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03.06.2026 | 05:30

Rendite-Chance Krebsmarkt: Mit BioNTech, Vidac Pharma und Pfizer den nächsten Mrd.-Trigger erwischen

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Bildquelle: pixabay.com

Die Alterung der Gesellschaft lässt die Gesundheitsausgaben rasant steigen. Im Krebssegment zeichnet sich ein Billionenmarkt ab, denn bis 2040 werden jährlich über 30 Mio. Neuerkrankungen erwartet. Wenn die klassischen Chemotherapien an Grenzen stoßen, braucht es neue Technologien und neue Ideen. Wer heute die Weichen stellt, kann von der Transformation profitieren, auch wenn sich nicht jeder Ansatz durchsetzen wird. Die entscheidende Frage lautet daher: Welche Unternehmen besitzen die Schlüsseltechnologien, um von diesem Boom zu profitieren? Drei Akteure rücken besonders in den Fokus: BioNTech mit seiner mRNA-Plattform, Vidac Pharma mit einem patentierten Stoffwechsel-Ansatz und Pfizer mit seinen milliardenschweren Übernahmen.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619 , PFIZER INC. DL-_05 | US7170811035

Inhaltsverzeichnis:


    BioNTech - dünne Zahlen, aber eine große Pipeline

    Die Zahlen zum 1. Quartal sind ernüchternd ausgefallen. BioNTech setzte nur noch 118,1 Mio. EUR um, ein Rückgang um gut ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Der Nettoverlust weitete sich auf rund 532 Mio. EUR aus. Der Grund sind die Investitionen in die Zukunft. Während die Impfstoff-Erlöse versiegen, werden die F&E-Ausgaben auf 557 Mio. EUR hochgefahren. Noch gibt es keinen Grund für die Anleger zur Unruhe, denn die Kriegskasse ist mit knapp 17 Mrd. EUR prall gefüllt. Zudem läuft ein Aktienrückkauf über 1 Mrd. USD. Das Management signalisiert damit, dass es die Aktie für zu billig hält, auch wenn die roten Zahlen vorerst bleiben.

    BioNTech macht ernst beim Umbau. Bis Ende 2027 fallen 4 deutsche Produktionsstandorte sowie Singapur weg. Rund 1.860 Stellen werden gestrichen. Das entspricht etwa jedem fünften Job. Die erhofften jährlichen Einsparungen liegen bei 500 Mio. EUR ab 2029. Parallel dazu zeichnet sich ein Führungswechsel ab. Die Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen das Unternehmen Ende 2026, um ein neues mRNA-Vorhaben zu starten. Wer dann die strategischen Fäden zieht, ist offen. Für Investoren bedeutet das, dass es nicht nur klinische Risiken gibt, sondern auch einen möglichen Identitätsverlust des Konzerns.

    Der Hoffnungsträger heißt Pumitamig. Auf dem ASCO-Kongress Ende Mai zeigte der bispezifische Antikörper bei Lungenkrebs Ansprechraten von bis zu 68 % bei gleichzeitig guter Verträglichkeit. Fünf weitere zulassungsrelevante Studien wurden bereits angeschoben. Auch Gotistobart überzeugte im Fachjournal „Nature Medicine“ mit einer Risikoreduktion von 54 %. Bis Jahresende warten 7 spätklinische Datenpakete. BioNTech ist kein Impfstoffkonzern mehr, sondern ein riskantes Biotech-Unternehmen mit einer starken Pipeline. Die entscheidende Frage für Anleger lautet, ob diese Kandidaten tatsächlich bis zur Zulassung durchhalten. Derzeit ist die Aktie für 78,55 EUR zu haben.

    Vidac Pharma - neues Patent und europäische Ambitionen

    Die EMA hat Vidac Pharma die Erlaubnis für eine Phase-2b-Studie mit VDA-1102 bei fortgeschrittener aktinischer Keratose erteilt. In Deutschland läuft die Studie bereits und der erste Patient wurde behandelt. Das ist kein Selbstläufer. Kleine Biotechs scheitern oft an den strengen Auflagen der Behörde. Vidac hat die Hürde genommen und damit einen wichtigen Regulierungsmeilenstein gesetzt. Parallel laufen Vorbereitungen für eine Phase-2/3 Studie beim kutanen T-Zell-Lymphom. Wer auf klinische Katalysator-Events setzt, bekommt hier gleich mehrere in Aussicht.

    Hinter den Programmen steckt ein eigenständiger wissenschaftlicher Ansatz. Vidac Pharma zielt auf den Stoffwechsel von Krebszellen, genauer auf das Enzym HK2 (Hexokinase-2) und macht sich den Warburg Effekt zu Nutze. Das soll krankhaftes Wachstum bremsen und die eingebaute Selbstzerstörung der Zelle reaktivieren. Erste klinische Daten zu VDA-1102 liegen bereits vor. Neu hinzu kommt ein präklinisches Psoriasis-Programm. Die Psoriasis-Erweiterung basiert auf dem gleichen Mechanismus wie die Onkologie-Programme. Das ist also kein unabhängiger Pipeline-Poker, sondern eine Plattform-Diversifikation mit überschaubarem Zusatzrisiko.

    Im Mai gab es zwei strategische Nachrichten. Das kanadische Patentamt erteilte eine Notice of Allowance für die Patentanmeldung eines wichtigen Teils der Plattform mit dem Titel „Piperazine Derivatives, Pharmaceutical Compositions and Methods of Use Thereof“. Zeitgleich verhandelt Vidac über den Eintritt in den europäischen Accelerator „Quest for Health“ mit Standort in Straßburg. Ziel ist eine operative Präsenz im Herzen des europäischen Biotech-Ökosystems. Zusammen mit einem bereits erteilten US-Patent wächst das geistige Eigentum kontinuierlich. Das sind keine kurzfristigen Kurstreiber, aber solide Grundlagen für einen langfristig orientierten Investor. Aktuell notiert die Aktie bei 0,57 EUR.

    Pfizer - zwischen Mega-Deal und Patentklippe

    Die Krebsmedizin wird für Pfizer zum entscheidenden Treiber. Im 1. Quartal wuchs die Onkologie-Sparte auf 3,83 Mrd. USD. Das sind 7 % mehr als im Vorjahr. Der jüngste Coup ist eine globale Partnerschaft mit Innovent Biologics über bis zu 10,5 Mrd. USD für 12 Krebsprogramme. Hinzu kommen positive Signale aus der Klinik. Der Blasenkrebs-Wirkstoff Padcev + Keytruda könnte im August eine erweiterte FDA-Zulassung erhalten, während Elrexfio beim Multiplen Myelom in einer Phase-3 Studie überzeugte. Die Übernahme von Seagen für 43 Mrd. USD zahlt sich allmählich aus – Padcev + Keytruda allein steigerte seinen Umsatz um 39 % auf 591 Mio. USD.

    Der Umsatz kletterte auf 14,45 Mrd. USD und übertraf die Erwartungen um knapp 650 Mio. USD. Das bereinigte Ergebnis je Aktie von 0,75 USD lag ebenfalls 0,03 USD über der Prognose. Doch die Schattenseite ist der Nettogewinn. Der sank um 9 % und die COVID-Einnahmen brachen um bis zu 63 % ein. Die Dividende von 0,43 USD je Aktie bleibt zwar stabil, doch die Ausschüttungsquote von über 120 % des Gewinns ist sportlich. Der freie Cashflow von 2,2 Mrd. USD deckte die 2,4 Mrd. USD an Dividenden nicht vollständig – hier ist Vorsicht geboten.

    Das Management setzt für die Zukunft auf 3 Säulen: Onkologie, Adipositas und Kostendisziplin. Bis Ende 2026 sollen netto 7,2 Mrd. USD eingespart werden. Im Übergewichtsbereich plant Pfizer mit der Metsera-Übernahme den Einstieg in GLP-1-Therapien. Zehn Phase-3 Studien sollen noch dieses Jahr starten. Die größte Unbekannte bleibt die Patentklippe. Zwischen 2026 und 2030 laufen Exklusivrechte für Produkte mit einem Umsatzvolumen von 14-15 Mrd. USD aus. Für das Herzmedikament Vyndamax wurde immerhin der Generika-Markteintritt durch Vergleiche bis 2031 hinausgezögert. Ab 2029 erwartet der Konzern wieder ein Wachstum im höheren einstelligen Prozentbereich.


    Der Krebsmarkt bietet Billionen-Chancen. BioNTech setzt mit seiner mRNA-Plattform und einer vielversprechenden Pipeline auf risikoreiche Zukunftsinvestitionen, kämpft aber mit Verlusten und Führungswechsel. Vidac Pharma verfolgt einen patentierten Stoffwechsel-Ansatz und hat dank EMA-Zulassung regulatorische Hürden genommen. Pfizer nutzt milliardenschwere Übernahmen für starkes Onkologie-Wachstum, muss aber die drohende Patentklippe überwinden. Drei Strategien, ein Ziel, aber nur Geduldige ernten die Milliarden.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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