15.07.2026 | 05:30
Jetzt handeln: Siemens Energy, RE Royalties und Nordex – bevor die Strom-Knappheit die Kurse explodieren lässt
Strom wird vom bloßen Produktionsfaktor zur strategischen Währung. Während Deutschlands energieintensive Industrie seit 2022 einen Produktionsrückgang von 15,2 % verzeichnet, aber der KI-Boom die Netze schon heute teilweise überlastet, offenbart sich eine systemische Knappheit. Dadurch entsteht jedoch ein großes Geschäftspotenzial für Unternehmen, die Infrastruktur integrieren, physische Erzeugung skalieren und Projekte kapitalkräftig finanzieren. Drei Akteure zeigen, wie sich diese strukturelle Verknappung in nachhaltige Cashflows verwandelt. Siemens Energy als Rückgrat der Netzstabilität, RE Royalties als Partner grüner Finanzierungen und Nordex als Motor der Windkraft.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0 , RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Siemens Energy - Fundament intakt, Bewertung umstritten
Bei Siemens Energy läuft es operativ rund. Die Auftragsbücher sind mit 154 Mrd. EUR voll. Das Book-to-Bill-Verhältnis, das aussagt, wie viele neue Bestellungen im Verhältnis zum Umsatz hereinkommen, liegt bei 1,72. Der Vorstand hat die Ziele für 2026 nach oben geschraubt. Der Umsatz soll um 14-16 % zulegen, bei einer Marge von 10-12 %. Der weltweite Gasturbinenmarkt wird vom Unternehmen auf dauerhaft 110 bis 120 Gigawatt (GW) pro Jahr beziffert, getrieben durch die Elektrifizierung und den KI-Boom. Angesichts begrenzter Produktionskapazitäten zahlen Kunden Aufschläge für schnellere Lieferung. Die Produktion großer Turbinen soll im Geschäftsjahr 2027 auf 50 Einheiten steigen, bei mittleren Modellen von 50 auf 80 Einheiten.
Zum Rückgrat der Netzstabilität wird Siemens Energy durch sein Grid-Technologie-Geschäft. Der jüngste Auftrag für die 2 GW Konverterplattform North Sea Connector 2 im Auftrag von 50Hertz unterstreicht diese Rolle. Transformatoren und Konverter aus Nürnberg sowie Schwefelhexafluorid-freie Schaltanlagen aus Berlin ermöglichen den effizienten Transport von Offshore-Windstrom an Land. 95 % der Wertschöpfung verbleiben in Deutschland. Parallel erweitert der Konzern seine Kapazitäten für Großtransformatoren bis 2030 um 50 %. Die Übernahme der Camlin Group stärkt zudem das digitale Portfolio für Netzüberwachung und vorausschauende Wartung.
Die Windkrafttochter Gamesa bleibt der Unsicherheitsfaktor. Zwar peilt das Management für das Gesamtjahr eine schwarze Null an, der Cashflow wird jedoch erst 2028 positiv erwartet, und einige Offshore-Aufträge haben sich ins nächste Jahr verschoben. Die Analysten sind tief gespalten. Die Kursziele reichen von 130 bis 260 EUR. Während Barclays einen zyklischen Peak im Gasturbinengeschäft sieht, setzen andere Häuser auf strukturelles Wachstum. Geopolitische Risiken wie die Schließung der Straße von Hormus belasten zusätzlich. Die am 5. August anstehenden Quartalszahlen werden zeigen, welches Lager Recht behält. Derzeit ist die Aktie für 149,42 EUR zu haben.
RE Royalties – nutzt innovative Finanzierungslösungen
Die Energiewende ist eine der größten Investitionsherausforderungen unserer Zeit. RE Royalties hat sich dieser Problematik mit einem unkonventionellen Ansatz angenommen, dem Royalty-Modell. Das kanadische Unternehmen überträgt ein bewährtes Prinzip aus verschiedenen Branchen auf erneuerbare Energien. Statt klassischer Kredite oder Beteiligungen stellt es Kapital bereit und erhält im Gegenzug einen Anteil an den Projekterlösen. Diese Struktur kommt bei Entwicklern gut an, weil sie Verwässerung vermeidet und flexible Konditionen bietet. Seit 2016 hat das Unternehmen über 80 Mio. CAD in rund 135 Projekte investiert, von Solar über Wind bis hin zu Batteriespeichern.
Der nordamerikanische Markt für Finanzierungen im Bereich saubere Energie erreichte 2025 rund 120 Mrd. USD. RE Royalties konzentriert sich bewusst auf die oft vernachlässigte Gruppe mittelständischer Projektentwickler mit Investments zwischen 10-30 Mio. USD. Diese agilen Partner können schnell handeln. Das ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Die operative Geschwindigkeit des Unternehmens zahlte sich bereits aus, etwa bei einem Investment, das innerhalb von 3 Wochen über die Weihnachtsfeiertage abgewickelt wurde, wodurch ein Projektentwickler sein Projekt retten konnte. Seit der Gründung von RE Royalties liegt die unverschuldete interne Rendite bei über 19 %. In den vergangenen 5 Jahren konnte ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 60 % jährlich erzielt werden.
Die jüngste Ankündigung einer strategischen Prüfung gemeinsam mit PricewaterhouseCoopers zeigt, dass RE Royalties sein Wachstum aktiv gestalten will. Mit aktuellen Letters of Intent über 20 Mio. CAD und einer Pipeline von rund 200 Mio. CAD potenzieller Investments ist das Unternehmen gut positioniert. Die jüngste Partnerschaft mit Solaris Energy, bei der RE Royalties bis zu 9 Mio. USD in zwei Solarportfolios investiert, ist spannend. Der hohe Insiderbesitz von 24 % unterstreicht das Vertrauen des Managements in das eigene Geschäftsmodell. Für Investoren bietet sich hier die Chance, breit diversifiziert in den wachsenden Markt der erneuerbaren Energien einzusteigen, ohne die üblichen Hürden von Private-Equity-Fonds. Aktuell notiert die Aktie bei 0,375 CAD.
Nordex – Rekordaufträge und stabile Preise
Die Nordex-Gruppe kann auf ein starkes erstes Halbjahr 2026 zurückblicken. Mit 4,9 GW Neubestellungen liegt das Volumen knapp 10 % über dem Vorjahreswert. Besonders das 2. Quartal überzeugte mit rund 3,1 GW und einem Zuwachs von über 32 %, angetrieben durch die Kernmärkte Deutschland, USA und Türkei. Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Megawatt stabilisierte sich bei 0,95 Mio. EUR, was auf einen gesunden Projektmix hindeutet. Die wiederkehrenden Serviceverträge, die bei nahezu allen Großaufträgen inkludiert sind, sorgen für planbare Umsätze über viele Jahre. Vorstandschef José Luis Blanco hob jüngst die Bedeutung des US-Marktes hervor, wo allein im 2. Quartal rund 800 MW bestellt wurden.
Die jüngsten Projektgewinne lesen sich wie ein Who-is-Who der Windbranche. In den USA sicherte sich Nordex im Juni zwei Großaufträge mit über 800 MW, darunter 55 N163/5.X-Turbinen für ein anonymes Projekt. In Deutschland sorgte der UKA-Rahmenvertrag über 100 Anlagen (N175/N163) mit 700 MW für Aufsehen. Hinzu kamen Einzelprojekte mit ENOVA und BMR über 197 MW sowie der Twistenberg-Park für Continental, der zwei Drittel des Werksstroms decken wird. Alle Verträge beinhalten langfristige Wartungsvereinbarungen über bis zu 20 Jahre, was die Kundenbindung stärkt. Die Installationen erstrecken sich über 2027 und 2028, was eine längerfristige Auslastung der Fertigungskapazitäten sichert.
Das Management peilt für 2026 eine EBITDA-Marge von 8 - 11 % an, mittelfristig sogar 10 - 12 %. Die Analysten sind sich uneins. Während einige Häuser Aufwärtspotenzial sehen, mahnen andere zur Vorsicht. Die operative Basis stimmt mit vollen Auftragsbüchern, wachsenden Serviceerlösen und einem globalen Produktionsnetz mit Standorten in 5 Ländern. Anleger sollten dennoch Lieferkettenrisiken und mögliche Verzögerungen bei Großprojekten nicht aus den Augen verlieren. Selbst solide Fundamentaldaten können kurzfristig von Marktstimmungen überlagert werden. Momentan kostet die Aktie 40,16 EUR.
Die Dringlichkeit beim Netzausbau und der Stromerzeugung macht drei Akteure zu den Gewinnern der Stromknappheit. Siemens Energy profitiert als Rückgrat der Netzstabilität von prall gefüllten Auftragsbüchern, auch wenn die Windtochter Gamesa weiterhin erhebliche Risiken birgt. RE Royalties bedient mit seinem innovativen Royalty-Modell eine lukrative Finanzierungslücke für mittelständische Projektierer und erzielt dabei nachhaltige Renditen. Nordex überzeugt mit Rekordbestellungen und stabilen Preisen, was die anhaltende Nachfrage nach seinen Windturbinen eindrucksvoll untermauert. Wer jetzt positioniert ist, sichert sich Vorteile, bevor die akute Verknappung die Bewertungen endgültig entfesselt.
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