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10.11.2021 | 05:10

Nordex, Clean Logistics, Nikola – Kaum zu stemmender Umstieg

  • Wasserstoff
Bildquelle: pixabay.com

Die Klimaneutralität muss her, so schnell es geht. Diese Ansicht teilen die Politiker bei der aktuell stattfindenden Klimakonferenz in Glasgow. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Verringerung des CO2-Ausstosses des Transportsektors. Anders als etwa in der Energiewirtschaft oder der Industrie sind die CO2-Emissionen im Verkehrssektor seit 1990 nicht gesunken. Meist stehen dabei die Emissionen von Pkw im Fokus der Debatte. Tatsächlich gehen jedoch gut 35% der Verkehrsemissionen auf das Konto von Nutzfahrzeugen, so das Umweltbundesamt. Ein schnelles Umsteigen, wie es die Theoretiker fordern, scheint jedoch schier unmöglich.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: Clean Logistics SE | DE000A1YDAZ7 , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554 , NIKOLA CORP. | US6541101050

Inhaltsverzeichnis:


    Clean Logistics – Nicht reden, handeln!

    Der Mann weiß, wovon er redet. Dirk Graszt, CEO der Clean Logistics, sieht das Unheil bereits jetzt auf uns zurollen. In Deutschland müssten bis zum Jahr 2030 ca. 250.000 der ca. 340.000 zugelassenen LKW klimaneutral sein, sofern die Logistikbranche die gesetzlichen CO2-Reduktionsziele erreichen will. In ganz Europa sind sogar 2,3 Mio. Sattelschlepper zugelassen.

    Davon entfallen rund 70% dieser Fahrzeuge auf die Modelle DAF XF 106 und den Mercedes Actros MP4 sowie MAN. Auf diese Gruppe stürzt sich Clean Logistics mit dem Ziel, den Transportsektor zu dekarbonisieren und zukunftsfähig zu machen. So sollen herkömmliche 40-Tonnen-Diesel-LKW und -Busse des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) auf einen emissionsneutralen Wasserstoffantrieb umgerüstet werden. Bei der Konvertierung wird dabei der komplette Antriebsstrang ausgebaut und gegen einen emissionsfreien Antrieb auf Wasserstoffbasis ersetzt. Eine vom Unternehmen erprobte und modular aufgebaute Konvertierungstechnologie kommt hier zum Einsatz.

    Die Gesamtkosten für den Konvertierungsprozess belaufen sich aktuell zwar auf die hohe Summe von 500.000 EUR, jedoch wird die Anschaffung klimaneutraler LKW und Busse mit 80% Kostenübernahme bis insgesamt 2,9 Mrd. EUR vom Bundesverkehrsministerium subventioniert. Den Proof-of-Concept konnte das in Hamburg ansässige Unternehmen bereits leisten. Unter anderem wurde der HyBatt-Bus, der europaweit erste umgerüstete Bus im öffentlichen Personennahverkehr mit Brennstoffzellen-Wasserstoff-Antrieb, an die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft übergeben.

    Um die Konvertierungskapazitäten weiter zu forcieren, wurde mit der Stadt Winsen an der Luhe eine verbindliche Absichtserklärung für den Kauf einer Gewerbeliegenschaft abgeschlossen, auf dem die Gesellschaft den Bau einer neuen Produktionshalle mit einer Nutzfläche von 10.000 Quadratmetern plant. Der Börsenwert von Clean Logistics beläuft sich aktuell auf rund 110,00 Mio. EUR. Im Vergleich zu anderen Playern aus dem Wasserstoff-Sektor noch eine überschaubare Bewertung.

    Nordex – das alte Problem

    Gespannt erwarteten Investoren die Zahlen für das dritte Quartal beim Windanlagenbauer Nordex. Während in den vergangenen Wochen Auftrag um Auftrag aus der ganzen Welt in die prall gefüllten Bücher wanderte, war nur noch die Frage, wie hoch die Marge bei den Neuaufträgen sein würde. Das Problem mit den margenschwachen Altaufträgen war indes hinlänglich bekannt. Doch anstatt Freudenstürme zu vollziehen, kam nun die Ernüchterung. Der Grund waren Unsicherheiten in Bezug auf die Logistik- und Rohstoffmärkte, die das Hamburger Unternehmen veranlassen, ihre Jahresziele nach unten anzupassen. Der Jahresumsatz dürfte laut Unternehmensmeldungen steigen, dagegen dürfte die Ergebnismarge deutlich hinter den gesteckten Zielen liegen.

    Vor der Veröffentlichung des Zahlenwerkes lag noch eine Betriebsmarge zwischen 4,0% und 5,5% zu Grunde. Aktuell rechnet Nordex noch mit 1%. Dafür wurde die Spanne bei den Erlösen zwischen 5,0% und 5,2% angepasst. Überträgt man dies auf das Betriebsergebnis, dürften maximal 52 Mio. EUR hängen bleiben. Im Corona-Jahr 2020 waren es noch 94 Mio. EUR. Im mittelfristigen Bereich träumt Konzernchef José Luis Blanco dagegen weiterhin von einer operativen Marge in Höhe von 8%.

    Die Windenergie-Branche steckt aktuell in einer Krise. Auch der Konkurrent aus Dänemark, Vestas Wind, revidierte die Marge kürzlich deutlich nach unten. Nach dem Markieren eines neuen Jahres-Tiefs konnte sich der Aktienkurs wieder etwas erholen. In Hinblick auf die weiteren Unsicherheiten dürften sich Anleger jedoch zweimal überlegen, ob gerade jetzt in Investment in Nordex sinnvoll erscheint.

    Nikola – Der Turnaround läuft

    Dass ein Aktienkurs tiefer fallen kann als erwartet, wissen Nikola-Anleger spätestens seit dem vergangenen Herbst. Nach Höchstkursen von über 90 USD folgte ein riesiger Absturz bis zum Tief bei 9,0 USD. Natürlich waren die Gründe, wie Betrugsvorwürfe gegen den ex-CEO und Gründer Milton markant. Nun arbeitet das neue Management jedoch Schritt für Schritt am Comeback. Neben dem Vergleich mit der SEC, in dem Nikola den Angaben zufolge 125 Mio. USD zahlt, wurden auch die Zahlen zum dritten Quartal verkündet, die jedoch wie erwartet noch keinen Umsatz sowie einen Verlust in Höhe von -271,83 Mio. USD auswiesen. Jedoch kommt Nikola mit der Validierung des Nikola Tre BEV gut voran.

    Strategisch bedeutend ist auch die Kooperationsvereinbarung mit dem kanadischen Energieinfrastruktur-Unternehmen TC Energy. Dabei geht es den beiden Partnern um die Entwicklung, den Bau und den Betrieb einer kritischen Infrastruktur für wasserstoffbetriebene, emissionsfreie Schwerlastfahrzeuge. Für Nikola bedeutet dies einen wichtigen Schritt, um den Zugang zu einer erschwinglichen, kohlenstoffarmen Wasserstoffproduktion für den Transport- und Industriesektor zu erleichtern. An der Börse setzt der Nikola-Kurs seinen Aufwärtstrend fort. Der Durchbruch des Widerstandes bei 15,00 USD würde dabei ein weiteres Kaufsignal generieren.


    Das Erreichen der Klimaneutralität erfordert einen riesigen Kraftakt. Besonders beim Transportverkehr scheint ein Erreichen der Klimaziele schier unmöglich. Clean Logistics arbeitet mit dem Ziel, das Segment zu dekarbonisieren. Nikola kommt mit seinen Hybrid-Trucks ebenfalls gut voran, Nordex bekommt dagegen Gegenwind.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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