28.09.2026 | 05:00
Spannende Börsengeschichten und viel Kursfantasie: Die aussichtsreichen Aktien von Lahontan Gold, United Internet und Generac im News-Check
Spannende Börsengeschichten beginnen manchmal dort, wo Anleger sie gar nicht erwarten – in einer alten Goldmine, beim Netzaufbau oder bei Notstromaggregaten. Der kanadische Explorer Lahontan Gold lieferte jüngst gute Nachrichten für die Santa-Fe-Mine in Nevada. Das kann der Aktie Rückenwind geben. Der deutsche MDAX-Konzern United Internet will nach Jahren hoher Ausgaben endlich wieder mehr Geld verdienen. Und der US-Generatorenspezialist Generac hat mit Amazon einen Kunden gewonnen, der das Stromgeschäft kräftig beschleunigen könnte. Wir nehmen die drei aussichtsreichen Aktien im News-Check unter die Lupe.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
LAHONTAN GOLD CORP | CA50732M1014 | TSXV: LG , OTCQB: LGCXF , UTD.INTERNET AG NA | DE0005089031 , GENERAC HOLDINGS INC. | US3687361044 , 1&1 AG | DE0005545503 , IONOS GROUP SE | DE000A3E00M1
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Lahontan Gold: Gute Nachrichten machen Lust auf mehr
Manchmal muss ein Goldsucher gar nicht tief graben. Bei Lahontan Gold liegt ein Teil der Hoffnung über Tage: auf alten Halden der Santa-Fe-Mine. Die jüngsten Bohrergebnisse liefern dafür neue Argumente. Zusammen mit einer größeren Ressource und einer geplanten Übernahme gewinnt die Geschichte des kanadischen Minenentwicklers an Substanz.
Das Herzstück ist die 28,3 Quadratkilometer große Santa-Fe-Liegenschaft in Nevadas Walker Lane. Zwischen 1988 und 1995 wurden dort rund 359.000 Unzen Gold und 702.000 Unzen Silber produziert. Straßen und Stromanschlüsse sind vorhanden. Ein solcher Neustart kann schneller und günstiger gelingen als ein Projekt auf der grünen Wiese.
Mitte August vergrößerte Lahontan die ausgewiesene Ressourcenbasis um 22 %. Die Schätzung enthält 1,195 Mio. Goldäquivalent-Unzen in der Kategorie „indicated“ und 1,190 Mio. Unzen in der weniger verlässlich belegten Kategorie „inferred“. Die Durchschnittsgehalte betragen 0,78 beziehungsweise 0,61 Gramm je Tonne. Knapp die Hälfte entfällt somit auf die unsicherere Kategorie. Wirtschaftlich nachgewiesene Reserven sind diese Ressourcen noch nicht.
Besonders interessant sind die oberflächennahen Oxidvorkommen bei Slab und York, deren Ressourcen um mehr als 37 % zunahmen. Solches Material lässt sich grundsätzlich per Haufenlaugung aufbereiten, was eine aufwendige klassische Mühle ersparen kann. Die aktualisierte vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie, kurz PEA, soll außerdem die Nutzung der umfangreichen Sulfidvorkommen in einer zweiten Ausbaustufe untersuchen.
Schon die erste PEA aus Dezember 2024 zeigte den Goldpreishebel. Bei damals angesetzten Spotpreisen von 2.705 USD je Unze Gold und 32,60 USD für Silber ergaben sich ein Kapitalwert nach Steuern von 200 Mio. USD und eine interne Verzinsung von 34,2 %. Die Anfangsinvestitionen lagen bei rund 135 Mio. USD. Das ist kein aktueller Projektwert. Mehr nutzbare Unzen und höhere Metallpreise könnten die neue Rechnung verbessern, gestiegene Bau- und Betriebskosten einen Teil davon wieder aufzehren.
Zusätzliche Fantasie liefern die Halden. Am 1. September berichtete Lahontan über neun Bohrungen in einer früher als niedriggradig eingestuften Materialhalde neben dem Laugungsfeld Nummer zwei. Sie kamen im Mittel auf 1,64 Gramm Gold je Tonne. Das bereits abgebaute Material müsste nicht nochmals aus dem Fels gelöst werden. Darin liegt die Chance auf günstiges Erz für den Neustart.
Auch das historische Laugungsfeld enthält noch Edelmetall. Am 15. September meldete Lahontan dort 16,5 Meter mit 2,72 Gramm Gold je Tonne. Der gewichtete Durchschnitt der ersten zehn Bohrungen lag bei 0,50 Gramm, gegenüber historisch erwarteten Restgehalten von rund 0,29 Gramm je Tonne. Weitere Ergebnisse und Aufbereitungstests müssen die wirtschaftliche Nutzbarkeit klären. Auf den vier alten Laugungsfeldern wurden einst rund 16 Mio. Tonnen Material verarbeitet.
Firmenchefin Kimberly Ann erweitert zugleich den Zugriff auf die Nachbarschaft. Am 16. September vereinbarte Lahontan die Übernahme von Emergent Metals gegen Aktien. Dessen Aktionäre sollen nach Vollzug rund 4,7 % des gemeinsamen Unternehmens halten. Lahontan bekäme West Santa Fe vollständig unter eigene Kontrolle; ausstehende Erwerbszahlungen von rund 1,73 Mio. USD und bestimmte Förderabgaben würden entfallen. Hinzu käme das unmittelbar angrenzende Projekt New York Canyon. Das würde die Flächenposition abrunden. Aktionärs-, Gerichts- und Behördenzustimmungen stehen noch aus.
Bei West Santa Fe, rund 13 Kilometer vom Hauptprojekt entfernt, rückte am 21. September ein Bohrgerät für etwa 3.500 Meter in 20 Löchern an. Frühere Bohrungen hatten 36,6 Meter mit 3,11 Gramm Goldäquivalent je Tonne ab der Oberfläche geliefert. Neue Ergebnisse sollen noch 2026 kommen; eine erste Ressourcenschätzung bleibt bis Jahresende angepeilt. Der Satellit könnte später zusätzliches Material für Santa Fe liefern.
An möglichen Kurstreibern fehlt es also nicht. Lahontan Gold verkündete jüngst auch eine Personalie: Billy Choi wird ab Oktober neuer Finanzchef des Konzerns und löst John McNeice ab, der das Unternehmen verlässt. Choi war zuletzt Vice President Finance bei Lithium Royalty.
Entscheidend für die weitere Kursentwicklung bleibt die neue PEA, die weiterhin als Ziel für 2026 geplant ist. Für 2027 strebt Lahontan den Baubeginn an. Werden Ressourcen, Halden und Satelliten in einen überzeugenden Minenplan übersetzt, sind eine Neubewertung der Aktie und deutlich höhere Kurse möglich. Bis dahin bleibt der Hotstock eine spekulative Beimischung für risikobereite Anleger.
United Internet: Comeback-Kandidat nach dem großen Kehraus
Ralph Dommermuth hat seinen Aktionären viel Geduld abverlangt. Der Aufbau des vierten deutschen Mobilfunknetzes verschlang Geld. Nun setzt United Internet bei 1&1 Versatel und Ionos den Rotstift an. Rund 800 Stellen sollen wegfallen, Abläufe werden vereinfacht. Das kostet zunächst etwa 95 Mio. EUR.
Nach Umsetzung sollen jährlich rund 55 Mio. EUR frei werden: bei Ionos bis zu 30 Mio. EUR ab 2027, bei Versatel rund 25 Mio. EUR ab 2028. Das Geld soll in die Weiterentwicklung fließen, bei Ionos etwa in KI-Produkte und das Cloud-Geschäft. Anleger sollten die Summe deshalb nicht vollständig als zusätzlichen Gewinn verbuchen.
Die Halbjahreszahlen zeigen bereits Fortschritte. Der Umsatz stieg um 3,3 % auf 3,09 Mrd. EUR, das EBITDA um 5,1 % auf 676 Mio. EUR. Die bezahlten Kundenverträge nahmen um 550.000 auf 30,27 Mio. zu, getragen von Ionos und Mail & Media. Bei 1&1 sank der Bestand nach einer Neuausrichtung günstiger Tarife dagegen um 140.000.
Für 2026 bleiben rund 6,25 Mrd. EUR Umsatz und 1,45 Mrd. EUR operatives EBITDA das Ziel; die Restrukturierungskosten werden herausgerechnet. Der Investitionsbedarf soll auf 600 bis 650 Mio. EUR sinken, nach rund 731 Mio. EUR im Vorjahr. Weniger Kapitalbindung und bessere Ergebnisse wären eine gute Kombination für den Cashflow.
Entscheidend für die Bewertung bleibt die Gewinnentwicklung. Für das kommende Jahr wird ein höheres operatives Ergebnis erwartet, was die geschätzten KGVs von rund 13,7 für 2026 und 11,7 für 2027 vertretbar erscheinen lässt. Auch Analysten zeigen sich entsprechend zuversichtlich: 10 Kaufempfehlungen stehen aktuell drei Halte-Voten gegenüber. Kein Experte rät derzeit zum Verkauf. Mit einem durchschnittlichen Kursziel von knapp 32 EUR sehen die Beobachter noch rund 25 % Aufwärtspotenzial. Für ein langfristig ausgerichtetes Depot bleibt die Aktie von United Internet ein interessanter Comeback-Kandidat, sofern Dommermuth die operativen Fortschritte verstetigt.
Generac: Neukunde Amazon sorgt für neue Fantasie
Ein Rechenzentrum ohne Strom ist eine ziemlich teure Lagerhalle. Das weiß auch Amazon und sichert sich Notstromtechnik bei Generac. Der US-Konzern, als Generatorenlieferant für Privathäuser und Gewerbe bekannt, stößt damit tiefer in den Markt für große Rechenzentren vor.
Der am 16. September gemeldete Vertrag sieht zunächst erwartete Lieferungen von 2,4 Mrd. USD für 2027 und 2028 vor. Amazon erhielt außerdem Bezugsrechte auf bis zu knapp 1,7 Mio. Generac-Aktien zu rund 200,93 USD. Ein Großteil wird erst mit entsprechenden Generatorkäufen verdient. Die dabei genannte Schwelle von 8 Mrd. USD ist deshalb kein bereits fest gebuchter Auftragseingang. Dennoch schafft die Vereinbarung eine starke Basis für eine längere Zusammenarbeit.
Das zweite Quartal zeigte bereits Tempo: Der Umsatz stieg um 11 % auf 1,17 Mrd. USD, das Geschäft mit Gewerbe- und Industriekunden um 29 % auf 556 Mio. USD. Der freie Cashflow sprang von rund 14 auf 63 Mio. USD. Allerdings halfen Zollerstattungen; der Ergebnissprung lässt sich daher nicht einfach fortschreiben.
Schon Ende Juli lag der Auftragsbestand für Rechenzentrumsprodukte bei rund 1,6 Mrd. USD. Nun muss Generac die Fertigung großer Generatoren ausbauen und die zusätzlichen Mengen profitabel ausliefern. Das kostet Kapital und verlangt eine funktionierende Lieferkette. Der Amazon-Vertrag verbessert die Wachstumsperspektive erheblich.
Auch Analysten trauen Generac noch einiges zu. 16 Kaufempfehlungen stehen lediglich 6 Halte-Voten gegenüber, Verkaufsempfehlungen für den Titel gibt es aktuell nicht. Im Mittel sehen die Experten den fairen Wert bei knapp 296 USD – mehr als 40 % über dem aktuellen Kurs. Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2027 und 2028 errechnen sich KGVs von rund 16,8 beziehungsweise 13,4. Wer langfristig investiert, kann sich das Papier als Beimischung näher ansehen. Nach dem Kurssprung bieten sich Rücksetzer für einen Einstieg an.
Fazit
United Internet bietet eine Comeback-Chance, wenn operative Fortschritte und sinkende Investitionen den Cashflow stärken. Generac hat mit Amazon einen Wachstumstreiber gewonnen, muss die zusätzlichen Aufträge nun aber auch profitabel abarbeiten. Die spekulativste Börsengeschichte liefert Lahontan Gold: Größere Ressourcen, vielversprechende Bohrergebnisse und die geplante Übernahme geben der Wiederbelebung von Santa Fe zunehmend Kontur. Den entscheidenden Beleg muss die neue Wirtschaftlichkeitsstudie liefern. Zeigt sie einen überzeugenden Weg zurück zur Goldproduktion, könnte das der nächste Zündfunke für die Aktie sein. Für risikobereite Anleger bleibt Lahontan damit eine spannende Beimischung: Die guten Nachrichten machen Lust auf mehr – jetzt müssen auch die wirtschaftlichen Perspektiven glänzen.
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