26.06.2026 | 05:30
Siemens Energy führt, A.H.T. Syngas lauert, Nel ASA kämpft – wer bringt Ihnen die höchste Rendite für den Wasserstoff-Boom?
Der Wasserstoffmarkt hat seine Visionärsphase hinter sich. 2026 wird sortiert. Die einen liefern Substanz, die anderen wollen mit neuen Ansätzen punkten, die dritten kämpfen um den Beweis. Genau diese Dreiteilung macht den Sektor jetzt reizvoll, denn der Markt belohnt nicht mehr die bloße Zugehörigkeit zu einem Markt, sondern die harte Übersetzung vom Megatrend in Aufträge und Margen. Wer jetzt investiert, muss unterscheiden können. Und genau hier setzt der Blick auf drei sehr unterschiedliche Unternehmen an: Siemens Energy als laufender Profiteur, A.H.T. Syngas mit seiner neuen Technologie und Nel ASA als klassischer Turnaround-Kandidat mit Zündstoff.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0 , A.H.T. SYNGAS TECH. EO 1 | NL0010872388 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Siemens Energy – Serienfertigung und Rekordnachfrage
Siemens Energy hat die Wasserstoffthematik von der Vision in die operative Umsetzung überführt. Das Unternehmen hat ausgereifte PEM-Elektrolyse-Systeme für den industriellen Maßstab entwickelt. Im kommenden Jahr soll ein 280 MW Elektrolyseur in Emden mit der Produktion von bis zu 26.000 t grünen Wasserstoff jährlich an den Start gehen. Die Anlagen kommen auch mit wechselhafter Stromeinspeisung problemlos klar. Das ist ein entscheidender Vorteil, wenn es um die Kopplung mit Wind- und Solarenergie geht. Mit der Serienfertigung in Berlin, realisiert gemeinsam mit Air Liquide, sichert sich der Konzern Kostenvorteile und eine klare Marktposition gegenüber kleineren Wettbewerbern, die noch stark auf Produktankündigungen setzen.
Operativ glänzte Siemens Energy im 2. Quartal mit einem Rekordauftragseingang von 17,7 Mrd. EUR und einem Auftragsbestand von 154 Mrd. EUR. Das gibt Planungssicherheit für Jahre. Die treibende Kraft ist nun die Grid-Technologies-Sparte, die mit einem Plus von 41,5 % die traditionell starke Gas-Services-Sparte überflügelt. Der exorbitante Stromhunger von KI-Rechenzentren in den USA befeuert die Nachfrage nach Transformatoren und Netzkomponenten, während die globale Angebotsknappheit die Preise stützt. Das Management zog die Jahresprognose an, die nun ein Umsatzplus von 14 - 16 % und eine operative Marge von bis zu 12 % vorsieht. Die Führung hat also Vertrauen in die Fortsetzung des Trends.
Die Kapitalallokation ist für Anleger der zweite entscheidende Hebel. Der Free Cashflow vor Steuern erreichte im ersten Halbjahr fast 5 Mrd. EUR, was die beschleunigte Aktienrückkauf-Tranche von 1 Mrd. EUR ermöglicht. Das ist Teil eines umfassenden 6 Mrd. EUR Programms. Zusätzlich befeuern Spekulationen um eine Abspaltung der Transformation-of-Industry-Sparte den Wertausblick. Analysten wie Jefferies und die Deutsche Bank bestätigen ihre Kaufempfehlungen mit Kurszielen bis 215 EUR. Zwar bleibt die Windtochter Gamesa operativ eine Baustelle mit negativen Ergebnissen, doch das Management zeigt sich zuversichtlich, die Verlustzone gegen Jahresende zu verlassen. Derzeit ist die Aktie für 162,56 EUR zu haben.
A.H.T. Syngas - vom Anlagenbauer zum Energieversorger
Die Wasserstoff-Fantasie an den Märkten konzentriert sich oft auf Elektrolyseure, die mit Ökostrom betrieben werden. Ein niederländischer Spezialist verfolgt einen komplementären Ansatz, der bei Investoren zunehmend Beachtung findet. Das sogenannte Zwillingsfeuer-Prinzip verwandelt biogene Reststoffe wie Altholz oder Gärreste in ein hochreines Synthesegas. In einem Verbundprojekt wurde nun eine Container-Lösung für die Wasserstoffabscheidung validiert. Die Technologie könnte Wasserstoff in einer Spanne von 4,40 bis knapp 8 EUR pro kg bereitstellen und damit günstiger als die reine Elektrolyse. Für das Verfahren liegt inzwischen ein Patent vor, was die Eintrittsbarrieren für Wettbewerber erhöht.
Das Geschäftsmodell durchläuft aktuell einen strategischen Wandel. Bisher verdiente das Unternehmen primär am Verkauf der Biomasse-Vergasungssysteme. Künftig rückt der Betrieb in den Fokus. Das Contracting-Modell verspricht Margen von bis zu 18 %, deutlich mehr als der reine Verkauf. Um diese Expansion zu finanzieren, wurde eine Wandelanleihe über 2 Mio. EUR platziert. Die jüngste Exklusivpartnerschaft mit INNOTEC in Polen ist hierbei ein echter Gamechanger. Der polnische Markt bietet aufgrund der hohen Kohleabhängigkeit und üppiger Biomasse-Vorkommen riesiges Potenzial. Die gemeinsame Pipeline umfasst 17 Projekte, und noch in diesem Jahr sollen Aufträge über 10 Mio. EUR verbucht werden.
Die Eigentümerstruktur ist ein starkes Signal: Rund 40 % der Anteile liegen im Besitz von Management und Belegschaft. Diese enge Verzahnung mit den Aktionären schafft Vertrauen, zumal Family Offices und institutionelle Anleger den Rest halten. Die Standardisierung auf den Anlagentyp R116 ermöglicht zudem eine flexible Produktion ohne Engpässe. Die Analysten von GBC sehen bei dem Unternehmen ein Kurspotenzial von 8,50 EUR, was die operative Hebelwirkung des Geschäftsmodells unterstreicht. Während der Markt für herkömmliches Erdgas unter Druck gerät, wächst das Segment für Synthesegas als klimafreundlicher Ersatz rasant. Mit der strategischen Ausrichtung auf wiederkehrende Einnahmen ist das Unternehmen bestens für den nächsten Wachstumsschritt gerüstet. Aktuell notiert die Aktie bei 2,82 EUR.
Nel ASA - technologischer Fortschritt trifft auf Führungsvakuum
Die jüngste Markteinführung der neuen Alkalielektrolyseur-Generation hätte ein Meilenstein für Nel ASA werden sollen. Das System verspricht, die Wasserstoffproduktion mit Turnkey-Kosten unter 1.450 USD pro Kilowatt wirtschaftlich deutlich attraktiver zu machen. Das ist ein echter Durchbruch in einer Branche, die oft mit Projektkosten von über 3.000 USD pro Kilowatt kämpft. Die Industrialisierung am Standort Herøya läuft, unterstützt durch einen EU-Innovationsfonds-Zuschuss von bis zu 135 Mio. EUR. Doch trotz dieser vielversprechenden Entwicklung bleiben konkrete Großaufträge für die neue Plattform aus. Der Auftragseingang brach im 1. Quartal um 73 % ein, der Auftragsbestand schrumpfte auf 1,1 Mrd. NOK. Zu dem Zeitpunkt ging man noch davon aus, dass die Kunden auf die neue Technologie warten.
Mitte Juni folgte der nächste Schlag. CEO Håkon Volldal kündigte seinen Rücktritt an, um zum Verpackungskonzern Elopak zu wechseln. Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Ausgerechnet jetzt, wo das Unternehmen seine neue Produktgeneration in den Markt einführt, muss ein neuer CEO für das kommende Jahr gefunden werden. Zwar betont Aufsichtsratschef Arvid Moss, dass die strategische Ausrichtung unverändert bleibe, doch der Markt reagierte skeptisch. Die Aktie verlor innerhalb weniger Wochen fast 37 % an Wert. Volldal bleibt noch sechs Monate im Amt, während der Vorstand nach einem Nachfolger sucht. Gelingt es, einen erfahrenen Branchenmanager mit starken Netzwerken an Bord zu holen, könnte es am Ende auch einen positiven Effekt haben.
Die operativen Kennzahlen des ersten Quartals zeigen wenig Rückenwind. Der Umsatz sank um 5 % auf 148 Mio. NOK, das EBITDA blieb mit minus 100 Mio. NOK tief im roten Bereich. Immerhin konnte ein langjähriger Rechtsstreit mit Iwatani Anfang Juni beigelegt werden. Das Risiko weiterer Klagen im US-Markt ist damit gebannt. Die Liquiditätsposition von 1,4 Mrd. NOK bietet etwas Spielraum, ersetzt aber keine fehlenden Kundenaufträge. Analysten erwarten für 2026 einen Umsatz von 791 Mio. NOK bei einem Nettoverlust von 427 Mio. NOK. Der nächste wichtige Termin ist der 15. Juli, wenn der Halbjahresbericht Aufschluss über Auftragseingänge und den Stand der CEO-Suche geben wird. Momentan kostet eine Aktie 2,415 NOK.
Die Vision ist Geschichte, in Zukunft zählt die operative Umsetzung. Siemens Energy überzeugt als profitabler Marktführer mit Rekordaufträgen und Kapitalrückgaben. A.H.T. Syngas bietet mit seiner patentierten Biomasse-Technologie ein Nischenmodell mit guten Margen und einer starken Eigentümerbindung. Nel ASA hingegen bleibt trotz technologischer Fortschritte ein riskanter Turnaroundkandidat, belastet von einem Führungsvakuum und schrumpfenden Aufträgen. Der Markt belohnt heute Substanz, nicht bloße Hoffnung. Setzen Sie auf Siemens Energy für Stabilität, auf A.H.T. Syngas für Wachstum, aber beachten Sie, dass Nel ASA nur etwas für Spekulanten mit starken Nerven ist.
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