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29.07.2025 | 06:00

Wasserstoff vom Rückschlag zum Comeback: Plug Power, First Hydrogen, Nel ASA - wer wird der Transformationssieger?

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Bildquelle: pixabay.com

Heimlich still und leise gewinnt die Wasserstoff Revolution wieder an Fahrt! Trotz kurzfristiger Rückschläge entfachen pragmatische Lösungen neues Feuer. Kernnetze entstehen, Logistik-Allianzen optimieren Lieferketten und Nischen beginnen zu boomen. Hier formen kluge Player die Dekarbonisierung fernab von überhitzten Erwartungen wie 2021. Drei Unternehmen stechen heraus: Plug Power, First Hydrogen und Nel ASA. Sie kombinieren schlagkräftige Partnerschaften, Spezialtechnologien und nutzen staatliche Infrastruktur-Impulse, um aus der Krise als gestärkte Gewinner hervorzugehen.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235

Inhaltsverzeichnis:


    Plug Power - Aufwind durch Verträge und Politik

    Der Finanzchef von Plug Power, Paul Middleton, setzte kürzlich ein deutliches Zeichen. Er kaufte für über 650.000 USD Aktien des Unternehmens zum Marktpreis. Seit diesem Signal des Vertrauens hat sich der Kurs des Brennstoffzellen-Spezialisten mehr als verdoppelt. Die jüngste positive Entwicklung wurde nun durch eine wichtige Vertragsverlängerung befeuert. Plug Power sicherte sich die Lieferung von Flüssigwasserstoff durch einen großen US-Industriegaskonzern bis 2030. Dieser Deal bringt sofortige Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen im Netzwerk, was den Cashflow und die operative Flexibilität stärken soll.

    Ein weiterer wesentlicher Treiber für den Aufschwung kam überraschend aus Washington. Ein geplantes Steuergesetz sieht vor, die lukrativen Steuergutschriften für die Produktion von sauberem Wasserstoff bis Anfang 2028 zu verlängern und damit 2 Jahre länger als zunächst geplant. Diese längere Planungssicherheit ist ein Segen für kapitalintensive Unternehmen wie Plug Power. Das Geschäft mit grünem Wasserstoff steht noch am Anfang und ist bisher kaum profitabel. Die verlängerten Anreize könnten entscheidend sein, um Projekte wie die geplante Großanlage in Texas zu realisieren.

    Plug Power baut seine Kapazitäten konsequent aus. Derzeit betreibt das Unternehmen mehrere Anlagen in den USA mit einer täglichen Produktion von 40 t Flüssigwasserstoff. Für dieses Jahr plant Plug Power die Inbetriebnahme von über 40 neuen Kundenstandorten und entwickelt weitere Produktionsstätten. Dieser Ausbau ist nötig, um die wachsende Nachfrage aus dem eigenen Anwendungsgeschäft mit derzeit über 275 Standorten zu bedienen. Während das Unternehmen weiterhin Verluste schreibt und auf Kostensenkungsprogramme setzt, bieten die gesicherte Versorgung durch den neuen Langfristvertrag und die verbesserten politischen Rahmenbedingungen wichtige Stützen für den weiteren Wachstumskurs. Die gesamte Branche erhält aktuell spürbaren Rückenwind, genau wie die Aktie von Plug Power, die momentan 1,84 USD kostet.

    First Hydrogen - baut Wasserstoff-Ökosystem aus

    First Hydrogen treibt sein integriertes Konzept für emissionsfreie Energie voran. Kernpfeiler sind leichte Nutzfahrzeuge mit einem Brennstoffzellenantrieb mit über 600 km Reichweite, eine maßgeschneiderte Tankstellen-Infrastruktur und das "Hydrogen-as-a-Service"-Modell. Kunden erhalten Fahrzeuge, Betankung und Wartung aus einer Hand. Um grünen Wasserstoff wirtschaftlich zu skalieren, setzt das Unternehmen jetzt auf kleine modulare Reaktoren (SMR). Diese sollen in netzfernen Regionen Kanadas und Europas lokal Wasserstoff erzeugen und das wetterunabhängig und kosteneffizient.

    Am 28. Juli erweiterte First Hydrogen die bereits im Juni gestartete Zusammenarbeit mit Professor Muhammad Taha Manzoor von der University of Alberta. Der Fokus liegt nun verstärkt auf SMR-Designoptimierung, insbesondere fortschrittlichen Brennstoffreaktormaterialien und Kühltechnologien mit geschmolzenem Salz. Dieses Material ermöglicht höhere Sicherheit, wie Selbstabschaltung bei Überhitzung, effizientere Energieausbeute und Flexibilität bei Brennstoffen. Die Forschung berücksichtigt explizit den rasant steigenden Strombedarf von KI-Rechenzentren, deren Verbrauch konventionelle Anlagen um das Zehnfache übertrifft.

    Der explosionsartige Energiehunger der Digitalisierung, besonders durch KI, unterstreicht den Wert stabiler Grundlasttechnologien. Analysen prognostizieren bis 2030 einen Anstieg des Rechenzentrums-Strombedarfs um 160 %, was Investitionen von über 5 Billionen USD erfordert. SMRs bieten hier entscheidende Vorteile. Sie sind modular skalierbar, liefern rund um die Uhr CO₂-freien Strom und reduzieren Abhängigkeiten vom Netzausbau. First Hydrogen prüft bereits konkrete Standorte in Kanada (Québec-Region) und Europa, um mit SMR-basiertem Wasserstoff die wachsende Nachfrage nach sauberer Energie zu bedienen. Nachdem die Aktie seit Ende Mai um über 100 % zulegen konnte konsolidiert sie aktuell bei 0,71 CAD.

    Nel ASA – mit holprigem Quartal

    Die aktuellen Zahlen lassen wenig Raum für Optimismus. Nel verzeichnete im 2. Quartal einen Umsatzeinbruch von 48 % auf nur noch 174 Mio. NOK, was rund 14,6 Mio. EUR entspricht. Besonders hart traf es das Alkaline-Geschäft, während die PEM-Sparte stabil blieb. Der operative Verlust (EBITDA) lag bei -86 Mio. NOK und fiel zwar geringer als erwartet aus, aber dennoch deutlich rot. Noch alarmierender ist der Auftragseingang, der um 74 % einbrach, der Bestellbestand schrumpfte um 40 %. Kurzfristige Gewinnmitnahmen nach der Veröffentlichung waren die Folge.

    Trotz der Schwächen verfügt Nel noch immer über eine solide finanzielle Basis. Die Liquidität betrug Ende Juni satte 1,93 Mrd. NOK, ca. 162 Mio. Euro. Diese starke Cash-Position gibt dem Unternehmen Luft, auch ohne sofortige Kapitalmaßnahmen weiterzuarbeiten. Das Management betont weiterhin strikte Kostenkontrolle und konzentriert sich auf strategische Prioritäten wie die Weiterentwicklung der PEM- und Alkaline-Elektrolysetechnologien sowie den Ausbau von Partnerschaften. Die Arbeit an der nächsten Gerätegeneration läuft planmäßig.

    Die Konkurrenz in Europa sorgt aktuell für Gegenwind. Während Nel kämpft, zeigt sich beispielsweise der britische Wettbewerber ITM Power kosteneffizienter und konnte zuletzt mit Aufträgen punkten. Auch positive Signale vom schwedischen Brennstoffzellenspezialisten PowerCell beflügeln allgemein das Stimmungsbild für Wasserstoffaktien. Für Nel bleibt entscheidend, ob die erwartete Dynamik durch EU- und US-Förderprogramme tatsächlich greift und sich in konkreten Großaufträgen niederschlägt. Die technologische Basis und das finanzielle Polster bieten noch Zeit, das Ruder herumzureißen. Die Aktie ist derzeit für 2,806 NOK zu haben.


    Die Wasserstoffbranche zeigt trotz Rückschlägen echte Transformationsdynamik, angetrieben von pragmatischen Lösungen und staatlichen Impulsen. Plug Power profitiert entscheidend von der verlängerten US-Steuerförderung und strategischen Lieferverträgen, die Kostensenkungen und Planungssicherheit bringen. First Hydrogen treibt sein integriertes Ökosystem mit Brennstoffzellenfahrzeugen und modularen Wasserstofferzeugern (SMR) voran, um die wachsende Nachfrage nach stabiler, sauberer Energie zu adressieren. Nel ASA kämpft zwar mit einem schwachen Quartal und Auftragsrückgang, verfügt aber dank ausreichender Liquidität noch über Zeit, um das operative Ruder herumzureißen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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