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15.09.2026 | 04:30

Chronisch unterbewertet: Wann platzt der Knoten bei Mountain Alliance, Lahontan Gold und Mercedes-Benz?

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Bildquelle: Pixabay

Manche Unternehmen strotzen vor Substanz – und trotzdem bewegt sich der Kurs kaum. Drei aktuelle Beispiele zeigen unterschiedliche Spielarten dieses Phänomens: Mountain Alliance ist eine Beteiligungsgesellschaft, deren Portfolio deutlich mehr wert ist als der Aktienkurs aussagt; Lahontan Gold ein Explorer, dessen frei zugängliches Edelmetall den Börsenwert bei Weitem übersteigt; Mercedes-Benz ein Klassiker, den Anleger wegen politischer und konjunktureller Bedenken derzeit links liegen lassen. Unterbewertung ist selten Zufall, sondern hat handfeste Ursachen. Aber es gibt ebenso handfeste Argumente für eine Neubewertung.

Lesezeit: ca. 6 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: MOUNTAIN ALLIANCE NA O.N. | DE000A12UK08 , LAHONTAN GOLD CORP | CA50732M1014 | TSXV: LG , OTCQB: LGCXF , MERCEDES-BENZ GROUP AG | DE0007100000

Inhaltsverzeichnis:


    Mountain Alliance: Wenn der Kurs dem Substanzwert nicht folgen will

    Bei der Münchner Beteiligungsgesellschaft Mountain Alliance klafft eine auffällige Lücke: Der Nettoinventarwert (NAV) je Aktie liegt bei 5,33 EUR, während das Papier aktuell bei 2,66 EUR notiert. Selbst nach Abzug eines für Beteiligungsholdings üblichen Bewertungsabschlags von 15 % bleibt ein NAV von 4,53 EUR – rund 70 % über dem Kurs. Das Geschäftsmodell beruhte ursprünglich auf Investments in Start-ups aus der digitalen Welt. Von den 16 Portfoliogesellschaften ist die Sprachlernplattform Lingoda mit etwa 50 % Anteil am NAV mit Abstand die größte Position.

    Der Fokus verschiebt sich seit 2 Jahren jedoch spürbar in Richtung Verteidigungssektor: Eine der wichtigsten Beteiligungen ist Destinus, ein Spezialist für KI-gesteuerte Drohnen und Abfangsysteme aus den Niederlanden, der ein Gemeinschaftsunternehmen mit Rheinmetall unterhält. Die Bewertung von Destinus liegt aktuell bei etwa 400 Mio. EUR, bei einem Börsengang könnte nach Einschätzung des Bankhauses Rothschild & Co jedoch ein Wert von 5 Mrd. EUR realisiert werden. Weitere Beteiligungen aus dem Verteidigungsbereich sind Evolved Aerospace, ein britischer Entwickler von autonom fliegenden Hubschraubern, die wiederum mit Drohnen bestückt werden können, sowie MindGuard, eine in der Schweiz entwickelte KI-gestützte Plattform für die psychische Resilienz von Einsatzkräften, die bereits in der Ukraine eingesetzt wird, um Kriegstraumata zu bewältigen.

    Wie Mountain-Alliance-Gründer Daniel Wild am Wochenende auf einer Präsentation in Heidelberg erklärte, bleiben die Beteiligungen in der Regel 4 bis 6 Jahre im Portfolio, danach wird der Exit angestrebt – entweder über den Verkauf oder über einen Börsengang. Für dieses Jahr stellt Wild den Verkauf der Alt-Beteiligung Shirtinator in Aussicht. Das Münchner Unternehmen bedruckt Kleidungsstücke und Accessoires mit Wunschmotiven – und soll jetzt Kapital für den weiteren Ausbau des Defence-Portfolios liefern. Die Analysten von Montega bestätigten zuletzt ihre Kaufempfehlung für Mountain Alliance mit einem Kursziel von 4,50 EUR. Als Holdinggesellschaft erwirtschaftet das Beteiligungsunternehmen kaum operative Umsätze, klassische Gewinnkennzahlen greifen daher nicht – maßgeblich ist der Substanzwert, eben jener NAV, der beim Doppelten des aktuellen Börsenkurses liegt.

    Lahontan Gold: Wenn das Gold buchstäblich auf der Straße liegt

    Noch deutlicher fällt die Diskrepanz bei Lahontan Gold aus. Das kanadische Unternehmen entwickelt mit dem Santa-Fe-Projekt im US-Bundesstaat Nevada eine ehemalige Mine, in der zwischen 1988 und 1995 bereits 359.000 Unzen Gold und 702.000 Unzen Silber gefördert wurden. Strom, Wasser, Straßenanbindung und Arbeitskräfte sind vorhanden – ein erheblicher Zeit- und Kostenvorteil gegenüber einer Neuentwicklung auf der grünen Wiese. Die im August aktualisierte Ressourcenschätzung weist 1,195 Mio. Unzen Goldäquivalent der Kategorie „Indicated“ (gemessen) sowie weitere 1,19 Mio. Unzen „Inferred“ (vermutet) aus, zusammen fast 2,39 Mio. Unzen – ein Plus von 22 % gegenüber der Vorstudie.

    Noch bemerkenswerter: Auf den alten Haufenlaugungshalden der Mine liegen schätzungsweise 200.000 Unzen Gold vergleichsweise kostengünstig zugänglich an der Oberfläche. Beim aktuellen Goldpreis von 4.300 USD je Unze entspricht das einem Marktwert von 860 Mio. USD – ein Vielfaches des Börsenwerts von Lahontan Gold von umgerechnet unter 120 Mio. USD (Aktienkurs 0,37 CAD bzw. 0,23 EUR). Der gesamte Goldschatz, laut einer älteren Wirtschaftlichkeitsstudie allein für die Hauptmine bei einem damals unterstellten Goldpreis von 2.705 USD je Unze rund 200 Mio. USD wert, ist darin noch gar nicht mitgerechnet, die Satellitenprojekte in der Umgebung schon gar nicht. Genaueres verrät CEO Kimberly Ann im Interview mit IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk:

    https://youtu.be/QGRV7IfTWec

    Dass es sich bei Lahontan nicht mehr nur um einen reinen Explorer handelt, zeigt die operative Entwicklung: Ein geotechnisches Bohrprogramm über 2.569 m diente nicht nur der Ressourcenausweitung, sondern lieferte auch Daten zu Hydrogeologie und Gesteinscharakterisierung – Grundlagenarbeit für die Genehmigung der Mine. In den nächsten Wochen wird zudem die aktualisierte Wirtschaftlichkeitsstudie (PEA) erwartet, die erstmals die gewachsene Ressource, die veränderten Goldpreise und zusätzliches Sulfidmaterial berücksichtigen soll – das Vorgängergutachten von 2024 stammt aus einer anderen Goldpreiswelt.

    Finanziell ist das Unternehmen bis weit ins Jahr 2027 abgesichert, derzeit verhandelt Vorstandschefin Ann mit den Banken über die Finanzierung der Baukosten. Offenbar erfolgreich, denn personell wappnet sich Lahontan Gold bereits für die Zeit der Produktion: Geologe Tony Gesualdo (zuvor unter anderem bei Barrick Mining, Coeur Mining und McEwen unter Vertrag) kehrt zurück, Michael Kubel bringt über zehn Jahre Nevada-Tagebau- und Haufenlaugungserfahrung mit, und mit Jen Earle sowie dem im Oktober startenden Finanzvorstand Billy Choi (zuvor bei Lithium Royalty) wird auch die Kapitalmarktseite gestärkt. Der Fahrplan steht: Genehmigung und Baubeginn 2027, erste selbstgegossene Goldbarren spätestens Anfang 2028. Dann dürften die Werte gehoben werden, die im Aktienkurs noch nicht sichtbar sind.

    Mercedes-Benz: Wenn Gegenwind für günstige Kennzahlen sorgt

    Auch Mercedes-Benz gilt seit Jahren als chronisch unterbewertet. Doch hier liegt der Fall anders: Den Automobilkonzern drückt weder ein Holding-Abschlag noch ein bislang ungehobener Goldschatz. Vielmehr sorgt eine Häufung konjunktureller und politischer Belastungen für Kennzahlen, die für einen Hersteller von Premiumprodukten nicht angemessen erscheinen. Mit einem für 2027 erwarteten KGV von 6,9 und einer Dividendenrendite von 6,7 % gehört die Aktie zu den günstigsten DAX-Werten. Hauptursache der Skepsis ist das lahmende China-Geschäft: Im 2. Quartal brachen die Verkäufe dort um 30 % ein, weltweit sank der Konzernabsatz um 6 % auf 511.900 Fahrzeuge. Immerhin: Außerhalb Chinas legte der Absatz um 3 % zu, die Verkäufe von Elektrofahrzeugen wuchsen weltweit um 51 % an, in Europa sogar um 87 %. Jedes achte verkaufte Fahrzeug ist inzwischen rein elektrisch. Der chinesische Gesamtmarkt schwächelt strukturell, weil gekürzte Kaufanreize, hohe Kraftstoffpreise und eine von der Immobilienkrise gedrückte Konsumentenstimmung zusammenkommen. Heimische Hersteller sind bei Elektroantrieben zudem schneller und günstiger, während Mercedes dort noch stärker mit Verbrennern vertreten ist.

    Hinzu kommen Probleme in den USA: Seit der Ankündigung der Trump-Regierung vom Mai dieses Jahres, 25 % Einfuhrzölle auf europäische Fahrzeuge zu erheben, ist die Unsicherheit weiter gewachsen. Als Reaktion hat das Management um Konzernchef Ola Källenius ein US-Investitionspaket von 7 Mrd. USD beschlossen, davon 4 Mrd. USD bis 2030 für das Werk Tuscaloosa in Alabama, wohin auch die GLC-Produktion wandert. Parallel läuft das Sparprogramm „Next Level Performance“. Ziel sind Kostensenkungen von 5 Mrd. EUR bis 2027: 5.500 Beschäftigte haben bereits Abfindungsangebote angenommen; die A-Klasse-Fertigung wanderte von Rastatt ins ungarische Kecskemét. Solche Umbaukosten belasten kurzfristig die Marge, sollen die Kostenbasis mittelfristig aber senken.

    2025 brach der Gewinn fast um die Hälfte auf 5,35 EUR je Aktie ein, für dieses Jahr erwarten Analysten ein Ergebnis auf ähnlich niedrigem Niveau. Ab 2027 sollen die Zeichen jedoch wieder auf Wachstum stehen: Die Konsensschätzungen liegen bei 6,77 EUR je Aktie für 2027 und 7,73 EUR für 2028. Auch die Dividende dürfte weiter steigen und bietet eine gewisse Kompensation für die Wartezeit, bis sich China stabilisiert und die US-Strategie greift. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 59,60 EUR, gut 28 % über dem aktuellen Kurs von 46,60 EUR. Die Schätzungen für den fairen Wert liegen zwischen 50 EUR (UBS) und 73 EUR (Deutsche Bank).

    Fazit: Drei Formen von Unterbewertung, drei mögliche Katalysatoren

    Die drei Fälle zeigen, wie unterschiedlich „unterbewertet“ aussehen kann: eine Substanzwert-Kurs-Lücke bei einer Beteiligungsholding im Umbau, physisches Gold, dessen Förderung der Markt einem noch jungen Minenunternehmen offenbar noch nicht zutraut, und ein etablierter Konzern, dessen Bewertung unter realen China- und US-Belastungen leidet. Gemeinsam ist allen dreien, dass sich in den kommenden Monaten konkrete Ereignisse abzeichnen, die die jeweilige Lücke schließen könnten: Exits bei Mountain Alliance, die neue Wirtschaftlichkeitsstudie und der Genehmigungsfortschritt bei Lahontan Gold, operative Verbesserungen bei Mercedes-Benz.

    Das Risikoprofil für Anleger ist entsprechend unterschiedlich: Der etablierte deutsche Autobauer tröstet Investoren mit hohen Dividenden über die Durststrecke hinweg, das Kurspotenzial hingegen erscheint begrenzt. Der kanadische Minenwert Lahontan bietet demgegenüber die Chance auf eine Vervielfachung, sobald die nächsten Meilensteine erreicht werden. Bis zur Zahlung einer Dividende werden indes noch einige Jahre ins Land gehen. Bei Mountain Alliance sind Sonderausschüttungen im Fall größerer Verkäufe oder Börsengänge jederzeit denkbar; zunächst muss sich jedoch zeigen, dass die neue Strategie, sich verstärkt im Verteidigungssektor zu engagieren, den Knoten lösen kann.


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    Der Autor

    Jens Castner

    Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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