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21.01.2026 | 05:45

Die Gewinner der Energiewende 2.0: Wie Nordex, RE Royalties und E.ON jetzt Rendite machen

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Die nächste Stufe der Energiewende bricht an. Nicht mehr Subventionen, sondern wirtschaftlicher Pragmatismus entscheidet über Erfolg. Während der Staat mit Rekordmilliarden die Strompreise künstlich dämpft verschärft sich die Systemfrage. Der neue Fokus liegt auf Kosteneffizienz und Versorgungssicherheit. Doch auch die Finanzierung wirft nach den gestiegenen Zinsen Fragen auf. In diesem Umbruch zeigen drei Akteure, wie die Dekarbonisierung auch ohne Dauerhilfen gelingen kann: der Windkraftpionier Nordex, der Finanzierungsexperte RE Royalties und der Infrastruktur-Riese E.ON.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554 , RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 , E.ON SE NA O.N. | DE000ENAG999

Inhaltsverzeichnis:


    Nordex - startet mit Rückenwind ins neue Jahr

    Die Nordex Group hat gleich zum Jahresauftakt ein strategisches Ausrufezeichen gesetzt. Mitte Januar vereinbarte der Windkraftanlagenhersteller einen mehrjährigen Rahmenvertrag mit VERBUND Green Power, der Tochter des österreichischen Energieversorgers VERBUND. Die Vereinbarung sieht die potenzielle Lieferung von Turbinen für bis zu 700 Megawatt bis 2030 vor. Dies sichert Nordex langfristige Perspektiven in sechs europäischen Kernmärkten und unterstreicht die Nachfrage nach seinen Anlagen von etablierten Energieerzeugern. Ein solcher Rahmenvertrag gibt weit über das laufende Jahr hinaus Planungssicherheit.

    Das Fundament für 2026 wurde bereits im vergangenen Jahr gelegt. Nordex meldete einen Rekord-Auftragseingang von über 10 Gigawatt für das Gesamtjahr 2025, ein Plus von mehr als 22 %. Besonders erfreulich: Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Megawatt blieb im vierten Quartal stabil. Dieses volle Auftragsbuch sorgt für klare Sichtbarkeit und ist die Basis für eine planbare Auslastung der Kapazitäten in den kommenden Jahren. Die Dynamik setzte sich auch international fort, mit substantiellen Aufträgen aus Märkten wie Spanien und Kanada noch im Dezember.

    Die operative Stärke zeigt sich auch in der Heimatmarktpräsenz. In Deutschland sicherte sich Nordex 2025 erneut die Marktführerschaft bei neu installierter Onshore-Leistung. Gleichzeitig gehen kontinuierlich Aufträge aus anderen europäischen Ländern sowie aus Kanada ein, wo das Unternehmen erstmals seine leistungsstärkste Turbine platzieren wird. Diese breite Aufstellung und die Bestätigung durch Partner wie VERBUND deuten auf ein solides Jahr 2026 hin. Für Investoren signalisiert diese Kombination aus Volumen und Stabilität eine gefestigtere Geschäftsgrundlage. Derzeit ist die Aktie für 31,54 EUR zu haben.

    RE Royalties – ist auf Expansionskurs

    Bereits am 11. Dezember deutete sich an, wohin die Reise für den kanadischen Spezialfinanzierer RE Royalties geht. Das Unternehmen meldete damals eine Pipeline von rund 50 Mio. CAD an konkreten Investitionsmöglichkeiten in Solar-, Wind- und Speicherprojekte. Diese Ankündigung war keine bloße Zukunftsgeschichte, sondern ein klares Signal für diszipliniertes Portfoliowachstum. Der Fokus liegt auf operativen oder kurz vor der Inbetriebnahme stehenden Anlagen, was das Risikoprofil senkt. Das Unternehmen erhält dafür eine Umsatzbeteiligung (Royalty). Für Investoren war dies ein Indikator, dass das Management nicht nur über Ambitionen spricht, sondern über handfeste Projekte verfügt, die zielgerichtet erschlossen werden.

    Nur wenige Wochen später, am 7. Januar, folgte der erwartete Beleg. Das Unternehmen gab eine verbindliche Vereinbarung mit dem Entwickler Solaris Energy bekannt. Dabei geht es um ein Investment von bis zu 9 Mio. USD in zwei Portfolios mit dezentralen US-Solarprojekten. Die Finanzierung erfolgt etappenweise an Meilensteine geknüpft, eine bewährte Methode zur Risikosteuerung. Diese Transaktion beweist, dass die im Dezember skizzierte Pipeline liquide und umsetzbar ist. Es handelt sich um genau die Art von skalierbaren, diversifizierten Royalty-Erwerben, die das Geschäftsmodell ausmachen und langfristige Cashflows generieren sollen.

    Der Ausblick bleibt expansiv, doch das Management priorisiert intelligentes Wachstum vor Geschwindigkeit. Um finanziellen Spielraum für solche Gelegenheiten zu wahren, hat der Vorstand die Dividendenpolitik von quartalsweise auf jährliche Ausschüttungen umgestellt. Eine abschließende Zahlung im Rahmen der bisherigen quartalsweisen Dividendenpraxis von 0,01 CAD pro Aktie ist für den 21. Januar vorgesehen. Diese strategische Anpassung soll maximale Flexibilität bei der Kapitalallokation bieten, ohne die Ausschüttung komplett zu streichen. Das Ziel ist klar. Das Management will die wiederkehrenden Erträge durch selektive, Royalty generierende Investitionen langfristig steigern, anstatt kurzfristig das verfügbare Kapital auszuschütten. Aktuell notiert die Aktie bei 0,31 CAD und würde so auf eine Dividendenrendite von rund 13 % kommen, sofern die Ausschüttungen gleich bleiben.

    E.ON - im Check: Stabile Netze, unklare Regeln

    Für Investoren bietet E.ON ein klares Profil. Das Unternehmen hat sich vom klassischen Versorger zum führenden europäischen Netzbetreiber gewandelt. Dieser Fokus auf regulierte Infrastruktur verspricht stabile, vorhersehbare Erträge, die kaum von der Börsenvolatilität abhängen. Die kräftige Investitionsoffensive in die Energiewende legt den Grundstein für nachhaltiges Wachstum in den kommenden Jahren. Für 2026 zeichnet sich bereits eine Entspannung am Energiemarkt ab. Sinkende Preise würden dem Konzern nicht nur politisch den Wind aus den Segeln nehmen, sondern auch die Akzeptanz bei den Verbrauchern spürbar steigern. Die fundamentale Story ist intakt.

    Doch es gibt erhebliche Gegenwinde. Die größte Unsicherheit kommt aus Berlin. Die neue Regulierung für die Netzerträge ab Ende des Jahrzehnts bleibt vage. Das behindert die langfristige Planung und verunsichert den Markt. Zudem fordert der Konzern einen Stopp der Solar-Subventionen, eine politisch heikle Forderung, die sein Image belasten könnte. Operativ steht E.ON unter Kostendruck durch den teuren Netzausbau und einen hart umkämpften Vertriebsmarkt, was die Margen belastet.

    Die Analysten bleiben trotzdem grundsätzlich zugewandt. Das Konsensziel liegt knapp über dem aktuellen Kurs. Die Deutsche Bank sieht weiter „Kauf“-Potenzial und hob ihr Ziel kürzlich leicht an. J.P. Morgan bleibt mit „Overweight“ optimistisch und erwartet positive Impulse. Bernstein Research hingegen sieht nur „Market-Perform“, also durchschnittliches Potenzial, und verweist auf die anhaltende regulatorische Unschärfe. Alle erwarten kein sprunghaftes Wachstum, sondern eine stetige Entwicklung getrieben von den Netzinvestitionen. Momentan kostet eine Aktie 17,195 EUR.


    Die Energiewende 2.0 wird von Pragmatikern getrieben, die trotz regulatorischer Widrigkeiten profitabel wachsen. Nordex zeigt mit Rekordaufträgen und langfristigen Rahmenverträgen, dass die Nachfrage nach Windkraftanlagen robust bleibt. RE Royalties beweist, dass sein skalierbares Royalty-Modell mit disziplinierten Investitionen in Solar- und Windprojekte liquide Cashflows generiert. E.ON bietet als transformierter Netzinfrastruktur-Riese stabile Erträge, kämpft jedoch weiterhin mit politischer Unsicherheit über die künftige Regulierung. Zusammen zeigen sie, wie Dekarbonisierung auch ohne Dauersubventionen wirtschaftlich funktionieren kann.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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