12.05.2026 | 05:10
Ballard Power, dynaCERT, Ceres Power – Ende der Talfahrt
Die Stimmung im Wasserstoffsektor dreht sich spürbar. Nach monatelangem Abverkauf profitieren viele Titel inzwischen vom wieder steigenden Ölpreis und der wachsenden Sorge um die globale Energieversorgung. Laut aktueller Einschätzung gewinnt Wasserstoff insbesondere im Schwerlastverkehr und bei industriellen Anwendungen wieder an strategischer Bedeutung. Anleger setzen zunehmend darauf, dass Regierungen und Unternehmen ihre Dekarbonisierungsziele trotz schwacher Konjunktur weiterverfolgen. Entsprechend stark fiel zuletzt die Erholung vieler Wasserstoff-Aktien aus.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Stefan Feulner
ISIN:
BALLARD PWR SYS | CA0585861085 , CERES POWER HLDGS LS-_10 | GB00BG5KQW09 , DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Stefan Feulner
Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.
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Ballard Power – positive Überraschung
Überraschend positiv fiel das Zahlenwerk von Ballard Power aus. Der kanadische Konzern konnte mit seinen Zahlen für das erste Quartal 2026 die Erwartungen beim Ergebnis übertreffen und damit ein wichtiges Signal an den Markt senden. Der Verlust je Aktie lag bei -0,04 USD und fiel damit deutlich besser aus als die Analystenschätzungen von -0,06 USD. Gegenüber dem Vorjahreswert von -0,07 USD verbesserte sich die Profitabilität spürbar. Der Umsatz kletterte um 26 % auf 19,4 Mio. USD gegenüber 15,4 Mio. USD im Vorjahr. Zwar lagen die Erlöse leicht unter den Erwartungen von 20,02 Mio. USD, dennoch überzeugten vor allem die operativen Fortschritte.
Besonders positiv bewerteten Investoren, dass Ballard inzwischen das dritte Quartal in Folge eine positive Bruttomarge erzielte. Diese verbesserte sich auf 14 %. Gleichzeitig sank der operative Cash-Burn um 65 % auf 7,8 Mio. USD. Nach Veröffentlichung der Zahlen schoss die Aktie zeitweise um mehr als 23 % nach oben. Seit dem Zwischentief summiert sich das Plus inzwischen auf knapp 50 %.
Zusätzlichen Rückenwind liefert nun ein bedeutender Auftrag aus Europa. Der polnische Bushersteller Solaris setzt auch bei seiner nächsten Generation von Wasserstoff-Bussen auf Brennstoffzellenmodule von Ballard. Zum Einsatz kommt künftig das neue FCMove-SC-Modul mit 75 kW Spitzenleistung. Die bereits seit sieben Jahren bestehende Partnerschaft wurde zudem verlängert. Ein früherer Auftrag über 1.000 Brennstoffzellen-Module läuft nun bis 2029 weiter.
dynaCERT – Profiteur der Energiekrise
Nach den Kursrückgängen der vergangenen Jahre sendet dynaCERT wieder starke Lebenszeichen. Seit Anfang Februar konnte sich die Aktie auf in der Spitze 0,17 CAD mehr als verdoppeln. Besonders der Markteintritt in Vietnam sorgt derzeit für Aufmerksamkeit. Das südostasiatische Land steht wegen stark gestiegener Dieselpreise massiv unter Druck. Rund 60 % der Rohölimporte stammen aus dem Nahen Osten, während der Iran-Konflikt die Energiepreise zusätzlich antreibt. dynaCERT könnte von dieser Situation profitieren. Erste Pilotanlagen laufen bereits erfolgreich in Logistikzentren in Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Hải Phòng. Unterstützt wird der Ausbau unter anderem durch Kooperationen mit der Technischen Universität HCMUT sowie einem führenden vietnamesischen Öl- und Gasunternehmen. Vietnam könnte damit zum strategischen Brückenkopf für den gesamten asiatisch-pazifischen Raum werden.
Zusätzlichen Rückenwind erhielt das Unternehmen Ende März durch den Führungswechsel an der Spitze. Nach knapp 14 Jahren übergab Gründer Jim Payne den CEO-Posten an Kevin Unrath, der zuvor als COO tätig war. Payne bleibt dem Unternehmen als Chairman erhalten und sorgt damit für Kontinuität, während Unrath die operative Skalierung vorantreibt. Der Wechsel wird am Markt als klares Signal für die nächste Wachstumsphase gewertet.
Im Mittelpunkt steht weiterhin die patentierte HydraGEN-Technologie. Dabei wird Wasserstoff direkt im Fahrzeug erzeugt und dem Verbrennungsprozess beigemischt. Das verbessert die Effizienz bestehender Dieselmotoren erheblich. Laut Unternehmensangaben sind Kraftstoffeinsparungen von bis zu 19,2 % möglich. Gleichzeitig sinken Stickoxide um bis zu 88 % und Feinstaubemissionen um mehr als 50 %. Für Flottenbetreiber entsteht dadurch ein erheblicher wirtschaftlicher Vorteil, denn die Systeme sollen sich bereits nach rund sieben Monaten amortisieren.
Zusätzliche Fantasie liefert die HydraLytica-Plattform. Über sie können eingesparte CO2-Emissionen dokumentiert und künftig über Zertifikate monetarisiert werden. Mit Präsenz in mehr als 55 Ländern und Anwendungen vom Transport bis zur Schwerindustrie bleibt dynaCERT damit ein spannender Rebound-Kandidat im Cleantech-Sektor.

Ceres Power – Monsterrally
Auch Ceres Power konnte in den vergangenen Wochen einen beeindruckenden Rebound hinlegen. Allein seit Mitte April verbuchte die Aktie einen Anstieg von über 50 % auf ein Jahreshoch bei 768 GBP. Auslöser der neuen Dynamik sind neben der allgemeinen Erholung vieler Wasserstoffwerte vor allem steigende Erwartungen rund um KI-Rechenzentren und deren enormen Energiebedarf. Analysten sehen gerade bei hocheffizienten Brennstoffzellen-Technologien großes Potenzial, da klassische Stromnetze vielerorts an ihre Grenzen stoßen.
Zusätzlichen Rückenwind erhielt Ceres zuletzt durch die Vorstellung seiner neuen Festoxid-Plattform „Ceres Endura“. Die Technologie wurde speziell für die dezentrale Stromversorgung von Rechenzentren und Industrieanlagen entwickelt. Laut Unternehmen sollen die Systemkosten im skalierten Betrieb um rund ein Drittel sinken. Gleichzeitig erreicht die Plattform bei der Stromerzeugung einen elektrischen Wirkungsgrad von über 65 %. In Kraft-Wärme-Kopplungs-Anwendungen steigt die Gesamteffizienz sogar auf mehr als 90 %.
Technologisch setzt Ceres auf hohe Flexibilität. Die Systeme können bereits heute mit Erdgas betrieben werden, sind aber gleichzeitig für Wasserstoff und andere kohlenstoffarme Brennstoffe vorbereitet. Durch niedrigere Betriebstemperaturen von 450 bis 630 Grad Celsius lassen sich kostengünstigere und recycelbare Materialien einsetzen. Hinzu kommt eine Stack-Lebensdauer von fünf Jahren, was insbesondere für industrielle Großkunden und Betreiber großer Rechenzentren interessant ist.
Auch im Wasserstoffmarkt sieht das Unternehmen enormes Potenzial. In Kombination mit industrieller Abwärme soll „Endura“ einen rund 30 % höheren Wirkungsgrad erzielen als klassische Niedertemperatur-Elektrolyseverfahren. Damit könnten die Produktionskosten von Wasserstoff deutlich sinken. Bis 2030 taxiert das Management das weltweite Marktpotenzial für Festoxid-Technologien auf insgesamt 22 Gigawatt.
Analysten zeigen sich zunehmend optimistisch. Jefferies hob das Kursziel zuletzt massiv von 480 auf 920 GBP an und verweist insbesondere auf die Chancen im KI-Sektor. Parallel bestätigte Berenberg die Kaufempfehlung mit einem Ziel von 530 GBP.
Ballard Power zeigt mit verbesserten Margen, sinkendem Cash-Burn und neuen Großaufträgen, dass der operative Turnaround zunehmend Form annimmt. dynaCERT könnte mit seiner sofort einsetzbaren HydraGEN-Technologie und dem starken Wachstum in Vietnam zu den großen Profiteuren steigender Dieselpreise werden. Ceres Power wiederum positioniert sich mit seiner Endura-Plattform als möglicher Gewinner des explodierenden Energiebedarfs durch KI-Rechenzentren und Industrieanwendungen.
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