17.07.2026 | 04:50
Vom Erz zur Panzerplatte: Strategic Resources rückt in den Fokus, Bodenbildung bei Rheinmetall? Zeigt der thyssenkrupp-Umbau bald Kurseffekte?
Wenn das Wort eigentlich nicht wäre. Eigentlich profitiert der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall von den immens steigenden europäischen Verteidigungsbudgets, doch das Sentiment hat sich negativ gefärbt, der Kurs notiert unter der Marke von 1.000 EUR. Eigentlich kommt thyssenkrupp beim Transformationsprozess gut voran und plant in diesem Jahr die Materialsparte abzuspalten. Das IPO der Marine-Aktivitäten (TKMS) im vergangenen Jahr verlief äußerst erfolgreich. Und eigentlich sollte Strategic Resources viel stärker auf dem Radar von Investoren präsent sein. Die Gesellschaft arbeitet in Kanada an einem spannenden Erzprojekt mit dem Ziel hochwertiges Eisenerz für die Stahlproduktion der Zukunft zu liefern und adressiert dabei die wichtigen Herausforderungen „grüner Stahl“ und Versorgungssicherheit. Was bedeutet dies alles konkret für die genannten Unternehmen und wer macht schlussendlich das Rennen?
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Carsten Mainitz
ISIN:
STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Carsten Mainitz
Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.
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Strategic Resources – Meilenstein wird vom Markt ignoriert
Das kanadische Unternehmen konzentriert sich auf das große Entwicklungsprojekt BlackRock in der Provinz Québec. Dabei verfolgt die Gesellschaft einen integrierten Ansatz für kritische Metalle wie Eisen, Vanadium und Titan.
Dies umfasst den Abbau des Erzes bis hin zur Produktion hochwertiger Vorprodukte, Eisenerzkonzentrat und Pellets, für moderne Stahlwerke. Eisenerz ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt. Traditionell wird Stahl überwiegend in Hochöfen hergestellt, wobei Eisenerz zusammen mit Kokskohle verarbeitet wird. Ein großer Nachteil ist die damit verbundene Emission enormer Mengen an CO2. Damit steht die Stahlindustrie mit einer jährlichen Produktionsmenge von Milliarden Tonnen für Gebäude, Fahrzeuge, Maschinen, Infrastruktur sowie Verteidigung unter massivem Transformationsdruck.
Die Lösung für dieses Problem heißt „grüner Stahl”. Dessen Produktion hängt jedoch von mehreren entscheidenden Faktoren ab. Anstatt Kohle wird Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen als Reduktionsmittel eingesetzt. Zudem wird besonders hochwertiges Eisenerz mit einem hohen Eisenanteil und wenig Verunreinigungen benötigt. An dieser wichtigen Stelle positionieren sich die Kanadier.
Das BlackRock-Projekt verfügt über hochwertige und massive Eisenerzvorkommen von rund 128 Mio. Tonnen und könnte somit eine wichtige Rolle in der Versorgung der modernen Stahlindustrie spielen. Dabei ist die Pelletanlage im Tiefseehafen von Port Saguenay mit einer geplanten Jahreskapazität von 4 Mio. Tonnen ein zentraler Bestandteil.
Kürzlich konnte die Gesellschaft einen wichtigen und strategischen Meilenstein erreichen, welcher sich auf ihr finnisches Vanadium-Projekt Mustavaara bezieht. Das Vanadium-Magnetit-Konzentrat des Projekts wurde für das 17 Mio. EUR umfassende Forschungsprojekt FutSteel ausgewählt. Unter Federführung der Universität Oulu und SSAB fokussiert sich das Forschungsprojekt auf die klimaneutrale Stahlproduktion der Zukunft.
Der Blick auf die Zahlen und Daten offenbart ein massives Missverhältnis zwischen Projektwert und Marktkapitalisierung. Während die Machbarkeitsstudie einen Projektwert für BlackRock in Höhe von 1,93 Mrd. CAD errechnete, bringt die Gesellschaft bei einem Kurs von 0,28 CAD lediglich 17 Mio. CAD auf die Börsenwaage.
IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk im Gespräch mit CEO Sean Cleary. Hier geht´s zum Video.
Rheinmetall – Kurskorrektur hält an
Die Verteidigungsindustrie ist stark abhängig von sicheren Lieferketten für zahlreiche (kritische) Rohstoffe. Für die Herstellung von Panzern, Militärfahrzeugen, Schiffen etc. werden u. a. hochwertige Stähle und Spezialmaterialien benötigt.
Zwar zeichnet sich ein langfristig anhaltendes Wachstum der Branche durch steigende Verteidigungsbudgets ab, die breit angelegt zu immer neuen Rekorden bei Auftragsbeständen gehören, jedoch scheint der Boom von Rüstungsaktien derzeit vorbei zu sein. Die Anteilsscheine der Deutschen haben sich seit Jahresbeginn halbiert.
Sehr hoch gesteckte Erwartungen wurden letztlich nicht erfüllt. Insbesondere die Rückschläge des erst neu zugekauften Marine-Bereichs enttäuschten, wodurch die kurzfristigen Wachstumsziele von Marktteilnehmern in Frage gestellt werden. Dass sich das Sentiment deutlich verschlechtert hat, zeigt auch die kürzliche Verschiebung des Börsengangs des französisch-deutschen Panzer- und Geschützherstellers KNDS.
Ein Punkt, der die Börse lange Zeit nicht interessierte, gewinnt zunehmend an Gewicht. Das Produktportfolio des Konzerns besteht schwerpunktmäßig aus Waffen und Munition. Daran wird sich auch laut der Mittelfristprognose der Gesellschaft bis mindestens 2030 auch nichts ändern.
Derzeit sind Drohnen und Systeme für Präzisionsschläge jedoch viel gefragter und dieser Trend wird sich fortsetzen. BofA-Analysten rücken diese Schwachpunkte in den Vordergrund und senkten das Kursziel für den Titel auf zuletzt 1.300 EUR, was einem Upside von rund einem Drittel entspricht.
thyssenkrupp - Materialsparte TK Accelis soll abgespalten werden
Der Konzern durchläuft einen umgreifenden Transformationsprozess in eine reine Finanzholding und stellt die jeweiligen Sparten als eigenverantwortliche Unternehmen auf. Den Anfang bildete im vergangenen Jahr die Marine-Sparte TKMS mit ihrem Börsengang.
Nun kündigten die Deutschen an, die Materialsparte TK Accelis in diesem Jahr an die Börse bringen zu wollen. Die finale Entscheidung darüber trifft die außerordentliche Hauptversammlung am 7. August. Wird dies zu weiteren Kursimpulsen für die thyssenkrupp-Aktie führen? Die Mehrheit der Analysten sieht mit einem durchschnittlichen Kursziel von 11,30 EUR lediglich begrenztes Aufwärtspotenzial.
Zuletzt veräußerte der Konzern seinen 50 %-Anteil am Stahlhersteller Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM). Da auch die französische Vallourec ihren Anteil verkauft, ist nun Salzgitter alleiniger Eigentümer und plant eine Neuaufstellung des Standorts. Über das Volumen des Deals wurde Stillschweigen vereinbart. Am 11. August legt thyssenkrupp seine Halbjahreszahlen vor.
Fazit
Hochwertiges Eisenerz wird zu einem Schlüsselmaterial für grünen Stahl. Gleichzeitig wächst der politische Druck, kritische Lieferketten unabhängiger und sicherer zu machen. Hier positioniert sich Strategic Resources mit dem aussichtsreichen BlackRock-Projekt, welches sich zu einem wichtigen Baustein einer neuen nordamerikanischen und europäischen Rohstoffstrategie entwickeln könnte. Die Diskrepanz zwischen Projektwert und Marktkapitalisierung ist außerordentlich hoch. Auch wenn Verteidigungsbudgets weiter steigen, verliert die Börse das Interesse an Rheinmetall. Bei thyssenkrupp machen Analysten nur ein moderates Aufwärtspotenzial aus.
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