11.05.2026 | 05:30
Geopolitische Risiken machen Energie zur Waffe – genau deshalb jetzt Nordex, RE Royalties und First Solar unter die Lupe nehmen
Die Stromnachfrage explodiert durch KI, Industrie und E-Mobilität – doch geopolitische Risiken machen Energie zur strategischen Waffe. Erneuerbare deckten 2025 in Deutschland 55,3 % des Bedarfs, aber das reicht nicht. Wer heute grün investiert, sichert sich Standortvorteile und senkt Kostenrisiken. Der wahre Engpass? Stabile Finanzierung über Jahre hinweg. Nur wenn Kapitalströme fließen, lässt sich die grüne Stromproduktion industrialisieren und skalieren. Wir sehen uns den Windkraft-Experten Nordex, den Finanzierer RE Royalties und das Solarunternehmen First Solar genauer an.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554 , RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , FIRST SOLAR INC. D -_001 | US3364331070
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Nordex - der Wind dreht sich endlich in die richtige Richtung
Profitabilität statt Wachstum um jeden Preis! Diese Rechnung geht beim Windkraftanlagenhersteller Nordex offenbar auf. Das 1. Quartal 2026 liefert handfeste Belege, dass der Strategiewechsel Früchte trägt. Der Umsatz legte um 11 % auf 1,6 Mrd. EUR zu, während das operative Ergebnis (EBITDA) um satte 64 % auf 131 Mio. EUR nach oben schoss. Die entsprechende Marge verbesserte sich von 5,5 auf 8,2 %. Noch deutlicher fällt der Gewinnsprung aus. Aus knapp 8 Mio. EUR im Vorjahr wurden nun 54 Mio. EUR.
Weniger Aufträge, dafür bessere Qualität. Was zunächst widersprüchlich klingt, ist tatsächlich Teil der Strategie. Zwar ging der Auftragseingang auf 1,9 Gigawatt zurück, gleichzeitig konnte aber der durchschnittliche Verkaufspreis pro Megawatt von 0,87 auf 0,91 Mio. EUR gesteigert werden. Der Konzern verzichtet bewusst auf margenschwache Volumenaufträge. Der gefüllte Auftragsbestand von 17 Mrd. EUR, im Vorjahr waren es nur 13,5 Mrd. EUR, gibt reichlich Planungssicherheit. CEO José Luis Blanco zeigte sich zuversichtlich, die Jahresprognose mit einer EBITDA-Marge zwischen 8 und 11 % zu erreichen.
Die neue Turbinentechnik könnte als zusätzlicher Turbo dienen. Nordex treibt die Weiterentwicklung seiner Delta4000-Plattform voran. Für das Modell N175/6.X wurde ein Betriebsmodus mit 7,3 MW Nennleistung freigeschaltet. Das bringt bis zu 1,7 % mehr Energieertrag. Parallel dazu kommt eine Hybridturmlösung mit 162,5 m Nabenhöhe auf den Markt, die besonders für schwache bis mittlere Windverhältnisse in Deutschland optimiert ist. Mehr als 3 GW verbindliche Aufträge für diese Anlagenklasse zeigen, dass die Kunden interessiert sind. Derzeit ist die Aktie für 46,72 EUR zu haben.
RE Royalties - sortiert seine Optionen
Die Kanadier gehen in die Offensive. Nach 10 Jahren im Geschäft mit Royalty-Finanzierungen für Erneuerbare-Energien-Projekte hat das Management um CEO Bernard Tan einen strategischen Review eingeleitet. Geprüft wird alles, was den Shareholder Value steigern könnte, von Co-Investments über eine Optimierung der Kapitalstruktur bis hin zu einem möglichen Unternehmensverkauf sind alle Optionen offen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Reife. Wer sein Modell bewiesen hat und nun auf eine Pipeline von rund 20 Mio. CAD an unterschriebenen Absichtserklärungen sowie Anfragen über 200 Mio. CAD in der Prüfung blickt, darf über den nächsten Hebel nachdenken.
Das Fundament bleibt solide. Erst im Januar sicherte sich RE Royalties eine Royalty-Beteiligung an 25 US-Solarprojekten von Solaris Energy mit Laufzeiten von 25 Jahren und mehr. Das Modell ist simpel. Projektentwickler erhalten nicht-verwässerndes Kapital, RE Royalties partizipiert am Umsatz der Anlagen. Der Clou dabei ist, dass die Erlöse inflationsresistent und weitgehend unabhängig von Strompreisschwankungen sind, denn sie basieren auf produzierten Kilowattstunden. Mit über 100 Royalties in Nord- und Südamerika sowie Asien hat sich das Unternehmen ein beachtlich diversifiziertes Portfolio aufgebaut.
Parallel zum Review hat die Führung die Dividendenpolitik angepasst. Statt vierteljährlich wird künftig einmal pro Jahr ausgeschüttet. Das klingt auf den ersten Blick nach weniger, ist aber clever kalkuliert. Es sorgt für mehr finanziellen Spielraum, um die vielversprechenden Chancen in der Pipeline zu realisieren. Die Ende letzten Jahres weitgehend abgeschlossene Rückzahlung der grünen Anleihen entlastet zudem die Bilanz. Wer nachhaltige Cashflows aus erneuerbaren Energien sucht, sollte diesen stillen Kandidaten im Auge behalten, besonders, wenn der strategische Review erste Früchte trägt. Aktuell notiert die Aktie bei 0,38 CAD.

First Solar - zwischen Rekordmarge und politischem Risiko
Ein starkes Quartal, doch nicht alles ist Gold, was glänzt. First Solar hat zum Auftakt 2026 ordentlich geliefert. Der Nettogewinn schoss um 65 % auf 347 Mio. USD nach oben, die Bruttomarge stieg auf stattliche 47 %. Treiber war die hohe Auslastung der US-Werke von 96 %, gepaart mit Steuervorteilen aus dem Inflation Reduction Act. Das Problem ist der operative Cashflow, der mit minus 216 Mio. USD tiefrot war, bedingt durch aufgebaute Lagerbestände von 1,1 Mrd. USD und Forderungen aus Förderprogrammen. Die hohe Profitabilität ist also zum Teil nur auf dem Papier vorhanden.
Der strategische Trumpf heißt US-Produktion, doch auch hier lauern Risiken. Während die heimischen Fabriken auf Hochtouren laufen, dümpeln die Werke in Malaysia und Vietnam vor sich hin, mit steigenden Unterauslastungskosten von bis zu 155 Mio. USD. Die neue CuRe-Technologie soll bis zu 600 Mio. USD zusätzliche Einnahmen aus dem Auftragsbestand bringen, doch der Auftragsstau schrumpfte zuletzt auf 47,9 GW. Das Book-to-Bill-Verhältnis von deutlich unter 1 spricht derzeit nicht für nachhaltiges Wachstum.
Politische Entscheidungen bleiben der größte Unsicherheitsfaktor. Die anstehende Section-232-Entscheidung zu Polysilizium-Derivaten und die geplanten FEOC-Regeln halten Kunden zurück. Großabnehmer BP hat bereits bestehende Verträge gekündigt. Zwar sieht die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 auf den ersten Blick moderat aus, doch normalisiert man die staatlichen Förderungen heraus, springt das Multiple auf über 46. Bis zur Klärung der regulatorischen Rahmenbedingungen bleibt Abwarten die klügere Strategie. Momentan kostet eine Aktie 219,95 USD.
Energie bleibt geopolitischen Risiken ausgesetzt, doch genau hier liegen Chancen für clevere Investoren. Nordex überzeugt mit profitablerem Wachstum, gestiegenen Margen und einem vollen Auftragsbestand. RE Royalties bietet ein einzigartiges, inflationsresistentes Finanzierungsmodell und prüft nun strategische Optionen zur Wertsteigerung. First Solar zeigt zwar eine Rekordbruttomarge, kämpft aber mit negativem operativen Cashflow und massiven politischen Risiken. Hier ist Abwarten klüger. Der wahre Engpass bleibt die stabile, langfristige Finanzierung der grünen Skalierung.
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