22.09.2026 | 05:10
Shell, A.H.T. Syngas, OPAL Fuels – Aus Abfall wird Energie
Abfälle, Biomasse und CO₂ entwickeln sich vom Entsorgungsproblem zum Energierohstoff. Dahinter steckt ein gewaltiger Markt, denn Fluggesellschaften benötigen Alternativen zu fossilem Kerosin, Industrieunternehmen suchen Ersatz für Erdgas und selbst Deponiegas lässt sich in Strom oder Kraftstoff verwandeln. Entscheidend wird, welche Technologien diese Rohstoffe wirtschaftlich in nutzbare Energie umwandeln können. Hier beginnt ein Rennen, das vom Energiekonzern bis zum spezialisierten Anlagenbauer reicht.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Stefan Feulner
ISIN:
A.H.T. SYNGAS TECH. EO 1 | NL0010872388 , Shell PLC | GB00BP6MXD84 , OPAL FUELS INC | US68347P1030 | NASDAQ: OPAL
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Stefan Feulner
Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.
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Shell – aus CO₂ wird Flugkraftstoff
Shell treibt die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe weiter voran. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IKTS und dem österreichischen Technologiekonzern AVL startet der Energieriese ein vierjähriges Forschungsprogramm für eine neue Power-to-Liquids-Technologie. Im Mittelpunkt steht die Herstellung von synthetischem Flugkraftstoff aus CO₂ und CO₂-arm erzeugtem Strom.
Am Shell Energy Transition Campus in Amsterdam soll dafür eine Pilotanlage entstehen. Sie verbindet Hochtemperatur-Co-Elektrolyse, Membrantrennung und die Fischer-Tropsch-Synthese. Ein 24-kW-Elektrolyseur wird dabei mit der bereits vorhandenen Fischer-Tropsch-Pilotanlage von Shell gekoppelt. Dadurch sollen die einzelnen Prozessschritte effizienter ineinandergreifen und die bislang hohen Produktionskosten von e-SAF langfristig sinken.
Dabei bringt der Konzern seine X-to-Liquids-Technologie ein, die auf jahrzehntelanger Erfahrung mit Gas-to-Liquids-Verfahren basiert. Fraunhofer steuert die Co-Elektrolyse-Technologie bei, AVL das Know-how für Elektrolysesysteme.
Die Luftfahrt gehört zu den Branchen, in denen eine direkte Elektrifizierung nur schwer möglich ist. Flüssige Kraftstoffe dürften deshalb noch lange benötigt werden, nur ihre Herstellung muss klimafreundlicher werden.
Shell setzt damit nicht allein auf eine Technologie. Der Konzern versucht, seine Erfahrung mit Molekülen, Raffinerien und Kraftstoffen auf eine Welt zu übertragen, in der CO₂ zunehmend selbst zum Rohstoff wird. Gelingt es, synthetisches Kerosin wirtschaftlicher herzustellen, könnte daraus langfristig ein neuer Milliardenmarkt für die Energieindustrie entstehen.
A.H.T. Syngas – Reststoffe ersetzen Erdgas
A.H.T. Syngas setzt deutlich früher in der Wertschöpfungskette an. Das Unternehmen entwickelt dezentrale Anlagen, die Biomasse und Reststoffe in Synthesegas umwandeln. Herzstück ist der standardisierte R116-Gaserzeuger nach dem Doppelfeuer-Prinzip. Neben unterschiedlichen Holzarten können dabei auch Reststoffe wie Gärreste, Klärschlamm oder Gülle eingesetzt werden. Das erzeugte Gas lässt sich anschließend zur Bereitstellung von Wärme und Strom nutzen.
Gerade für Industrieunternehmen kann das interessant werden. Statt Erdgas einzukaufen, können lokal verfügbare Reststoffe energetisch verwertet werden. A.H.T. adressiert damit gleichzeitig Versorgungssicherheit, Entsorgung und Dekarbonisierung.
Strategisch will sich das Unternehmen dabei vom klassischen Anlagenbauer weiterentwickeln. Künftig sollen Anlagen teilweise selbst oder gemeinsam mit Partnern betrieben werden. Über dieses Contracting-Modell könnte A.H.T. zusätzlich zu einmaligen Anlagenverkäufen wiederkehrende Einnahmen aus der Energieversorgung erzielen. Aktuell begleitet das Unternehmen nach eigenen Angaben Projekte in Deutschland, Österreich und Polen.
In Polen wurde im März eine exklusive Kooperation mit INNOTEC vereinbart. Der Partner übernimmt die Projektentwicklung und die Generalunternehmerfunktion und verfügte zum Zeitpunkt der Meldung über Rechte an 17 Projekten.
Zusätzliche Fantasie liefert Wasserstoff. A.H.T. erhielt gemeinsam mit Partnern ein Patent zur Wasserstofferzeugung aus fester Biomasse. Das Synthesegas könnte damit perspektivisch nicht nur Erdgas ersetzen, sondern auch als Ausgangspunkt für Wasserstoff, Methanol oder nachhaltige Flugkraftstoffe dienen.
Noch befindet sich A.H.T. in einer frühen Unternehmensphase. Gerade deshalb dürfte entscheidend werden, ob aus Projektpipeline, Contracting und patentierter Technologie tatsächlich skalierbare Umsätze entstehen. Die Analysten der GBC AG sahen zuletzt ebenfalls erhebliches Potenzial. In ihrer Research-Note vom Dezember 2025 bestätigten sie ihr Buy-Rating und ein Kursziel von 8,50 EUR. Gegenüber einem Kurs von 2,70 EUR entspräche dies rechnerisch einem Potenzial von rund 215 %.
OPAL Fuels – Deponiegas wird zum Energierohstoff
OPAL Fuels zeigt bereits im industriellen Maßstab, welchen Wert vermeintlicher Abfall besitzen kann. Der US-Spezialist hat am 16. September seine Gasnutzungsrechte an der Miramar-Deponie in San Diego um weitere fünf Jahre verlängert. Dort wird Methan aufgefangen, das andernfalls in die Atmosphäre gelangen könnte, und anschließend zur Stromproduktion genutzt.
Über die zusätzliche Vertragslaufzeit erwartet OPAL eine Stromproduktion von rund 400.000 MWh. Rechnerisch entspricht das dem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 6.000 US-Haushalten. Die Anlage versorgt nicht nur die Stadt San Diego, sondern unterstützt auch die Marine Corps Air Station Miramar und damit eine militärisch relevante Infrastruktur. Die Zusammenarbeit besteht bereits seit 28 Jahren.
Doch das Geschäftsmodell geht deutlich über Strom aus Deponiegas hinaus. OPAL produziert und vermarktet Renewable Natural Gas sowie komprimiertes Erdgas und baut entsprechende Tankinfrastruktur auf. Methan aus Deponien und anderen organischen Quellen wird damit vom Klimaproblem zum verwertbaren Energieträger.
Für den Schwerlastverkehr und andere schwer elektrifizierbare Anwendungen eröffnet RNG eine Alternative zu fossilem Erdgas. Zudem wird Methan aufgefangen, bevor es unkontrolliert in die Atmosphäre gelangt.
Miramar zeigt, dass solche Projekte keine theoretische Zukunftstechnologie mehr sind. OPAL verbindet bestehende Abfallinfrastruktur mit Energieproduktion und langfristigen Nutzungsrechten. Steigende Anforderungen an die Reduzierung von Methanemissionen könnten zusätzliche Projekte wirtschaftlich interessant machen – und aus immer mehr Deponien Energieanlagen werden lassen.
Was früher entsorgt wurde, entwickelt sich zum Rohstoff. Shell arbeitet daran, CO₂ und Strom in synthetisches Kerosin zu verwandeln. OPAL Fuels gewinnt Energie aus Deponiegas. A.H.T. Syngas positioniert sich dazwischen mit einer Technologie, die Biomasse und Reststoffe in Synthesegas umwandelt. Gelingt zusätzlich der Ausbau des Contracting-Geschäfts, könnte aus dem kleinen Anlagenbauer zunehmend ein Energielieferant mit wiederkehrenden Erlösen werden.
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