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15.02.2022 | 05:10

Delivery Hero, dynaCert, KWS Saat – Gefallene Engel

  • Märkte
  • Wasserstoff
Bildquelle: pixabay.com

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock von den Grünen hält die Lage in der Ukraine-Krise für „absolut brenzlig". Bislang sehe sie aber „keine Anzeichen, dass die kriegerische Auseinandersetzung schon beschlossene Sache ist", sagte Baerbock in den ARD-Tagesthemen. Mehr als brenzlig ist auch die aktuelle Situation beim Essenslieferanten Delivery Hero. Nachdem der DAX-Neuling, der anstelle von Wirecard in den deutschen Leitindex aufgenommen wurde rund 40% an Börsenwert verlor, könnte dieser schnell wieder in die zweite Reihe zurückfallen.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: DYNACERT INC. | CA26780A1084 , DELIVERY HERO SE NA O.N. | DE000A2E4K43 , KWS SAAT KGAA INH O.N. | DE0007074007

Inhaltsverzeichnis:


    Delivery Hero wird zum 'Fallen Angel'

    Einmal mehr kippt eine Aktie, die aufgrund der Corona-Pandemie zu den Börsensternchen gehörte. So reiht sich der Essensdienst Delivery Hero nahtlos in die Reihe der gefallenen Profiteure wie Netflix, TeamViewer oder Peloton ein. Das Fass zum Überlaufen brachten die enttäuschenden Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr sowie der Ausblick für das laufende Jahr 2022. Zwar übertrafen die Berliner die Wachstumsziele für das vergangene Jahr mit einer Gewinnmarge von -2,2%, im Verhältnis zum Umsatz und einem ausgewiesenen Verlust in Höhe von 781 Mio. EUR ist dieser Preis für Analysten und Anleger jedoch zu teuer erkauft. Auch für das laufende Jahr sind weitere horrende Millionenverluste prognostiziert.

    Nach einem dramatischen Kursverlust von insgesamt über 40% ermittelt nun die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Prüfung umfasse routinemäßig "auch mögliche Verstöße gegen Transparenzpflichten", heißt es aus der Aufsichtsbehörde. Das teilte eine Sprecherin der Bafin der "Wirtschaftswoche" mit. Zudem droht mit einer Marktkapitalisierung von knapp über 10 Mrd. EUR der Abstieg in den MDAX. Als Nachrücker stünde bereits Daimler Truck bereit. Das Unternehmen kam erst Mitte Dezember nach der Abspaltung des Daimler-Konzerns an die Börse. Die Zusammensetzung des DAX wird regulär zu festgelegten Terminen überprüft, der nächste ist am 3. März.

    dynaCERT – weiter im Abwärtstrend

    Zwar ging der Abverkauf des kanadischen Unternehmens nicht wie bei Delivery Hero innerhalb zweier Handelstage vonstatten, dies dürfte den besorgten Anlegern jedoch mehr als gleich sein. Seit Februar des vergangenen Jahres ging es für die Kanadier, die Technologien zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes produzieren und vertreiben, über 60% nach unten. Die Gründe für den Absturz liegen jedoch weniger in der Qualität der Technologie, sondern vielmehr am fehlenden Durchbruch hin zur Kommerzialisierung und zum Massenmarkt.

    Über 17 Jahre ist dynaCERT dabei, die global agierende und patentierte Carbon Emission Reduction Technology zu entwickeln und schließlich zu vertreiben. Diese setzt bei der Reduzierung von Emissionen und der Verbesserung der Kraftstoffeffizienz an. Das daraus resultierende Produkt Hydragen kommt bei Verbrennungsmotoren, aktuell noch mit dem Schwerpunkt auf schwere Fahrzeuge, zum Einsatz. Hier produziert die Elektrolyseeinheit Wasser- und Sauerstoff und optimiert so die Kraftstoffverbrennung, wodurch sowohl eine Senkung des Kraftstoffverbrauchs als auch eine Reduzierung der Emissionen von bis zu 19% erreicht wird.

    Zudem wurde mit HydraLytica eine intelligente Software entwickelt, die den Verbrauch aufzeichnet und analysiert. Das eingesparte CO2 können die Fuhrparkunternehmen in entsprechende Zertifikate umwandeln und verkaufen. Dabei ist das Potenzial für die nächsten Jahre aufgrund der festgelegten CO2-Reduktionsziele mit rund 100 Mio. Fahrzeugen schier unerschöpflich. Aufgrund dessen wurde der Vertrieb auf insgesamt 38 Länder global ausgerollt. Der Börsenwert von dynaCERT liegt aktuell bei 54,10 Mio. EUR. Sollten größere Aufträge an Land gezogen werden, könnte die Aktie zu einer Rally ansetzen.

    KWS Saat – Ordentliche Ergebnisse, starker Ausblick

    Ganz anders gestaltet sich derzeit die Situation bei KWS Saat. Das Unternehmen mit Sitz in Einbeck ist weltweit der viertgrößte Saatguthersteller nach Umsatz aus landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Mit einem Umsatzanstieg in Höhe von 32% konnte das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2021/2022 erfolgreich abgeschlossen werden. Der freie Cashflow lag mit -128,50 Mio. EUR aufgrund der Zunahme des Working Capital jedoch deutlich unter dem Vorjahreswert. Vor dem Hintergrund des starken Wachstums der KWS Gruppe verzeichneten sowohl die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen als auch Vorräte einen deutlichen Anstieg.

    „Die hohen Wachstumsraten des ersten Halbjahres bestätigen unsere langfristige, auf Innovation und Sortenvielfalt ausgerichtete Unternehmensstrategie", kommentierte Eva Kienle, Finanzvorstand von KWS. "Vor dem Hintergrund der starken Geschäftsentwicklung freuen wir uns, unsere Jahresprognose bereits zur Halbzeit deutlich anheben zu können."

    Für das komplette Geschäftsjahr hebt KWS Saat die Prognose für das Umsatzwachstum auf 9% bis 11% an. Bisher lag die Schätzung zwischen 5% und 7%. Die EBIT-Marge wird weiterhin bei etwa 10% sowie bereinigt um nicht-zahlungswirksame Effekte aus Kaufpreisallokationen im Rahmen von Unternehmenserwerben in einer Bandbreite zwischen 11% und 12% erwartet. Trotz der positiven Zahlen verlor der Wert mehr als 2% und kämpft aktuell mit dem Unterstützungsbereich bei 66,00 EUR. Langfristig bietet sich hierbei jedoch ein solides Investment.


    Ein weiterer Profiteur, der Essenslieferdienst Delivery Hero, ist ins Wanken geraten und verlor neben dem Vertrauen der Aktionäre auch rund 40% seines Börsenwertes. Bei dynaCERT warten Anleger auf den Roll-out, KWS Saat konnte seine Prognosen erhöhen.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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