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05.10.2026 | 05:10

ArcelorMittal, Strategic Resources, Cleveland-Cliffs – Milliarden für den Stahl der Zukunft

  • Stahlindustrie
Bildquelle: Chat GPT KI-generiert

In Nordamerika entsteht eine neue Stahlindustrie. Mesabi Metallics, unterstützt von der Essar Group, will insgesamt 18 Mrd. USD investieren. Rund 3 Mrd. USD fließen in eine Eisenerzmine samt Pelletanlage in Minnesota, weitere 15 Mrd. USD in einen neuen Stahlkomplex in Iowa. Das Ziel ist eine vollständig amerikanische Lieferkette vom Erz bis zum fertigen Stahl. Herzstück sind hochwertige DR-Pellets, aus denen über Direktreduktion und Elektrolichtbogenöfen Stahl produziert werden soll. Für Entwickler entsprechender Projekte ist das ein starkes Signal, denn der Umbau der Stahlindustrie beginnt bereits beim Rohstoff.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: STRATEGIC RES INC. | CA86277X4093 | TSXV: SR , CLEVELAND-CLIFFS DL-_125 | US1858991011 , ARCELORMITTAL NY SHS/1 ON | US03938L2034

Inhaltsverzeichnis:


    ArcelorMittal – Stahlgigant steigert die Effizienz

    ArcelorMittal treibt den Umbau seiner europäischen Stahlproduktion weiter voran. Ende September wurde am belgischen Standort Gent eine neue Top-Gas-Recovery-Turbine offiziell in Betrieb genommen. Die Anlage nutzt den Druck des beim Hochofenprozess entstehenden Gases und wandelt bislang ungenutzte Energie in Strom um. Die elektrische Leistung beträgt rund sechs MW. Damit kann der Standort seinen externen Energiebedarf reduzieren und die Effizienz der bestehenden Produktion verbessern.

    Zudem wurde ein weiterer Schritt vermeldet. In Flémalle wurde die modernisierte Galvanisierungslinie Galva 5 offiziell wiedereröffnet. ArcelorMittal investiert damit weiter in seine europäischen Standorte und versucht, Energieeffizienz, Produktqualität und Wettbewerbsfähigkeit gleichzeitig zu verbessern.

    Dahinter steht eine weitaus größere Herausforderung. Die Stahlindustrie muss ihre CO₂-Emissionen langfristig massiv reduzieren, ohne dabei ihre Produktionsbasis zu verlieren. Neben effizienteren klassischen Hochöfen rücken deshalb Direktreduktionsanlagen und Elektrolichtbogenöfen in den Mittelpunkt. Bei der Direktreduktion kann Erdgas und perspektivisch Wasserstoff eingesetzt werden, während Elektrolichtbogenöfen einen steigenden Anteil von Schrott und direktreduziertem Eisen verarbeiten können.

    Doch diese Verfahren verändern auch die Anforderungen an die Rohstoffe. Für die Direktreduktion werden hochwertige Eisenerzpellets mit hohem Eisengehalt und möglichst wenigen Verunreinigungen benötigt. Diese DR-Pellets könnten deshalb zu einem strategischen Ausgangsmaterial der neuen Stahlindustrie werden.

    ArcelorMittal zeigt, wie umfassend der Umbau wird. Bestehende Werke müssen effizienter werden, während gleichzeitig neue Produktionsverfahren vorbereitet werden. Je stärker sich Direktreduktion und Elektrolichtbogenöfen durchsetzen, desto wertvoller könnte eine zuverlässige Versorgung mit hochwertigem Pelletmaterial werden.

    Strategic Resources – 4 Millionen Tonnen für die neue Stahlwelt

    An diesem Punkt setzt Strategic Resources an. Das kanadische Unternehmen entwickelt mit BlackRock in Québec ein mehrstufiges Projekt rund um Eisen, Vanadium und Titan. Der erste große Schritt soll jedoch nicht die Erschließung der eigenen Mine sein, sondern eine Pelletanlage am Port Saguenay. Geplant ist eine Jahreskapazität von 4 Mio. t hochwertiger DR-Eisenerzpellets.

    Das Timing könnte aufgrund der oben genannten Meldung interessant werden. Mesabi Metallics investiert Milliarden in eine integrierte amerikanische Stahlkette, bei der DR-Pellets eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig stellen weitere Stahlproduzenten ihre Produktionsverfahren schrittweise um. Damit wächst der Bedarf an genau jenem Ausgangsmaterial, das Strategic künftig produzieren will.

    Der Standort besitzt mehrere Vorteile. Québec verfügt über große Mengen Wasserkraft, am Port Saguenay steht Erdgas zur Verfügung und der ganzjährig nutzbare Tiefseehafen bietet Zugang zu den Great Lakes und zum Atlantik. Die Pelletanlage soll zunächst zugekauftes Eisenerzkonzentrat verarbeiten. Strategic könnte damit bereits in die Produktion einsteigen, bevor die eigene BlackRock-Mine entwickelt wird.

    Die Vorstudie von 2024 veranschlagte für den Pelletizer Investitionskosten von rund 470 Mio. USD. Bei einer angenommenen DR-Pelletprämie von 70 USD je Tonne errechnete die Studie ein jährliches EBITDA von 173 Mio. USD und eine Nachsteuer-Rendite von 25 %. Diese Werte sind Studienannahmen und keine Ergebnisprognose, zeigen aber die mögliche wirtschaftliche Dimension.

    Der nächste wichtige Schritt ist die Genehmigung. Strategic besitzt bereits eine Genehmigung für das BlackRock-Projekt einschließlich einer metallurgischen Anlage am Port Saguenay. Diese sah ursprünglich 1,5 Mio. t Pelletkapazität vor. Das Unternehmen beantragte deshalb eine Änderung auf 4 Mio. t jährlich und reichte im Mai sämtliche Antworten auf die Fragen des Québecer Umweltministeriums ein.

    Langfristig reicht die Vision noch weiter. Auf die Pellet-Anlage könnten DRI (direktreduziertes Eisen) beziehungsweise HBI (Hot Briquetted Iron) und später die Integration der eigenen BlackRock-Rohstoffe folgen. Damit könnte aus Strategic schrittweise ein integrierter Lieferant für die nordamerikanische Stahlindustrie werden.

    Cleveland-Cliffs – eine Milliarde USD für heimischen Stahl

    Cleveland-Cliffs zeigt, dass auch die etablierte US-Stahlindustrie Milliarden in ihre heimischen Standorte investiert. Der Konzern will insgesamt 1 Mrd. USD in die Modernisierung seiner Middletown Works in Ohio stecken. Die Hälfte soll Cleveland-Cliffs selbst finanzieren, für weitere 500 Mio. USD besteht ein Förderrahmen des US-Energieministeriums.

    Die Investitionen sollen über vier Jahre verteilt werden. Geplant sind unter anderem Verbesserungen am Hochofen, eine neue Kraft-Wärme-Anlage, zusätzliche Kessel sowie neue Systeme für Materialtransport und Kühlung. Das Werk produziert derzeit rund 3 Mio. t Rohstahl pro Jahr. Cleveland-Cliffs will mit dem Projekt die Produktionskapazität erhalten und gleichzeitig Zuverlässigkeit, Energieeffizienz und Kostenposition verbessern.

    Besonders interessant ist die vertikale Integration des Konzerns. Cleveland-Cliffs kontrolliert weite Teile seiner Lieferkette selbst, vom Eisenerzbergbau über Pellets und direktreduziertes Eisen bis zur Stahlproduktion und Weiterverarbeitung. Damit besitzt das Unternehmen bereits heute Strukturen, die angesichts der zunehmenden politischen Forderung nach sicheren nordamerikanischen Lieferketten strategisch wertvoller werden.

    Der Konzern betreibt zudem in Toledo eine HBI-Anlage. Hot Briquetted Iron kann in Elektrolichtbogenöfen eingesetzt werden und hilft dort, hochwertige Stahlqualitäten auch bei zunehmender Verwendung von Schrott herzustellen. Dafür werden wiederum hochwertige Eisenerzprodukte benötigt.

    Cleveland-Cliffs steht damit exemplarisch für eine Entwicklung, die inzwischen die gesamte nordamerikanische Stahlindustrie erfasst. Mesabi investiert 18 Mrd. USD in eine neue Mine-to-Mill-Struktur, Cleveland-Cliffs steckt eine Milliarde USD in bestehende Kapazitäten und gleichzeitig wächst der Bedarf an hochwertigen Rohstoffen für moderne Produktionsverfahren.


    Während Cleveland-Cliffs bereits eine integrierte Lieferkette besitzt, will Strategic mit Port Saguenay einen neuen Baustein dieser nordamerikanischen Versorgung schaffen. Wenn Milliarden in neue DRI-, HBI- und Elektrolichtbogenkapazitäten fließen, könnte der Zugang zu hochwertigen DR-Pellets zunehmend zum strategischen Faktor werden.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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