12.05.2026 | 05:30
Verpassen Sie nicht die Rückkehr der industriellen Revolution: Mercedes-Benz, First Hydrogen und Rockwell Automation führen an
Die nächste Stufe der grünen Transformation erfasst zwei hartnäckige Emissionsquellen: den Schwerlastverkehr und die energieintensive Industrie. Grüner Wasserstoff ersetzt dort Diesel und Kohle, während fahrerlose Transportsysteme sowie autonome Roboter die Logistik und Fertigung revolutionieren. Entscheidend ist jedoch die intelligente Verknüpfung beider Technologien – erst sie schafft den Durchbruch zu emissionsfreien, effizienten Wertschöpfungsketten. Wer dieses Zusammenspiel früh erkennt, kann von milliardenschweren Zukunftsmärkten profitieren. Genau diese Vorreiterrolle beanspruchen sowohl Mercedes-Benz mit ihren autonomen Fahrkonzepten als auch First Hydrogen mit unbemannten Wasserstoff-Fahrzeugen sowie Rockwell Automation mit ihrer datengesteuerten Produktionsautomatisierung.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
MERCEDES-BENZ GROUP AG | DE0007100000 , First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 | TSXV: FHYD , ROCKWELL AU. DL 1 | US7739031091
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Mercedes-Benz - weniger Hype, mehr Bodenhaftung
Mercedes-Benz sortiert seine Prioritäten neu. Das hochgepriesene Level-3-System (Drive Pilot) fährt vorerst in die zweite Reihe. Bei der aktuellen S-Klasse und dem EQS-Facelift wird es nicht mehr angeboten. Die Begründung lautet zu teuer, zu wenig echte Einsatzszenarien und regulatorisch unsicher. Stattdessen setzen die Stuttgarter auf Level 2++ mit MB.Drive Assist Pro. Das ist praxistauglich, breit skalierbar und regulatorisch sauber. Parallel dazu laufen Level-4-Robotaxi-Projekte in China und Abu Dhabi mit Partnern wie Momenta und Lumo. Eine kluge Zweigleisigkeit, denn so senkt man die Kosten im Privatkundengeschäft und sammelt im kommerziellen Mobilitätsmarkt frühzeitig Erfahrungen.
Der Konzern erzielte 31,6 Mrd. EUR Umsatz und ein EBIT von 1,9 Mrd. EUR. Der Free Cash Flow des Industriegeschäfts lag mit 1,86 Mrd. EUR überraschend hoch, trotz laufender Modelloffensive und Aktienrückkäufen von 469 Mio. EUR. Die Pkw-Marge erreichte 4,1 % und liegt damit im eigenen Zielkorridor von 3 - 5 %. Europa und die USA wachsen mit plus 7 bzw. 20 %, die Van-Sparte holte zweistellige Renditen von 10,1 %, und die Finanztochter steigerte ihr EBIT um 44 % auf 413 Mio. EUR. China bleibt ein schwieriges Pflaster mit intensivem Wettbewerb und verhaltener Nachfrage.
Das Management bestätigte im Earnings Call die Jahresprognose. Der Umsatz soll etwa auf Vorjahresniveau liegen, das Konzern-EBIT dank geringerer Sonderbelastungen deutlich über 2025.
Die größte Produktoffensive der Firmengeschichte läuft mit über 40 neuen Modellen bis 2027, darunter die vollelektrische C-Klasse und der überarbeitete EQS mit Steer-by-Wire. Gleichzeitig bleiben Risiken wie die Zollunsicherheiten (US-EU), die schwache China-Konjunktur und volatile Rohstoffpreise. Positiv zu bemerkten ist die Nettoliquidität, die auf fast 34 Mrd. EUR kletterte. Das ist ein komfortables Polster. Für geduldige Investoren bietet Mercedes eine Mischung aus Cashflow-Stärke, konsequenter Premium-Strategie und realistischem Turnaround-Potenzial, aber kurzfristige Margenwunder sollte niemand erwarten. Derzeit ist die Aktie für zu haben.
First Hydrogen - Robotik statt nur Wasserstoff
First Hydrogen verabschiedet sich von der reinen Fokussierung auf Brennstoffzellen-Transporter. Das kanadische Unternehmen sichert sich über eine erweiterte Absichtserklärung exklusive weltweite Rechte an einer patentierten, unbemannten Bodenroboter-Plattform (UGV). Die Technologie stammt von Exodus Actuation Solutions („RoboticsCo“), an der First Hydrogen kürzlich eine Mehrheitsbeteiligung vereinbarte. Anders als bei klassischen Lieferrobotern setzt die Plattform auf eine Hybridarchitektur aus acht Bein-Rad-Elementen. Das ermöglicht Stabilität auf unebenem Gelände, wo herkömmliche Systeme scheitern. Der Vorstoß mag auf den ersten Blick überraschen, ist aber folgerichtig. Wer saubere Mobilität denkt, kommt um autonome, emissionsfreie Helfer für Logistik und Sicherheit nicht herum.
Das Herzstück ist ein modulares Chassis mit einer hybriden Bein-Rad-Kombination. Auf glatten Flächen rollt der Roboter effizient auf den Rädern, im anspruchsvollen Gelände garantieren die acht Gelenkbeine stets vier Punktkontakte. Angetrieben wird das Gerät solar, per Batterie oder Brennstoffzelle für lange Laufzeiten bei geringem Geräuschpegel. Auf die Aufbauplattform lassen sich wechselbare Nutzlasten packen wie Drohnenstart- und Betankungshilfen, Transportboxen, Werkzeuge oder Sicherheitstechnik. Das System folgt eigenständig, lässt sich per Fernsteuerung bedienen oder fährt vorgegebene Routen ab. Für Betriebshöfe, Baustellen oder das letzte Meilen-Stück könnte das echte Entlastung bringen.
Der Kommerzialisierungsfahrplan ist ambitioniert. First Hydrogen hat 2 Jahre Zeit, um eine marktreife Version samt definierter Anwendung zu entwickeln. Gelingt das, behält das Unternehmen exklusive Rechte für die gesamte Patentlaufzeit bei einer vergleichsweise geringen Umsatzbeteiligung von 1 %. First Hydrogen trägt alle Entwicklungskosten und sichert sich komplettes geistiges Eigentum. Der globale Drohnenmarkt wächst rasant auf über 140 Mrd. USD bis 2035 und zeigt, wohin die Reise geht. Für Anleger wird First Hydrogen so zum thematischen Play auf drei Megatrends: Brennstoffzellen, autonome Robotik und grüne Energieinfrastruktur.

Rockwell Automation - zwischen KI-Boom und Vorsicht
Rockwell Automation verkauft nicht nur Steuerungen und Sensoren, sondern baut eine Brücke zwischen Produktionshalle und IT-Abteilung. Das Unternehmen verdient einmalig an Hardware, doch der eigentliche Clou sind wiederkehrende Einnahmen aus Softwarelizenzen und Wartungsverträgen. Gerade die Lifecycle Services sorgen dafür, dass Kundenmaschinen laufen und Ausfallzeiten sinken. Der jährlich wiederkehrende Umsatz wächst im hohen einstelligen Bereich. Die Kunden kommen aus der Prozessindustrie, dem E-Commerce oder dem Rechenzentrumsbau. Alle setzen auf Digitalisierung, um ihre Fertigung effizienter zu machen.
Im 2. Fiskalquartal 2026 setzte Rockwell knapp 2,24 Mrd. USD um, ein Plus von 12 %. Bereinigt um Währungseffekte waren es 9 % organisches Wachstum. Der angepasste Gewinn pro Aktie schnellte um 32 % auf 3,30 USD nach oben. Besonders das Segment Software & Control wuchs um 20 %, allen voran die Logix-Steuerungen mit über 20 % Zuwachs. Die margenstarke Sparte kommt nun auf 34,9 % Rendite. Einziger Wermutstropfen ist das Servicegeschäft, das organisch stagnierte, da Großprojekte weiter auf sich warten lassen.
Für das Gesamtjahr hob das Management die Prognose deutlich an. Statt 2-6 % erwartet man nun 5-9 % organisches Wachstum. Beim bereinigten Gewinn je Aktie lautet die Spanne 12,50 bis 13,10 USD, ein satter Sprung. Treiber sind die Megatrends Reshoring, KI-Integration und der Ausbau von Rechenzentren. Selbst mobile OTTO-Roboter gewinnen an Zugkraft. Doch Vorsicht bleibt angebracht. Speicherpreise und Tarife könnten im zweiten Halbjahr auf die Marge drücken. Rockwell pokert hier auf Kostenneutralität.
Die nächste industrielle Revolution findet dezentral statt. Mercedes-Benz sortiert seine Prioritäten neu und beweist mit starkem Cashflow sowie realistischer Premium-Strategie Bodenhaftung, statt teuren Hypes zu folgen. First Hydrogen wagt den cleveren Schwenk vom reinen Wasserstoffantrieb-Hersteller zum Anbieter unbemannter Bodenroboter für schwieriges Gelände. Rockwell Automation hingegen kassiert bereits kräftig vom KI-Boom und Reshoring-Trend, warnt aber gleichzeitig vor steigenden Speicherpreisen und Zöllen. Wer langfristig denkt, findet hier drei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen fokussierte Zukunftsunternehmen.
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