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25.04.2022 | 05:11

Rheinmetall, Defense Metals, MP Materials - Bis die nächste Blase platzt

  • Kritische Rohstoffe
  • SelteneErden
Bildquelle: Rheinmetall AG

In jeder Krise gibt es Gewinner und Verlierer. Waren es während der letzten zwei Jahre aufgrund der zahlreichen Lockdowns neben den Impfstoffherstellern wie BioNTech oder Moderna Aktien wie Netflix, Delivery Hero oder Peloton, sind seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine die vor kurzem noch als „sozial schädlich“ klassifizierten Rüstungsaktien die neuen Sternchen am Börsenhimmel. Dabei bilden sich durch den Aufruf zur Aufrüstung durch mehrere Länder enorme Bewertungsblasen, die in naher Zukunft erneut platzen dürften.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: DEFENSE METALS CORP. | CA2446331035 , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , MP MATERIALS CORP | US5533681012

Inhaltsverzeichnis:


    Rheinmetall – Bogen überspannt?

    In der Vergangenheit war die Rheinmetall AG eher nicht als Wachstumsaktie bekannt. Dies änderte sich an einem Sonntagnachmittag im Februar schlagartig. Um in Zukunft die Sicherheit Deutschlands gegen Aggressoren wie den russischen Präsidenten Putin zu gewährleisten, rief Bundeskanzler Olaf Scholz auf, die Bundeswehr über ein Sondervermögen für Investitionen und Rüstungsvorhaben 2022 mit insgesamt 100 Mrd. EUR zu stärken. Zudem sollen ab sofort jährlich mindestens 2% des Bruttoinlandsproduktes in die Verteidigung fließen.

    Für Rheinmetall kam diese Ankündigung einer Neubewertung gleich. So merkte der Rheinmetall-CEO Papperger in einem Handelsblatt-Beitrag nur kurz später an, dass sein Unternehmen eine umfassende Lieferung von Rüstungsgütern in Höhe von 42 Mrd. EUR angeboten hätte. Das Paket enthalte Munition, Hubschrauber sowie Ketten- und Radpanzer. Dabei ist es jedoch äußerst fraglich, wie das Düsseldorfer Unternehmen an die erforderlichen Rohstoffe gelangen soll. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr, der Umsatz belief sich hier „lediglich“ auf 5,66 Mrd. EUR, drückte die eingeschränkte Verfügbarkeit von Rohstoffen und Halbleiterkomponenten auf das Ergebnis, die zu verringerten Lieferabrufen durch wichtige Kunden geführt haben.

    Die globale Angebotsknappheit dürfte die Lieferketten weiter belasten und zu Lieferengpässen gegenüber den Kunden, zu geringeren Kundenabrufen und somit zu weiteren Umsatzausfällen führen. Darüber hinaus könnten die Preissteigerungen bei Rohstoffen wie Aluminium, Stahl, Silicium oder Magnesium sowie die explodierenden Energie- und Frachtkosten zu einer drastischen Verringerung der Marge führen. Bei einem Kurs von 219,50 EUR liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2022 bei teuren 20,75. Diverse Analysten wie die Schweizer Großbank kamen zwar mit neuen Kaufempfehlungen und einer Kurszielerhöhung von 187 EUR auf aktuell 251 EUR um die Ecke. Jedoch sind diese hohen Bewertungen mehr als nur zu hinterfragen. Wenn Sie investiert sind, sollten Gewinne mit engen Stopps gesichert sein.

    MP Materials – Die Hoffnung der Politik

    Die eigentlichen Gewinner sind langfristig die Produzenten der knappen Rohstoffe, die neben der Klimawende für Windräder und Elektroautos ebenso wie für die leider wachsende Rüstungsindustrie benötigt werden. Die Nachfragekurve bei seltenen Erdmetallen steigt aufgrund der Energiewende steil nach oben, benötigt werden die Elemente bei Smartphones, MRT-Geräten, Katalysatoren genauso wie bei Dauermagneten für Elektromotoren oder Batterien. Neben dem Sektor der Erneuerbaren Energien nimmt nun auch der Bedarf der Rüstungsindustrie stetig zu. Neodym-Eisen-Bor-Magneten gelten als die stärksten Dauermagneten der Welt und sind in vielen militärischen Waffensystemen enthalten, zum Beispiel in präzisionsgelenkten Waffen, Satelliten- und Tarnkappentechnologien sowie in unbemannten Fahrzeugen und modernen Kommunikationssystemen.

    Aufgrund der geopolitischen Spannungen mit Russland und China wird die westliche Industrie immer nervöser. Zwar sank der Anteil Chinas an der Produktion von „Rare Earth Metals“ seit 2010 von 92% auf aktuell 60%. Jedoch beherrscht das Reich der Mitte weiterhin neben dem Abbau vor allem die nachgelagerte Verarbeitung, die in drei Sektoren gegliedert ist: Abbau und Aufbereitung zur Herstellung eines Seltenerdkonzentrats (Anteil global 87%), Schmelzen und Trennung zur Herstellung von Seltenerdoxiden (91%) und Raffination zur Produktion von Seltenerdmetallen und -legierungen (94%). Die westlichen Industriestaaten, besonders Nordamerika, sind zum Handeln gezwungen und fördern aussichtsreiche Minen mit Millionensubventionen.

    Die Mine in Mountain Pass, Kalifornien, die der börsennotierten MP Materials gehört, produzierte nach Angaben des U.S. Geological Survey im Jahr 2020 15% der weltweiten Produktion und war damit die zweitgrößte globale Produktionsquelle neben der Bayan-Obo-Mine, einem Bergwerk im autonomen Gebiet der Inneren Mongolei der Volksrepublik China. MP Materials besitzt aktuell eine Marktkapitalisierung in Höhe von rund 7,00 Mrd. USD.

    Defense Metals – Der Geheimtipp aus Kanada

    Neben der Mountain Pass-Mine ist das Wicheeda-Projekt, das Anfang des Jahres vom kanadischen Explorationsunternehmen Defense Metals übernommen wurde, eines der Sahnestücke. Die Börsenbewertung von Defense Metals liegt aktuell 39,8 Mio. EUR und bietet für die Zukunft noch erhebliches Entwicklungspotenzial. Dabei weist Wicheeda große Ähnlichkeiten in der Metallurgie mit der bisher einzig rentablen Mine in der westlichen Hemisphäre, der Mountain Pass-Mine, auf und besitzt nach der vorläufigen wirtschaftlichen Bewertung das Potenzial, eine der bedeutendsten globalen Lagerstätten für seltene Erdmetalle zu werden.

    Die Lagerstätte ist 2.008 ha groß und liegt rund 80 km nordöstlich der Stadt Prince George. Durch die erstklassige Infrastruktur, Zugang zu Bahn und Hafen, dem Gehalt an seltenen Erdmetallen und der guten Metallurgie, stehen die Voraussetzungen, die nächste profitable Mine zu werden, äußerst günstig. Nachdem im laufenden Geschäftsjahr fast im Wochentakt positive Bohrergebnisse veröffentlicht wurden, kamen in der vergangenen Woche die Resultate von weiteren sechs Diamantbohrlöchern hinzu. Die Bohrlöcher WI21-51 bis -56 wurden am selben Standort und im südlichen Bereich der Seltenerdmetalllagerstätte Wicheeda gebohrt.

    Die Ressourcendefinierungs-Bohrlöcher WI21-52 bis -55, die mit denselben Einstellungen gebohrt wurden, bestätigten allesamt bedeutsame Intervalle mit hochgradigem Dolomitcarbonatit, was anhand des geologischen und Mineralressourcen-Blockmodells zu erwarten war, einschließlich des Bohrlochs WI21-54, das 3,06% gesamtes Seltenerdmetalloxid auf 145m ergab und die Zone mit hochgradigem Dolomitcarbonatit um 25m über die Grenze des geologischen Modells hinaus erweiterte. Es ist davon auszugehen, dass diese Bohrlöcher zusammen zur Hochstufung und Erweiterung der bestehenden vermuteten Mineralressourcen im südwestlichen Quadranten der Lagerstätte beitragen werden. Einen ausführlichen Report können Sie hier lesen.


    Durch die Aufrüstungsprogramme der NATO-Staaten konnten sich in den vergangenen Wochen Rüstungsfirmen wie Rheinmetall vervielfachen, ob dies gerechtfertigt ist, erscheint mehr als zweifelhaft. Die Hauptprofiteure sind dabei die Produzenten der Rohstoffe, in diesem Fall der seltenen Erdmetalle. Während MP Materials bereits rund 7,00 Mrd. USD an der Börse wiegt, besitzt Defense Metals noch deutliches Entwicklungspotenzial.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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