30.10.2026 | 05:45
Wenn sich die Börse irrt: Schott Pharma rehabilitiert, Lahontan Gold und Instone sind die nächsten Kandidaten
Die Börse urteilt schnell und oft pauschal. Gerät ein Unternehmen in Schwierigkeiten, stehen die Wettbewerber gleich mit unter Verdacht. Schott Pharma hat das bereits hinter sich und den Irrtum mit starken Zahlen widerlegt. Der Kurs ist wieder auf dem Weg nach oben. Bei Lahontan Gold und Instone Real Estate steht die Erholung noch aus. Der Goldexplorer aus Kanada wird zusammen mit den großen Produzenten abgestraft, der Immobilienentwickler mit den Berliner Vermietern. Die Fakten sprechen in beiden Fällen eine andere Sprache. Das Kurspotenzial ist beachtlich.
Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: Lahontan Gold Corp | CA50732M1014 , SCHOTT PHARMA AG & CO KGAA | DE000A3ENQ51 , Instone Real Estate Group SE | DE000A2NBX80
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Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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Schott Pharma: Zu Unrecht in Sippenhaft
An der Börse haftet man oft für die Fehler anderer. Die Aktionäre von Schott Pharma können ein Lied davon singen. Beim Wettbewerber Gerresheimer kamen vor Jahresfrist falsch verbuchte Umsätze ans Licht, die Finanzaufsicht BaFin schaltete sich ein. Es folgten Gewinnwarnungen in Serie und rote Zahlen. Bis Ende Februar dieses Jahres fiel die Gerresheimer-Aktie von einstmals über 120 EUR auf ein 15-Jahres-Tief von unter 15 EUR. Fast zeitgleich markierte Schott Pharma im März mit 12,62 EUR das Allzeittief. Zwar hatte der Hersteller von Medikamentenverpackungen selbst enttäuscht, weil ein Großkunde weniger Glasspritzen abnahm als erwartet. Von einem Skandal war das Mainzer Unternehmen jedoch weit entfernt.
Die jüngsten Zahlen kamen einem Freispruch aus der Sippenhaft gleich. Im Juli einigte sich Schott Pharma mit dem Großkunden und hob die Prognose an. Für das soeben abgelaufene Geschäftsjahr 2025/26 werden nun währungsbereinigt 5 bis 6 % Wachstum erwartet, damit fällt erstmals die Marke von 1 Mrd. EUR Umsatz. Im dritten Quartal waren die Erlöse sogar um 8,3 % gestiegen, Analysten hatten lediglich mit 3,5 % gerechnet. Vorstandschef Christian Mias verweist auf den „anhaltend hohen Bedarf an vorfüllbaren Glasspritzen für GLP-1-Medikamente“, das sind vor allem Abnehm- und Diabetesmittel. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 70 % gewonnen und kostet nun 25,25 EUR. Der Irrtum ist damit weitgehend korrigiert. Die Kursziele der meisten Analysten liegen bei 27 EUR. Mit dem für den 10. Dezember angekündigten Geschäftsbericht wird sich zeigen, ob die Experten dem SDAX-Konzern wieder mehr zutrauen und die Ziele in Richtung der einstigen Höchststände bei mehr als 40 EUR erhöhen.
Lahontan: Mit dem Goldpreis abgestraft
Was für Schott Pharma der Konkurrent war, ist für Lahontan Gold der Preis des Edelmetalls. Als dessen Notierungen zuletzt auf nur noch etwas mehr als 4.000 USD pro Unze nachgaben, fielen die Kurse großer Produzenten wie Barrick Mining und Newmont – und die der kleinen Explorer gleich mit. Bei den Branchenriesen schlägt jede Preisänderung direkt auf den Gewinn durch. Für Lahontan hingegen sind andere Faktoren entscheidend, allen voran, wann die Santa-Fe-Mine in Nevada wieder in Betrieb geht. Das kanadische Unternehmen plant die Wiedereröffnung, weil die damalige Auslaugungstechnik nur rund 70 % des Goldes aus dem Erz lösen konnte. Zwischen 1988 und 1995 lieferte Santa Fe rund 359.000 Unzen Gold und 702.000 Unzen Silber, ein erheblicher Teil des Werts blieb jedoch ungehoben.
Inzwischen lassen sich deutlich höhere Gewinnungsraten erzielen. In offen herumliegendem Gestein, das vor 30 Jahren als Abfall galt, stecken allein 200.000 Unzen Goldäquivalent, die mit moderner Technik kostengünstig gewonnen werden können. Das entspricht einem rechnerischen Umsatzpotenzial von 800 Mio. USD, weit mehr als der Börsenwert von umgerechnet etwa 90 Mio. USD. Bohrungen auf einer der historischen Halden ergaben im September 2,72 g Gold je Tonne über 16,5 m – Material, das in der jüngsten Wirtschaftlichkeitsstudie noch gar nicht berücksichtigt ist. Diese vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie für das Santa-Fe-Projekt, im Fachjargon Preliminary Economic Assessment (PEA) genannt, liegt seit Mitte Oktober vor. Insgesamt umfassen die Ressourcen demnach 2,39 Mio. Unzen Goldäquivalent mit einem rechnerischen Wert von fast 10 Mrd. USD, mehr als das 100-Fache der Börsenkapitalisierung von Lahontan. Interessant ist in diesem Zusammenhang das jüngste Interview von IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk mit Lahontan-Chefin Kimberly Ann:
Geplant sind zunächst elf Betriebsjahre mit einer Förderung von durchschnittlich rund 92.000 Unzen Goldäquivalent. Bei einem konservativ angesetzten Goldpreis von 3.600 USD je Unze errechnet die Studie einen Kapitalwert nach Steuern von 820 Mio. USD, mehr als das Vierzehnfache der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2024. Ein möglicher Grund, warum die Aktie noch nicht angesprungen ist: die Anfangsinvestition von 172 Mio. USD inklusive 20 % Reserve. Vorstandschefin Kimberly Ann verhandelt aktuell mit möglichen Kreditgebern, denn nur rund 20 % davon sollen über Eigenkapital finanziert werden. Die Verwässerung der Aktionäre durch weitere Kapitalmaßnahmen dürfte sich demnach in Grenzen halten. Mit der Entwicklung vermeintlich unbedeutender Vorkommen betreten Ann und Chefgeologe Brian Maher keineswegs Neuland. 2010 hatte das Duo Prodigy Gold zum Erfolg geführt und 26 Monate später an Argonaut Gold verkauft. Beste Kontakte zu Geldgebern und das notwendige geologische Know-how sind vorhanden. Eine Finanzierungszusage könnte daher der wichtigste Kurstreiber für die Aktie werden, die aktuell bei 0,28 CAD notiert (an deutschen Handelsplätzen 0,18 EUR).
Die Umweltstudien sind abgeschlossen, die Baugenehmigungen erwartet Lahontan für 2027. Spätestens Anfang 2028 wollen Ann und Maher die ersten selbst gegossenen Barren in den Händen halten. Sollte der Goldpreis bis dahin fallen, bliebe das Projekt dennoch profitabel: Die Wirtschaftlichkeitsstudie beziffert die Gesamtkosten je Unze auf 2.250 USD. Selbst bei einem Goldpreis von 3.000 USD ergäbe sich ein Kapitalwert von 476 Mio. USD – mehr als das Fünffache der aktuellen Börsenkapitalisierung. Wie man es dreht und wendet: Diese Aktie ist eines der krassesten Beispiele für eine Fehlbewertung. Und Santa Fe ist nur eines von vier Projekten im Lahontan-Portfolio. Die Übernahme von Emergent Metals soll das Nachbarprojekt West Santa Fe sichern und die Zahlung von Lizenzgebühren vermeiden, wenn dort einmal gefördert wird. Die Zustimmungen stehen noch aus. Wenn sie vorliegen, könnte auch das zum Auslöser für die Trendwende nach oben werden.
Instone: Ein Entwickler ist kein Vermieter
Ein weiterer Fall von Börsenirrtum ist Instone Real Estate. Das Unternehmen büßt für eine Branche, zu der es nur bedingt gehört. Seit der Berlin-Wahl am 20. September lastet die Enteignungsdebatte auf Immobilienwerten. Die Linke wurde mit 25,7 % stärkste Kraft und will Eigentümer von mehr als 3.000 Wohnungen vergesellschaften, was Vermieter wie Vonovia träfe. Instone baut dagegen Wohnungen und verkauft sie an Kapitalanleger, Eigennutzer und institutionelle Investoren. Einen eigenen Mietbestand gibt es nicht. Trotzdem notiert die Aktie mit 5,68 EUR nahe am Jahrestief. Die irische Fondsgesellschaft Helikon nutzte die Schwäche und stockte ihren Anteil im Oktober von unter 4 % auf knapp 11 % auf.
Ganz unschuldig ist Instone am Kursrutsch allerdings nicht. Im ersten Halbjahr sank der Gewinn nach Steuern von 17,2 Mio. auf 1,3 Mio. EUR. Der Vorstand peilt nur noch den unteren Rand der Jahresprognose an, das wären Verkäufe von 650 Mio. EUR und ein bereinigter Gewinn von 35 Mio. EUR. Dafür muss das Schlussquartal liefern, institutionelle Verkäufe über rund 150 Mio. EUR waren im August weit gediehen. Die Basis ist solide: Die frei verfügbaren Barmittel belaufen sich auf rund 260 Mio. EUR, von den Projekten im Bau sind 87 % verkauft. Der Markt zeige sich „durchaus widerstandsfähig“, sagt Vorstandschef Kruno Crepulja. Belastet wird die Nachfrage allerdings auch durch die Zinserhöhungen der EZB, die Finanzierungen für Immobilienkäufer verteuern. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel von rund 12,40 EUR, mehr als das Doppelte der aktuellen Notiz, basiert allerdings auf älteren Studien. Das aktuellste Kursziel stammt von der Deutschen Bank und liegt bei 8,00 EUR – das bedeutet immerhin auch 40 % Aufwärtspotenzial. Die Quartalszahlen am 5. November werden zeigen, wohin die Reise geht.
Das Urteil der Börse ist nicht endgültig
Schott Pharma zeigt, wie schnell sich ein Pauschalurteil drehen kann, wenn die Zahlen stimmen. Bei Lahontan Gold und Instone steht dieser Moment noch aus. Entscheiden werden weder der Goldpreis noch die Koalitionsverhandlungen in Berlin, sondern die Umsetzung: bei Lahontan Finanzierung, Genehmigungen und weitere Bohrergebnisse, bei Instone die Verkäufe im Schlussquartal. Beide Aktien sind spekulativ, das Kurspotenzial ist jedoch enorm.
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