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21.08.2025 | 06:00

Überbewertungen bei Pharma und Biotech abgebaut – Novo Nordisk, BioNxt Solutions und Bayer sind JETZT im Fokus

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Bildquelle: pixabay.com

Nach der drastischen Marktkorrektur seit dem Abebben der Corona Pandemie bietet die Pharma- und Biotech-Branche mittlerweile rationalisierte Bewertungen und echte Chancen. Statt spekulativer Hypes zählen heute solide Pipelines, klinische Ergebnisse und disruptive Technologien. Künstliche Intelligenz revolutioniert die Wirkstoffentwicklung, beschleunigt Prozesse und schafft messbare Wettbewerbsvorteile. Diese neue Realität macht Unternehmen, die ihre digitale Transformation meistern, zu besonders vielversprechenden Kandidaten. Doch es gilt einen genauen Blick auf die Unternehmen zu werfen. Daher sehen wir uns heute mit Novo Nordisk, BioNxt Solutions und Bayer drei spannende Unternehmen an, bei denen viel los ist.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: Bionxt Solutions Inc. | CA0909741062 , NOVO NORDISK A/S | DK0062498333 , BAYER AG NA O.N. | DE000BAY0017

Inhaltsverzeichnis:


    Novo Nordisk - zwischen Prognosesenkung und Rechtsrisiken

    Der dänische Pharmariese Novo Nordisk sieht sich mit massiven operativen und juristischen Herausforderungen konfrontiert, die jüngst sogar zu einer deutlichen Dämpfung der Erwartungen führten. Das Unternehmen musste seine Jahresprognose für 2025 zum zweiten Mal nach unten korrigieren und rechnet nun nur noch mit einem Umsatzwachstum von 8-14 %. Treiber dieser Schwäche sind vor allem der erbitterte Preiskampf und die zunehmende Konkurrenz durch günstigere Nachahmer Präparate in den USA, die dem Originalgeschäft mit Ozempic und Wegovy zusetzen. Gegen diese Nachahmer führt das Unternehmen bereits 130 Verfahren.

    Im Zentrum der Stürme steht jedoch eine gewaltige Sammelklage. Mehr als 1.800 Einzelfälle, die gravierende Nebenwirkungen der Medikamente wie Magenlähmung oder schwere Augenkomplikationen betreffen, wurden zu einer Multidistrict Litigation gebündelt. Ein US-Bundesgericht in Pennsylvania prüft nun, ob die Klagen mit ausreichenden medizinischen Nachweisen untermauert sind, um fortgeführt zu werden. Das finanzielle Risiko für den Konzern wird auf über 2 Mrd. USD geschätzt.

    Trotz der bedrohlichen Klagewelle hat Novo Nordisk nicht nur schlechte Aussichten. Der Konzern reagiert strategisch auf den Marktdruck, etwa durch aggressive Preissenkungen für Selbstzahler, um Nachahmern die Geschäftsgrundlage zu entziehen. Parallel treibt man die Entwicklung neuer Wirkstoffe wie Amycretin und CagriSema voran. Die jüngste FDA-Zulassung von Wegovy für die Behandlung der Lebererkrankung MASH eröffnet zudem ein weiteres, lukratives Wachstumsfeld. Die Führung unter dem neuen CEO Mike Doustdar steht vor der Aufgabe, diese Offensive zu managen und das Vertrauen der Investoren zu stabilisieren. Zuletzt konnte sich die Aktie von ihren Jahrestiefs entfernen und notiert momentan bei 46,38 EUR.

    BioNxt Solutions - Patent-Offensive und beschleunigte US-Strategie

    Die Entwicklung von BNT23001, einem sublingualen Schmelzfilm mit dem Wirkstoff Cladribin, hat einen entscheidenden praktischen Fortschritt gemacht. Wie das Unternehmen bereits im Juli bekannt gab, wurde der Prototyp der Formulierung erfolgreich getestet. Er zeigte vielversprechende Eigenschaften in puncto Wirkstoffbeladung und Zerfallszeit, eine essenzielle Grundlage für die anstehende Herstellung klinischer Chargen. Diese technische Validierung wird nun durch erhebliche Fortschritte im geistigen Eigentum untermauert. Anfang August bestätigten sowohl das Europäische Patentamt (EPA) als auch die Eurasische Patentorganisation (EAPO) die Annahme der Kernansprüche für das entsprechende Patent. Diese Akzeptanz ebnet den Weg für eine baldige formelle Patenterteilung in diesen wichtigen Regionen und schützt die Zusammensetzung und Anwendung der innovativen Verabreichungsform.

    Parallel zur europäischen Sicherheit verfolgt BioNxt eine aggressive Patentstrategie in den USA. Für BNT23001 wurde ein Antrag auf prioritäre Prüfung (Track-One) gestellt. Dieses Programm zielt darauf ab, den Prozess radikal zu beschleunigen und innerhalb von nur zwölf Monaten zu einem endgültigen Bescheid zu kommen. Dieses Tempo ist strategisch klug, da es den Patentschutz zeitnah zu kritischen Gesprächen mit potenziellen Partnern sichert. Noch bedeutsamer ist jedoch der Erhalt der Kernansprüche für ein umfassendes „Dachpatent“. Dieser Schutz geht weit über Cladribin hinaus und sichert die Schmelzfilm-Plattformtechnologie für eine breite Palette von Wirkstoffen und neurologischen Autoimmunerkrankungen langfristig ab. Diese breite Absicherung schafft ein fundamentales und wertvolles Alleinstellungsmerkmal.

    Hinter diesen Manövern steht ein klares Ziel. Das Unternehmen will einen Teil des lukrativen Marktes für neurologische Therapien erobern. Die Schmelzfilm-Technologie adressiert gezielt Schwachstellen bestehender Behandlungen wie Schluckbeschwerden und mangelnde Therapietreue. Noch in diesem Jahr erwartet BioNzt erste präklinische Daten zur Bioverfügbarkeit. Sollten diese die angestrebte Überlegenheit gegenüber der bestehenden Tablettentherapie belegen, eröffnet das den Weg für ein vereinfachtes Zulassungsverfahren in Europa. Diese Meilensteine werden die Verhandlungsposition des Unternehmens bei anstehenden Partnerschaftsgesprächen erheblich stärken. Der Fokus liegt klar darauf, die Technologie durch Kooperationen schnell zum Patienten zu bringen. Die Aktie ist Ende Juli nach oben ausgebrochen und ist aktuell für 1,00 CAD zu haben.

    Bayer - mit turbulentem Quartal

    Bayers 2. Quartal zeigt ein gemischtes Bild. Konzernumsatz und operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen blieben stabil, währungsbereinigt gab es sogar leichte Zuwächse. Die Schattenseite ist das Nettoergebnis, das aufgrund massiver Sonderaufwendungen für US-Rechtsstreitigkeiten deutlich ins Negative rutschte. Vor allem die Pharmasparte glänzte mit starken Performern wie Nubeqa zur Krebsbehandlung und dem Nierenmittel Kerendia, die die patentbedingten Einbrüche bei Xarelto mehr als ausglichen. Im Agrargeschäft sorgte eine hohe Nachfrage nach Maissaatgut für Ergebnisschutz.

    Ein wesentlicher Teil der Sonderaufwendungen floss in die PCB-Problematik. Der nun bekanntgegebene Vergleich im Fall des Sky Valley Education Center mit über 200 Klägern ist ein strategisch wichtiger Schritt zur Risikobegrenzung. Die Kosten hierfür sind durch die bereits gebildeten Rückstellungen von 530 Mio. EUR vollständig gedeckt. Gleichzeitig bekräftigt Bayer, weiter gegen einige Einzelurteile vorzugehen, um keine gefährlichen Präzedenzfälle zu schaffen. Gelingt auch in der Glyphosat Causa ein Durchbruch würde das der Aktie einen Boost geben.

    Für die zweite Jahreshälfte stehen die weiteren Fortschritte bei den strategischen Prioritäten und die fortgesetzte Eindämmung der Rechtsrisiko-Überhänge im Vordergrund. Die erhöhte Jahresprognose, getrieben von der robusten Pharmaperformance, signalisiert operativen Schwung. Für Investoren dürfte die zielstrebige Abarbeitung der Klageblöcke bis Ende 2026 der entscheidende Hebel sein, um die anhaltende Bewertungsdelle zu verlassen und mehr Fokus auf das operative Kerngeschäft zu lenken. Während die meisten Analysten zum Halten raten hat Goldman Sachs eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 35 EUR herausgegeben. Derzeit notiert die Aktie bei 27,835 EUR.


    Die aktuelle Bewertungsrationalität eröffnet nachhaltige Chancen. Novo Nordisk muss trotz innovativer Pipeline und neuer Zulassungen die massiven juristischen Risiken und den Preiskampf im GLP-1-Sektor meistern. BioNxt Solutions punktet mit wegweisenden Patenten für seine Schmelzfilm-Technologie und beschleunigt gezielt seine US-Strategie, was die Verhandlungsposition für Partnerschaften stark verbessert. Bayer zeigt operative Stabilität im Kerngeschäft, bleibt aber für eine dauerhafte Erholung von Fortschritten bei der Bewältigung seiner US-Rechtsstreitigkeiten abhängig.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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