15.09.2026 | 04:00
Rüstungsaktien im NATO-Aufwind! Boeing, Volatus Aerospace, Dassault, RTX und DroneShield im Rampenlicht
Seit den ersten Aktionen Russlands in Mitteleuropa steht die Europäische Union unter dem Druck neuer NATO-Vorgaben vor einer massiven Aufrüstungswelle, die der gesamten Verteidigungsindustrie erheblichen Aufwind verleiht. EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius forderte in Brüssel einen beispiellosen Ausbau der europäischen Fähigkeiten, um mit den enormen Produktionskapazitäten Russlands mithalten zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, visiert die EU die jährliche Fertigung von bis zu zehn Millionen hochmodernen FPV-Drohnen sowie 130.000 Drohnen mit Düsenantrieb an. Zusätzlich soll die Rüstungsindustrie künftig rund 1700 ballistische Raketen pro Jahr vom Band laufen lassen. Von dieser gigantischen Initiative zur technologischen Aufrüstung dürften Branchengrößen wie Boeing und Dassault in erheblichem Maße profitieren. Gleichzeitig rücken spezialisierte Drohnenpioniere wie Volatus und DroneShield ins Rampenlicht, da die Nachfrage nach unbemannten Systemen und deren Abwehr dramatisch ansteigt. Eine neu gegründete Drohnenallianz zwischen der EU und der Ukraine soll die Entwicklung dieser Systeme der nächsten Generation nun massiv beschleunigen. Welche Aktien könnten den größten Sprung machen?
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , DASSAULT AVIATION INH.EO8 | FR0000121725 , RTX CORPORATION | US75513E1010 , BOEING CO. DL 5 | US0970231058 , DRONESHIELD LTD | AU000000DRO2
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Boeing und RTX Corp - Im Fokus der neuen EU-Militäroffensive
Der Rüstungsmodus geht weiter und beschleunigt. Flankiert werden die neuen ambitionierten Pläne der EU durch die offizielle Genehmigung von weiteren 6,1 Mrd. EUR an EU-Rüstungshilfen für Kiew. Diese frischen Mittel fließen direkt in den Kauf von Munition, Drohnen, elektronischer Kriegsführung und moderner Luftverteidigung. Dank einer Sonderregelung der Mitgliedstaaten darf die Ukraine mit dem Geld nun sogar US-Patriot-Flugabwehrraketen des Typs PAC-3 erwerben. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, dass man damit den ukrainischen Himmel schütze und zeitgleich Europas eigene Verteidigung stärke. Insgesamt sind über das laufende EU-Unterstützungsdarlehen bereits 28,3 Mrd. EUR für die militärische Absicherung freigegeben.
Boeing und RTX (ehemals Raytheon Technologies) passen als fundamentale Säulen direkt in den angekündigten Kauf von US-Patriot-Flugabwehrraketen durch die Ukraine. RTX stellt als federführender Rüstungskonzern das gesamte Patriot-Flugabwehrsystem sowie die taktischen Lenkwaffen her. Gleichzeitig liefert Boeing die hochkomplexen Suchköpfe, die als technologisches Herzstück für die präzise Zielerfassung der PAC-3-Abfangraketen unverzichtbar sind. Angesichts des drastisch gestiegenen Bedarfs in Europa hat Boeing mit dem Pentagon vereinbart, seine Produktion dieser Suchköpfe zu verdreifachen. Parallel dazu baut RTX seine Kooperationen mit europäischen Partnern intensiv aus, um die Produktionskapazitäten für Raketen- und Luftverteidigungs-Komponenten auf dem gesamten Kontinent hochzufahren. Beide US-Giganten profitieren somit direkt von der europäischen Milliarden-Freigabe, da sie die dringend benötigten High-Tech-Systeme für den ukrainischen Luftraum liefern. Spannend!
Dassault Aviation – Frankreichs Trumpf im europäischen Luftraum
Auch Dassault Aviation bringt seine tiefgreifende Expertise im Bereich vernetzter Luftkampfsysteme und modernster Kampfflugzeuge in die europäischen Verteidigungspläne ein. Der französische Rüstungskonzern treibt nach dem Aus des trilateralen FCAS-Jetprojekts nun intensiv die Entwicklung des neuen Rafale F5-Standards voran, der als technologisches Herzstück für den zukünftigen Luftkampf gilt. Diese modernisierte Plattform ist speziell darauf ausgelegt, im Verbund mit hochentwickelten Kampfdrohnen und unbemannten Begleitsystemen (Loyal Wingman) im sogenannten „Collaborative Combat“ zu operieren. Zudem profitiert Dassault direkt von den europäischen Finanzhilfen, da die Ukraine erst kürzlich eine historische Bestellung über 16 Rafale-Kampfjets aufgegeben hat, die über das EU-Unterstützungsdarlehen mitfinanziert werden. Mit seinen hochentwickelten Systemen zur elektronischen Kriegsführung und digitalen Vernetzung liefert das Unternehmen wichtige High-Tech-Komponenten, welche die EU für ihre Souveränität im Luftraum fordert. Die Aktie hat jüngst ordentlich konsolidiert und steht mit 282 EUR wieder auf dem Niveau vom letzten Herbst.
Volatus Aerospace – Der erste große Regierungsauftrag ist da
Fast geräuschlos vollzieht das kanadische Unternehmen Volatus Aerospace derzeit einen bemerkenswerten Wandel vom spezialisierten Drohnen-Dienstleister zur integrierten kanadischen Aerospace- und Defence-Plattform. Der entscheidende Treiber ist die staatliche Defence Drone Initiative (DDI), über deren Marktplatz Volatus inzwischen in sämtlichen fünf Angebotsbereichen qualifiziert ist. Das Angebot geht von unbemannten Systemen und Counter-UAS über Kommunikation und Daten bis hin zu Engineering, Training und Innovation. Damit erhält das Unternehmen Zugang zu einem deutlich breiteren Spektrum künftiger kanadischer Verteidigungsaufträge.
Der entscheidende Schritt vom Potenzial zum Umsatz ist inzwischen ebenfalls erfolgt, denn Kanada hat Volatus einen Fünfjahresvertrag zur Lieferung taktischer ISR-Drohnensysteme an die kanadischen Streitkräfte erteilt. Zunächst sollen 100 Systeme geliefert werden, gleichzeitig besteht eine Option auf weitere 4.900 Einheiten. Theoretisch könnte das Beschaffungsvolumen damit auf bis zu 5.000 Drohnen steigen. Die optionalen Systeme sind allerdings noch kein Auftragsbestand und stellen daher bewusst keine garantierten Umsätze dar. Der strategische Wert des Vertrags liegt dennoch weit über der ersten Tranche, denn Volatus liefert nicht lediglich Fluggeräte, sondern eine komplette ISR-Lösung inklusive Sensorik, Bodenstationen, Datenverbindungen, Training, Ersatzteilen, Software und laufendem Support. Dieses einzigartige, integrierte Modell könnte sich bei zukünftigen Regierungsaufträgen als entscheidender Wettbewerbsvorteil erweisen.
Ergänzend dazu baut Volatus seine industrielle Basis in Kanada konsequent aus. Das Innovations- und Fertigungszentrum in Mirabel sowie das Operations Control Centre in Vaughan schaffen die Infrastruktur, um Entwicklung, Produktion, Integration und Betrieb aus einer Hand abzudecken. Damit wird aus der bisherigen Drohnenstory zunehmend eine skalierbare Verteidigungsplattform mit wiederkehrenden Service-, Wartungs- und Trainingskomponenten. Der entscheidende Faktor generiert sich aus dem stark wachsenden Bedarf westlicher Staaten an kostengünstigen, schnell verfügbaren und souverän produzierten unbemannten Systemen. Der jüngste Regierungsauftrag zeigt erstmals konkret, dass Volatus seine technologische Position in einen kommerziellen Verteidigungsauftrag übersetzen kann. Die Auslieferung der ersten 100 Systeme soll bereits im vierten Quartal 2026 beginnen. Gleichzeitig bleibt das vorhandene Wachstumspotenzial erheblich, weil die Qualifikation für alle fünf DDI-Sparten weitere Ausschreibungen ermöglicht.
Aus Investorensicht verschiebt sich die Story damit von einer spekulativen Wette auf den Drohnenmarkt hin zu einer zunehmend belastbaren Auftrags- und Skalierungsstory im kanadischen Verteidigungssektor. Risikobewusste Anleger hoffen nun und beobachten genau, wie schnell Volatus weitere DDI-Ausschreibungen gewinnt und die vorhandene Fertigungs- und Integrationskapazität in Mirabel auslasten kann. Gelingt diese Skalierung, könnte der erste CAF-Auftrag zum Türöffner für eine wesentlich größere Rolle innerhalb der kanadischen und verbündeten Verteidigungsindustrie werden.
CEO Glen Lynch im Gespräch mit IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk über die mittelfristige Strategie des Unternehmens. Hier geht´s zum Video.
DroneShield – Schon wieder im Verkaufsmodus angekommen
Trotz starker operativer Umsätze und hoher vereinbarter Aufträge stürzt die DroneShield-Aktie auf neue Jahrestiefs nahe 1,00 EUR ab, nachdem der Titel im Herbst 2025 noch bei 3,80 EUR notiert hatte. Hauptgrund für den massiven Kursrückgang ist eine heftige Margenkompression, die das Unternehmen trotz des Wachstums in die roten Zahlen geführt hat. Ein dramatischer Anstieg der Betriebskosten hat zu einem unerwartet hohen Nettoverlust von 32,2 Mio. AUD geführt. Mit über 1,5 Mrd. AUD Marktwert waren die nun erhaltenen EU-Aufträge wohl bereits im Kurs eingepreist, weshalb Investoren ihre spekulativen Positionen nun liquidieren. Charttechnisch droht durch den Test psychologischer Marken zusätzliches Ungemach. Die Aktie bleibt damit ein klassischer Fall, bei dem das Auftragsbuch den Verkaufsdruck in der Aktie scheinbar nicht kompensieren kann. Vorsicht an der Bahnsteigkante, denn fundamental (KUV 2026e von 7) ist der Titel immer noch nicht günstig!

Die Börse leidet unter dem hohen Ölpreis. Einzupreisen sind darüber hinaus steigende Zinsen, ein geopolitisches Dauer-Feuerwerk, gepaart mit einem dringenden Korrekturbedarf bei den völlig überteuerten HighTechs. Auch Rüstung scheint ein Endlosthema zu werden und beflügelt die OEMs genauso wie den Spezial-Titel Volatus Aerospace. Mit dem ersten Regierungsauftrag geht es hier nun schnell nach oben. Eine ausgewogene Mischung schützt vor größeren Schwankungen im Depot.
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