14.10.2026 | 05:00
Ohne hochreine Pellets kein neuer Stahlboom: Wie Strategic Resources die Probleme der Stahlindustrie lösen könnte – so reagieren thyssenkrupp und Rio Tinto
Europas Stahlindustrie steckt in der Zwickmühle: Einerseits steigen die Kosten für die nachhaltige Transformation, andererseits müssen strenge regulatorische Vorgaben erfüllt werden. Einige Vorzeigeprojekte für wasserstoffbasierten Stahl haben die Budgets bereits deutlich überschritten. Zugleich werden die Importregeln der Europäischen Union (EU) immer strenger. Die technologische Zukunft der Branche hängt maßgeblich an hochreinen Eisenerz-Pellets, da ohne diesen Grundstoff keine moderne Direktreduktionsanlage funktioniert. Wir blicken auf die Branche und stellen Chancen vor.
Lesezeit: ca. 3 Min.
|
Autor:
Nico Popp
ISIN:
STRATEGIC RES INC. | CA86277X4093 | TSXV: SR , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , RIO TINTO LTD | AU000000RIO1
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
Tag-Cloud
Aktien-Cloud
thyssenkrupp: Essener Traditionskonzern kämpft gegen steigende Kosten
Der Essener Traditionskonzern thyssenkrupp steht exemplarisch für die enorme Komplexität des Umbaus der Schwerindustrie. Am Standort Duisburg errichtet das Unternehmen für rund 3 Mrd. EUR eine rund 140 m hohe Direktreduktionsanlage, um Eisenerz künftig ohne Koks zu verarbeiten. Da thyssenkrupp die Ausschreibung für jährlich bis zu 143.000 t grünen Wasserstoff 2025 wegen zu hoher Preise ausgesetzt hat, passt das Management die Anfahrstrategie notgedrungen an. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters darf thyssenkrupp die Großanlage in Duisburg zunächst mit konventionellem Erdgas betreiben, ohne staatliche Förderzusagen zu verlieren. Technisch bleibt die Anforderung an das Vormaterial jedoch identisch: Beide Gase verlangen zwingend den Einsatz hochreiner Pellets mit extrem geringen Verunreinigungen. Während thyssenkrupp bereits 4.000 der geplanten rund 11.000 Stellen abgebaut oder ausgelagert hat, sichert der flexible Übergang zu Wasserstoff den künftigen Werksbetrieb. Der Konzern hat Zeit gewonnen.
Rio Tinto: Bergbau-Gigant sichert die Versorgung Europas
Bergbau-Gigant Rio Tinto zeigt bereits heute, wie die Versorgung der europäischen Stahlindustrie mit Direktreduktionspellets strukturiert sein kann. Über die kanadische Mehrheitsbeteiligung Iron Ore Company of Canada hat der Bergbaukonzern dem schwedischen Vorzeigewerk Stegra in Boden DR-Pellets vertraglich zugesagt. IOC verfügt über eine Pelletkapazität von nominal 12,5 Mio. t pro Jahr, davon ein Teil in DR-Qualität. Die strategische Relevanz dieser Lieferkette wächst: LKAB, auf das rund 80 % der EU-Eisenerzförderung entfallen, musste wegen gebirgsmechanischer Probleme in Kiruna eine Pelletanlage von April bis November 2026 stilllegen, was rund 2 Mio. t Auslieferungen kostet. Dass Stegra kürzlich einräumen musste, für die Fertigstellung der Gesamtanlage weiteres Kapital zu benötigen, steigert die Bedeutung verlässlicher Lieferanten aus Nordamerika.
Strategic Resources: Eine mögliche Lösung aus Kanada
Einen Ausweg aus dem strukturellen Rohstoffengpass könnte der kanadische Entwickler Strategic Resources bieten. Mit dem Projekt BlackRock treibt das Unternehmen eine Verarbeitungsanlage für 4 Mio. t hochreiner Eisenerz-Pellets pro Jahr direkt am Port Saguenay in Québec voran. Der Standort verschafft Strategic Resources einen ganzjährigen Tiefwasserzugang zum Sankt-Lorenz-Strom und erlaubt die Belieferung von Direktreduktionsanlagen in Europa. Eine Studie aus dem März 2024 veranschlagt für die Pelletanlage Investitionskosten von 470 Mio. USD (Schätzgenauigkeit −30/+50 %) bei einer Bauzeit von 25 Monaten. Unter der Annahme einer Direktreduktions-Prämie von 70 USD je Tonne kalkuliert das Unternehmen mit einem jährlichen EBITDA von 173 Mio. USD. Nach Steuern weist die Projektstudie einen Kapitalwert von 957 Mio. USD bei einem Diskontsatz von 8 % sowie einen internen Zinsfuß von 25 % aus. Die reinen Konvertierungskosten beziffert die Studie auf 16,31 USD je Tonne. Der Standort bietet Zugang zu Wasserkraft und Erdgas; ein neuer Stromvertrag mit Hydro-Québec steht noch aus. Im Mai 2026 beantwortete das Unternehmen alle Fragen des Umweltministeriums von Québec zur Erweiterung der Genehmigung von 1,5 auf 4 Mio. t. Jetzt heißt es auf die Entscheidung warten.

Strategic Resources: Neben Kanada auch in Europa aktiv
Neben der geplanten Verarbeitungsanlage in Kanada ist Strategic Resources auch in Europa aktiv: Im Juni 2026 wählte die finnische Universität Oulu für ihr mit 17 Mio. EUR finanziertes FutSteel-Forschungsprogramm Konzentrat aus dem Mustavaara-Projekt von Strategic Resources für Tests zur wasserstoffbasierten Eisenherstellung aus. An dem Programm ist auch der Stahlkonzern SSAB beteiligt. Bereits Anfang 2024 hatte das Management die Kosten in Nordamerika optimiert: Durch die Aufgabe alter Stromverträge für das BlackRock-Projekt gab Strategic Resources damit verbundene Akkreditive frei. Zudem halten die finanzstarken Ankeraktionäre Orion Resource Partners und Investissement Québec jeweils über 40 % der Unternehmensanteile und sichern die Entwicklung der Vorhaben ab.
Strategic Resources: Fazit zum grünen Stahlmarkt
Die europäische Stahlindustrie durchläuft eine nie dagewesene Marktverschiebung, bei der die enormen Fixkosten der Produzenten die Nachfrage nach Rohstoffen diktieren. Wenn Konzerne Milliarden in neue Werke investieren, zwingen diese Investitionskosten die Betreiber dazu, die Anlagen unter maximaler Auslastung zu betreiben – der Preis für Vormaterial dürfte damit nicht das wichtigste Argument sein. Während Stahlhersteller unter dem Schutzschirm neuer EU-Quoten agieren, dürfte sich die Preissetzungsmacht zunehmend zu den Pelletlieferanten verlagern. Anleger müssen bei Entwicklungsunternehmen wie Strategic Resources berücksichtigen, dass diese Vorhaben typischen Genehmigungsrisiken, volatilen Rohstoffpreisen und Verzögerungen beim Bau unterliegen und das Unternehmen Kapital für den Bau sowie Konzentratlieferungen für die Anlage in Saguenay sichern muss. Gelingt die Umsetzung der Anlage, besetzt Strategic Resources eine vielversprechende Nische.
Interessenskonflikt
Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) ggf. künftig Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen halten oder auf steigende oder fallende Kurse setzen werden und somit ggf. künftig ein Interessenskonflikt entstehen kann. Die Relevanten Personen behalten sich dabei vor, jederzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente des Unternehmens kaufen oder verkaufen zu können (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei unter Umständen den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.
Die Apaton Finance GmbH ist daneben im Rahmen der Erstellung und Veröffentlichung der Berichterstattung in entgeltlichen Auftragsbeziehungen tätig.
Es besteht aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.
Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.
Risikohinweis
Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.inv3st.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.
Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.
Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.