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12.12.2025 | 05:45

Friedensschock oder Dauerboom? Rheinmetall, Almonty Industries und thyssenkrupp im Check

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Bildquelle: pixabay.com

Eine neue diplomatische Dynamik lässt Hoffnungen auf ein mögliches Ende des Ukraine-Konflikts wachsen und stellt Anleger vor eine komplexe Frage. Während kurzfristig jede Friedensmeldung die Kurse von Rüstungswerten unter Druck setzt, treiben strukturell erhöhte Verteidigungsbudgets und ein anhaltender Modernisierungszyklus die Branche langfristig voran. Die wahre Chance liegt im Übergang von der akuten Krise zu einer planbaren, dauerhaft wachsenden Sicherheitsindustrie. Wir analysieren die Ausgangslagen von Rheinmetall, Almonty Industries und thyssenkrupp.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: RHEINMETALL AG | DE0007030009 , ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001

Inhaltsverzeichnis:


    Rheinmetall - schließt das Jahr mit operativem Schwung ab

    Im Dezember setzte Rheinmetall seine starke Auftragsdynamik fort. Zu den wichtigsten Bestellungen zählt die Lieferung des Trailblazer-Sichtsystems für die NATO Support & Procurement Agency (NSPA), das in die Kampfwertsteigerung des britischen M270 A2 MLRS Mehrfachraketenwerfers integriert wird. Die Auslieferung soll bereits Anfang 2026 beginnen. Dieser Auftrag festigt die Position des Systems, das bereits in Panzern wie dem Challenger 3 verbaut ist, als Standard in der britischen Armee. Parallel schloss der Konzern die Übernahme des Munitionsspezialisten Muni Berka ab, was die dringend benötigten Lagerkapazitäten für die stark hochgefahrene Produktion von Artilleriegeschossen erheblich ausweitet.

    Die jüngsten Aktivitäten sind Teil einer größeren Transformation. Das Unternehmen positioniert sich zunehmend als Systemanbieter in neuen Domänen. Die Partnerschaft mit Lockheed Martin für das radfahrzeugbasierte Artilleriesystem GMARS zielt auf den wachsenden Markt für präzise, weitreichende Raketenabwehr. Gleichzeitig treibt Rheinmetall die Digitalisierung voran, etwa durch ein Joint Venture mit dem Satellitenbetreiber ICEYE für weltraumgestützte Aufklärung und die Modernisierung des Gefechtsübungszentrums der Bundeswehr. Diese Initiativen sollen langfristig höher margenstarke Geschäftsfelder erschließen.

    Für das kommende Jahr wird der Fokus auf der Integration der jüngsten Zukäufe und der Skalierung der Produktionskapazitäten liegen. Die volle Inbetriebnahme der erweiterten Lagerinfrastruktur von Muni Berka wird für den reibungslosen Fluss der geplanten Munitionsproduktion entscheidend sein. Zudem werden Projekte wie die Trailblazer-Lieferungen und der Ausbau digitaler Übungsinfrastrukturen konkrete Umsätze generieren. Die strategische Neuausrichtung zum reinen Verteidigungsunternehmen dürfte 2026 weiter voranschreiten und dem Konzern ein schärferes Profitprofil verleihen, das Investoren genau beobachten werden. Die Aktie ist derzeit für 1.604,00 EUR zu haben.

    Almonty Industries - die Neuordnung des Wolfram-Markts

    Während Lithium und Kupfer die Schlagzeilen dominieren, vollzieht sich im Markt für Wolfram eine fundamentale Verschiebung. Das strategische Metall, unverzichtbar für Verteidigung, Halbleiter und Präzisionswerkzeuge, wird global knapp. China, das über 80 % der weltweiten Versorgung kontrolliert, hat seit Februar 2025 strikte Exportkontrollen für Wolfram verhängt und treibt so die Preise in die Höhe. Diese politische Wende zwingt westliche Industrien, ihre Lieferketten neu zu denken. Für nicht-chinesische Produzenten eröffnet sich damit ein historisches Fenster, und ein Unternehmen nutzt es konsequent.

    Im Zentrum dieser Entwicklung steht Almonty Industries. Das Unternehmen steht kurz davor, sein Flaggschiffprojekt, die Sangdong-Mine in Südkorea, in die kommerzielle Produktion zu überführen. Die Inbetriebnahme läuft, erste Verkaufserlöse werden für Anfang nächsten Jahres erwartet. Parallel dazu baut Almonty seine Präsenz in Nordamerika aus. Mit dem Erwerb des Gentung-Browns-Lake-Projekts in Montana hat sich das Unternehmen eine strategische Position in den USA gesichert. Das Projekt besticht nicht durch spektakuläre Funde, sondern durch Pragmatismus. Es verfügt über bestehende Genehmigungen, Wasserrechte und Infrastruktur. Das ebnet den Weg zur geplanten Produktion ab 2026.

    Um diese ambitionierte Expansion zu finanzieren, hat Almonty seine Kapitaldecke jüngst massiv gestärkt. Das Unternehmen gab bekannt, ein öffentliches Angebot von Stammaktien in den USA mit Bruttoerlösen von rund 129 Mio. USD abgeschlossen zu haben. Diese Mittel sind für die Entwicklung des Montana-Projekts, die Erweiterung der Mine in Portugal und Arbeiten in Sangdong vorgesehen. Die Botschaft des Managements ist klar. Man ist nun voll finanziert, um die Projekte umzusetzen, und will vorerst keine weiteren Kapitalerhöhungen durchführen. Für Investoren ist Almonty damit eine der wenigen reinen Wetten auf eine westliche Wolfram-Versorgung, die den Übergang von der Entwicklungs- in die große Produktionsphase gerade vollzieht. Die Aktie notiert aktuell bei 6,80 USD.

    thyssenkrupp - im Spagat: Sanierungslast trifft auf Marine-Boom

    Das abgelaufene Geschäftsjahr brachte für thyssenkrupp ein durchwachsenes Ergebnis. Operativ konnte der Konzern seinen bereinigten operativen Gewinn leicht steigern und einen positiven freien Cashflow vorweisen. Diese scheinbare Stabilität trügt jedoch, denn die Bilanz wurde durch wertsteigernde Sondereffekte aufgebessert. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Zukunft. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem signifikanten Nettoverlust. Diese düstere Prognose spiegelt die tiefgreifenden Probleme im Stahlgeschäft wider, während andere Segmente, insbesondere der Marinebereich, fulminante Auftragsbücher melden.

    Der Kern des Wandels liegt bei Steel Europe. Hier läuft ein radikaler Sanierungsprozess, der massive finanzielle Belastungen mit sich bringt. Mit der Belegschaft wurde ein umfassender Sozialplan vereinbart, der den Abbau Tausender Stellen und eine deutliche Kapazitätsreduzierung vorsieht. Für diese Restrukturierung müssen hohe Rückstellungen gebildet werden, die den erwarteten Jahresfehlbetrag von bis zu 800 Mio. EUR maßgeblich verursachen. Parallel laufen Verhandlungen mit potenziellen Investoren, um dem Geschäft eine langfristige Perspektive zu geben. Kurzfristig drücken diese Kosten die Bilanz erheblich.

    Ein völlig anderes Bild bietet die maritime Tochter TKMS. Ihre erfolgreiche Börsennotierung und die Aufnahme in den MDAX unterstreichen die eigene Stärke des Geschäfts. Mit einem Rekordauftragsbestand und sprudelnden Cashflows agiert das Unternehmen als finanzieller und strategischer Stabilisator. Dieser Kontrast zeigt die neue Konzernstrategie in Aktion. Die Finanzholding thyssenkrupp löst sich schrittweise von operativen Belastungen und schafft eigenständige, kapitalmarktfähige Einheiten. Für Investoren wird die Entwicklung von TKMS und der Ausgang der Stahltransaktion weiterhin die entscheidenden Werttreiber sein. Momentan kostet eine Aktie 8,81 EUR.


    Das mögliche Ende des Ukraine-Kriegs bedeutet keinen Wendepunkt für die Rüstungsbranche, sondern markiert den Übergang zu einem planbaren, strukturellen Wachstum. Rheinmetall treibt als Systemanbieter mit Digitalisierung und Zukäufen seine Transformation voran. Almonty Industries nutzt die historische Chance, als voll finanzierter Produzent eine nicht-chinesische Wolframversorgung aufzubauen. thyssenkrupp stemmt sich im Spagat zwischen der kostenträchtigen Stahlsanierung und dem Rekordhoch im Marinegeschäft. Für Anleger liegt die wahre Chance im langfristigen Trend zu erhöhter Sicherheit, nicht in kurzfristigen Friedensschocks.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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