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28.07.2026 | 05:00

Wasserstoff-Fiasko: BASF und Linde denken nur an die Großen – dezentrale Lösungen könnten profitieren – A.H.T. Syngas mit Potenzial

  • Wasserstoff
  • Syngas
  • Dezentrale Lösungen
Bildquelle: KI

Die Energiewende ist nicht mehr aufzuhalten. Auch Industrieunternehmen kommen um innovative Lösungen rund um Synthesegas oder Wasserstoff nicht mehr herum. Um die stark steigende Nachfrage nach vor allem grünem Wasserstoff zu stillen, setzen Politik und Konzerne auf Pipelines und Großprojekte. Die europäische Richtlinie RED III verpflichtet die Chemiebranche zu einem Anteil von 42 % grünen Wasserstoff bis 2030 – das macht laut Marktforschern Investitionen im zweistelligen Milliarden-Bereich nötig. Doch da der Ausbau des deutschen Leitungssystems schleppend verläuft, stehen viele Betriebe vor einer Versorgungslücke. Dieser Lücke begegnet die Industrie auf zweierlei Weisen: Die großen Konzerne setzen auf Lösungen im großen Stil, während spezialisierte Anbieter wie A.H.T. Syngas dezentrale Lösungen voranbringen. Wir beleuchten die Situation und stellen Chancen vor.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: A.H.T. SYNGAS TECH. EO 1 | NL0010872388 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111 , LINDE PLC EO 0_001 | IE00BZ12WP82

Inhaltsverzeichnis:


    BASF setzt auf elektrische Öfen und Wasserstoff

    Großkonzerne wie der Ludwigshafener Konzern BASF benötigen auch umfassende Lösungen. BASF rüstet daher bestehende Standorte auf saubere Prozesse um. In Kooperation mit Industriepartnern testet BASF in Ludwigshafen einen elektrisch betriebenen Steamcracker, der bei einer Leistung von 6 Megawatt rund 4 t Kohlenwasserstoff pro Stunde verarbeitet. Dieses vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit 14,8 Mio. EUR geförderte Testprojekt soll die direkten Emissionen des Spaltprozesses um mindestens 90 % senken. Zudem betreibt der Ludwigshafener Konzern im Projekt Hy4Chem gemeinsam mit Partnern seit 2025 einen 54-Megawatt-Elektrolyseur für Wasserstoff. Mit bis zu 124,3 Mio. EUR an Fördermitteln und etwa 25 Mio. EUR Eigenkapital unterstützt, erzeugt die Anlage jährlich 8.000 t grünen Wasserstoff. Solche Dimensionen verdeutlichen, wie stark die Industrie von funktionierender Infrastruktur und Großanlagen abhängig ist.

    Linde und das Build-Own-Operate-Modell

    Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Gas-Giganten Linde, der als Anlagenbauer und Betreiber Großkunden direkt vor Ort versorgt. Linde hat für eine Neuanlage des gemeinsam mit BASF entwickelten DRYREF-Verfahrens inklusive CO2-Import Betriebskosteneinsparungen von bis zu 20 Mio. USD innerhalb der ersten fünf Betriebsjahre errechnet. Bei dieser Technologie optimiert ein spezieller Katalysator die Trockenreformierung von Methan so, dass deutlich weniger Prozessdampf nötig ist und Kohlendioxid als Rohstoff eingebunden wird. Das Trockenreformierungs-Verfahren wandelt die beiden Treibhausgase in nutzbares Synthesegas um. Linde setzt auf das Modell Build-Own-Operate, bei dem der Konzern eigene Anlagen auf den Arealen der Abnehmer errichtet. Derartige Vorhaben binden jedoch enorm viel Kapital und verlangen nach Großabnehmern oder einer direkten Anbindung an Transportnetze. Für kleinere Abnehmer oder Industrieparks, die nicht an entsprechende Netze angeschlossen sind, hat Linde wenig zu bieten.

    Doppelfeuer-Verfahren von A.H.T. Syngas sorgt für Autarkie

    Während die Großen der Branche Milliarden in zentralisierte Strukturen investieren, gibt es auch pragmatische Alternativen: Die vom deutschen Overath aus operierende niederländische Gesellschaft A.H.T. Syngas konzentriert sich auf das Segment zwischen 200 kW und 15 MW, das vielen Konzernen nicht bedient wird. Statt auf knappe Rohstoffe zu setzen, nutzt das Unternehmen minderwertige organische Reststoffe wie Holzabfälle, Klärschlamm, Reishülsen oder Hydrochar. Herzstück der Technologie ist ein eigens entwickelter Doppelfeuer-Vergasungsreaktor, der die Bildung von Teer unterdrückt und ein Synthesegas mit über 40 % Wasserstoffgehalt ohne vielstufige Reinigung liefert. Gemeinsam mit Partnern erwarb das Unternehmen zudem das Patent zur thermochemischen Wasserstoffgewinnung aus Biomasse mittels eines Festbettreaktors. Nach Unternehmensangaben bieten den geplanten Betreibermodellen eine Gewinnspanne zwischen 13 % und 19 % bei rund 54 Mio. EUR Investitionsvolumen.

    AHT vollzieht Turnaround, die Aktie hat nach Gewinnen konsolidiert.

    Betreibermodelle und internationale Expansion bei AHT Syngas

    Um das volle Potenzial dieses dezentralen Ansatzes auszuschöpfen, vollzieht der Mittelstands-Spezialist derzeit den Wandel vom reinen Anlagenbauer hin zum Contracting-Betreiber. Der Baubeginn für das erste große Wasserstoff-Projekt im Norden Deutschlands steht für die kommenden Monate auf dem Plan, erste Abnehmer sollen ab 2028 beliefert werden. Gleichzeitig baut AHT Syngas seine internationale Präsenz aus und vereinbarte für den polnischen Markt eine exklusive Partnerschaft mit INNOTEC. Finanziell steht der Nischenanbieter allerdings noch am Anfang der kommerziellen Skalierung: Bei einem Zwölf-Monats-Umsatz von 2,25 Mio. EUR per Ende 2025 und einem negativen Nettoergebnis lag die Marktkapitalisierung zuletzt bei rund 7 Mio. EUR. Während der vergangenen Quartale konnte das Unternehmen jedoch Investoren überzeugen und begab eine Wandelschuldverschreibung und führte Kapitalmaßnahmen durch, um das Eigenkapital aufzustocken.

    AHT Syngas im Fokus des Marktes

    Die Chance des Nischenplayers AHT liegt klar in der künftigen Rolle als flexibler Versorger für Betriebe, die keinen Zugang zum Leitungsnetz haben und autarke Lösungen suchen. Die Entwicklung der vergangenen Quartale deutet darauf hin, dass das Unternehmen im aktuellen Marktumfeld profitieren kann. Dennoch befindet sich AHT inmitten einer Turnaround-Story. Die Analysten von GBC sahen im Dezember 2025 ein Kurspotenzial bei 8,50 EUR. Nach einer Rally zu Jahresbeginn ist es um die Aktie von AHT inzwischen ruhiger geworden. Das muss kein schlechtes Zeichen sein. Gelingen AHT weitere operative Erfolge, könnte auch die Aktie ihren Anfang 2026 eingeschlagenen Trend wieder fortsetzen.

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    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Nico Popp

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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