelberg Materials verfügt Pure One bereits über erste namhafte Referenzkunden, was den Eintritt in weitere Flottenprogramme erleichtern könnte.
Auch die Bilanz vermittelt für einen Micro Cap einen soliden Eindruck. Einschließlich des Mittelzuflusses aus dem Beteiligungsverkauf und vorhandener Kreditlinien verfügt Pure One über ausreichende finanzielle Ressourcen, um die nächsten Expansionsschritte zu finanzieren, während das Asset-Light-Modell den Kapitalbedarf begrenzt. Analystenschätzungen rechnen für die kommenden Jahre mit einem kräftigen Umsatzanstieg auf knapp 145 Mio. AUD bis 2028 sowie einer sukzessiven Verbesserung der Profitabilität, der erste operative Ergebnisbeitrag wird für 2027 erwartet. Neuinvestoren können derzeit noch auf einer Bewertungsbasis von 10 Mio. EUR auf den Zug springen.

Der Energie-Sektor gehört in diesem Jahr zu den schwankungsreichsten Segmenten der Börsenwelt. So führte der Nahost-Konflikt temporär zu großen Aufwertungen, genau diese Zuschläge bauen sich jetzt aber wieder sukzessive ab. Auch die Wasserstofftitel lebten kurzzeitig auf, hier ist der Katzenjammer nach erneuter Halbierung vom Top aber wieder groß. Der CleanTech-Spezialist Pure One kann mit einer gelungenen Neuaufstellung aufwarten und ist derzeit extrem niedrig bewertet.
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