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04.06.2026 | 04:48

Chancen am Ölmarkt: Die Aktien von BP, Zefiro Methane und Chevron im Fokus!

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Bildquelle: AI

Der Ölpreis zieht wieder an, nachdem die Waffenstillstands-Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran wohl gescheitert sind. Allerdings wird derzeit mehr sporadisch gekämpft, die Intensität ist eine andere als vor einigen Wochen noch. Dennoch: Öl bleibt auf einem hohen Niveau und die Analysten gehen davon aus, dass die Preise aufgrund des Angebotsausfalls vorerst nicht auf Vorkriegslevel zurückfallen werden. So sieht Barclays den Markt durch den Hormus-Engpass in einem rechnerischen Defizit von bis zu 6,6 Mio. Barrel pro Tag – was etwa 7 % des Weltmarktes entspricht. Bei anhaltender Blockade wird ein Peak von 110 USD für möglich gehalten. Als Preisziel gab die Bank 100 USD für das vierte Quartal 2026 aus. JPMorgan sieht bereits Nachfrageeinbrüche in Asien, die den Ausfall teilweise kompensieren. Dennoch ist das Kursziel hier mit 96 USD je Barrell weiterhin hoch. Sollte sich der Schiffsverkehr im Persischen Golf normalisieren, rechnet die Investmentbank mit Preisen von 75 USD für das schwarze Gold im kommenden Jahr. Klar ist, dass Ölfirmen von dieser Entwicklung profitieren. Wir nehmen deshalb die Aktien von BP und Chevron in den Fokus. Zudem lohnt sich ein Blick auf Zefiro Methane, die als “Aufräumer“ der Branche aktiv sind.

Lesezeit: ca. 6 Min. | Autor: Tarik Dede
ISIN: ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , BP PLC DL-_25 | GB0007980591 , CHEVRON CORP. DL-_75 | US1667641005

Inhaltsverzeichnis:


    Chevron: Es ist kompliziert!

    Die Aktie von Chevron ist insbesondere bei Value-Investoren beliebt, seitdem die Investment-Legende Warren Buffett über sein Vehikel Berkshire Hathaway bei dem Ölkonzern eingestiegen ist. Doch im ersten Quartal nutzte man die hohen Ölpreise und reduzierte die Position um ein gutes Drittel. Auch wenn Chevron weiter zu den größten Positionen im Berkshire-Portfolio zählt, sind das keine guten Nachrichten.
    Die Lage bei dem Unternehmen aus Houston bleibt aber weiterhin unübersichtlich. Die Produktion litt im ersten Quartal spürbar unter Lieferkürzungen und logistischen Störungen am Persischen Golf. In Venezuela scheint man dagegen zu den Gewinnern zu gehören. Dank Ausnahmegenehmigungen der US-Regierung kann man hier frei agieren. So vereinbarte man im April einen Anlagentausch, um seine Position im Schwerölsektor zu festigen. Zudem erhöhte Chevron seinen Anteil am Joint Venture Petroindependencia auf 49 %.
    Kompliziert war es zudem im Nachbarland Guyana. Durch die inzwischen abgeschlossene Übernahme der Hess Corporation hält Chevron nun endlich dessen 30%-Anteil am gigantischen Stabroek-Block vor der Küste des Landes. Lange lief im Hintergrund das Schiedsverfahren mit dem Konsortialführer ExxonMobil, der ein Vorkaufsrecht geltend machte und nun vor Gericht unterlag. Diese finale rechtliche Klärung sorgt für mehr Sicherheit bei Chevron!
    Die vielen Baustellen machen sich dennoch im Zahlenwerk bemerkbar. Im ersten Quartal erreichte der Gewinn 2,8 Mrd. USD. Damit lag man unter Vorjahresniveau, aber übertraf die Erwartungen des Marktes. Im Gegensatz dazu kam der Umsatz mit 48,6 Mrd. USD leicht unter dem Analystenkonsens herein. Insgesamt verhagelten diverse negative Effekte das Ergebnis. Immerhin: die Buchverluste im Derivategeschäft - laut Management reine Papierverluste - sollen sich zum Teil im zweiten Quartal wieder auflösen.
    Trotz der vielen Belastungen bleibt die Aktionärsrendite unangetastet. Chevron schüttete im ersten Quartal insgesamt 6 Mrd. USD aus. Davon entfielen 3,5 Mrd. USD auf die Dividende, die leicht auf 1,78 USD je Aktie im Quartal erhöht wurde. Chevron steigert die Ausschüttung damit das 39. Jahr in Folge. Daneben wurden 2,5 Mrd. USD in Aktienrückkäufe investiert.
    Bewertungstechnisch ist die Aktie von Chevron genauso kompliziert wie das operative Geschäft! Rechnet man einfach das laufende KGV mit den ganzen Sondereffekten aus, landet man bei mehr als 25 und damit deutlich über dem historischen Schnitt. Für 2027 sieht es aber ohne Sondereffekte mit 14 bis 16 recht fair aus. Die Analysten stufen die Aktie vorwiegend als „Buy“ oder „Overweight“ ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt etwa 12 % über dem aktuellen Niveau. Erste Häuser wie die UBS weisen aber daraufhin, dass sich durch die Restrukturierungen das Gewinnwachstum im zweiten Halbjahr 2026 beschleunigen dürfte.

    Zefiro Methane: Der Aufräumer im Öl- und Gasgeschäft!

    Die Ölindustrie hat aber auch ihre Schattenseiten. Mal abgesehen davon, dass regelmäßig Kriege um diese Ressource geführt werden, ist auch die Belastung der Umwelt nicht zu unterschätzen. Doch in Nordamerika kann man auch daraus ein Geschäft machen und ganz nebenbei etwas Gutes tun. So gibt es allein in den Vereinigten Staaten geschätzt rund 2,2 Millionen verlassene Öl- und Gaslöcher. Der Umweltschaden ist enorm, denn es entweicht Methan, eines der stärksten Treibhausgase. Die Ursachen sind vielfältig: So gingen Firmen pleite und kümmerten sich einfach nicht mehr um die Löcher. Oder aber die Wells wurden schlecht verschlossen, es kam zur Korrosion alter Stahlrohre oder aber die Zementmäntel hielten nicht das, was man sich erhofft hatte.
    Immerhin: Die Regierung in den USA ist inzwischen aufgewacht. Insgesamt wurden 4,7 Mrd. USD über die Bundesstaaten zur Verfügung gestellt, um dieses Problem zu beheben. Das Marktvolumen wird auf rund 400 bis 600 Mrd. USD geschätzt. Zefiro Methane Corp. hat sich auf die Schließung dieser alten Öl- und Gasquellen spezialisiert. Bisher konnte das Unternehmen rund ein Viertel aller Aufträge einheimsen, für die man sich beworben hatte. Zefiro fokussiert sich dabei auf die Bundesstaaten in den Appalachen, wo sich aufgrund der Vergangenheit viele der Quellen finden. Teilweise – wie im Bundesstaat New York - ist man sogar der bisher einzige Anbieter. 2025 hat das Unternehmen über 200 offene Öl- und Gasquellen versiegelt.
    Inzwischen zeigen sich die Erfolge auch in den Zahlen von Zefiro Methane. So konnte man im dritten Quartal (gebrochenes Geschäftsjahr!) Umsätze von etwa 11 Mio. USD zeigen. Gleichzeitig gingen die Aufwendungen um satte 14 % zurück. Auf Basis der ersten neun Monate hat Zefiro bereits ein EBITDA von 4,25 Mio. USD melden können. Zum Vergleich: Der Börsenwert beträgt umgerechnet etwa 40 Mio. EUR.
    Für Anleger könnte sich dieses Konzept als wahre Goldgrube herausstellen. Zefiro Methane bewegt sich wie ein Fisch im Wasser in dieser Nische des Ölmarktes. Der Aktienkurs spiegelt bereits die Dynamik des Geschäfts wider. So konnte sich das Papier seit Jahresanfang mehr als verdoppeln. Sukzessive sollten sich Skaleneffekte im Geschäft bemerkbar machen.
    Dazu kommen drei Faktoren, die vom Markt wohl noch unterschätzt werden. Zum einen konnte Zefiro seine regionale Präsenz jüngst durch die Übernahme von Viking Well Service Equipment ausbauen. Zum anderen ist auch der Verkauf von Emissionszertifikate ein Thema. Mit dem Schließen der verwaister Öl- und Gasquellen werden klimaschädliche Emissionen reduziert. "Last but not least" hat Zefiro auch mit der Auslizenzierung seiner Technologie an andere Unternehmen begonnen.
    Wenn das Management um CEO Catherine Flax weiter konsequent seine Strategie umsetzt, kann Zefiro Methane die Börsenniederungen des Small Cap-Daseins wohl bald verlassen. Das Potenzial ist in den kommenden Jahren jedenfalls gewaltig, zumal es sich hier um staatlich garantierte Gelder handelt.

    BP: Erstmal Schulden abbauen!

    BP ist ganz klar einer der Profiteure der hohen Ölpreise. Allerdings plagen hohe Schulden den Konzern. Für Anleger bedeutet das: Dividenden werden gezahlt, aber die Aktienrückkäufe werden vorerst zurückgestellt.
    Ende April hatten die Briten die Ergebnisse für das 1. Quartal 2026 vorgelegt. Nachdem das Vorquartal bescheiden lief, machten sich nun die hohen Ölpreise bemerkbar, was unter anderem an einem starken Handelsgeschäft lag. So stieg der bereinigte Nettogewinn auf 3,2 Mrd. USD. Das ist mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Q4 2025 (1,5 Mrd. USD). Damit konnten die Briten auch die Erwartungen des Marktes klar schlagen. Verantwortlich für das starke Abschneiden war vor allem das Segment Customers & Products, in dem der Konzern ein „außergewöhnliches“ Ergebnis im Öl-Handel erreichen konnte. Das ist eine direkte Folge des Kriegs am Persischen Golf und den damit verbundenen hohen Ölpreisen.
    Das Problem von BP bleibt die hohe Schuldenlast. Die Nettoverschuldung stieg noch einmal an, und zwar von 22,2 Mrd. USD zum Jahresende auf nunmehr 25,3 Mrd. USD. Das Unternehmen hatte massiv Working Capital aufgebaut, um die längeren Schifffahrtsrouten abzufedern. Bei den Ausschüttungen bleibt man sich treu: BP setzt auf Stabilität und zahlt für das erste Quartal eine unveränderte Dividende von 8,32 US-Cent pro Stammaktie. Das Management hält an dem Ziel fest, die Dividende jährlich um mindestens 4 % zu steigern. Attraktiv ist die Ausschüttung: Die Dividendenrendite liegt bei rund 4,4 %.
    Die Aktienrückkäufe bleiben dagegen ein Opfer der hohen Schulden. BP will die Verbindlichkeiten reduzieren und setzt die Aktienrückkäufe weiter aus. Das Management betonte zudem, dass Rückkäufe in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr wieder aufgenommen werden. Auch operativ wird weiter umgebaut. BP will die Kosten reduzieren. Gleichzeitig wird das Portfolio weiter bereinigt. So wurde die Raffinerie Gelsenkirchen verkauft. Allerdings wird auch investiert: Das Unternehmen plant, die Investitionen in Öl und Gas um etwa 20 % zu erhöhen, während das Budget für die klassischen Energiewende- Bereiche (Erneuerbare) um über 5 Mrd. USD gekürzt wird.
    Allerdings dürfte es noch dauern, bis BP von seinen Umbaumaßnahmen profitiert. Aktuell ist die Aktie vor allem ein Derivat des Ölpreises. Dividendenjäger sollten Rückschläge abwarten, bevor sie hier Stücke einsammeln!


    Fazit: Die Aktie von BP bleibt ein Derivat des Ölpreises. Auch wenn man im ersten Quartal profitierte, der Umbau mit vielen Baustellen verhindert größere Sprünge – ebenso wie die hohe Verschuldung. Zefiro Methane kann in einem Nischenmarkt kräftig wachsen. Wer langfristig anlegen will, kann hier einige Stücke nehmen, zumal sich viele Effekte erst sukzessive zeigen werden. Bei Chevron ist die Lage mehr als kompliziert. Allerdings weisen Analysten auf die Chancen im Laufe des Jahres hin. Restrukturierungsprozesse könnten die Gewinne ordentlich antreiben.


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    Der Autor

    Tarik Dede

    Schon als Primaner in Norddeutschland entwickelte sich seine Begeisterung für den Neuen Markt. Small- und Midcaps standen dabei von Beginn an im Mittelpunkt. Der gelernte Bankkaufmann vertiefte sein Wirtschaftswissen später im Volkswirtschaftsstudium und in verschiedenen Stationen der Frankfurter Finanzbranche. Heute ist er seit über 25 Jahren privat wie beruflich an der Börse aktiv.

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