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08.10.2026 | 05:00

Wolfram-Versorgungskrise: Wie Almonty die Rüstungslieferketten neu ordnet – Rheinmetall braucht verlässliche Quellen, Tungsten West bekommt Förderung

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Bildquelle: Nano Banana KI

Vorgaben des US-Verteidigungsministeriums zwingen die westliche Industrie bei kritischen Rohstoffen zum Umdenken: Ab Januar 2027 untersagen die US-Beschaffungsvorschriften den Einsatz von Wolfram chinesischen Ursprungs in Wolframpulvern, Schwerlegierungen und daraus gefertigten Rüstungskomponenten und verlangen den lückenlosen Herkunftsnachweis bis zur Förderstätte. China kontrolliert laut US Geological Survey rund 80 % der weltweiten Minenproduktion und ist durch Exportkontrollen zuletzt bei Wolframmetall und -erz sogar zum Nettoimporteur geworden. Damit steht die Rüstungsbranche vor einem akuten Versorgungsengpass. Produzenten außerhalb Chinas setzen alles daran, die Lieferketten für westliche Abnehmer dauerhaft abzusichern. Als führendes Wolfram-Unternehmen punktet vor allem Almonty mit aussichtsreichen Projekten und einer vollen Pipeline.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | NASDAQ: ALM , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , TUNGSTEN WEST PLC | GB00BP6QM557

Inhaltsverzeichnis:


    Rheinmetalls Munitionsproduktion ist auf verlässliche Rohstoffquellen angewiesen

    Der Rüstungskonzern Rheinmetall benötigt Wolfram für die Produktion von kinetischen Wuchtgeschossen und moderner panzerbrechender Munition. Die Durchschlagskraft der 120-Millimeter-Kanonen, wie sie in den Kampfpanzern Leopard 2 oder M1 Abrams zum Einsatz kommen, basiert maßgeblich auf Wolframschwerlegierungen mit extrem hoher Dichte. Ein einziges Geschoss des Typs APFSDS-T enthält mehrere Kilogramm einer solchen Legierung. Laut S&P Global dürfte die weltweite Wolframnachfrage allein zwischen 2026 und 2030 um rund 10 % zulegen. Ein Ende der Lieferungen aus Asien könnte die westliche Rüstungsarchitektur auch im fünften Jahr des Ukrainekriegs empfindlich treffen.

    Tungsten West: Milliardenabnahme und Staatshilfe in England

    In Europa reaktiviert Tungsten West mit Hemerdon in der englischen Grafschaft Devon eine Wolframmine. Laut Entwicklungsplan soll die Anlage im Betrieb durchschnittlich rund 330.000 MTU pro Jahr liefern. Eine MTU (metrische Tonneneinheit) entspricht 10 kg Wolframtrioxid. Das britische Projekt erhält umfangreiche staatliche und privatwirtschaftliche Unterstützung, um den operativen Hochlauf abzusichern: Allein der staatliche National Wealth Fund investiert bis zu 71 Mio. GBP. Der US-Verarbeiter Elmet Technologies, der selbst mit 450 Mio. USD vom US-Verteidigungsministerium gestützt wird, hat sich in einem Achtjahresvertrag 1.000 t Wolframtrioxid pro Jahr gesichert. Zu aktuellen Preisen ist der Vertrag mehr als 1,4 Mrd. GBP wert. Das Unternehmen nutzt sensorgestützte Sortieranlagen, um seine Erze mit geringen Gehalten so effizient wie möglich aufzubereiten. Tungsten West visiert die vollständige kommerzielle Auslastung für das Jahr 2027 an. Lokale Umweltauflagen erfordern jedoch kontinuierliche Investitionen in die Prozessoptimierung und den Aufbau eines Rekultivierungsfonds. Noch ist Tungsten West nicht am Ziel.

    Almonty: Produktionsstart und Skalierung in Sangdong

    Weiter ist Almonty Industries. Das in den USA ansässige Wolframunternehmen verfügt mit Panasqueira und Sangdong über zwei produzierende Minen sowie weitere Projekte, die kurz- und mittelfristig liefern können. Die Sangdong-Mine wurde bis Anfang der 1990er-Jahre von Korea Tungsten betrieben. Mit Gehalten von 0,45 % (Reserven) bis 0,51 % WO3 (gemessene und angezeigte Ressourcen) zählt sie heute zu den weltweit hochgradigsten Wolfram-Lagerstätten. Almonty kommuniziert eine Minenlebensdauer von mehr als 45 Jahren, interne Studien sehen Potenzial für deutlich mehr. Das Unternehmen schloss die Konstruktion der ersten Phase nach weitreichenden Investitionen erfolgreich ab und füllte im September die ersten Konzentrate für den Export ab. In der Phase I durchlaufen jährlich 640.000 t Erz die Aufbereitungsanlagen, bevor ab dem Jahr 2027 durch die Phase II eine Verdopplung auf 1,2 Mio. t Erz ansteht. Nach Abschluss der Phase II soll Sangdong jährlich rund 460.000 MTU produzieren und damit einen signifikanten Teil des westlichen Marktbedarfs abdecken.

    Die Aktie von Almonty hat seit ihrem Hoch im April deutlich nachgegeben – bietet das jetzt Chancen?

    Um die Einnahmen dieser riesigen Mine langfristig zu sichern, unterzeichnete das Unternehmen einen Liefervertrag mit dem US-Pulverhersteller Global Tungsten & Powders aus der österreichischen Plansee-Gruppe. Dieser Vertrag bindet über einen Zeitraum von 21 Jahren rund 90 % der Produktionsmenge aus der ersten Ausbaustufe an den Abnehmer in Pennsylvania. Ein garantierter Mindestpreis von 235 USD je MTU schützt Almonty vor Marktschwankungen und sichert signifikante Basisumsätze. Gleichzeitig belässt das Management die Mengen aus der kommenden Phase II bewusst ungebunden. Dadurch kann das Unternehmen künftig stärker von Preissteigerungen an den Spotmärkten profitieren, trägt aber auch das Preisrisiko. Bei vielen anderen Wolfram-Unternehmen steigt der Staat als Investor ein. Almonty finanziert sein Wachstum dagegen bislang vor allem über private Investoren am Kapitalmarkt.

    Almonty treibt Projekte auf mehreren Kontinenten voran

    Inzwischen ist Almonty weit über Korea hinaus aktiv. In Portugal soll die Traditionsmine Panasqueira mit der Erschließung von Level 4 künftig bis zu 124.000 MTU pro Jahr liefern, derzeit läuft dafür ein Bohrprogramm. Parallel entwickelt das Unternehmen in Sangdong den Abbau eines tiefer liegenden Molybdänvorkommens. Der südkoreanische Stahlkonzern SeAH M&S verpflichtete sich bereits, die gesamte Molybdänproduktion über die gesamte Minenlebensdauer zu einem Mindestpreis von 19,00 USD pro Pfund abzunehmen. Mit der Übernahme des Gentung-Browns-Lake-Projekts im US-Bundesstaat Montana im November 2025 sicherte sich Almonty zudem das erste relevante Wolfram-Asset auf US-amerikanischem Boden.
    Im September kamen zwei weitere Projekte hinzu. Das erste ist ein Joint Venture mit der Regierung Ruandas, das Wolframerz und Rückstände lokaler Produzenten sammeln, aufbereiten und exportieren sowie neue Vorkommen erkunden soll. Das zweite ist ein mehrjähriger Abnahmevertrag mit der Wolfram Bergbau und Hütten AG, einer Tochter des schwedischen Industriekonzerns Sandvik. Almonty bereitet dafür mit eigener Technologie die Aufbereitungsrückstände (Tailings) seiner stillgelegten Los-Santos-Mine in Spanien auf und liefert mindestens rund 1.720 t Wolframtrioxid. Perspektivisch könnte das Verfahren auch in anderen Regionen Europas zum Einsatz kommen und wertvolles Wolfram sichern. Diese weitreichenden Pläne finanzierte Almonty im Juni unter anderem über eine überzeichnete Wandelanleihe im Wert von 800 Mio. USD. Deren Zinssatz: schlanke 2,25 %.

    Almonty: Katalysatoren, neues Rating und Restrisiken

    Die Analysten von Stifel haben die Bewertung von Almonty Ende September mit einem klaren „Buy“-Rating und einem Kursziel von 25,00 USD aufgenommen. Die US-Analysten untermauern ihre Argumentation mit dem strukturellen Wandel des globalen Wolframmarktes, der durch Chinas strikte Exportkontrollen und interne Minenbeschränkungen massiv verknappt wird. Diese restriktive Politik ließ die Wolframpreise seit Anfang 2025 um rund 775 % steigen. Analysen von S&P Global weisen zudem darauf hin, dass außerhalb Chinas ungeachtet der neuen Projekte bis 2030 ein ungedecktes Förderdefizit von rund 16.000 t Wolframtrioxid bestehen bleibt. Zu den Risiken zählen mögliche operative Verzögerungen beim Ramp-up, schwankende Erzgehalte, die Kundenkonzentration sowie Fremdwährungseffekte. Die Rahmenbedingungen für Almonty, das schon heute produziert und im großen Stil Kapazitäten ausweitet, sind einzigartig. Die Aktie bleibt eine spannende Option.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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    Echte Weltmarktführer dominieren und kontrollieren ihr Geschäft und halten sich die Konkurrenz vom Leib. Manchmal sind die hohen Marktanteile Folge einer einzigartigen Technologie wie bei ASML. Oder sie sind Folge eines jahrelangen Aufbaus eines Geschäfts, um zu einem wichtigen Player zu werden, wie beispielsweise bei Almonty Industries und Albemarle. Doch auch diese Unternehmen bzw. ihre Aktien litten im Laufe des Sommers unter der hohen Unsicherheit an den Aktienmärkten. Von einstigen Rekordpreisen sind sie derzeit ein gutes Stück entfernt. Für strategisch orientierte Investoren bieten sich dadurch Chancen. Wir blicken heute deshalb auf die Papiere von ASML, Albemarle und Almonty Industries.

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