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12.06.2025 | 04:45

Unglaublich aber wahr! Gratisaktien von BYD, VW restrukturiert, Antimony Resources und thyssenkrupp im Fokus

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Bildquelle: pixabay.com

Mit jedem Tag fortschreitender geopolitischer Konflikte wird klar: Die sicheren Versorgungswege für Industrie und Produktion sind Geschichte. Vor allem die deutsche und europäische Industrielandschaft bekommt täglich zu spüren, wie sich Beschaffungswege durch zunehmende Sanktionen verengen, manchmal trocknen sie gänzlich aus. Die Kapitalmärkte reagieren empfindlich auf solche Knappheitsszenarien, der langfristige Zins steigt, Risikokennziffern gehen durch die Decke. Wie gehen Industrieunternehmen in diesem Umfeld vor, gibt es eine Hoffnung auf ein Wiederaufleben des globalen Handels? Alles berechtigte Fragen, wenn man die politischen Entwicklungen diesseits und jenseits des Atlantiks verfolgt. Welche Trends sollten Anleger im Auge behalten?

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , VOLKSWAGEN AG VZO O.N. | DE0007664039 , VOLKSWAGEN AG ST O.N. | DE0007664005 , BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296 , ANTIMONY RESOURCES CORP | CA0369271014

Inhaltsverzeichnis:


    Antimony Resources – Ein strategisches Metall rückt ins geopolitische Rampenlicht

    Mit Blick auf die angekündigten Ausfuhrbeschränkungen Chinas für bestimmte Metalle suchen westliche Industrieunternehmen nach sicheren Lieferketten. Denn sie wollen sich nicht einem internationalen Zoll-Gezanke unterwerfen, das letztendlich zu weiteren Preissteigerungen im Rohstoffbereich und wackeligen Beschaffungsmärkten führt. Im Fall von Antimon (chemisches Symbol: SB) trifft es dabei ein strategisch bedeutendes Metall mit vielfältigen industriellen Anwendungen. Es kommt überwiegend als Antimontrioxid (Sb₂O₃) in Legierungen zum Einsatz, dient aber auch als Flammschutzmittel in Form eines Additivs in Kunststoffen, Textilien, Kabelisolierungen, Elektronik, Autoinnenausstattung und Baustoffen. Als Katalysator findet es auch in der PET-Produktion eine breite Verwendung. China, Russland und Tadschikistan kontrollieren 90 % der weltweiten Versorgung. Im September 2024 schränkte China die weltweiten und US-amerikanischen Antimonexporte bereits ein, seit März 2025 trifft es auch die EU. Einschließlich der Verarbeitung kontrolliert China etwa 80 % des weltweiten Angebots, in den USA gibt es bis heute keine abbaufähige Quelle für Antimon.

    Im Kontext steigender Militärausgaben tritt eine Spezialanwendung ins Rampenlicht: Antimon wird bei der Herstellung von flammhemmenden Geweben verwendet, die für die Sicherheit von Militärpersonal von entscheidender Bedeutung sind. Darüber hinaus ist es eine Schlüsselkomponente in Kommunikationsgeräten, Nachtsichtbrillen, Munition und Laserzielgeräten. Seine Fähigkeit, die Haltbarkeit und Leistung dieser kritischen Werkzeuge zu verbessern, macht es für moderne Verteidigungsstrategien unverzichtbar. Im kanadischen Landesteil New Brunswik kam es vor einiger Zeit bereits zu einem bedeutenden Fund im Konzessionsgebiet Bald Hill. Der Explorer Antimony Resources sicherte sich jüngst eine 100 % Option von Globex Mining und möchte sein Antimonportfolio weiter ausbauen. Die Lagerstätte Bald Hill ist für seine hochgradigen Antimon-Mineralisierungen bekannt, Gehalte von 3 % bis 4 % konnten bereits identifiziert werden. Durch Vorbesitzer wurden seit dem Jahr 2008 bereits 25 Bohrungen durchgeführt. Im Bohrloch DDH08-03 konnten 11,7 % auf 4,51 Metern gemessen werden, in einem Teilstück von 2,29 Metern waren es sogar 20,9 % SB. Hier sollen nun weitere 2.500 Meter an Bohrungen durchgeführt werden, um das Projekt zügig weiterzuentwickeln. Zur Finanzierung des Vorhabens hat das Unternehmen Anfang Juni 318.000 CAD in Form einer Privatplatzierung eingeworben. Gleichzeitig wurden weitere 650 Hektar Landfläche zusätzlich erworben. Die Gesellschaft hat erst knapp 43 Mio. Aktien ausgegeben, damit ergibt sich eine Marktkapitalisierung von niedrigen 4 Mio. CAD. Für Investoren im Bereich kritischer Metalle eine wertschaffende Beimischung mit viel Potenzial.

    thyssenkrupp – Der Konzernumbau schreitet fort

    Ein großer Nachfrager von Antimon ist die deutsche Industrieholding thyssenkrupp. Die Notwendigkeit einer Sicherung der Beschaffungswege hat der Konzernvorstand längst erkannt. Doch zu den allgemeinen Problemen der Branche gesellen sich hausgemachte Themen und eine historisch gewachsene Schuld gegenüber den Pensionären. thyssenkrupp hat seine Restrukturierung bereits vor 3 Jahren begonnen, nun gab es nach einem schnellen Anstieg der Aktie auf über 10 EUR wieder eine Enttäuschung durch schlechte Quartalszahlen. Nach einem Vorstandswechsel in 2024 wurde das Ziel ausgerufen, alle Geschäftsbereiche eigenständig und kapitalmarktfähig zu machen. Geplant ist eine Umwandlung in eine strategische Führungsgesellschaft mit Mehrheitsbeteiligungen. Erste Schritte wie das Joint Venture bei Steel Europe und die Teilabspaltung von Marine Systems (TKMS) sind bereits angestoßen. Auch Materials Services und Automotive Technology sollen folgen, für das Segment Decarbon Technologies ist eine spätere Verselbstständigung vorgesehen. Wegen der hohen aktuellen Brisanz des Bereichs TKMS fordert die IG Metall sogar eine Verstaatlichung um den Bereich und seine Arbeitsplätze zu sichern. Der Auftragseingang hat sich durch die Aufrüstungsbestrebungen insbesondere der NATO-Staaten jüngst um ganze 50 % erhöht. Auf dem aktuellen Niveau von rund 8,40 EUR handelt das Papier mit einem KGV 2025e von 16. Auf der Plattform LSEG finden sich unter 12 Analysen nur 4 Kaufempfehlungen mit einem durchschnittlichen Kursziel von 8,27 EUR. Man kann nur hoffen, dass der geplante Börsengang von TKMS das Konzern-Ruder nochmal herumreißen kann.

    BYD und VW – Nach der Panik kommt die Freude

    Derzeit gibt es viel Wind in der Preisfindung beim chinesischen Marktführer in der E-Mobilität „Build your Dreams (BYD)“. Denn im Mai gab es eine drastische Preissenkung für alle neuen E-Modelle, was den Absatz in der gerade eroberten EU-Zone beflügeln soll. Das Interesse der Kundschaft ist riesig, dennoch bewegen sich die Neuzulassungen von BYD-Modellen noch im niedrigen 1.000er Stückbereich. Dennoch nehmen wöchentlich große Containerschiffe Kurs von China nach Antwerpen, die tragen bis zu 3.000 Fahrzeuge in ihrem Bauch. In diesem Jahr sollen weltweit über 5,5 Mio. Einheiten ausgeliefert werden. BYD hat im Preiskampf mit seiner vertikal integrierte Lieferkette große Vorteile, denn Halbleiter und Batterien stellt man selbst her. Auch die chinesischen Rohstoff-Sanktionen spielen dem Unternehmen in die Hände. Durch die Bevorzugung inländischer Hersteller, muss man sich keine Gedanken über etwaige Lieferkettenprobleme machen. Mit Ungarn eröffnet BYD in 2026 eine eigene Produktionsstätte in der EU, damit sind auch die Importzölle vom Tisch. Für diejenigen, die sich über den Kurs von ca. 16 EUR nach fast 50 EUR wundern: BYD hat in mehreren Stufen Gratisaktien ausgegeben!

    Für den deutschen Marktführer in der E-Mobilität Volkswagen, könnte die hohe Dynamik der Chinesen ein neuer Schlag ins Kontor werden. Denn nach Jahren der IT-Probleme mit den ID-Modellen hat sich das Geschäft seit Mitte 2024 wenigstens stabilisiert. Bereits im Dezember hatte VW tiefgreifende Einsparungen bei Personal und Fertigungskapazitäten bekanntgegeben. Von der Kürzung der jährlichen Produktionskapazität sind demnach die Standorte Wolfsburg, Zwickau, Osnabrück und Dresden betroffen. Den Hauptanteil der Einschnitte steuert das Stammwerk in Wolfsburg mit nicht weniger als 500.000 einzusparenden Einheiten bei, denn die Herstellung des Traditionsmodells VW Golf wird ab Ende 2026 nach Mexiko abwandern. Man kann nur hoffen, dass die Maßnahmen greifen, denn VW ist mit einer 12-Monats-Performance von minus 16 % einer der schlechtesten Werte im DAX 40-Index. Der chinesische Wettbewerber bringt es auf über 90 % Kursanstieg in der gleichen Zeit. Einziger Trost: VW handelt mit einem 2025e KGV von 3,7 und schüttet immerhin fast 7 % Dividende aus. BYD ist vom Börsenwert her doppelt so hoch bewertet wie sein Wolfsburger Pendant. Vielleicht schließt sich die Schere irgendwann auch mal wieder, wenn sich die Wolfburger neu aufgestellt haben.

    Auf Sicht von 3 Monaten kann lediglich die BYD-Aktie ein kleines Plus ausweisen. Für VW und thyssenkrupp ist das Umfeld nach vor schwierig. Klar auskonsolidiert blickt Antimony Resources auf eine bessere Kursentwicklung im zweiten Halbjahr. Quelle: LSEG vom 11.06.2025

    2025 könnte sich zum Top-Jahr für strategische Metalle entwickeln. Denn die zugrundeliegenden Lieferkettenthematiken führen zu einer permanenten Verteuerung der Rohstoffe, das drückt auf die Margen der verarbeitenden Konzerne. In Deutschland sind thyssenkrupp und VW eher die Leidtragenden, BYD hängt an der inländischen Versorgungskette Chinas und ist vertikal voll integriert. Eine Chance für starke Aufwertungen birgt Antimony Resources, denn es gibt in Nordamerika derzeit so gut wie keine eigene Produktion des wichtigen Rohstoffs Antimon.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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