21.04.2026 | 05:30
Nordex, RE Royalties und JinkoSolar: Ihr Einstieg in den milliardenschweren Erneuerbaren Energie Boom
Geopolitische Erschütterungen treiben Öl- und Gaspreise auf Rekordniveaus, während Europa mit 583 Mrd. USD grüne Investitionen tätigt. Gleichzeitig explodiert der Strombedarf KI-gesteuerter Rechenzentren. Dieser Zangengriff macht die Erneuerbaren Energien unverzichtbar. Windkraft boomt, Solarpreise steigen, und Rohstoffengpässe verschärfen den Wettlauf um Technologievorsprünge. Wer jetzt die richtigen Player ins Visier nimmt, kann von dieser historischen Verwerfung profitieren. Wir sehen uns mit Nordex, RE Royalties und JinkoSolar drei Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien an und analysieren deren aktuelle Situation.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554 , RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , JINKOSOLAR ADR/4 DL-00002 | US47759T1007
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Nordex - zwischen Rekordjagd und Auftragsflaute
Der Hamburger Windkraftanlagenbauer Nordex hat ein Problem. Während die Aktie zuletzt auf Höhenflug ging, zeigen die frischen Geschäftszahlen fürs 1. Quartal 2026 einen deutlichen Dämpfer. Mit 1.869 Megawatt (MW) Bestellungen im Projektgeschäft liegt man rund 14 % unter dem Vorjahreswert. Zumindest die Preisentwicklung gibt Anlass zur Hoffnung, der durchschnittliche Verkaufspreis kletterte auf 0,91 Mio. EUR pro Megawatt. CEO Blanco spricht dennoch von einem robusten Start im Rahmen der Erwartungen. Management und Investoren hoffen nun auf das volle Zahlenwerk Ende April. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob die stabile Auftragspipeline aus Europa und Nordamerika die Flaute ausgleicht.
An den Märkten herrscht aktuell Ratlosigkeit. Während Goldman Sachs weiter auf Kursgewinn setzt und Jefferies das Ziel sogar auf 54 EUR anhebt, schlägt MWB Research Alarm. Die Experten sehen die jüngste Kursrally als überhitzt an und raten zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel aller 8 Analysten liegt mit 41,55 EUR bereits unter dem aktuellen Niveau. 5 Experten empfehlen den Kauf, einer sagt „Verkaufen“, die anderen 2 bleiben im „Halten“-Modus. Die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 40 erscheint selbst Optimisten sportlich, wenn das Volumenwachstum erstmal moderat ausfällt. Eine Verschnaufpause wäre aus Sicht der Skeptiker mehr als verdient.
Zuletzt lief es operativ bei Nordex gut. Allein im März sicherte sich der Konzern Großaufträge aus der Türkei, Spanien und Deutschland, darunter ein 199 m Hybridturm-Projekt in Nordrhein-Westfalen. Auch ein 68 MW Windpark in Brandenburg mit den ersten serienmäßigen N175/6.X-Turbinen ging ans Netz. Das Auftragsbuch ist mit 16 Mrd. EUR prall gefüllt. Die entscheidende Frage wird am 27. April beantwortet. Reichen die gestiegenen Preise aus, um die angestrebte operative Marge von 8-11 % zu erreichen? Zudem wartet der Markt auf Fortschritte beim Nettogewinn. Bis dahin sollten Anleger abwarten. Derzeit ist die Aktie für 45,56 EUR zu haben.
RE Royalties – will den Wert für Aktionäre optimieren
Das kanadische Unternehmen RE Royalties hat am 27. März einen formellen Prozess zur Prüfung strategischer Alternativen angestoßen. Das Management um CEO Bernard Tan sieht darin keine Notfallmaßnahme, sondern den logischen Schritt nach rund 11 Jahren im Geschäft. Verkauft werden könnte das Unternehmen genauso wie eine strategische Partnerschaft oder eine reine Kapitalumschichtung. Klar ist, dass der Vorstand den Wert für die Aktionäre maximieren will. Mit der Verpflichtung von PricewaterhouseCoopers Corporate Finance als Berater holt sich das Team professionelle Unterstützung, um die Weichen für die kommende Dekade zu stellen.
Das Kerngeschäft bleibt attraktiv. RE Royalties erwirbt umsatzbasierte Lizenzgebühren an Solar-, Wind- und Energiespeicherprojekten. Das Portfolio umfasst über 120 aktive Positionen verteilt auf Nord- und Südamerika sowie Asien. Das Modell ist weder reines Fremd- noch Beteiligungskapital, sondern eine clevere Mischung, die Entwicklern nicht-verwässernde Finanzierung bietet. Aktuell liegen Absichtserklärungen über 20 Mio. CAD für hochwertige Vorhaben vor, weitere 200 Mio. CAD stecken in der Prüfung. Die Pipeline ist gut gefüllt, die operative Plattform kann problemlos ein Vielfaches des aktuellen Umsatzes abbilden.
Das Management hat Ende 2025 die Dividendenpolitik von quartalsweise auf eine Jahreszahlung umgestellt. Das ist ein kluger Schachzug, um mehr Kapital für neue Projekte zu binden, ohne ständig auf regelmäßige Ausschüttungen Rücksicht nehmen zu müssen. Jetzt kommt die strategische Überprüfung hinzu. Ob am Ende ein Verkauf, ein Co-Investor oder eine optimierte Bilanzstruktur steht, ist offen. Aber die Richtung stimmt, RE Royalties will aus der Nische herauswachsen und sich als Finanzierer im Erneuerbaren-Sektor breiter aufstellen. Für Investoren bleibt das Unternehmen interessant und man sollte den nächsten Ankündigungen genauere Beachtung schenken. Aktuell notiert die Aktie bei 0,365 CAD.
JinkoSolar - zwischen Überkapazität und technologischer Zukunft
Die jüngsten Quartalszahlen lesen sich für Aktionäre wie ein Weckruf. Trotz erneuter Marktführerschaft mit 86 Gigawatt (GW) ausgelieferten Modulen brach die Bruttomarge im Schlussquartal auf mickrige 0,3 % ein, von 7,3 % im Vorquartal. Schuld daran sind nicht etwa Nachfrageprobleme, sondern eine toxische Mischung aus explodierenden Silberpreisen, ungünstigen Wechselkursen und einem Überangebot, das Käufer in eine bequeme Position manövriert. Die Erlöse sanken um 29 %. Hinzu kommen operative Verluste je Aktie, die weit höher ausfielen als von Analysten erwartet. Das Kerngeschäft produziert kaum noch Gewinn.
Was JinkoSolar von der Konkurrenz abhebt, ist die technologische Spitzenstellung bei N-Typ-Topcon-Zellen mit Laborwirkungsgraden nahe 28 %. Die 3. Tiger-Neo-Generation soll höhere Preise rechtfertigen. Noch spannender für Anleger ist das Energiespeichergeschäft, das rasant wächst. 2025 lieferte das Unternehmen Speicher mit 5,2 GW Kapazität aus, für 2026 wird eine Verdopplung angepeilt. Mit angestrebten Margen von 10-15 % könnte dies das zweite profitable Standbein werden. Ob sich die Premiumstrategie bei Modulen jedoch in einem Käufermarkt durchsetzt, bleibt vorerst offen.
Das Management reduziert die Investitionen 2026 auf etwa 700 Mio. USD und baut die Produktion außerhalb Chinas aus. 14 der geplanten 100 GW Gesamtkapazität entstehen im Ausland. Der operative Cashflow verbesserte sich zuletzt deutlich. Aber die Nettoverschuldung bleibt mit rund 3,4 Mrd. USD hoch. Die Frage bleibt, ob die technologische Führung und Energiespeicherwachstum ausreichen, um die chronische Margenschwäche zu überwinden? Die nächsten Quartalsberichte werden richtungsweisend sein. Bis dahin ist Vorsicht geboten, aber ganz abschreiben sollte man den Konzern nicht. Momentan kostet eine Aktie 21,36 USD.

Der Zangengriff aus geopolitischen Schocks und KI-getriebenem Stromhunger macht Erneuerbare Energien unverzichtbar. Nordex kämpft mit Auftragsflaute bei praller Pipeline und die Bewertung bleibt sportlich. RE Royalties treibt strategische Optionen voran, um den Wert für Aktionäre zu maximieren. JinkoSolar leidet unter schwachen Margen, doch die Technologie und das Speichergeschäft bieten Hoffnung. Alle drei stehen am Scheideweg zwischen historischer Chance und operativen Baustellen.
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