22.06.2026 | 05:30
Von der kanadischen Mine ins deutsche E-Auto: Rock Tech Lithium, BASF und Volkswagen sorgen für weniger Abhängigkeit von China
Die E-Mobilität wächst ungebremst, doch der Treibstoff der Zukunft wird knapp. Die Nachfrage nach Lithium explodiert, während die Preise nach einer Durststrecke wieder auf Rekordjagd gehen. Die europäische Industrie steht vor einer Zerreißprobe zwischen Abhängigkeit von China und dem Drang nach Autonomie. Genau in dieser Lücke öffnet sich ein Fenster für kluge Anleger. Nicht der Rohstoff allein verspricht Rendite, sondern die intelligente Verknüpfung von Förderung, Veredelung und Produktion vor der eigenen Haustür. Eine strategische Achse zwischen Kanada und Deutschland könnte den Markt neu ordnen. Drei Unternehmen besetzen die entscheidenden Stufen dieser Wertschöpfungskette: Rock Tech Lithium, BASF und Volkswagen.
Lesezeit: ca. 5 Min.
|
Autor:
Armin Schulz
ISIN:
ROCK TECH LITHIUM | CA77273P2017 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111 , VOLKSWAGEN AG VZO O.N. | DE0007664039
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
Tag-Cloud
Aktien-Cloud
Rock Tech Lithium - die strategische Wende nach Kanada
Rock Tech Lithium hat in den vergangenen 18 Monaten eine bemerkenswerte Transformation vollzogen. Während das Guben-Projekt weiterhin im Portfolio bleibt liegt der Fokus nun immer stärker auf Kanada. Die Rahmenbedingungen dort haben sich unter Premier Carney fundamental verbessert. Es wurden staatliche Förderprogramme aufgelegt und Genehmigungsverfahren beschleunigt. Attraktiv sind vor allem die deutlich niedrigeren Energiepreise in Ontario, wo Wasserkraft zu Bruchteilen der deutschen Industriestromkosten verfügbar ist. Die politische Unterstützung auf Bundes- und Provinzebene hat eine neue Qualität erreicht, weshalb das Unternehmen das kanadische Geschäft zur obersten Priorität erklärt hat.
Kern des kanadischen Ansatzes ist die vertikale Integration. Anders als in Deutschland, wo man auf Weltmarkt-Rohstoffe angewiesen wäre, verfügt Rock Tech in Ontario über eine eigene Mine direkt neben dem geplanten Konverter. Georgia Lake liefert den Spodumen, die Red Rock Anlage verarbeitet ihn zu Lithiumhydroxid, eine Wertschöpfungskette aus einer Hand. Das geplante GP/LP-Finanzierungsmodell ist dabei zentral. Rock Tech agiert als General Partner und Manager, erhält Gebühren, hält aber nur 10-20 % der Anteile. Das generiert bereits während der Bauphase Einnahmen und schafft eine vorteilhafte Cashflow-Dynamik für Investoren.
Die abschließende Machbarkeitsstudie für beide kanadischen Projekte beginnt in Kürze und soll bis spätestens Jahresende abgeschlossen sein. Die Investitionsentscheidung (FID) ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 anvisiert, der Produktionsstart für Mitte 2028 bei der Mine und Ende 2028 beim Konverter. Bei aktuellen Preisen und angenommenen 100.000 t Spodumen-Konzentrat aus der Mine könnte allein daraus ein Betriebsgewinn in Millionenhöhe entstehen. Für die Finanzierung in Kanada konnte man mit der BMI Group einen wichtigen Partner gewinnen, der 200 Mio. CAD bereit stellen will. Parallel treibt Rock Tech die Kapitalmarktpräsenz voran mit einer Xetra-Notierung in Frankfurt und einem angestrebten NASDAQ-Dual-Listing. Das Guben-Projekt bleibt erhalten, wird aber in ähnlicher Struktur und mit kostensenkenden Maßnahmen realisiert. Aktuell notiert die Aktie bei 0,86 CAD.
BASF – im milliardenschweren Umbau
Der Chemieriese BASF treibt seine Transformation mit unverminderter Geschwindigkeit voran. Das Unternehmen ist auf Lithium als essenziellen Rohstoff für sein Kathodengeschäft angewiesen. Verfolgt wird eine mehrgleisige Strategie, um sich diese kritische Ressource zu sichern. Einerseits will man das Material recyceln in der Anlage in Schwarzheide, die jährlich 15.000 t Altbatterien verarbeitet. Andererseits hat sich der Konzern über langfristige Lieferverträge und strategische Partnerschaften, etwa mit CATL, den Zugang zu Primärrohstoffen gesichert. In China stärkt ein Joint Venture mit Shanshan die Präsenz in der weltweit größten Batterieproduktion.
Die erste Tranche des Aktienrückkaufprogramms im Volumen von 1,5 Mrd. EUR läuft Ende Juni aus. Gleichzeitig steht BASF ein erheblicher Mittelzufluss bevor. Die EU-Kommission gab grünes Licht für den Verkauf der Lacke-Sparte an Carlyle, der BASF rund 5,8 Mrd. EUR einbringen wird. Parallel dazu treibt der Konzern den Umbau weiter voran. Das Sparprogramm "CoreShift" zielt darauf ab, die Fixkosten im Kerngeschäft bis 2029 um bis zu 20 % zu senken. Aus einem vorherigen Sparprogramm wurden bereits 1,9 Mrd. EUR realisiert.
Der neue Verbundstandort in Zhanjiang ist BASFs größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte. Die 8,7 Mrd. EUR teure Anlage läuft seit Anfang 2026 und soll ab 2027 profitabel werden. Der Standort ist technisch hochmodern, digitalisiert und setzt konsequent auf erneuerbare Energien. Dennoch bleibt die Unsicherheit groß. CEO Markus Kamieth warnte vor möglichen Lieferkettenunterbrechungen durch den Nahost-Konflikt und einem drohenden Ölpreisschock. Durch den Iran Deal sollten die Probleme vorerst gelöst sein. Die gesenkte Prognose für 2026 sowie die anhaltenden Währungseffekte zeigen, dass der Umbau des Konzerns noch Zeit in Anspruch nimmt. Die Halbjahreszahlen am 30. Juli werden Aufschluss geben, ob die Strategie aufgeht. Derzeit ist die Aktie für 48,895 EUR zu haben.
Volkswagen - zwischen Stabilität und Transformation
Die Neuzulassungszahlen für Mai zeigen ein zwiespältiges Bild. Volkswagen führt mit 19 % Marktanteil zwar klar das Hersteller-Ranking an, verzeichnet aber einen Absatzrückgang von fast 9 %. Der Gesamtmarkt stagniert. Während die deutschen Hersteller Federn lassen explodieren die Zulassungen von BYD und Tesla im Elektrosegment. Reine E-Autos machen bereits ein Viertel aller Neuzulassungen aus. Das ist ein Trend, der Volkswagen zwingt, seine Strategie grundlegend zu überdenken. Die jüngsten Quartalszahlen untermauern den Handlungsdruck. Der Umsatz sank um 2 % auf 75,7 Mrd. EUR, das operative Ergebnis brach um 14,3 % ein. Die operative Marge der Kernmarke liegt bei mageren 3,3 %, weit entfernt vom selbst gesteckten Ziel von 8-10 % für 2030. Immerhin verbesserte sich der Netto-Cashflow und die Gemeinkosten wurden um knapp 1 Mrd. EUR gesenkt.
Das größte Sorgenkind bleibt China. Der Absatz brach im 1. Quartal um fast 15 % ein, bei Elektrofahrzeugen liegt VWs Marktanteil bei nur 2,7 %. BYD verkaufte im Mai fast vierzehnmal mehr E-Autos. Die Gegenstrategie sieht exklusive Modelle für den chinesischen Markt und eine beschleunigte Elektrifizierungsoffensive vor. Immerhin konnte VW zu Jahresbeginn BYD wieder von der Spitze des Gesamtmarktes verdrängen. In Europa hingegen kann Volkswagen seinen Status als BEV-Marktführer mit rund 27 % Anteil verteidigen. Die Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge wuchsen 2025 in Europa um 66 %. Mit dem ID. Polo und dem ID. Cross will der Konzern nun den Massenmarkt erschließen, zu einem Preis von unter 30.000 EUR.
Die Hauptversammlung Mitte Juni machte die Dringlichkeit klar. Die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder hält die Lage für existenzbedrohend. Man versucht durch einen harten Sparkurs gegenzusteuern, beispielsweise mit einem Abbau von 50.000 Stellen bis 2030, Kapazitätsreduktion um weitere 500.000 Fahrzeuge in Europa sowie einer Modellbereinigung. Bis 2030 sollen jährliche Nettoeinsparungen von mehr als 6 Mrd. EUR erreicht werden. Die beschlossene Dividende von 5,26 EUR je Vorzugsaktie geriet in die Kritik angesichts des Gewinnrückgangs. Ob die angekündigte E-Auto-Offensive 2026 mit 20 neuen Modellen und die Partnerschaften mit Rivian und Xpeng die Wende bringen, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Momentan kostet die Aktie 80,70 EUR.
Die strategische Achse Kanada-Deutschland im Lithiumsektor ist vielversprechend, doch die operative Umsetzung bleibt der entscheidende Renditetreiber. Rock Tech Lithium positioniert sich mit vertikaler Integration und eigener Mine in Ontario als potenzieller Gamechanger für unabhängige Rohstoffversorgung. BASF treibt seinen milliardenschweren Konzernumbau voran, kämpft aber weiterhin mit Währungseffekten und Unsicherheiten im Tagesgeschäft. Volkswagen verteidigt seine Marktführerschaft in Europa, während der dramatische Abschwung in China die Konzernrendite belastet und harte Einschnitte erzwingt. Die Richtung stimmt, die Bewährungsprobe kommt jetzt.
Interessenskonflikt
Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) derzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen hält bzw. halten und auf deren Kursentwicklungen spekulieren. Sie beabsichtigen insofern Aktien oder andere Finanzinstrumente der Unternehmen zu veräußern bzw. zu erwerben (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.
Es besteht insofern ein konkreter Interessenkonflikt bei der Berichterstattung zu den Unternehmen.
Die Apaton Finance GmbH ist daneben im Rahmen der Erstellung und Veröffentlichung der Berichterstattung in entgeltlichen Auftragsbeziehungen tätig.
Es besteht auch aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.
Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.
Risikohinweis
Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.inv3st.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.
Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.
Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.